| GULP |
Herr Schubert, Herr Trageiser hätten
Sie vor zehn Jahren gedacht, dass GULP einmal so erfolgreich werden
würde? Wie lautet das Erfolgsrezept? |
| Trageiser: |
Es gibt kein Patentrezept für die Gründung eines erfolgreichen
Unternehmens, da spielen verschiedenste Komponenten eine Rolle - unter
anderem auch Glück. Ganz entscheidend ist jedoch die Grundidee,
und die ist bei GULP zwar naheliegend aber gut. Bei der Gründung
von GULP Mitte der 90er Jahre waren Client-Server-Systeme mit den
Vorteilen zentraler Datenhaltung im Kommen. Diesen Ansatz haben wir
übernommen. Es macht keinen Sinn, dass jedes Unternehmen mit
viel Aufwand und Kosten eine eigene Profiledatenbank betreibt und
jeder Freiberufler an verschiedensten Stellen sein Profil zu pflegen
hat. Solche Daten müssen zentral gehalten werden. |
| Schubert: |
Ehrlich gesagt, haben wir uns damals keine Gedanken gemacht, wie
groß GULP werden könnte oder was in zehn Jahren ist. Wir
hatten damals wie heute eine einfache Maxime: Wenn etwas gut und sinnvoll
ist, dann machen wir es – egal, was die Konsequenzen sind. Denn
wenn wir es nicht machen, dann macht es jemand anderes. |
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| GULP |
Was meinen Sie damit "egal was die
Konsequenzen sind"? |
| Schubert: |
Beispielsweise haben wir schon Anfang 2000 den GULP Stundensatz
Kalkulator frei geschaltet, mit dem jeder ermitteln kann, was in der
Branche so verdient wird. Das hat uns erboste Anrufe vieler zahlender
Kunden eingebracht, weil "die Freiberufler auf einmal so teuer
sind". Obwohl diese Kunden damals die ersten Einnahmen für
GULP generiert haben, nahmen wir den Stundensatz Kalkulator nicht
vom Netz, weil er Transparenz in den IT-Projektmarkt bringt. Jeder
kann ihn nutzen und das Beste für sich persönlich daraus
machen. |
| Trageiser: |
Mit der neuen Transparenz durch das Internet hatten viele alteingesessene
Unternehmen ein Problem. Schon in der Gründungszeit erhielten
wir etliche Übernahmeangebote von Personalagenturen, die GULP
wieder schließen wollten, weil sie sich im Laufe vieler Jahre
einen umfangreichen Profilepool aufgebaut hatten. Und diesen Wettbewerbsvorteil
sahen sie natürlich durch einen viel größeren Pool
im Internet schwinden. |
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| GULP |
Aber GULP gibt es noch immer... |
| Trageiser: |
Ja, weil wir unser Baby nicht einfach so verkaufen, und weil das
auch keinen Sinn gemacht hätte. Hätte jemand GULP gekauft
und geschlossen, wäre ein paar Monate später ein neuer GULP
entstanden. Die Idee lässt sich einfach nicht verhindern. |
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| GULP |
Was empfanden Sie damals als Problem bei
der Firmengründung, was lief wie am Schnürchen? |
| Schubert: |
GULP ist keine von den Internet-Hype Venture Capital finanzierten
Startup Super Bubbles, sondern eine von uns beiden finanzierte und
in den ersten zwei Jahren ohne Mitarbeiter betriebene "Keller-Firma".
Keller-Firma deshalb, weil damals der "Server" mit 28.8K
Modem und Windows 95 nicht wie bei üblichen Legenden in der Garage,
sondern in meinem Keller stand. Da wir nebenbei in einem Vollzeitjob
Geld verdienen mussten, hatten wir nur nach Feierabend und an den
Wochenenden Zeit, GULP voranzubringen. |
| Trageiser: |
Und wir mussten Spezialisten für alles sein: Programmierung,
Vertrieb, Marketing, Webdesign, Buchhaltung, Technik und so weiter.
Aber das waren keine echten Probleme, sondern eine wirklich spannende
Zeit mit vielen neuen Herausforderungen. |
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| GULP |
GULP startete 1996 als "Datenbank
für freiberufliche Software-Entwickler", wurde aber anderthalb
Jahre später in "GULP - Das Portal für IT-Projekte"
umbenannt. Warum? |
| Trageiser: |
Nun, wir haben eine Vielzahl neuer Produkte entwickelt wie den GULP
Roboter, bei dem Projektanbieter ihre offenen Positionen ausschreiben
und IT-Freiberufler sich aktiv bewerben. Meines Wissen waren wir damals
auch die erste Firma, die diese inzwischen vielfach kopierte Technologie
eingesetzt hat: Wir holen die Projektangebote von den Websites der
Unternehmen ab, sie müssen sie also nicht händisch bei uns
eintragen. Der Name "Profiledatenbank" hat einfach nicht
mehr gepasst. |
| Schubert: |
Darüber hinaus besteht unser Anspruch darin, über die
reine Projektvermittlung hinaus umfassend über den IT-Projektmarkt
zu informieren. So entstanden im Laufe der Zeit eine Vielzahl an Non-Profit
Produkten wie die GULP Knowledge Base, das Diskussionsforum, das Freiberufler
Netzwerk oder das Fachportal für Einkäufer, die den Begriff
"Portal" rechtfertigen. |
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| GULP |
Was ist die Idee beim Betrieb dieser Non-Profit
Produkte, die ja schließlich Geld kosten? Die Artikel in der
Knowledge Base zum Beispiel schreiben sich ja nicht von allein. |
| Schubert: |
Bevor ich GULP gegründet habe, war ich selbst fast zehn Jahre
IT-Freiberufler und weiß, wie mir damals diese Informationen
zu Verträgen, Stundensätzen, Versicherungen, Trends, Märkten
usw. abgegangen sind. Die Idee besteht einfach darin, dass wir bei
GULP diese Informationen zentral bündeln und damit jedem einzelnen
User viel Mühe ersparen. Also wieder das Prinzip der zentralen
Datenhaltung... |
| Trageiser: |
... wodurch GULP natürlich eine unentbehrliche Anlaufstelle
für alle im IT-Projektgeschäft ist. |
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| GULP |
Nach der Boomphase Ende der 90er Jahre
kam die große Krise in der IT. Wie haben Sie diese Zeiten erlebt?
Wie haben Sie es geschafft, trotz dieser Krise – die nicht wenigen
Mitbewerbern den Kopf gekostet hat – weiter am Markt mitzuspielen?
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| Trageiser: |
In dieser Zeit sind viele Personalagenturen – die damals
unsere Hauptkunden waren – vom Markt verschwunden oder mussten
kleinere Brötchen backen. Aufgrund der Vielzahl an Kunden hat
dies zwar keine dramatischen Konsequenzen für uns gehabt, aber
unser Wachstum wurde gebremst. Trotzdem haben wir auch in den schweren
Jahren immer ein positives Betriebsergebnis erzielt und neue Mitarbeiter
eingestellt. Dabei kam uns natürlich zugute, dass wir immer sehr
solide geplant und gewirtschaftet haben und kein Geld ausgegeben haben,
das wir nicht hatten. Also ganz anders als das typische Klischee eines
Internet-Unternehmens. |
| Schubert: |
Darüber hinaus sind in dieser Zeit Unternehmen, die bisher
Personalagenturen beauftragt hatten, direkt auf uns zugekommen, weil
auch sie Geld sparen mussten. Die IT-Krise hat also zu einer Änderung
unserer Kundenstruktur und zu einer Erweiterung unseres Geschäftsmodells
geführt. |
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| GULP |
Wie hat man sich die Erweiterung des Geschäftsmodells
vorzustellen? |
| Schubert: |
Früher haben wir die Technik zur Verfügung gestellt. Kam
ein Kunde auf uns zu, haben wir ihm den Zugang zur Datenbank frei
geschaltet und er hat selbst nach geeigneten Mitarbeitern gesucht,
sie kontaktiert, interviewt und im Erfolgsfall unter Vertrag genommen.
Das kann der Kunde heute auch noch machen, aber wenn er es wünscht,
dann nehmen wir ihm diese Aufgaben auch ganz oder teilweise ab. Neben
der Technik bieten wir jetzt auch die klassischen Services einer Personalagentur
an. Und das mit Erfolg, denn drei Viertel unseres Umsatzes kommen
aus dem Agenturgeschäft. Das heißt, GULP wählt für
den Kunden passende Kandidaten aus, schlägt sie ihm vor, kümmert
sich um Interviewtermine oder auch die Betreuung der Freiberufler
im Projekt. Damit tragen wir natürlich auch Verantwortung für
die Qualität der eingesetzten Freiberufler und der Projekte.
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| Trageiser: |
Dazu haben wir eine ganze Recruiting-Abteilung aufgebaut, die aus
Spezialisten mit jahrelanger Erfahrung in der Personalauswahl besteht.
Oder wir machen als zwischengeschaltete Instanz die Verträge
mit den Freiberuflern, wenn der Kunde sie nicht selber unter Vertrag
nehmen möchte. Jeder Kunde soll den Servicelevel bei uns bekommen,
der für ihn optimal ist. |
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| GULP |
Die Bilanz nach zehn Jahren: Drei weitere
Geschäftsstellen, über 60 Mitarbeiter, mehr als 60.000 Freiberufler-Profile,
über 2.000 Kunden und ein Umsatzplus von 110 % (31,78 Mio. Euro)
im Jahr 2005. Bekommen Sie bei soviel Geschäftsverantwortung
nicht manchmal kalte Füße und wünschen sich wieder
in Ihren "Keller" zurück? |
| Trageiser: |
Es gibt natürlich mehr Dinge zu beachten wie damals als wir
nur zu Zweit waren. Zum Beispiel die tägliche Herausforderung,
die richtigen Entscheidungen zu treffen. Immerhin sind davon über
60 Mitarbeiter abhängig. Aber es ist natürlich auch ein
gutes Gefühl zu sehen, wie das eigene Baby mittlerweile erwachsen
geworden ist. |
| Schubert: |
Früher haben wir uns zusammengesetzt, uns etwas ausgedacht
und es dann einfach umgesetzt. Das geht heute nicht mehr, denn alles
ist etwas komplizierter geworden. Aber die Größe hat natürlich
auch ihre Vorteile. Wir müssen nicht mehr alles selbst machen,
sondern haben Spezialisten, die viele Sachen viel besser können
als wir. Und eine 80-Stunden-Woche wie in den Anfangszeiten haben
wir inzwischen auch nicht mehr. |
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| GULP |
Hat GULP den IT-Projektmarkt revolutioniert? |
| Trageiser: |
Durch GULP sind die Profile der IT-Freiberufler im Internet quasi
allen Projektanbietern zugänglich. Das hat viele Veränderungen
ausgelöst. Dadurch sind Unternehmen, die heute Key Player auf
dem Markt sind, groß geworden. Andere, alteingesessene Unternehmen
sind verschwunden. Die größte Änderung sehe ich darin,
dass dadurch die Qualität der Projektmitarbeit insgesamt gestiegen
ist. Der Kunde kennt alle Freiberufler und kann sich den am besten
geeignetsten aussuchen. Der Freiberufler kennt alle offenen Positionen
und kann sein optimales Projekt finden. Wenn alle Informationen bekannt
sind, dann kann die optimale Zuordnung zwischen Ressource und Bedarf
gefunden werden, was für alle Beteiligten von Vorteil ist. |
| Schubert: |
Durch öffentliche Profile, Informationen oder Tools: GULP hat
Transparenz in den Markt gebracht. Es wird mit offenen Karten gespielt. |
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| GULP |
Worauf sind Sie heute besonders stolz?
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| Schubert: |
Auf so viele Sachen: Dass wir die richtige Idee zum richtigen Zeitpunkt
hatten, dass wir auch in schwierigen Zeiten moderat gewachsen sind
und keine Mitarbeiter entlassen mussten, dass unser Backbone - die
Datenbank - heute mehr denn je genutzt wird... |
| Trageiser: |
... dass so viele Kunden und Freiberufler auf GULP vertrauen, dass
sich unsere Kundenstruktur von Systemhäusern und KMU auf zahlreiche
multinationale Konzerne vergrößert hat, mit denen wir Rahmenverträge
vereinbart haben. Am stolzesten bin ich vielleicht auf unser gutes
Händchen bei der Personalauswahl, das uns viele engagierte GULPis
beschert hat, die maßgeblich für den Geschäftserfolg
mitverantwortlich sind. Und dass trotz der Größe von derzeit
65 Mitarbeitern die familiäre Atmosphäre ebenso geblieben
ist wie der Spaß an der Arbeit. |
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| GULP |
Und was macht Ihnen Spaß? |
| Schubert: |
Nachdem die Firma auf einem festen Fundament steht und wir gute
Mitarbeiter haben, ziehen wir uns immer mehr aus dem operativen Geschäft
zurück. Ich habe dadurch viel mehr Zeit für strategische
Dinge. Mir macht es Spaß, neue Ideen und Dienste zu entwickeln,
die dann von unseren Spezialisten umgesetzt werden. |
| Trageiser: |
Für mich ist der Reiz, mein über die Jahre erworbenes
Know-how und Wissen im Umgang mit Freiberuflern, Projektleitern, Einkäufern
und Agenturen als Multiplikator weiterzugeben. Zum Beispiel als Gastredner
auf Fachveranstaltungen und Kongressen oder bei unserer jährlich
stattfindenden Fachtagung für Einkäufer, bei der dieses
Jahr 80 strategische Einkäufer namhafter Unternehmen anwesend
waren. |
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| GULP |
Herr Schubert, Herr Trageiser herzlichen
Dank für das informative Gespräch und viel Erfolg für
die nächsten zehn Jahre. |