| GULP |
Frau Haese, als IT-Freiberuflerin sind
Sie eher eine seltene "Spezies" in der Branche. Nur rund
sechs Prozent der bei GULP registrierten IT-Experten sind weiblich.
Was ist Ihrer Meinung nach der Grund dafür? |
| Haese: |
Der Hauptgrund für den geringen Anteil der Freiberuflerinnen
bei GULP ist sicherlich der Anteil der weiblichen IT-Expertinnen.
Es gibt einfach generell zu wenige Mädchen und Frauen, die sich
für eine Karriere in der IT entscheiden. In anderen Branchen
machen sich Frauen dagegen sehr häufig selbstständig. |
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| GULP |
Im letzten Jahr zum Beispiel nahmen gerade
einmal 5.185 Frauen ein Informatikstudium auf. Das entspricht einem
Anteil von rund 18 Prozent. Wie könnte man mehr Mädchen
und Frauen für die IT begeistern? |
| Haese: |
Eine schwierige Frage. Es gibt ja schon Programme wie z.B. Girls
Day, um mehr Mädchen für IT-Berufe zu gewinnen. Sicherlich
erwächst eine Begeisterung für die IT auch aus einer Faulheit
und Abneigung gegen viele manuelle und stupide Tätigkeiten und
einer Liebe zur Automatisierung. Begeisterung erwacht auch oft bei
dem eigentlichen Arbeiten in der IT und durch Persönlichkeiten,
die eine Liebe zu einem Gebiet vermitteln können. |
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| GULP |
Warum haben Sie sich für die IT-Branche
und später dann auch für die Freiberuflichkeit entschieden? |
| Haese: |
>> Es war immer mein Traum,
eine Firma zu gründen. << |
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Eine Antwort auf die Frage, warum man sich einmal für etwas entschieden
hat, entspricht im Rückblick oft nicht mehr den eigentlichen
Gründen. Man hat in der Zwischenzeit so viele Erfahrungen gemacht,
die dann auch in diese Aussage hineinfließen. Sicherlich hatten
meine Eltern Einfluss auf meine Entscheidung, Elektrotechnik zu studieren.
Und auch meine Mutter als Geschäftsführerin eines Export-
Import Geschäfts war immer mein Vorbild. Mitten in die IT bin
ich nur dadurch gekommen, dass ich im Bereich Bildverarbeitung die
Algorithmen, u.a. Neuronale Netze, selbst programmiert habe. Die Entwicklung
des Data Mining hat mich schließlich in den Bereich Business
Intelligence gezogen und da ich engagiert und neugierig bin, habe
ich auch die Architekturen und Modellierungstechniken im Data Warehouse
gelernt. Der Wechsel in die Freiberuflichkeit vor über drei Jahren
hatte verschiedene Gründe. Zum einen war es immer mein Traum,
einmal eine Firma zu gründen. Zum anderen engagiere ich mich
durch meine Selbstständigkeit für unsere Gesellschaft und
insbesondere auch für die Frauen in unserer Gesellschaft. |
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| GULP |
Worin genau besteht Ihr Engagement für
die Gesellschaft und hier insbesondere für Ihre Geschlechtsgenossinnen? |
| Haese: |
Ich zeige einfach praktisch, dass Frauen ebenso engagiert und gut
arbeiten wie Männer und gebe damit den Kollegen die Chance, diese
Erfahrung zu machen. Sie müssen dann nicht glauben, was die Statistik
sagt oder die Presse berichtet. Darüber hinaus vermittle ich
im täglichen Umgang und durch meine Persönlichkeit auch,
dass ich gerne in und für unser Land arbeite. Schließlich
- vielleicht sollte ich das auch noch erwähnen - habe ich im
Jahr 2001 die noch kleine Brigitte Berkenhoff Stiftung gegründet.
Ziel dieser Stiftung ist es, die berufliche und gesellschaftliche
Gleichberechtigung von Männern und Frauen zu fördern, dort
wo sie noch Nachholbedarf hat. Ich sehe beides, meinen Beruf und meine
ehrenamtliche Arbeit für die Stiftung, als eine Investition in
unsere Gesellschaft. |
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| GULP |
Welche Aufgaben und Projekte übernehmen
Sie als Freiberuflerin heute schwerpunktmäßig? |
| Haese: |
Mein Schwerpunkt liegt heute in der Projektleitung und Konzeption
von Projekten im Bereich Business Intelligence und Kennzahlensysteme
und in der Beratung zu Strategieentwicklung und Data Mining. Mein
Branchenschwerpunkt liegt in der Telekommunikation- und der Automobilbranche,
wobei ich gerade den Schwerpunkt Banken, Finanzen und Versicherungen
aufbaue. |
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| GULP |
Wie war Ihre Auslastung in den ersten
Jahren der Freiberuflichkeit? |
| Haese: |
>> Es hat etwa drei Jahre
gedauert bis ich mich bekannt gemacht hatte. <<
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Den Ausstieg aus der Festanstellung hatte ich nicht richtig geplant
und war eher unvorbereitet. Ich hatte wenige Kontakte. Die Projekte,
die ich in der Anfangszeit bekam, hatten nur eine sehr kurze Laufzeit
von ein bis zwei Monaten. Und nicht immer hatte ich nach Abschluss
eines Projektes auch gleich wieder ein neues an der Hand. Es hat etwa
drei Jahre gedauert bis ich mich bekannt gemacht hatte. Dabei haben
mir Kunden und auch Kollegen sehr geholfen. |
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| GULP |
Das heißt, dass Sie erst seit diesem
Jahr mit Ihrer Projektauslastung so richtig zufrieden sind? |
| Haese: |
Wie alle Freiberufler profitiere auch ich von dem leichten Aufschwung
und musste auch schon ab und zu mal einen Auftrag absagen. Meine derzeitige
Aufgabe als Interims IT-Director und Sanierer einer mittelständischen
IT-Firma geht im November in ein Coaching der Projektmanager und der
Geschäftsführung über, so dass ich dann nur 50 % ausgelastet
sein werde. |
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| GULP |
Kommt Ihnen das entgegen, weil Sie dann
mehr Freizeit haben oder suchen Sie noch ein zusätzliches Projekt?
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| Haese: |
Ich arbeite einfach sehr gerne und suche deshalb noch weitere Projekte,
die mich auslasten. |
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| GULP |
Wie kommen Sie an Ihre Aufträge? |
| Haese: |
Die meisten Aufträge bekomme ich über Agenturen wie GULP
oder eigene persönliche Kontakte. Meine Auftraggeber sind bei
längeren Projektlaufzeiten vorwiegend große international
tätige Konzerne und ebenso häufig - aber mit kürzeren
Projektlaufzeiten - auch mittelständische Unternehmen. Bestandskunden
beauftragen mich wesentlich öfter, weil diese mich und meine
Arbeit bereits sehr schätzen gelernt haben. |
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| GULP |
Sie haben seit Beginn Ihrer Freiberuflichkeit
ein GULP-Profil. Was gefällt Ihnen besonders an GULP? |
| Haese: |
An GULP schätze ich sehr, dass GULP für Freiberufler eine
Art Verbandstätigkeit übernimmt, z.B. Verträge und
Konditionen aushandelt, den Markt beobachtet. Die Vermittlungskonditionen
und Verträge von GULP sind fair. |
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| GULP |
Müssen Sie sich eigentlich als Frau
bei Ihren Kunden stärker beweisen als Ihre männlichen Kollegen?
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| Haese: |
>> Die Einschätzung
wird sicher auch vom Rollenverständnis beeinflusst.
<< |
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Das ist eine schwierige Frage. Ich denke, man traut Frauen durchaus
sogar noch bessere und qualitative hochwertigere technische Leistungen
und Ergebnisse zu als Männern. Und es ist selbstverständlich,
dass wir Frauen uns auch irgendwo auf der Bewertungsskala einordnen
lassen müssen. Frau und Mann kommen dann besonders in Konfliktsituationen,
wenn sie um dieselbe Position werben. Die Einschätzung der Vorgesetzten
wird dann sicherlich auch von dem früheren Rollenverständnis
beeinflusst. Die Entwicklung zu höheren Frauenanteilen in allen
Branchen und allen Positionen braucht noch ein wenig Zeit. Diese Zeit
ist sehr wichtig, da sich hier ein ganz neues Verständnis entwickeln
muss und zwar bei allen Teilnehmern der Gesellschaft. |
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| GULP |
Gibt es Unterschiede hinsichtlich der
ausgeübten Positionen zwischen Frauen und Männern in der
IT? |
| Haese: |
Frauen sind noch immer eher seltener in den leitenden Positionen
zu finden. Aber wie schon gesagt, das wird sich ändern. Ein wichtiger
Grund ist doch bisher auch, dass Frauen sich öfter bewusst für
die Arbeit in der Familie entscheiden. |
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| GULP |
Wie bekommen Sie Beruf und Familie unter
einen Hut? |
| Haese: |
>> Jeder muss immer mal
wieder Kompromisse eingehen. << |
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Mein Ehemann und ich, wir unterstützen uns gegenseitig in unseren
Berufen. Wir sind jetzt zehn Jahre verheiratet und davon haben wir
drei Jahre in demselben Ort gearbeitet. Die anderen sieben Jahre haben
wir in einer Fernbeziehung gelebt. Wir kennen die Regeln der Kommunikation,
und jeder muss immer mal wieder Kompromisse eingehen. Auf eine gemeinsame
Familie und ein gemeinsames zu Hause müssen wir verzichten. Aber
wichtig ist nur, dass man sich einmal bewusst dafür entschieden
hat, und sich auch immer wieder an diese Entscheidung erinnert und
sie bejaht. |
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| GULP |
Zum Schluss: Welchen Tipp können
Sie all denen geben, die den Sprung in die Selbstständigkeit
noch vor sich haben? |
| Haese: |
Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass je nach Profil die Startphase
durchaus mal drei Jahre dauern kann. Dann muss man ein wenig Geduld
haben. Geduld, Stärke und eine gewisse Zielsicherheit sind überhaupt
das Wichtigste, nicht nur in der IT. |
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| GULP |
Frau Haese, vielen Dank für das nette
und interessante Gespräch! |