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Umfrage-Ergebnis:

Verspielte Projektchancen

(Oktober 2006)
 

Welches Verhalten eines IT-Freiberuflers führt dazu, dass der Projektanbieter nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten möchte, wollte GULP in der September-Umfrage von seinen Kunden wissen. Insgesamt 106 Projektanbieter gaben Auskunft, welche Verhaltensweisen bei ihnen zu einem "nein, danke" führen. Die Ergebnisse bestätigen, wie wichtig ein guter erster Eindruck im Geschäftsleben ist.

 

Was führt dazu, dass Sie nicht mehr mit einem IT-Freiberufler - trotz hervorragender Qualifikation - zusammenarbeiten (Mehrfachnennungen möglich)?
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Hält Interviewtermin nicht ein. 42%
Bietet dem Endkunden direkte Zusammenarbeit an. 36%
Ist zwischenmenschlich kompliziert. 35%
Abbruch des Projekts wegen eines attraktiveren Angebots. 31%
Erscheint nicht im Projekt. 28%
Will im Projekt den Stundensatz erhöhen. 14%
Probleme bei der Verlängerung. 3%
   
Überraschend: Der größte Fauxpas für einen Freiberufler ist nicht, das laufende Projekt einfach abzubrechen, sondern nicht zum vereinbarten Interviewtermin zu erscheinen. 42 % der Projektanbieter handeln bei einem solchen Verhalten rigoros und berücksichtigen den Kandidaten nicht mehr für zukünftige Projekte. Im Gegensatz dazu würden weitaus weniger von ihnen nicht mehr mit dem Freiberufler zusammenarbeiten, wenn dieser das laufende Projekt abbricht (31 %) oder gar nicht im Projekt (28 %) erscheint. Bei einem solchem Verhalten zeigen die Befragten also deutlich mehr Nachsicht.

Damit spielt der Interviewterminen für die Befragten offenbar eine überaus wichtige Rolle. Was vielen Selbstständigen vielleicht gar nicht so bewusst ist: Pünktlichkeit und Termineinhaltung stehen ganz oben auf der Liste der Kaufauslöser. Eine Umfrage aus dem Jahr 2005 ergab, dass für nahezu jeden Projektanbieter das Interview eine wesentliche Entscheidungshilfe für die Projektbesetzung ist. Dem Auftreten und Erscheinungsbild des Kandidaten schenken sie dabei ebenso viel Beachtung wie seiner fachlichen Qualifikation. Wer also von Anfang an einen seriösen, zuverlässigen und damit guten ersten Eindruck beim Anbieter hinterlassen möchte, sollte Interviewtermine entsprechend wichtig nehmen.

Erweist sich der externe IT-Spezialist als zwischenmenschlich zu kompliziert, dann haben 35 % Projektanbieter keine Lust, sich in weiteren Projekten mit ihm auseinander zu setzen; und das trotz fachlich hervorragender Qualifikation. Damit bewerten sie schwierige Charaktereigenschaften als ebenso unangemessen wie dem Endkunden die direkte Zusammenarbeit anzubieten. Während sich letzteres mit einem guten Geschäftsverhältnis und Kundenschutzvereinbarungen regeln lässt, dürfte mangelnde soziale Kompetenz vom Freiberufler nicht so leicht abzustellen sein. Zwar kann man soziales Verhalten lernen, dies ist jedoch ein längerer Prozess und setzt voraus, dass man sein eigenes Verhalten reflektiert, um es auch ändern zu können.

Als weitaus weniger schlimm beurteilen die Projektanbieter, wenn der IT-Spezialist im Projekt den Stundensatz erhöhen möchte oder es Probleme bei der Projektverlängerung gibt. Das ist für die wenigsten ein Grund, gleich die komplette Geschäftsbeziehung hinzuschmeißen. Offenbar haben die Projektanbieter durchaus Verständnis dafür, dass der Freiberufler versucht, finanziell noch mehr aus dem Projekt herauszuholen. Er ist ja immerhin Geschäftsmann. Vielleicht auch deshalb, weil sich dieser Punkt in einem offenen Gespräch klären lässt. Dagegen ist in den anderen Fällen eine Gesprächsbasis für den Anbieter scheinbar weniger gegeben.

Die Ergebnisse der Umfrage verdeutlichen, dass sich die Gründe für eine zukünftige Zusammenarbeit vor allem an einem zuverlässigen, fairen und offenem Umgang miteinander orientieren. Insgesamt sind die Einhaltung von Terminen und das Vorhandensein sozialer Qualifikationen für den Auftraggeber entscheidende Kriterien für den Projekteinsatz. Fehlen diese Merkmale bleiben dem Freiberufler weitere Projektchancen schnell verschlossen.

 

 

 


Kommentare zu diesem Artikel:

"Vor einiger Zeit fragte mich ein Projektanbieter nach meinen Stundensatz, ohne die Tätigkeit, Einsatzort und Position nennen zu wollen und war sehr überrascht, als ich im erklärte, dass ich ohne die Informationen keinen Stundensatz nennen kann. Die Forderungen nach einem höherem Stundensatz im Laufe des Projektes resultieren meist daraus, dass man zusätzliche (zu Beginn des Einsatzes nicht benannte) Verantwortung bzw. Aufgaben zugewiesen bekommt. So schließt man z.B. ein Vertrag als einfache Entwickler und soll danach aber die Teamleitung übernehmen oder 24-Stunden-Bereitschaft und Second-Level-Support leisten. (November 2006)"

"Einen anderen Freiberufler als Kunden auszugeben ist mir leider regelmässig passiert. Ich sollte ein Projekt fachlich unterstützen, ein Interview wurde geführt von dem sowohl mein Vermittler als auch ich einen sehr positiven Eindruck mitgenommen hatten. Zwei Tage später stellte sich heraus, dass einer der Interviewpartner selbst Freelancer war und auf Grund meiner, im Vergleich zu ihm, höherwertigen Qualifikation sich gegen mich ausgesprochen hat. Der Entscheider selbst war von mir als Person sehr angetan und hätte mich sogar gerne gleich am nächsten Tag beginnen lassen wollen. Er war jedoch nicht in der Lage mich fachlich zu beurteilen, weswegen er mit großem Bedauern dann doch einen Rückzieher machen musste - mit Rücksicht auf die bereits etablierten Teamkollegen. So etwas ist unschön,lässt sich aber nicht immer ausschließen. Daher gehe ich fortan sehr offensiv vor und frage direkt nach dem Status meiner Interviewpartner.   Dies ist ein absolutes Unding. (Oktober 2006)"

"Ich finde die Punkte interessant und eigentlich verständlich. Eine Verlängerung des Projektes als Anlass für eine Stundensatzerhöhung zu nehmen, finde ich nicht sehr korrekt. Dass der Kunde zufrieden ist, ist ersichtlich, und ich meine, dass dabei auch die Mund zu Mund Propaganda viel Wirkung haben kann. Wir sind, als Freiberufler immer bemüht, keine Ausfallzeiten zwischen den Projekten zu haben. Mit den anderen Punkten bin ich durchaus einverstanden. Das nicht Erscheinen zum Projekt ist für mich eine bodenlose Frechheit, und ich kann den Kunden daher sehr gut verstehen. Man kann doch gleich dem Vermittler sagen, dass man es nicht will. Die Praktiken der Projektvermittler ist wieder ein anderes Kapitel, über die man sich bei anderer Gelegenheit auseinandersetzen sollte. (Oktober 2006)"

"'Zwischenmenschlich kompliziert' - das ist keine Einbahnstraße. Auch einem Freiberufler kann es passieren, dass sein Auftraggeber ein 'schwerer Brocken' ist. Das kann zu Zweierlei führen: 1.) der Freiberufler wirft hin und sagt, 'mit dem will ich nichts mehr zu schaffen haben' oder 2.) der Vermittler fragt den Freiberufler, 'was haben Sie denn bei diesem Kunden angerichtet?' und der Freiberufler weiß darauf beim besten Willen keine Antwort zu geben. Ein unangenehmer Auftraggeber hat bei schwacher Konjunktur Oberwasser, ein unangenehmer Freiberufler bei starker. (Oktober 2006)"

"Interessant. (Oktober 2006)"

"Durchaus interessant. Absprachen sollten aus gegenseitigem Respekt eingehalten werden. Ein 'Nein danke' kommt für mich aber auch in Frage, wenn der Projektvermittler einen anderen Freelancer beim Kunden als Kunden ausgibt, mit dem man das tel. Interview führt. Oder überdimensionierte Rahmenverträge bevor überhaupt Kernaussagen zum Projekt mitgeteilt werden. Oder ZahlungsFRISTEN von 60 Tagen und mehr. Oder unbeantwortete Anfragen auf Projekte. Auch diese Liste ließe sich hier um einiges erweitern. (Oktober 2006)"

"Es kann nur mit einer ausführlichen Kommunikation zwischen IT-Freiberufler und Projektvermittler eine saubere und für beite Seiten positive Geschäftbeziehung vonstatten gehen. (Oktober 2006)"

"Die Liste ist eigentlich klar. Über die Wichtigkeit der einzelnen Punkte kann man diskutieren. Eine Anmerkung habe ich: Bei Projektverlängerung habe ich immer eine Erhöhung des Stundensatzes rausschlagen können. Die Verlängerung ist ja ganz klar mein Verdienst. Der Kunde zeigt, dass er mit mir zufrieden ist. (Oktober 2006)"


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