„Menschen-Cloud“ - oder einfach nur Projektarbeit?

Was ist dran an IBMs Umbauprogramm?

(Februar 2012)

 

In der Presse ist derzeit viel von einem Umbauprogramm im Deutschlandableger des US-amerikanischen IT-Konzerns IBM zu lesen, das auf den Namen „Liquid“ hört – zu Deutsch „flüssig“ oder „disponibel“. Interne Stellen sollen abgebaut werden, dafür mehr Externe flexibel und projektbezogen zum Einsatz kommen. Ein Aufschrei geht derzeit durch die deutsche Medienlandschaft – warum? Was ist dran an der „Menschen-Cloud“?

Das IBM-Projekt „Liquid“

IBM will in Deutschland interne Stellen abbauen – bis zu 8.000, heißt es in einem Artikel des Handelsblatts vom 1. Februar. Die Zeitung beruft sich dabei auf Angaben von „Mitgliedern der höchsten Führungsgremien der deutschen IBM“. Dieser Artikel ist eine der beiden Quellen für die momentane Berichterstattung – die zweite ist ein Spiegel-Bericht vom 5. Februar. Dem Spiegel liegt eigenen Angaben zufolge ein internes IBM-Papier vor, auf dem die Neuorganisation der Arbeitsstrukturen skizziert ist. Eine offizielle Stellungnahme von IBM fehlt bislang.

Parallel zum Abbau der internen Stellen sollen mehr freiberufliche Experten beschäftigt werden. Die Aufträge für Selbstständige sollen nicht nur deutschlandweit, sondern international ausgeschrieben werden – womit Freiberufler aus dem deutschsprachigen Raum in direkte Konkurrenz mit Kollegen zum Beispiel aus Osteuropa, Indien oder Afrika treten würden.

„Kundenprojekte wie etwa die Beratung bei der Modernisierung von Unternehmenssoftware“ sollen künftig „verstärkt von freien anstelle der bisher fest angestellten Mitarbeitern durchgeführt werden. IBM will solche Projekte auf Internetplattformen ausschreiben, wo sich dann auch die ehemals fest angestellten IT-Entwickler um die Jobs bewerben können“, heißt es im oben erwähnten Handelsblatt-Artikel.

Auf dieser Internetplattform „sollen sich freie Mitarbeiter aus der ganzen Welt präsentieren und nach bestimmten, von IBM entworfenen Qualitätsmerkmalen zertifiziert werden“, so Spiegel Online. Die Mitarbeiter würden nur für die jeweilige Projektdauer bei IBM beschäftigt werden. Ob die Projektarbeiter Angestellte mit befristeten Verträgen wären oder Selbstständige, die über Projektverträge ins Unternehmen kommen, geht aus dem bislang über das Projekt Bekannten noch nicht hervor.

Obwohl die Berichterstattung noch ziemlich ungenau ist und IBM selbst sich noch nicht dazu geäußert hat, herrscht Aufruhr in der Webgemeinde – und im IT-Projektmarkt. „Unsozial“ und „menschenverachtend“ findet die eine Seite das Projekt, die andere sieht Vorteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Ziel von IBM ist vermutlich nicht nur eine Reduzierung der Fixkosten und damit eine Maximierung des Gewinns, sondern eine Flexibilisierung und Globalisierung ihrer Arbeitsmodelle. Solch ein Pool an Mitarbeitern, die für Aufträge bereit stehen, ermöglicht es, die richtigen (und günstigsten) Mitarbeiter zum idealen Zeitpunkt und so lange, wie benötigt einzusetzen – egal, aus welchem Land sie kommen. Bis auf den globalen Aspekt klingt das so, als würde es dem Geschäftsmodell von Personalagenturen ähneln, bei denen Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum den passenden Mitarbeiter mit dem richtigen Know-how zum idealen Zeitpunkt und für die Dauer eines Projekteinsatzes finden. Also alles nur alter Wein in neuen Schläuchen? Wir geben einen Überblick über die Pro- und Contra-Argumente – der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Unsozial und menschenverachtend?

Zu den Gegenargumenten zählt, dass das Modell von IBM, sollte es tatsächlich so eingeführt werden, dem sozialen (oder sozialistischen) Gedanken widerspricht, dass Schwächere von den Stärkeren aufgefangen und mitgetragen werden. Keinen bezahlten Urlaub mehr, wahrscheinlich schlechtere Sozialleistungen, Weiterbildung auf eigene Kosten – das Modell lohnt sich nur für Arbeitnehmer, die mehr verdienen als ein Dauer-Angestellter. Ähnlich verhält es sich mit der Planungssicherheit: Wer nicht mehr weiß, ob er in einem Jahr noch in Lohn und Brot steht, sollte dafür entsprechend vergütet werden. Ob das so ist, daran bestehen Zweifel. Das Lohnniveau werde sinken, wird befürchtet, da über die Online-Plattform immer jemand zu finden sei, der günstiger ist oder mehr unbezahlte Überstunden macht. Die Motivation der Arbeitnehmer sinkt in Folge, da sind sich die Kritiker einig. Wer austauschbar ist, nicht mehr über einen sicheren Job verfügt und sich als Kostenfaktor fühlt, dem fehlen Ansporn und Spaß an der Arbeit.

Ein Problem wäre auch die Auswahl der Kandidaten – ist das geplante Bewertungsmodell funktionsfähig und ausreichend? Projektarbeiter können bei „Liquid“ von IBM Zeugnisse und Bewertungen bekommen, die auch andere Unternehmen einsehen können, so die Medienberichte. Aber Menschen öffentlich einsehbar zu bewerten – das dürfte schwer umzusetzen sein. Kann der Arbeitgeber die Bewertungen, die er abgibt, dazu missbrauchen, um den Arbeitnehmer unter Druck zu setzen? Und wie sieht es überhaupt mit dem Datenschutz aus? Viel eher braucht ein Arbeitnehmer wohl Erfahrung und Referenzprojekte, um an spannende und gut bezahlte Projekte zu kommen – wie es bei IT-Freiberuflern bereits üblich ist.

Diese Argumente erinnern etwas an Diskussionen in der Frühzeit des IT-Projektmarkts – damals, 1996, als gerade die ersten Skill-Profile von Freiberuflern online gestellt wurden. Im IT-/Engineering-Projektmarkt ist es vor allem die Erfahrung, die zählt. Referenzprojekte machen ein Skill-Profil aussagekräftig.

IT-Projektmarkt: Freiberufler sind aus freien Stücken Freiberufler

Das Arbeitsmodell der projektbezogenen Einsätze ist wahrlich kein unbekanntes. Projektteams aus Internen und Externen arbeiten in fast allen Unternehmen bereits heute erfolgreich zusammen: Angestellte kennen das Unternehmen, die Tools und die Prozesse – und Selbstständige bringen Spezialwissen mit, das im Unternehmen nicht vorhanden ist. Also alles keine Revolution.

Der größte Unterschied dürfte allerdings sein, dass Freiberufler in IT und Engineering in der Regel gerne und aus freien Stücken selbst Unternehmer sind. Sie würden auch eine Festanstellung finden, wenn sie möchten – wollen sie aber nicht. Ob bei IBM dagegen die entlassenen Angestellten zu Projektarbeitern werden möchten, ist die Frage. Vielleicht wechseln sie zu einem der Konkurrenten, der ihnen das Arbeitsmodell bieten kann, das ihnen gefällt: die Festanstellung. Oder sie satteln auf ein Erwerbsmodell um, das ihnen volle Freiheit und Flexibilität bei angemessener Entlohnung bietet: Sie werden Freiberufler und treten nicht nur IBM, sondern allen Unternehmen als professioneller Geschäftspartner entgegen. In diesem Fall müsste die Anzahl der IT-Freiberufler in Deutschland steigen.

Steigen Motivation, Qualität und Gehalt?

Befürworter des IBM-Projekts sind der Meinung, dass die Motivation der Arbeitnehmer steigt – und damit auch die Qualität und Menge der erledigten Arbeit. Wer sich nicht auf einem unbefristeten Vertrag ausruhen kann, muss sich in jedem Projekt neu beweisen. Der Arbeitnehmer kann selbstbestimmter arbeiten und zum Beispiel in mehreren verschiedenen Projekten gleichzeitig tätig werden. Zeitfressende Organisations- und Verwaltungsaufgaben kann er an geringer Qualifizierte weiterreichen. Im Normalfall bekommt er für seinen hohen Einsatz und für die neuen Risiken, die er tragen muss, ein höheres Gehalt als vorher. Ein Spezialist, der nur projektbezogen im Unternehmen ist, ist nicht mehr in die Grabenkämpfe oder politischen Spielereien eingebunden und kann sich auf das Wesentliche konzentrieren. Warum nicht einzelne Dienstleister beschäftigen, die jeweils auf einen speziellen Arbeitsschritt oder Teil eines Produkts, z.B. einer Software, spezialisiert sind – und sich nicht um das große Ganze kümmern müssen? Kurz: Die Projektarbeiter hätten die Vorteile eines Freiberufler-Daseins.

Für alle Selbstständigen könnte das Modell von IBM ohnehin nützlich sein – schließlich würden sie alle Projekte des IT-Konzerns auf einen Blick sehen und könnten sich darauf bewerben. Angesichts der Tatsache, dass die meisten Großunternehmen nicht direkt mit Selbstständigen, sondern mit einem ausgewählten Kreis an Vermittlern zusammenarbeiten, wäre das tatsächlich eine Revolution. Vor allem dann, wenn andere IT-Firmen nachziehen würden. Aber wollen Selbstständige sämtliche Webseiten verschiedener IT-Unternehmen durchsuchen? Oder sich doch lieber in Form von Projektanfragen ansprechen lassen? So oder so ändert sich für IT-Freiberufler durch „Liquid“ nicht viel - sie kennen das Arbeitsmodell längst.

Alles in allem zeigt sich: Große Teile aus der Diskussion um IBMs Menschen-Cloud sind nichts anderes als Argumente in der Diskussion um die Vor- und Nachteile der Freiberuflichkeit. Der Faktor, der den Unterschied macht, heißt Freiwilligkeit. Ob dieser Aspekt in IBMs „Liquid“ berücksichtigt wird, ist noch nicht definitiv sicher. Solange sollte man mit einem endgültigen Urteil noch warten. Was ist Ihre Meinung zu „Liquid“?

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Kommentare zu diesem Artikel:

"Der soziale Gedanke ist kein sozialistischer Gedanke. Es gab und gibt immer noch viele Unternehmen in Deutschland, die sich ihrer sozialen Verantwortung gegenüber ihren eigenen Mitarbeitern und gegenüber dem Gemeinwohl der Gesellschaft - sozialer Frieden - bewusst sind. Diese "Familientradition" ist das Fundament besonders erfolgreicher Unternehmen, von denen gerade viele deutsche Mittelständler Weltmarktführer sind, auch als das "deutsche Wirtschaftswunder" bekannt. Dieses Erfolgsgeheimnis mag sich den amerikanisch geprägten Führungsetagen von IBM immer noch nicht erschlossen haben. Eine auf die Zukunft ausgerichtete Unternehmenskultur beruht weiterhin - wie unsere Gesellschaftskultur - auf Vertrauen, Sicherheit und Zugehörigkeit. Als Freiberufler sind wir Nutzniesser dieser stabilen Strukturen, aber garantiert keine Modellathleten für eine neue, tragfähige Arbeitskultur. Kannibalismus zählt jedenfalls nicht zu den Errungenschaften fortschrittlicher Kulturen, aber vielleicht zur Zukunft von IBM. (März 2012)"

""Steigen Motivation, Qualität und Gehalt?" Diese drei Punkte sind m.E. nur als Randaspekte genannt. Man muss diesbezüglich sehr viel tiefer recherchieren. Denn oft genug entsteht nicht nur eine gewollte Konkurrenz externer Mitarbeiter untereinander, auch interne Kräfte stehen auf einmal in Konkurrenz zu den externen. Unternehmensintern kann das zu fatalen Folgen führen. Es wird nahezu alles getan werden, um die eigene Arbeit zu sichern, und das natürlich auch mit unerlaubten Mitteln. Diese Verhaltensweisen werden dann sehr zu Lasten der Unternehmenskultur gehen. Ich könnte mir vorstellen, dass das ein unkalkulierbarer Faktor ist. (Februar 2012)"

"Ich habe seit 1996 in mehr als einem Dutzend Projekte als Freelancer für IBM in verschiedenen Ländern gearbeitet und es wurde in jeder Hinsicht in den letzten Jahren immer schlechter (zunehmende kommerzielle Unzuverlässigkeit, schlechtes Projektmanagement, häufige Wechsel im Team und Unaufrichtigkeit gegenüber Kunden und Lieferanten). Inzwischen verzichte ich dankend auf diesen Kunden. (Februar 2012)"

"Hintergrund ist das nicht funktionierende Staffing von Teams mit Near- und Offshoreressourcen in Verbindung mit Festangestellten Als SAP-ler mit über 12 Jahren Projekterfahrung (auch mal mit IBM) kann ich da nur müde lächeln. Das ist eine Idee praxisfremder Managementkreise. Lässt sich halt auf PowerPoint Folien schön und schlüssig darstellen. Die Realität ist : Projekte funktionieren auch mit Besetzung durch MA der gleichen Sprache schon oft nur schlecht als recht. Gründe sind praktisch immer Unterschiede in der Kommunikation und Führung, Mentalitätsunterschiede und Probleme in der Kooperation. Jeder der schon mal mit Kollegen aus Indien, den Philippinen oder dem Ostblock zu tun hatte weiß dass diese Pläne operativ NIEMALS funktionieren werden. Im Ergebnis wird IBM einfach (noch) mehr Projekte gegen die Wand fahren, Geschäft verlieren, Erlöse und Ertrag werden kleiner. Egal - bis dahin haben sich alle dafür verantworltichen Manager die Taschen vollgestopft und sind zum Mitbewerber weitergezogen. IBM kann den Verlust an Marktanteil im Beratungsgeschäft locker ausgleichen. Die Zahl der Festangestellten wird über die Jahre dann peu á peu wieder erhöht und ...war da was ;-) (Februar 2012)"

"Für mich, der ich ohnehin seit 8 Jahren freiberuflich unterwegs bin, können sich dadurch nur Chancen ergeben. Ob ich sie dann nutze oder nicht, liegt bei mir. (Februar 2012)"

"IBM ? Das waren doch die, die meinten, weltweit würden 5 Computer benötigt, ein Betriebsysstem kauft man besser ein statt selbst zu entwickeln. der tollen microchannel bus architektur und und und :-; (Februar 2012)"

"Auf den Punkt gebracht. Als ich den Spiegelartikel gelesen habe, dachte ich: "Super für uns Freiberufler. Blöd für die Festangestellten." (Februar 2012)"

"Nicht nur den Artikel sondern auch so einige Kommentare fand ich nur bedingt brauchbar. Nun ist ja die Auslagerung von Arbeitsplätzen keine wirklich neue Erfindung und die Aussage von IBM erst einmal nur eine Absichtserklärung in Form einer dicken Schlagzeile, welche zunächst einmal in die Tat umzusetzen wäre. Und ob die Produkte und Services von IBM nun toll sind oder nicht wage ich nicht zu beurteilen. Sicher ist jedoch, dass wenn man vernünftig qualifiziert ist und auch sonst in Sachen Weiterbildung stets am Ball bleibt, muss man sich sicher keine Gedanken machen. Eine gewisse Flexibilität vorausgesetzt. Wer heute noch glaubt, dass er in einer Festanstellung sicherer lebt und arbeitet als ein Freelancer lebt in einer Traumwelt oder ist deutscher Beamter bzw. Gewerkschaftsfunktionär. "unsozial, menschenverachtend" - sicher nicht. Das würde ich auf die Millionen beziehen, die billig für H&M und Co für 1 EUR am Tag schuften und diejenigen, welche den Schrott dann hier noch kaufen... Wir erleben eine Revolution in der Arbeitswelt aber diese gab es schon des öffteren (Einführung Dampfmaschine, Fließbandarbeit, Computer, Automation) Es heißt daher Chancen sehen, neue Themen suchen etc. Ich selbst bin mein ganzes Arbeitsleben Freelancer und kann es jedem anderen auch raten zu tun. Du hast Deinen Task abzuarbeiten, machst es bestmöglich und dann kommt der nächste Task, frei von Firmenpolitik etc. Keiner meiner Freelancer-Kollegen hat es je bereut einer zu sein und da das Fachkräfteangebot hier immer geringer wird sind die Aussichten rosig. Ich freue mich heute schon auf eine Anfrage von IBM, wenn die guten Leute alle weg sind und die Probleme alle ausgelagert aber nun woanders sind. Dann komm ich gern für einen guten Tagessatz zum Aufräumen ;-) (Februar 2012)"

"Das beste dieses Artikels sind die Kommentare! IBM? Gerne, aber nicht für Jahre. Meine Rate war okay, weil ich von Anfang an festgelegt habe, wie viel ich von zu Hause aus arbeite, das aber nie wirklich gebraucht habe, weil die IBMler bei der Zuarbeit so gepatzt haben, dass ich gar nicht genug zu tun hatte. Oder so gut war, dass die IBMler gar nicht erwartet haben, dass ich so schnell fertig war :-) Was auch richtig ist: IBM versteht von Motivation nichts. Wie andere Großkonzerne auch... (Februar 2012)"

"Liquid sagt doch elles: flüssig bis überflüssig. Es geht nur um reine Gewinnmaximierung und zwar auf Kosten der Ausführenden als auch der Kunden die natürlich weiter die IBM-Premium-Preise zahlen dürfen. Wie dumm muss man als Kunde eigentlich sein, das nicht zu sehen? (Februar 2012)"

"Ich hatte als Freiberufler nach erfolgreicher Eigenaquise das zweifelhafte Vergnügen von meinem Kunden auf IBM "gemappt" zu werden ("Best Preferred Vendor"), die mich dann ihrerseits wieder zu einem Vermittler weitergereicht haben. Und dies nachdem IBM mir einige Jahre vorher erklärt hatte, dass ich nicht in ihren Freiberufler-Pool passen würde. Aber das hat sie dann nicht daran gehindert, ein Jahr reichlich mitzukassieren (die Konditionen des Vermittlers waren auch eher unterirdisch) und sich danach wieder auf die alte Position zurückzuziehen. Was aber nichts macht, denn IBM ist mit Sicherheit der letzte Laden für den ich einen Finger krumm machen würde. (Februar 2012)"

"Nicht alle Freiberufler sind freiwillig selbstständig - ich schon. Man denke etwa an die Entlassungswelle ab 2000. Im GULP-Artikel selbst steht "wo sich dann auch die ehemals fest angestellten IT-Entwickler um die Jobs bewerben können“. Ich persönlich muss nicht mit Indern konkurrieren, weil ich erstens kein Entwickler bin, es genügend Projekte gibt, in den Deutsch gesprochen und Englisch geschrieben wird, und nicht jeder reisewillig und umzugsbereit ist. Jobs mit Kundenkontakt lassen sich schwer nach Indien verlagern. (Februar 2012)"

"Also erstens klingt das alles sehr vertraut: IBM hat Anfang der 90er alle möglichen Geschäftsbereiche als "Profitcenter" ausgegründet und die, die das 5 Jahre lang überlebten, dann wieder integriert - Bereinigung eben. Zweitens fehlt in dem Artikel unter Motivation die Betrachtung, wie elendig sich ein fest angestellter Experte bei Unterforderung fühlt, wenn in seinem Fachgebiet keine Nachfrage beim Arbeitgeber da ist, er zwangsläufig zu anderen lapidaren Aufgaben herangezogen oder quer zu seiner eigentlichen Kompetenz z.b. für Callcenter-Aktivitäten eingesetzt wird. Drittensist das Modell von IBM letztlich eine Antwort auf den politisch stets dramatisierten "Fachkräftemangel", den die Politik selbst durch Nachqualifikation von immerhin noch um die 3 Mio. Arbeitslosen bisher verweigert und durch Anerkennung ausländischer Qualifikationen verschleppt, dafür aber "Blue Cards" kreiert. Die Internationalisierung des IBM-Modells könnte also ein unternehmerisch sinnvoller Schritt sein. Das heißt noch lange nicht, dass es funktioniert, denn IB war es auch, die Anfang der 90er das "papierlose Büro" verhersagten und das Gegenteil ist eingetreten: statt im Büro wird an Korrespondenz und Werbung mehr gedruckt und mehr Papier verbraten denn je. Irren ist alo nicht nur menschlich, sondern auch IBMig. (Februar 2012)"

"Wer braucht eigentlich IBM? Teuer, lausige Ergebnisse und wenn man sie im Haus hat dann wird man sie nicht mehr los. (Februar 2012)"

"Ein wichtiges Thema - und ein gut recherchierter Artikel. Jeder Freiberufler hat eine Ahnung davon, wieviel Kosten in den Projekten durch die Reibungsverluste der ideologischen Machtkämpfe zwischen Internen und Externen entstehen. Aber muß man diese Ideologisierung hier und in diesem Artikel fortführen, indem man "Sozialleistungen".. als einen "sozialen (oder sozialistischen) Gedanken bezeichnet? Das ist die amerikanische Perspektive der Republikaner im Kampf gegen Obamas geplante Gesundheitsreformen. Das war aber wohl kaum die Perspektive von Bismarck bei der Einführung von Sozialversicherungen im Kaiserreich. Oder Erhards Konzept der Sozialen Marktwirtschaft. Aber zurück zum Thema des Artikels: wenn die Preise für Freiberufler so sehr sinken, dass private Versicherungen nicht mehr finanzierbar sind, dann wird sich IBM mit diesem Modell eine Ressource an schlecht ausgebildeten, nicht abgesicherten und nicht motivierten Mitarbeitern schaffen, mit dramatischen Folgen für Unternehmensklima und Projektdynamik. Das wußten Bismarck und Erhard eben besser! (Februar 2012)"

"Ich war als Freelance bei der IBM in 2 Projekten und kann nur sagen nie wieder. Niedrige Rate, extremer Druck , fachliche war fast alle IBM-Kollegen eher auf Juniorlevel und die Hauptaufgabe bestand eher darin die Indische IBM-Kollegen aufzuschlauen, damit die dann die Hauptarbeit zu günstigen Konditionen übernehmen konnten. Da kann man sich dann ausrechnen wieviel Consultants aus DE in Zukunft noch benötigt werden. (Februar 2012)"

"Ich als Freiberufler werde mich nie bei IBM unter Vertrag stellen lassen. Für die arbeiten ist echt das letzte. Das sehe ich an den IBM Kollegen egal ob Festangestellt oder nicht. Noch vor einem Jahr war die große super-duper Offshoring-Strategie ihr Verkaufsschlager. Jetzt ist es dieser Modell hier. IBM sucht nur nach Verkaufsargumenten, können aber keine Leistung bieten. Woher soll die auch kommen? Von motivierten Mitarbeitern oder "Partnern" wohl kaum! (Februar 2012)"

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