Umfrage-Ergebnis

Neid auf Freiberufler

(November 2008)
Neid - wie oft kommt er vor im täglichen IT-Projektgeschäft? Gibt es Festangestellte, die neidisch auf Freiberufler sind? Was können die Gründe sein? Ist es wirklich so, dass Freiberufler finanziell besser dastehen als ihre festangestellten Kollegen? Dass das Thema aktuell und brisant ist, zeigt die hohe Teilnehmerzahl: 391 Freiberufler und 196 Projektanbieter haben GULP Ihre Meinung zum Thema Neid gesagt.
Wie oft kommt Neid vor?

GULP hatte eine ähnliche Umfrage bereits vor fünf Jahren durchgeführt - mit dem Ergebnis, dass 89 Prozent der IT-Freiberufler angaben, schon mit neidischen Festangestellten zu tun gehabt zu haben. Jetzt sagen sogar 94 Prozent der IT-Freiberufler, dass sie schon mit Festangestellten zu tun hatten, die neidisch waren; zwei Drittel definitiv, 26 Prozent vermuten es zumindest. Dagegen erscheinen die 6 Prozent verschwindend gering, die sagen: Nein, Neid von festangestellten Kollegen kenne ich nicht.
Hatten Sie schon mit Festangestellten zu tun, die neidisch auf Sie waren?
Das ist wirklich eine erstaunlich hohe Quote, aber noch erstaunlicher wirkt sie im Vergleich zu den Angaben der Projektanbieter. Hier sagen 52 Prozent ganz klar: Nein, als Festangestellter könnte ich auf Freiberufler nicht neidisch sein. Immerhin fast die Hälfte (48 Prozent) können sich das mit dem Neid gut vorstellen.

6 Prozent "Nein" bei den Freiberuflern stehen also 52 Prozent "Nein" von Seiten der Projektanbieter gegenüber. Wo kommt die große Differenz her? Ist es so, dass Freiberufler sensibel auf Äußerungen der Missgunst reagieren und manches als Neid deuten, was von den Festangestellten nicht so gemeint war? Geben die Projektanbieter es schlicht nicht zu, dass sie auf Freiberufler neidisch sind? Oder liegt es etwa daran, dass es nicht die Projektanbieter selbst sind, die den Freiberuflern als Neider auffallen: Denn diejenigen Projektanbieter, die an den GULP Umfragen teilnehmen, kennen die Risiken des Freiberufler-Daseins.

Ein User des GULP Forums für Freiberufler nur mit GULP Profil, meint, dass Freiberufler eben viele Unternehmen von innen kennen lernen und deswegen die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass sie auf einen Angestellten treffen, der frustriert und neidisch auf Freiheit und Erfolg des Freiberuflers ist. Wichtiger ist für ihn aber "die innere Einstellung derjenigen, die mich beauftragen, und das sind in der Regel ganz vernünftige, zufriedene, gut verdienende Angestellte, deren Einkommen nur noch unwesentlich kleiner ist als mein eigenes. Der rechnerisch verbleibende Restabstand ist leicht mit (relativer) Jobsicherheit, Absicherung bei Krankheit etc. zu erklären, so dass kein realer Einkommensvorteil verbleibt, der Neid wecken würde."

Die Vor- und Nachteile des Freiberufler-Daseins haben wir für Sie im Artikel "Was haben Freiberufler, was Angestellte nicht haben?" zusammengefasst.
Könnten Sie als Festangestellter neidisch auf Freiberufler sein?
Höhere Bezahlung als Grund für Neid?

Die zweite Frage lautete für die Freiberufler "Was, denken Sie, sind die Gründe für den Neid auf Freiberufler?" und für die Projektanbieter "Was könnte für Sie ein Grund sein, neidisch auf Freiberufler zu sein?". Da die Fragestellungen sehr ähnlich und überdies die Antwortmöglichkeiten dieselben waren, haben wir beide in einer Grafik dargestellt. So kann besser verglichen werden: Auffällig ist, dass die Rangfolge der Gründe bei beiden befragten Gruppen dieselbe war. Außerdem unterschieden sich die Prozentwerte bei den gegebenen Antworten kaum - mit einer Ausnahme. Höhere Bezahlung sehen 88 Prozent der Freiberufler als Grund für Neid an, aber "nur" zwei Drittel der Projektanbieter.

Im Vergleich zur ersten Umfrage im Jahr 2003 hat sich kaum etwas geändert. Die Reihenfolge blieb die gleiche. Als Hauptgrund für Missgunst gaben Freiberufler vor fünf Jahren ebenso die höhere Bezahlung an (81 Prozent), gefolgt von "Mehr Freiheiten bei der Arbeit" (53 Prozent) und "Freiberuflerdasein generell" (34 Prozent).
Was, denken Sie, sind die Gründe für den Neid auf Freiberufler? (Mehrfachnennungen waren möglich)
Wer verdient mehr?

Deutlich ist das Ergebnis der dritten Frage. Freiberufler und Projektanbieter sind sich einig: Dem Freiberufler bleibt unterm Strich mehr zum Leben übrig als dem Festangestellten. Wobei die Freiberufler noch ein bisschen überzeugter davon sind als die Projektanbieter. Dass beiden das Gleiche übrig bleibt, denkt immerhin ein knappes Fünftel. Klar: Das hängt ganz davon ab, in welchen Positionen beide arbeiten, wie viel Berufserfahrung sie haben und was ihre genaue Tätigkeit ist. Generell ist alles möglich, aber eine klare Tendenz lässt sich hier erkennen. Zwei Drittel der Freiberufler und 59 Prozent der Projektanbieter sehen den Freiberufler als den besseren Verdiener an.
Was meinen Sie: Wem bleibt unterm Strich mehr zum Leben übrig?
Neid ist also allgegenwärtig auf dem IT-Projektmarkt. Das war im Jahr 2003 schon so und hat sich seitdem nicht geändert. Nach der letzten Umfrage haben wir zu Aufklärungsarbeit und offener Aussprache aufgerufen. Auch das Gegenmittel gegen Neid hat sich seit 2003 nicht verändert. Oder was denken Sie?
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Kommentare zu diesem Artikel:

"Neid und Mißgunst ist die Reaktion der Kollegen, wenn sie die Stundensätze der Freiberufler hören. Selbst Freiberufler reagieren mißgünstig, wenn sie niedrigere Stundensätze als der Freiberufler im nächsten Büro haben. Selbst die US-Kollegen reagieren ungehalten auf die höheren Stundensätze der Freiberufler. Man sollte also unbedingt über die Stundensätze schweigen - und genießen. (Juni 2011)"

"Der Neid der Angestellten auf das Honorar ist völlig unabgebracht. Die durchschnittlichen Stundensätz, die durch GULP ermittelt wurden, sind viel zu niedrig, wenn man die Arbeitszeit und -kosten der Selbstständigen mit Angestellten vergleicht. (Januar 2009)"

"Das mit der Differenz erklärt sich ganz einfach, als Freiberufler begegnet man immer einem neidschen Kollegen, auch wenn sie nicht unbedingt die Mehrheit stellen. Die Projektanbieter haben bei Ihrer Auskunft die Mehrheit im Auge. Ein genaueres Bils ergäbe die Zusatzfrage "Wieviele Ihrer festangestellten Kollegen Neid zeigen oder zu spüren ist". (Dezember 2008)"

"Wie schon der Kollege schreibt 'Äpfel mit Birnen'. Ich möchte sagen Äpfel mit Apfelsinen. Der Projektanbieter ist zwar ein FA aber die entsprechenden Personen sind nicht jene mit denen ich es als FB im Projekt zu tun habe. Im Projekt habe ich es mit FA des Endkunden zu tun, die oft ähnliches arbeiten wie ich. Auf diese wird mein Blick bei den Fragen gerichtet. Jene FAs hätten bei der Umfrage als Gegenpol genommen werden müssen. Ich kenne aus eigener Erfahrung auch das Erwerbsleben als FA. Ein latenter Neid auf den Unternehmer ist da immer vorhanden. Die Ausprägung ist dann abhängig von der eigenen Position und dem familiären Hintergrund (Selbstständige in Familie oder nicht). Zudem sind Kollegen, die eine vorwiegend FA-Prägung haben, selten bereit und nur schwer in der Lage als Selbstständiger tätig zu werden. (November 2008)"

"So wirklich neidisch können Festangestellte - auf Dauer - gar nicht sein. - Wenn sie tasächlich sind, werden sie selbst Freiberufler. Es gibt ja faktisch keine Markeintrittsbarrieren in Form von Investitionen, Rechten etc.. Die anderen wägen für sich persönlich ab und wissen die Vorteile von Angestellten zu schätzen. - Der Rest ist einfach nur Geschwätz. (November 2008)"

"Ich stimme der Statistik seit ca. 2 Jahren vollkommen zu. Ich bin seit 2000 selbständig. (November 2008)"

""6 Prozent "Nein" bei den Freiberuflern stehen also 52 Prozent "Nein" von Seiten der Projektanbieter gegenüber. Der Unterschied kommt ganz klar daher, dass die Projektanbieter auch die negativen Seiten der Selbständigkeit kennen. Wir Selbständige/Freiberufler haben aber mit Endkunden zu tun, die nicht diese Einblicke haben. Fragt man zunächst neidische "Kollegen", ob sie auf bezahlten geregelten Urlaub, auf bezahlte Weiterbildung, auf bezahlte Krankheitstage etc. verzichten würden, sieht die Welt schnell ganz anders aus und der Neid schwindet sichtlich. (November 2008)"

"Hier werdeen äpfel mit birnen verglichen, die beiden umfragen korellieren nicht ! (November 2008)"