 |
| Schnell-Check „Existenzgründung“:
15 Punkte, deren Beachtung sich lohnt
Eine komprimierte Zusammenstellung von Peter
Brenner |
| (August 2004) |
| |
| Angebote zuhauf. Informationen, was zu tun und was in jedem
Fall zu tun ist, gibt es mehr als genug – als frisch gebackener
IT-Freiberufler (und auch später), der sich um seine geschäftliche
Existenz kümmert, ist man angesichts der Informationsflut zuweilen
eher verwirrt als schlauer. Mit einem Schnell-Check hat der Existenzgründungsberater,
Coach und Sachverständige Peter Brenner 15 Punkte zusammengefasst,
die zu beachten sich für einen IT-Freiberufler lohnen können:
|
| 1. Wie bewerte ich mein Potenzial
und meine fachliche Eignung? |
|
| |
|
| Zu Beginn ist es sinnvoll, das Marktumfeld,
die Zielgruppe, die Qualität der Dienstleistung und deren Eigenschaften
zu bewerten. Die fachliche Eignung ergibt sich aus der beruflichen
Ausbildung und Erfahrung, den bestehenden fachlichen Kenntnissen
und der Beurteilung der eigenen Fähigkeiten. Schon der gewissenhafte
Eintrag ins z. B. GULP Profil kann hier die Qualität der eigenen
Skills eindrucksvoll vor Augen führen. |
|
| 2. Wie schätze ich mich selbst
ein? |
|
| |
|
Ein ausgezeichneter IT-Spezialist zu sein,
reicht noch nicht aus für den geschäftlichen Erfolg in der
Selbstständigkeit. Wichtig ist auch, sich klar zu werden über:
|
persönliche, zeitliche, körperliche und geistige
Belastbarkeit, |
|
das Engagement und die Zielverfolgung, |
|
die Rolle und die Unterstützung von Familie, Freunden
und Bekannten, |
|
das Vorliegen von grundlegendem kaufmännischen Wissen, |
|
die Erfahrung im Umgang mit Menschen. |
Wer hier selbstkritisch ist und eventuell große Defizite erkennt,
sollte sich beizeiten überlegen, wie er diese ändern kann.
|
|
| 3. Wie ausgeprägt sind meine
sogenannten Soft-Skills? |
|
| |
|
Häufig unterschätzte Erfolgsfaktoren
sind die so genannten Soft-Skills:
|
Wie ist es um meine Kommunikationsfähigkeit bestellt? |
|
Bin ich teamfähig oder eher Einzelgänger? |
|
Wie verhalte ich mich in Krisensituationen? |
|
Wie stellt sich mein Sozialverhalten dar? |
|
Bin ich zur Führungspersönlichkeit geeignet? |
|
Besitze ich die Fähigkeit zum Sympathie gewinnenden
Small-Talk? |
Bei Schwachstellen helfen geeignete Trainingsprogramme weiter. |
|
| 4. Benötige ich einen Businessplan? |
|
| |
|
Natürlich ist ein komprimierter Businessplan
erforderlich. Nicht so detailliert und umfassend wie bei einem mittelständischen
Unternehmen, aber die Eckdaten sind zu benennen:
|
Einnahmen, |
|
Ausgaben, |
|
Gewinnerwartung, |
|
Marktsituation (hier helfen z. B. oft die Stundensatzauswertungen
und Marktstudien von GULP weiter), |
|
Definition Unternehmenskonzeption, |
|
Kapitalbedarf und Finanzierung (jedoch bei IT-Freiberuflern
selten erforderlich). |
|
|
| 5. Welche Marketing- und Akquisitionsstrategien
sind erforderlich? |
|
| |
|
Wer sich von Beginn an vor Projektaufträgen
nicht retten kann, wird sich aktuell um Marketing und Akquise wenig
Gedanken machen. Allerdings ist dies bei Existenzgründern seltener
der Fall – und auch bei erfahrenen IT-Freiberuflern können
plötzlich die Projektangebote aus bleiben. Ergo: Folgende möglichen
Aktivitäten einmal genauer anschauen und auf ihre individuelle
Tauglichkeit überprüfen:
|
Aussagekräftiges Beraterprofil der Ausbildung, des Wissens
und der Erfahrung definieren. |
|
Marktgerechte Honorargrenzen bestimmen. Honorarstudien wie
z. B. den GULP Stundensatzkalkulator zu Hilfe nehmen. |
|
Beschränktheiten wie räumliches und fachliches
Einsatzgebiet erkennen. |
|
Sind neben Subunternehmerschaften auch Direktaufträge
erzielbar? |
|
Wenn Internetauftritt geplant: Inhalte festlegen. |
|
Geschäftsausstattung, bestehend aus Firmenlogo, Briefbogen
und Visitenkarten layouten (lassen). |
|
Welche Messen und Kongresse sind zu besuchen? |
|
Welche Anzeigen sind wo und in welcher Form zu veröffentlichen? |
|
Welche Fachbücher könnten geschrieben werden? |
|
Welche Fachartikel sind für wen zu verfassen? |
|
Gibt es Verbände, bei denen sich eine Mitgliedschaft
lohnt um Kontakte aufzubauen? |
|
In welche Projektdatenbanken ist es sinnvoll, sein Beraterprofil
einzutragen? |
|
Informationen über mögliche zukünftige Klienten
zwecks Kaltakquise einholen. |
|
Ablauf einer Mailingaktion ausarbeiten. |
|
Ablauf einer telefonischen Akquise festlegen. |
|
Sind persönlicher Auftritt und Verhandlungstechnik mit
Trainingsmaßnahmen optimierbar? |
|
Ist es erforderlich, die eigenen Marketing- und Akquisitionsfähigkeiten
zu verbessern? |
Und als Tipp: Versuchen Sie möglichst zu Beginn ein erstes Projekt
mit einer Dauer von mehr als 6 Monaten zu akquirieren, um nicht sofort
nach Beginn des Projektes erneut akquirieren zu müssen. Es dürfte
Ihnen kaum Zeit dazu bleiben. |
|
| 6. Wie gehe ich mit dem Finanzamt
um? |
|
| |
|
Der offizielle Start der freiberuflichen
Tätigkeit erfolgt mit der entsprechenden Anmeldung beim zuständigen
Finanzamt. Vorher sollte man aber
|
die Art des Unternehmens definieren (keine EDV-Beratung), |
|
den Freiberuflerstatus sichern, indem man klärt: künftige
Vertragsgestaltung, Rechnungsschreibung, Firmenlogo, Visitenkarten,
Internetauftritt, Einkommensteuererklärung und Betriebsprüfung. |
|
die Firmierungsfrage klären: Wie soll und darf sich
das zukünftige Einzelunternehmen nennen? |
Zu beachten ist, dass die Gewerblichkeit
zu erheblichen Nachteilen führt: IHK-Pflichtmitgliedschaft, Bilanzierungspflicht
und doppelte Buchführung, höhere Steuerberatungskosten,
Beiträge zur Berufsgenossenschaft. |
|
| 7. Bin ich rentenversicherungspflichtig? |
|
| |
|
| Die Rentenversicherungspflicht
ist zu klären. Bei einer Freistellung für maximal drei Jahre
besteht das hohe Risiko, dass die Bundesversicherungsanstalt für
Angestellte (BfA) nach Ablauf dieses Zeitraums die Kriterien prüft.
Besser ist die Verhinderung der Rentenversicherungspflicht durch Prüfung
und Erfüllung eines der relevanten Kriterien (Angestellter vorhanden
oder mehr als ein Auftrag). Durch die Beauftragung eines Büroservice
und die damit verbundene Zuordnung eines Angestellten werden zwei
Probleme gelöst: Die Rentenversicherungspflicht und die Entlastung
von den oft leidigen Büroarbeiten. Die Rentenversicherungspflicht
ist zwingend zu verhindern, denn jede andere Altersvorsorge bietet
eine höhere Rendite. |
|
| 8. Habe ich Anspruch auf staatlich
geförderte Existenzgründungsberatung? |
|
| |
|
| Ein Argument für eine Existenzgründungsberatung
vorneweg: Sie wird bis zu zwei Jahre nach einer Existenzgründung
staatlich gefördert.
Aber es gibt auch inhaltlich gewichtige Argumente: Der durch die
Gesetzgebung und die beteiligten Behörden definierte Dschungel
aus Vorschriften, Regularien sowie unscharfen Festlegungen birgt
für den freiberuflichen IT-Experten erhebliche Risiken und
Gefahren. Eigentlich kann er nur Fehler begehen – auch vor
einem sehr schädlichen Halbwissen sei gewarnt. Hier hilft ein
Existenzgründungsberater, der als Coach fungiert sowie Schwachstellen
analysiert und beseitigt. Mehrere Scripten vertiefen das Basiswissen.
Nach einer gemeinsamen Sitzung erstellt der Coach einen für
die staatliche Förderung erforderlichen Existenzberatungsbericht.
Die Förderung wird mit einem aus zwei Seiten bestehenden Formular
beantragt und erfolgt innerhalb von 4 bis 6 Wochen durch das Bundesministerium
für Wirtschaft und Technologie. Insgesamt eine sehr einfache
und problemlose Abwicklung, die natürlich vom beauftragten
Coach bis zum erfolgreichen Abschluss begleitet wird. Die restlichen
Kosten sind als Betriebsausgabe absetzbar, so dass für den
Existenzgründer ein Eigenanteil von etwa 25 Prozent übrig
bleibt.
Innerhalb des Existenzberatungsberichtes wird untersucht, ob der
angehende Selbstständige die Kriterien für eine Anerkennung
als Freiberufler erfüllt. Außerdem ist es sinnvoll zu
prüfen, ob die Kriterien für die Rentenversicherungspflicht
oder sogar für eine Scheinselbstständigkeit vorliegen.
Gehen beide Prüfungen positiv für den Jungunternehmer
aus, kann er ein solches Testat im Streitfall dem Finanzamt oder
auch der BfA vorlegen. Wenn der Coach als Gutachter anerkannt ist,
bewirkt eine solche Vorlage sowohl die Anerkennung des Freiberuflerstatus
als auch die Verhinderung der mit der Scheinselbstständigkeit
zusammenhängenden Pflichten.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist anschließend der Zukunftsschutz
zur Sicherung der erzielten Anerkennungen. Auch hier ist der Coach
gefordert die erforderlichen Strategien festzulegen und umzusetzen.
Dies gilt auch für die anderen in diesem Schnell-Check genannten
Punkte. |
|
| 9. Welcher Steuerberater ist der
Richtige? |
|
| |
|
| Wenn man nicht selbst Steuer-Experte ist,
sollte man einen Steuerberater für das steuerliche Tagesgeschäft
(z. B. Buchführung, Umsatzsteuer-Voranmeldung, Jahresabschluss,
notwendige steuerliche Klärungen) haben. Es ist empfehlenswert,
einen Steuerberater zu suchen, der nicht nur das steuerliche Tagesgeschäft
abwickelt, sondern auch die speziellen Anforderungen eines IT-Freiberuflers
kennt und beratend tätig sein kann. Es gibt Parameter mit deren
Hilfe ein geeigneter Steuerberater zu identifizieren ist. In jedem
Fall sollte ein Steuerberater den Jungunternehmer bei den ständig
einzuhaltenden Steuerterminen entlasten – weshalb in diesem
Zusammenhang auch eine Empfangsvollmacht für den Steuerberater
sehr sinnvoll ist. |
|
| 10. Um welche steuerlichen Themen
muss ich mich kümmern? |
|
| |
|
Hinsichtlich der Steuer sind folgende Punkte
zu klären:
|
Nutzung vorhandener Sonderregelungen für Existenzgründer, |
|
Ansparabschreibung, |
|
Steuermodellierung hinsichtlich Abschreibung von Computern, |
|
Geschäftsräume bzw. Arbeitszimmer, |
|
Fahrtenbuch, |
|
Verpflegungsmehraufwand, |
|
Telefonkosten, |
|
Versicherungen, |
|
Steuermodelle. |
Generell sollte man eine persönliche steuerliche Gestaltung für
die ersten drei Geschäftsjahre durchführen. |
|
| 11. Wie steht es mit meiner Altersvorsorge? |
|
| |
|
Beizeiten an später denken und die
Finanzierung des Lebensabends sichern: IT-Freiberufler sollten IHR
Konzept für die Altersvorsorge definieren – und unter anderem
dabei überprüfen,
|
ob die steuerlich möglichen Vorsorgeaufwendungen bereits
ausgeschöpft sind, |
|
welche Alternativen es zu den klassischen Lebensversicherungen
gibt, |
|
wo die risikoarmen und risikoreichen Alternativkonzepte sind. |
|
|
| 12. Welche Versicherungen sind
erforderlich? |
|
| |
|
| Folgende Versicherungen
sind für den IT-Freiberufler, der ungern „ohne Netz“
leben will, notwendig: Krankenversicherung, Berufsunfähigkeit,
Haftpflicht, Vertragshaftpflicht, Firmenrechtsschutz. Im Einzelfall
ist anhand von Risikoklassen die Notwendigkeit dieser und weiterer
Versicherungen zu prüfen. |
|
| 13. Das Projekt: Was ist bei der
Vertragsgestaltung und den Haftungsregelungen zu beachten? |
|
| |
|
| Bei der Vertragsgestaltung zu beachten
sind Vertragsarten, Inhalt, Haftungsrisiko, Aufgabenbeschreibung,
Kundenschutzklauseln, Scheinselbstständigkeit und die „Allgemeinen
Geschäftsbedingungen“. Bei den Haftungsregelungen sind
wichtig die Haftungsfragen hinsichtlich des Vertragspartners, der
Vertragsklauseln und des Werkes bzw. der Dienstleistung. |
|
| 14. Wie bleibt mein Fachwissen
aktuell? |
|
| |
|
| Heute noch fachlich an der Spitze,
morgen bereits im Hintertreffen – es geht schneller als man
denkt. Es zeichnet deshalb den vorausschauenden IT-Freiberufler
aus, wenn er ein Konzept erarbeitet hat, das ihm trotz hoher Projektauslastung
eine kostengünstige, aber qualitative Fortbildung ermöglicht.
Wie wäre es mit Wochenendseminaren oder Lernprogrammen aus
dem Internet?
|
|
| 15. Ist es wichtig für mich,
Netzwerke zu nutzen? |
|
| |
|
| Eine viel diskutierte Frage, die letztendlich
auch vom Typ des IT-Freiberuflers abhängt. Ungeachtet dessen
kann es nicht schaden – alle Angebote (Berufsverband für
Informatiker wie z. B. den BVSI, GULP Membership, GI, BDU etc.)
auf eine Frage hin auf den Prüfstand zu stellen: Welche Ziele
erreiche ich mit diesen Partnern? |
|
Kommentar
zum Artikel
"Eine gute Übersicht der zu beachtenden Hauptkriterien.
(Juni 2006)"
"Danke für diese prägnante Übersicht. Viele
Punkte konnte ich direkt in meine TODO Liste übernehmen. (Mai
2005)"
"Wirklich sehr informativ! (November 2004)"
"wirklich interessante Basis zum Weiterlernen (September 2004)"
"Für den Anfang ist es eine nette Übersicht. Der
Nutzen ist ohne weiterführende Informationen aber gering. (September
2004)"
"Eine nützliche Zusammenstellung der wesentlichen Punkte.
(August 2004)"
"Spitze (August 2004)" |
Kommentare zu diesem Artikel:
"Eine gute Übersicht der zu beachtenden Hauptkriterien. (Juni 2006)"
"Wirklich sehr informativ! (November 2004)"
"wirklich interessante Basis zum Weiterlernen (September 2004)"
"Für den Anfang ist es eine nette Übersicht. Der Nutzen ist ohne weiterführende Informationen aber gering. (September 2004)"
"Eine nützliche Zusammenstellung der wesentlichen Punkte. (August 2004)"
"Spitze (August 2004)"
|