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| Die bessere
Alternative für IT-Freiberufler: Single? |
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| Wenn ein Kundentermin ansteht und der
Partner oder die Partnerin nicht auf die Kinder aufpassen kann.
Wenn das Kind vorzeitig aus der Schule nach Hause kommt und alleine
ist, weil beide Eltern berufstätig sind. Wenn man die Kinder
nur an den Wochenenden sieht, weil das IT-Projekt fern der Heimat
ist. Wenn die Familie unmittelbar die Existenzängste spürt,
weil das Anschlussprojekt fehlt. Es ist oft nicht einfach, Arbeit
und Leben, Beruf und Familie zu vereinbaren.
Da scheint in der vollmobilen Gesellschaft die Lebensform Single
die bessere, weil einfachere Alternative. Und auch das Fazit vieler
Debatten stößt ins gleiche Horn: Menschen werden freiwillig
oder erzwungenermaßen angesichts steigender Arbeitsbelastungen
und Mobilitätsanforderungen zu allein lebenden, in jeglicher
Hinsicht flexiblen Wesen. Die Rede ist von den neuen Job-Nomaden,
die beziehungsunfähig und wurzellos und auf eigenes Risiko
durch die virtuelle Welt der Jobangebote ziehen.
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| Oder doch lieber
Partner und Familie? |
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| In der Praxis jedoch ist die meist
verbreitetste Lebensform nach wie vor die der Familie. Eine Studie
im Auftrag des Bundesfamilienministeriums ergab, dass cirka 60%
der 25 – 34jährigen und cirka 80% der 35 – 55jährigen
verheiratet sind und mit dem Ehepartner zusammen leben. Jeder zehnte
25 – 34jährige lebt in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft,
ebenso viele lebten alleine, hatten aber einen festen Partner, bei
den 35 – bis 55 jährigen sind es jeweils cirka 4%, die
in nichtehelichen Lebensgemeinschaften, bzw. nicht gemeinsam mit
ihrem Partner leben, und 10%, die keinen Partner haben. (DJI Familiensurvey
1, 1991)
Auch wenn sie heute nur noch eine unter vielen möglichen
Lebensformen ist, tun Menschen doch aktiv sehr viel dafür,
dass sie als Familie zusammenkommen. Und sie nehmen für dieses
Ziel einige Mühen auf sich, denn eine Familie ergibt sich nur
selten von alleine. Vielmehr ist es ein Zu- und/oder Glücksfall,
wenn die Lebensbereiche der einzelnen Familienmitglieder mit ihren
unterschiedlichen Rhythmen, Aufenthaltsorten und Anforderungsstrukturen
gut zusammenpassen.
Familie kann heute – neben der typischen Vorstellung eines
berufstätigen Vaters und seiner Ehefrau, die als Hausfrau und
Mutter einige minderjährige Kinder versorgt – ebenso
bedeuten, dass beide Eltern berufstätig sind oder dass ein
Elternteil ein Kind alleine aufzieht. Ihnen gemeinsam ist das Zusammenleben
von ein oder zwei Erwachsenen mit Kind(ern), die einen wie auch
immer aufeinander abgestimmten Alltag als Familie leben.
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| Herausforderungen:
Zeit, Entfernung, Gestaltung |
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| Die Vereinbarkeit von Familien- und
Erwerbsleben stellt insbesondere in zeitlicher Hinsicht (siehe auch
GULP Umfrage)
hohe Anforderungen. Ein Tag hat nur 24 Stunden – neben der
Zeit im Projekt (ob vor Ort oder im Homeoffice)
müssen gemeinsame Zeiten als Familie sichergestellt werden.
Im Unterschied zu kinderlosen Paaren erweitert sich für Eltern
der alltägliche Synchronisationsaufwand durch die Zeitrhythmen
der Kinder. Einige Termine, welche die Organisation des Alltags
vor allem bei berufstätigen Mutter und Vater zusätzlich
erschweren können: Die Zeiten von Kindergarten und Schule;
organisierte Freizeitbeschäftigungen wie Kinderturnen, Fußballverein
oder Klavierstunde; Nachhilfeunterricht; Arztbesuche.
In räumlicher Hinsicht gelten meist nur berufliche Gründe
als Auslöser für eine Distanz
zur Familie. In der Regel sind Paare bemüht, in einem gemeinsamen
Haushalt zu leben – auch und insbesondere um dem Kind einen
verlässlichen Rahmen zu bieten. Ist dies nicht möglich,
müssen sowohl Wege gefunden werden, die Beziehung über
Distanz zu führen, als auch die Kinderbetreuung zumindest phasenweise
dem Partner oder der Partnerin alleine zu überlassen.
Inhaltlich müssen die Vorstellungen zur Gestaltung der Partnerschaft,
Fragen der Familienplanung, Ziele und Maßstäbe der Kindererziehung
und die jeweiligen beruflichen Perspektiven abgestimmt werden. Es
ist ein wie auch immer gestaltetes Modell erforderlich, das Einkommenssicherheit
einerseits, die Betreuung und Erziehung der Kinder andererseits
gewährleistet. |
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| Zwei Modelle
der Organisation |
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| Eine Erfahrung, die viele IT-Freiberufler
bereits gemacht haben: Auftraggeber zeigen möglicherweise viel
Sympathie für ein Engagement als Vater oder Mutter, aber auf
die Eingebundenheit in die Betreuung der Kinder nehmen sie in der
Regel wenig Rücksicht. Da heißt es, sein Privatleben
in den Griff zu bekommen und möglichst reibungsfrei zu organisieren,
damit der Kunde keinen Grund zur Beschwerde hat.
Letztlich reduzieren sich die Möglichkeiten auf zwei Modelle:
| 1. |
Das traditionelle Modell: |
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Es werden klare zeitliche und sachliche Strukturen auf Dauer
etabliert, um nicht ständig aufs neue abzugleichen, wer
wann für welche Tätigkeiten zuständig ist. Zeiträume
werden für berufliche Tätigkeiten reserviert, in welche
die Familie nicht eingreift – auf der anderen Seite gibt
es klare Absprachen über die Versorgung und Betreuung des
Kindes. Die Lebensbereiche sind klar getrennt. Während
der eine Partner (nach wie vor meist der Mann) für den
Lebensunterhalt sorgt, kümmert sich der andere um den Haushalt
und die Kindererziehung. Gemeinsamkeit als Familie wird hergestellt,
indem man sich etwas ganz Konkretes, genau Umgrenztes mit der
Familie vornimmt. Die Schwierigkeit besteht hier darin, Gemeinsamkeit
im Sinne eines mehr als nur gelegentlich geteilten Familienalltags
zu gewährleisten. |
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| 2. |
Das flexible Modell: |
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Es wird bestimmt durch Arrangements gleicher Zuständigkeiten
in beiden Lebensbereichen. Tagtäglich wird aufs neue entschieden,
wer wann was machen kann, auch wenn die grobe Linie klar ist.
Statt sich auf bestimmte Zeiten und Zuständigkeiten festzulegen,
werden sie je nach aktuellem Arbeitsanfall und Projektphase
flexibel gestaltet. Wenn eine Person phasenweise mehr Zeit in
ihre berufliche Arbeit investieren muss, muss die andere komplementär
mehr für die Familie zuständig sein. Dies hat natürlich
zur Voraussetzung, dass beide Partner flexibel reagieren können.
Gefahr läuft man hier allerdings, den Alltag so zu organisieren,
dass man sich nur noch beim Arbeiten ablöst, und sich gerade
mal dann sieht, wenn man sich bei der Betreuung des Kindes abwechselt.
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| Familie
ist sozialer Lebensraum |
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| Man könnte vermuten, dass zunehmend
nur diejenigen, die ihren außerberuflichen Lebenszusammenhang
flexibel auf die Anforderungen des Berufs abzustimmen vermögen
und kaum Verpflichtungen außerhalb des Berufs zu erfüllen
haben, beruflich erfolgreich sind. Der vollmobile Single hat mitunter
bessere Chancen als gebundene Menschen, die ihren Lebensalltag mit
ihrer Partnerin, ihrer Familie abstimmen müssen.
Aber ist das der Weg zur Zufriedenheit? Für die Alternative
Familienleben spricht, dass hier ein gemeinsamer Lebensbezug aufrechterhalten
wird, der jenseits von Organisations- und Koordinationsfragen liegt.
Familie ist ein sozialer Lebensraum, der Raum für Rückzug,
Vertrauen, soziale Nähe und gegenseitige Anerkennung bietet
und schließlich auch die Leistungsfähigkeit und Motivation
im Beruf stärkt.
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| Interviewaufruf:
Und die Praxis? |
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| Auch wenn sie aufschlussreich ist,
gilt auch für den angehenden Akademiker: Grau ist alle Theorie.
Gemeinsam mit GULP hat Carsten Manns deshalb eine kurze
Umfrage zusammen gestellt, deren Ergebnis in seine Diplomarbeit
eingehen wird. Außerdem sucht Manns noch IT-Freiberufler
mit Familie aus Berlin, Hamburg, Köln oder Frankfurt
a. M. für
längere Interviews; ein einfaches Mail an cmanns@hotmail.com
- und schon hat man auch einen Beitrag für die Wissenschaft
geleistet. Und die wichtigsten Erkenntnisse der Studien gibt
es
dann bei GULP.
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