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Mit dem Kind auf dem Arm auf Projektakquise?

Über die Alltagsorganisation von IT-Freiberuflern / Noch Interviewpartner gesucht

(Juni 2004)
Inhalt dieses Artikels:
Die bessere Alternative für IT-Freiberufler: Single? | Oder doch lieber Partner und Familie? | Herausforderungen: Zeit, Entfernung, Gestaltung | Zwei Modelle der Organisation | Familie ist sozialer Lebensraum | Interviewaufruf: Und die Praxis?
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Es gibt ja nicht nur Singles unter den IT-Freiberuflern. Im Gegenteil: Jede Menge von ihnen haben Partner und Kinder; und wenn dies der Fall ist, stellt sich automatisch die Frage: Wie bekommt IT-Freiberufler es in den Griff, allen Anforderungen gerecht zu werden? Bekommt er es überhaupt in den Griff?

Nicht nur GULP will es wissen, auch Carsten Manns hat ein gesteigertes Interesse am Thema „Alltagsorganisation von IT-Freiberuflern“ – und zwar wissenschaftlich für seine Diplomarbeit im Fach Soziologie an der Uni Göttingen. Erste Erkenntnisse hat er GULP zur Verfügung gestellt:

 

Die bessere Alternative für IT-Freiberufler: Single?
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Wenn ein Kundentermin ansteht und der Partner oder die Partnerin nicht auf die Kinder aufpassen kann. Wenn das Kind vorzeitig aus der Schule nach Hause kommt und alleine ist, weil beide Eltern berufstätig sind. Wenn man die Kinder nur an den Wochenenden sieht, weil das IT-Projekt fern der Heimat ist. Wenn die Familie unmittelbar die Existenzängste spürt, weil das Anschlussprojekt fehlt. Es ist oft nicht einfach, Arbeit und Leben, Beruf und Familie zu vereinbaren.

Da scheint in der vollmobilen Gesellschaft die Lebensform Single die bessere, weil einfachere Alternative. Und auch das Fazit vieler Debatten stößt ins gleiche Horn: Menschen werden freiwillig oder erzwungenermaßen angesichts steigender Arbeitsbelastungen und Mobilitätsanforderungen zu allein lebenden, in jeglicher Hinsicht flexiblen Wesen. Die Rede ist von den neuen Job-Nomaden, die beziehungsunfähig und wurzellos und auf eigenes Risiko durch die virtuelle Welt der Jobangebote ziehen.

 

 

Oder doch lieber Partner und Familie?
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In der Praxis jedoch ist die meist verbreitetste Lebensform nach wie vor die der Familie. Eine Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums ergab, dass cirka 60% der 25 – 34jährigen und cirka 80% der 35 – 55jährigen verheiratet sind und mit dem Ehepartner zusammen leben. Jeder zehnte 25 – 34jährige lebt in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft, ebenso viele lebten alleine, hatten aber einen festen Partner, bei den 35 – bis 55 jährigen sind es jeweils cirka 4%, die in nichtehelichen Lebensgemeinschaften, bzw. nicht gemeinsam mit ihrem Partner leben, und 10%, die keinen Partner haben. (DJI Familiensurvey 1, 1991)

Auch wenn sie heute nur noch eine unter vielen möglichen Lebensformen ist, tun Menschen doch aktiv sehr viel dafür, dass sie als Familie zusammenkommen. Und sie nehmen für dieses Ziel einige Mühen auf sich, denn eine Familie ergibt sich nur selten von alleine. Vielmehr ist es ein Zu- und/oder Glücksfall, wenn die Lebensbereiche der einzelnen Familienmitglieder mit ihren unterschiedlichen Rhythmen, Aufenthaltsorten und Anforderungsstrukturen gut zusammenpassen.

Familie kann heute – neben der typischen Vorstellung eines berufstätigen Vaters und seiner Ehefrau, die als Hausfrau und Mutter einige minderjährige Kinder versorgt – ebenso bedeuten, dass beide Eltern berufstätig sind oder dass ein Elternteil ein Kind alleine aufzieht. Ihnen gemeinsam ist das Zusammenleben von ein oder zwei Erwachsenen mit Kind(ern), die einen wie auch immer aufeinander abgestimmten Alltag als Familie leben.

 

 

Herausforderungen: Zeit, Entfernung, Gestaltung
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Die Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbsleben stellt insbesondere in zeitlicher Hinsicht (siehe auch GULP Umfrage) hohe Anforderungen. Ein Tag hat nur 24 Stunden – neben der Zeit im Projekt (ob vor Ort oder im Homeoffice) müssen gemeinsame Zeiten als Familie sichergestellt werden. Im Unterschied zu kinderlosen Paaren erweitert sich für Eltern der alltägliche Synchronisationsaufwand durch die Zeitrhythmen der Kinder. Einige Termine, welche die Organisation des Alltags vor allem bei berufstätigen Mutter und Vater zusätzlich erschweren können: Die Zeiten von Kindergarten und Schule; organisierte Freizeitbeschäftigungen wie Kinderturnen, Fußballverein oder Klavierstunde; Nachhilfeunterricht; Arztbesuche.

In räumlicher Hinsicht gelten meist nur berufliche Gründe als Auslöser für eine Distanz zur Familie. In der Regel sind Paare bemüht, in einem gemeinsamen Haushalt zu leben – auch und insbesondere um dem Kind einen verlässlichen Rahmen zu bieten. Ist dies nicht möglich, müssen sowohl Wege gefunden werden, die Beziehung über Distanz zu führen, als auch die Kinderbetreuung zumindest phasenweise dem Partner oder der Partnerin alleine zu überlassen.

Inhaltlich müssen die Vorstellungen zur Gestaltung der Partnerschaft, Fragen der Familienplanung, Ziele und Maßstäbe der Kindererziehung und die jeweiligen beruflichen Perspektiven abgestimmt werden. Es ist ein wie auch immer gestaltetes Modell erforderlich, das Einkommenssicherheit einerseits, die Betreuung und Erziehung der Kinder andererseits gewährleistet.

 

 

Zwei Modelle der Organisation
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Eine Erfahrung, die viele IT-Freiberufler bereits gemacht haben: Auftraggeber zeigen möglicherweise viel Sympathie für ein Engagement als Vater oder Mutter, aber auf die Eingebundenheit in die Betreuung der Kinder nehmen sie in der Regel wenig Rücksicht. Da heißt es, sein Privatleben in den Griff zu bekommen und möglichst reibungsfrei zu organisieren, damit der Kunde keinen Grund zur Beschwerde hat.

Letztlich reduzieren sich die Möglichkeiten auf zwei Modelle:

1. Das traditionelle Modell:
  Es werden klare zeitliche und sachliche Strukturen auf Dauer etabliert, um nicht ständig aufs neue abzugleichen, wer wann für welche Tätigkeiten zuständig ist. Zeiträume werden für berufliche Tätigkeiten reserviert, in welche die Familie nicht eingreift – auf der anderen Seite gibt es klare Absprachen über die Versorgung und Betreuung des Kindes. Die Lebensbereiche sind klar getrennt. Während der eine Partner (nach wie vor meist der Mann) für den Lebensunterhalt sorgt, kümmert sich der andere um den Haushalt und die Kindererziehung. Gemeinsamkeit als Familie wird hergestellt, indem man sich etwas ganz Konkretes, genau Umgrenztes mit der Familie vornimmt. Die Schwierigkeit besteht hier darin, Gemeinsamkeit im Sinne eines mehr als nur gelegentlich geteilten Familienalltags zu gewährleisten.
   
2. Das flexible Modell:
  Es wird bestimmt durch Arrangements gleicher Zuständigkeiten in beiden Lebensbereichen. Tagtäglich wird aufs neue entschieden, wer wann was machen kann, auch wenn die grobe Linie klar ist. Statt sich auf bestimmte Zeiten und Zuständigkeiten festzulegen, werden sie je nach aktuellem Arbeitsanfall und Projektphase flexibel gestaltet. Wenn eine Person phasenweise mehr Zeit in ihre berufliche Arbeit investieren muss, muss die andere komplementär mehr für die Familie zuständig sein. Dies hat natürlich zur Voraussetzung, dass beide Partner flexibel reagieren können. Gefahr läuft man hier allerdings, den Alltag so zu organisieren, dass man sich nur noch beim Arbeiten ablöst, und sich gerade mal dann sieht, wenn man sich bei der Betreuung des Kindes abwechselt.
 

 

Familie ist sozialer Lebensraum
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Man könnte vermuten, dass zunehmend nur diejenigen, die ihren außerberuflichen Lebenszusammenhang flexibel auf die Anforderungen des Berufs abzustimmen vermögen und kaum Verpflichtungen außerhalb des Berufs zu erfüllen haben, beruflich erfolgreich sind. Der vollmobile Single hat mitunter bessere Chancen als gebundene Menschen, die ihren Lebensalltag mit ihrer Partnerin, ihrer Familie abstimmen müssen.

Aber ist das der Weg zur Zufriedenheit? Für die Alternative Familienleben spricht, dass hier ein gemeinsamer Lebensbezug aufrechterhalten wird, der jenseits von Organisations- und Koordinationsfragen liegt. Familie ist ein sozialer Lebensraum, der Raum für Rückzug, Vertrauen, soziale Nähe und gegenseitige Anerkennung bietet und schließlich auch die Leistungsfähigkeit und Motivation im Beruf stärkt.

 

 

Interviewaufruf: Und die Praxis?
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Auch wenn sie aufschlussreich ist, gilt auch für den angehenden Akademiker: Grau ist alle Theorie. Gemeinsam mit GULP hat Carsten Manns deshalb eine kurze Umfrage zusammen gestellt, deren Ergebnis in seine Diplomarbeit eingehen wird. Außerdem sucht Manns noch IT-Freiberufler mit Familie aus Berlin, Hamburg, Köln oder Frankfurt a. M. für längere Interviews; ein einfaches Mail an cmanns@hotmail.com - und schon hat man auch einen Beitrag für die Wissenschaft geleistet. Und die wichtigsten Erkenntnisse der Studien gibt es dann bei GULP.

 

 

 

Kommentare zu diesem Artikel:

"Interessantes Thema, werde mich gern als Interviewpartner zur Verfuegung stellen. Bin sehr gespannt auf die Ergebnisse. (Juli 2004)"

"Ich finde den Artikel recht gut und trifft auch meine Situation zu verh. 14 Monate alte Tochter. Es gibt auch Zeiten wo es keine Projekte gibt, diese sollte man ausgiebig nutzen für die Familie. Dann entseht das Wochendvatergefühl nicht. (Juli 2004)"

"Ein schwieriges Thema. Bin mal gespannt, auf die Studie. (Juli 2004)"

"gut gemacht (Juli 2004)"

"Trifft meine Sitution (verh, 5 Monate alter Sohn). Meine Gedanken kreisen sehr oft über diesem Thema. Wenngleich bei mir die Beziehung bisher nicht wirklich litt frage ich mich doch, ob das Kind in Zukunft mit einem Wochenendvater aufwachsen soll ... (Juni 2004)"

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