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Können Fernbeziehungen tatsächlich von Dauer sein?

(März 2006)
Inhalt dieses Artikels:
Fernbeziehungen halten genauso lang, wenn nicht länger | Vorsicht vor zu hohen Erwartungen am Wochenende | Gemeinsame Lösungen suchen |
Kommunikation ist das A und O
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Auf Mobilität und Flexibilität gründet der Erfolg vieler IT-Freiberufler. Damit sind Fernbeziehungen nicht selten vorprogrammiert, wobei sich immer wieder eine bange Frage aufdrängt: Kann das auf Dauer gut gehen? Christine Koller, Journalistin und Autorin des Ratgebers "Liebe auf Distanz", hat das Phänomen näher unter die Lupe genommen.

Egal ob IT-Freiberufler oder Festangestellter: Zehn bis 15 Prozent der Deutschen zwischen 25 und 55 Jahren pendeln der Liebe wegen zwischen zwei Standorten hin und her und sehen sich meist nur am Wochenende. Eine Tatsache, die Betroffene immer wieder ins Grübeln über den Bestand einer solchen Partnerschaft bringt. Häufig angestoßen durch wohlmeinende Freunde und Verwandte, deren Credo "Auf Dauer geht doch das nicht gut", "Dieser Stress, das führt doch zu nichts" lautet. Doch Pendler-Paare können aufatmen!

 

Fernbeziehungen halten genauso lang, wenn nicht länger
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In den USA haben Wissenschaftler unlängst herausgefunden, dass die Liebe mit der Entfernung wächst. Long-distance-relationships halten genauso lange, wenn nicht länger, als normale Beziehungen, weiß Mary Carole Pistole, Professorin für Erziehungsfragen an der Purdue-Universität im US-Bundesstaat Indiana. Ihre Begründung: "Paare, die nahe zusammenleben, halten ihre Beziehung durch gemeinsame Aktivitäten wie Einkaufen gehen oder Fernsehen aufrecht." Sie scheitern deshalb oft am grauen Einerlei des Beziehungsalltags. "Bei Paaren, die getrennt leben, hat die gemeinsame Zeit einen höheren Stellenwert", so die Wissenschaftlerin.

 

 

Vorsicht vor zu hohen Erwartungen am Wochenende
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Dass der fehlende Alltag in Fernbeziehungen diese Partnerschaften aufregender und auch haltbarer macht, davon ist auch die Berliner Paarpsychologin Berit Brockhausen überzeugt. Sie verweist aber auch darauf, dass Pendel-Paare an die gemeinsamen Wochenenden nicht zu hohe Erwartungen stellen sollten. Damit es bei der kleinsten Abweichung nicht zum Krach kommt, sollten die Liebes-Pendler ihrer Meinung nach die Paarzeit nicht mit Aktivitäten überfrachten und klären, was die Wünsche und Bedürfnisse des einzelnen sind. Wer schweigt, geht leer aus, da Glaubenssätze wie "Wir verstehen uns auch ohne Worte" oder "Wenn mein Partner mich liebt, weiß er, was ich mir wünsche" eine Partnerschaft blockieren, statt sie vorwärts zu bringen.

 

 

Gemeinsame Lösungen suchen
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"Es ist durchaus normal, dass der eine gerne etwas unternehmen würde, während der andere lieber auf der Couch relaxt, denn Menschen sind nun mal verschieden und haben unterschiedliche Bedürfnisse", erklärt Brockhausen. Wichtig, so die Expertin, ist es, in solchen Situationen nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen und nicht anklagend zu sagen: "Du bist ja langweilig, immer möchtest du nur am Sofa rumhängen." Finden beide keinen Konsens - etwa erst noch eine Runde auf dem Sofa kuscheln und dann gemeinsam ausgehen -, "ist es auch ganz in Ordnung, wenn einer mal alleine loszieht", meint die Berliner Therapeutin.

 

 

Kommunikation ist das A und O
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Das gilt nicht nur für das Äußern der eigenen Bedürfnisse und dem Finden einer gemeinsamen Lösung (und grundsätzlich einer gemeinsamen Beziehungsperspektive!), sondern auch fürs in Kontaktbleiben unter der Woche. Telefonieren erhält für die Fernliebenden einen neuen Stellenwert, schafft es doch Nähe und Intimität und ist entscheidend, ihre Liebe während der gegenseitigen Abwesenheit am Leben zu erhalten. "Durch Befragungen von Hochmobilen haben wir festgestellt, dass sich emotionale Nähe, Intimität und Geborgenheit auch über räumliche Distanz hinweg mit Hilfe moderner Kommunikationsmittel zufrieden stellend gewährleisten lassen", sagt die Münchner Soziologin Helga Pelizäus-Hoffmeister. Wie das noch besser klappt, hier eine kleine Tippliste:

Was Sie beim Kontakt halten, beim Telefonieren beachten sollten:

o Am Telefon nicht nur Planungsdaten durchgehen: Wann wer am Bahnhof ankommt etc., sondern den anderen am "Single-Leben" unter der Woche teilhaben lassen. Ihm Ärger und Ängste, aber auch lustige Begebenheiten schildern.
o Probleme auch mal an der Strippe klären: Kleine Unstimmigkeiten muss man nicht bis ins Wochenende tragen. Doch: Hörer nicht im Affekt aufknallen! Sollte es dennoch mal passieren, noch mal wählen und versuchen, die Situation zu entschärfen. Das gilt auch für Situationen, in denen es in der Leitung plötzlich auffallend still wird. Damit nach dem Auflegen kein komischer Nachgeschmack bleibt, fragen, was los ist, und sich immer bemühen, das Gespräch im Guten zu beenden.
o Zärtlichkeit, ein liebes Wort - fernmündliches Händchenhalten ist am Anfang nicht einfach, aber wichtig, um sich einander auch in der Ferne nah, näher, am nähsten zu sein.
o Wer zweimal täglich zum Hörer greift, bleibt im Gespräch und schafft ein Ritual, das verbindet. Wichtig: Wenn einer der beiden abends nicht zur gewohnten Telefon-Zeit zu Hause ist, dem anderen vorher Bescheid geben, damit dieser nicht in die Leere läuft bzw. ins Freizeichen telefoniert.
o Um bei Mammutgesprächen qualmende Ohren zu vermeiden, auf Freisprechanlage schalten. Damit kann man sich es beim Telefonieren richtig gemütlich machen. Auch nett und persönlicher mit Webcam chatten.
o Um den Geldbeutel zu schonen, ab und zu einen Blick auf den Tarifrechner von www.billigertelefonieren.de werfen oder VoIP nutzen.
o Wer sich nach dem Abschied am Wochenende leer und einsam fühlt, dem gelingt es per Telefon sich schnell wieder zu integrieren. Freunde anrufen oder den Partner, gleich nachdem dieser in seiner Wohnung angekommen ist.
 

 

Nähere Informationen zur Autorin und zum Buch "Liebe auf Distanz" bei Christine Koller.extern
Die Autorin behält sich alle Rechte am Artikel vor. © 2006 Christine Koller.



Kommentare zu diesem Artikel:

"hallo ich Lese grade den Artikel hier ,warum ?? ich bin seit 6 monaten selber in einer Fernbeziehung ! Ich Lebe in der nähe von HH !und mein Partner in Bayern ,es trennen uns 620 Kilometer ,nun war er bei mir im Januar für 4Tage leider viel zu kurz ,die Sehnsucht nach ihm spüre ich täglich in mir ,vor 14 Tagen war ich nun in Bayern bei ihm ,Es waren sehr schöne 3Tage leider viel zu kurz .Nun gehts nur wieder Abends über das Telefon .und über die Cam ,aber es ist nicht leicht ,das merke ich selber .nur die Liebe zu ihm ,und die Hoffnung das es irgendwann mal dann ein zusammneleben geben wird ,läst mich das alles durchzustehn .Liebe kennt keine Grenzen sage ich mir ,aber stelle täglich dabei fest ,es tut auch sehr weh!! Aber ein Leben ohne ihn kann ich mir nicht mehr vorstellen ,also werde ich diese Fernbeziehung durchalten ,denn es ist ja im Grunde egal .ob man nur 10kilometer voneinander entfernt wohnt ,oder 600 kilomter ,solange man sich vertraut ,und sich liebt ,spielt es keine Rolle finde ich, wenns der Richtige ist!" wie bei mir !!! also nur Mut auch eine Fernbez kann halten. (Mai 2008)"

"Eigentlich ganz einfach: Es funktioniert, wenn die Beziehung intakt ist und diese einfachen Regeln - m.E. selbstverständlich - berücksichtigt werden. Es hat bei uns auf Anhieb funktioniert, obwohl wir jahrelang zuvor auch zusammen in einem Büro gearbeitet haben, also eine 24h-Partnerschaft. Kinder? Als meine Frau schwanger wurde, hab ich mir eine Anstellung an unserem gemeinsamen Ort gesucht, anders geht das m.E. nicht, oder die Kinder bleiben auf der Strecke. (August 2006)"

"Dieser Artikel soll vermutlich Mut machen; das halte ich auch für wichtig. Allerdings werden die Kinder vergessen, besonders auch, dass die vielen kleinen Alltagsprobleme ausschliesslich an der Partnerin hängen. Eine schwierige Aufgabe, wenn man als Frau ebenfalls berufstätig sein möchte - kann das Modell dann noch funktionieren? (März 2006)"

"Leider blendet dieser Artikel die Kinder aus. Natürlich besteht eine Partnerschaft nicht ausschließlich zum Kinder bekommen. Ich bin zumindest froh, dass ich immer den Wechsel zwischen Homeoffice und intensiver Reisetätigkeit habe. Ich würde unsere vier Kinder sonst sehr vermissen und die vielen kleinen Freuden (und das nervige) nicht mitbekommen. Um das nachzuholen ist das Wochenende definitiv zu kurz. Es wäre schön, wenn Auftraggeber nicht in jedem Falle auf einer Vor-Ort-Tätigkeit bestehen würden. (März 2006)"

"Es wurden in diesem Artikel die gemeinsamen Kinder vergessen, die man auch nur telefonisch mit Ratschlägen für die Hausaufgaben versorgen kann. Wie sieht es damit aus? Gibt es keine Erhebungen, wie Kinder damit umgehen, wenn Papa nur am Wochenende da ist, wie der Partner damit zurecht kommt, wenn eine Erziehungskraft fünf Tage pro Woche nicht verfügbar ist? (März 2006)"

"Ich bin seit 6 Jahren in genau dieser Situation, habe vor 4 Jahren geheiratet und *toitoitoi* meine Frau und ich halten zusammen wie Pech und Schwefel. Wichtig ist dabei vor allem gegenseitiges Vertrauen und Treue. Ohne die beiden geht es garantiert schief! (März 2006)"


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