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| Finanzen erfolgreich
organisieren:
Finanzielle Reserven bilden und Ertragskraft stärken
Teil 1 | Teil
2 | Teil
3 |
| (August
2006) |
Inhalt dieses
Artikels:
Finanzielle Reichweite ermitteln
| Schritt 1: Trennen Sie Privat-
und Geschäftskonto
| Schritt 2: Bezahlen Sie sich
selbst zuerst | Schritt 3:
Erweitern Sie Ihren finanziellen Spielraum |
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| Autor: Gerhard Gieschen, Unternehmensberater |
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| Fassungslos sitzt der 36-jährige Herbert
K., selbstständiger Oracle-Spezialist, vor den Trümmern
seiner bis vor kurzem noch erfolgreichen Existenz. Es begann ganz
unscheinbar mit einer unerwarteten Steuernachzahlung. Dann wechselte
der Kreditsachbearbeiter bei seiner Bank. Plötzlich durften
Überweisungen nicht mehr ausgeführt werden, dann gingen
Lastschriften zurück. Die ersten Mahnbescheide trudelten ein.
Das Finanzamt pfändete sein Konto, die Bank kündigte den
Kontokorrentkredit und in der darauf folgenden Woche stand der Gerichtsvollzieher
persönlich vor der Tür. Nun zeigt sich der Auftraggeber
von Herbert K. über einen Pfändungsbeschluss irritiert
und schließt eine Verlängerung des aktuellen Projekts
aus.
Tagtäglich erleben Freiberufler, dass es nicht reicht, einen
exzellenten Job zu machen und gut zu verdienen. Wer sich nicht ausreichend
um seine finanzielle Situation kümmert, wacht eines Morgens
auf und muss feststellen, dass er seine Zukunft auf Sand gebaut
hat. Dabei kann heute jeder Freiberufler mit einigen wenigen Schritten
seine Finanzen in den Griff bekommen und seine Existenz absichern.
Wie's funktioniert erläutert der Erfolgstrainer und Buchautor
Gerhard Gieschen in seinem demnächst erscheinenden Handbuch
für Freiberufler, Selbstständige und Freie Mitarbeiter
"Erfolgreich ohne Chef". Für GULP Leser stellt er
aus diesem vorab einige Inhalte zur Verfügung. Die ersten beiden
Teile befassen sich mit dem Thema "Finanzen organisieren". |
| Finanzielle
Reichweite ermitteln |
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Geld ist der Treibstoff jeder Selbstständigkeit. Liquidität,
also die Fähigkeit, jederzeit seinen Zahlungsverpflichtungen
nachkommen zu können, ist nichts anderes als der Vorrat an
diesem Treibstoff. Liquidität ist für Sie lebensnotwendig,
denn sobald der Zahlungseingang stockt, leben Sie von Ihren Reserven.
Sind diese aufgebraucht, beginnt der Motor zu stottern und Ihre
Handlungsfähigkeit wird immer weiter eingeschränkt. Nur
ein ausreichendes finanzielles Reservepolster sorgt dafür,
dass Sie allen unerwarteten Ereignissen entspannt die Stirn bieten
können.
Gleichzeitig erweitern finanzielle Reserven Ihren unternehmerischen
Handlungsrahmen. Sie können schlecht bezahlte Aufträge
ablehnen oder auslaufen lassen und sich zukünftig auf "Diamanten" konzentrieren.
Ausreichende Rücklagen ermöglichen es Ihnen, die entsprechenden
Fortbildungen und Veranstaltungen zu buchen und sich strategisch
in den richtigen Netzwerken und Zielgruppen zu positionieren. Oder
anders gesagt: ausreichende finanzielle Spielräume sind Ihr
Turbolader zum Erfolg.
Ermitteln Sie deshalb zuerst Ihre finanzielle Reichweite:
| Kassenbestand (Barvermögen) |
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____________________ Euro
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| Kurzfristig verfügbare Guthaben |
+
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____________________ Euro
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| Nicht ausgeschöpfte Kontokorrent-Kredite |
+
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____________________ Euro
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| => Flüssige Mittel |
=
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____________________ Euro
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| Betriebliche Ausgaben (Monat) |
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____________________ Euro
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| Private Ausgaben (Monat) |
+
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____________________ Euro
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| => Durchschnittliche monatliche Ausgaben |
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____________________ Euro
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Finanzielle Reichweite (Monate) = Flüssige
Mittel / Durchschnittliche Ausgaben
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Die Relation Ihrer flüssigen Mittel zu den durchschnittlichen
monatlichen Ausgaben zeigt Ihnen, wie lange Sie im Falle eines
Falles privat und geschäftlich ohne weitere Maßnahmen überleben
können. Falls Ihre finanzielle Reichweite weniger als drei
Monate beträgt, ist sofortiges Handeln angesagt. Aber auch,
wenn Sie sich schon einen ausreichenden finanziellen Spielraum
geschaffen haben, sollten Sie die Gelegenheit nutzen, um mit dem
einfach umzusetzenden 5-Punkte-Programm Ihre erarbeitete Position
zu sichern und Ihre Ertragskraft zu stärken.
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| Schritt
1: Trennen Sie Privat- und Geschäftskonto |
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Sollten Sie bisher private Ausgaben über betriebliche Konten
laufen lassen oder umgekehrt, stoppen Sie dies sofort. Eine klare
Trennung Ihrer privaten und geschäftlichen Konten strukturiert
Ihren Zahlungsverkehr und bildet die Ausgangsbasis für Liquiditätsplanung
und Vermögensbildung. Führen Sie beide Konten unbedingt
bei unterschiedlichen Banken. So bilden Sie mit einfachen Mitteln
eine Brandschutzmauer, um unerwartete Zugriffe Dritter auf Ihre
Gelder abzuwehren. Außerdem stellen Sie sicher, dass Sie
und Ihre Familie im Falle einer Kontensperrung trotzdem nicht hungern
müssen. Wenn Sie Gemeinschaftskonten mit Ihrem Lebensgefährten
unterhalten, trennen Sie auch diese. Sie können Ihrem Partner – und
er Ihnen – ja eine Vollmacht auf das jeweilige Konto des
anderen einräumen. So ersparen Sie Ihrem Partner langwierige
Prozesse und das Risiko, plötzlich um seine Einnahmen gebracht
worden zu sein.
Führen Sie diese Trennung sofort durch! Bedenken Sie, dass
Ihr wirtschaftliches Überleben davon abhängen könnte,
ob die Konten und Zahlungsströme klar verschiedenen Eigentümern
zuzuordnen sind.
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| Schritt
2: Bezahlen Sie sich selbst zuerst |
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Wirklich erfolgreich sind Sie als Selbstständiger nur dann,
wenn Sie so viel verdienen, als wären Sie angestellt und darüber
hinaus noch ein Gewinn zur Risikoabdeckung übrig bleibt. Überschlagen
Sie nun, wie viel Sie als Angestellter pro Monat verdienen würden.
Dieser Betrag ist Ihr fiktiver Unternehmerlohn. Falls Sie sich noch
in der Anlaufphase befinden, können Sie mit sich auch ein niedrigeres
Entgelt vereinbaren. Aber dann sollten Sie es jedes Jahr so weit
es geht anheben, bis Sie das Marktniveau erreicht haben. 90 % Ihres
Unternehmerlohns buchen Sie auf Ihr neues Privatkonto. Damit haben
Sie zukünftig (wieder) die gleiche Ausgabenkontrolle wie jeder
Angestellter. Dieses Geld haben Sie sich verdient – aber mehr
steht Ihnen für Ihre Privatausgaben inklusive Krankenkasse,
Versicherungen und der Bedienung privater Kredite nicht zur Verfügung.
Sollten Sie damit nicht auskommen, müssen Sie Ihre Privatausgaben
einschränken. Gleichzeitig setzen Sie sich mit den monatlichen
Abbuchungen unter Erfolgsdruck. Von nun an müssen Sie Monat
für Monat Ihre betrieblichen Ausgaben und Ihren Unternehmerlohn
erwirtschaften, sonst rutscht Ihr Konto ins Minus. Mit einem einzigen
Dauerauftrag planen Sie automatisch Ihren Mindestumsatz und budgetieren
gleichzeitig Ihre Privatausgaben.
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| Schritt
3: Erweitern Sie Ihren finanziellen Spielraum |
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In Krisenzeiten liegt der Schlüssel zum Erfolg in Ihrer Zahlungsfähigkeit.
Denn mit gefesselten Füßen können Sie keinen Hundert-Meter-Lauf
gewinnen. Jede Maßnahme kostet Geld. Selbst, wenn Sie "nur"
Forderungen eintreiben, mit Kreditgebern verhandeln oder neue Aufträge
akquirieren, fallen möglicherweise Reisekosten an. Außerdem
müssen Sie in Krisenzeiten Ihre Aufmerksamkeit zu 150 % auf
neue Projekte konzentrieren und dürfen nicht durch die Suche
nach alternativen Einnahmequellen zur Absicherung Ihrer Familie
abgelenkt werden. Schlimmstenfalls fällt Ihr Betrieb zeitweise
als Einnahmequelle aus. Um dennoch zu überleben und weiter
handlungsfähig zu bleiben, müssen Sie vorher ausreichend
Reserven aufbauen.
Erstellen Sie deshalb eine Liste mit Ihren privaten Ausgaben und
ermitteln, wie viel Geld Sie und Ihre Familie pro Monat benötigen,
ohne den Lebensstandard wesentlich einzuschränken. Gehen Sie
dazu die Kontoauszüge eines Jahres durch, addieren alle Ausgaben
und teilen das Ergebnis durch zwölf. Dieser Betrag ist die
Basis zur Ermittlung Ihrer privaten Liquiditätsreserve. Sie
sollten mindestens neun Monate ohne Entnahmen aus dem eigenen Unternehmen überleben
können. Denn Not macht erfinderisch, es könnte also sein,
dass ein Gläubiger den Weg zur Ihren privaten Konten findet.
Halten Sie deshalb einen Teil der Reserve in bar vor. Wer wirklich
auf Nummer sicher gehen möchte, wendet die 6 + 3 Regel an.
D.h. sechs Monatsreserven auf einem Tagesgeldkonto und drei Monatsreserven
in bar vorrätig zu halten. Ergänzt wird diese Reserve
durch mindestens eine private Kreditkarte. Mit dieser bleiben Sie
im Zweifelsfall beweglich, können Flüge buchen, Hotels
und Mietwagen nutzen, auch wenn das Portemonnaie gerade leer ist.
Eröffnen Sie also ein Anlagekonto mit täglicher Verfügbarkeit
bei einer Direktbank. Sie erhalten dort angemessene Verzinsung,
niedrige Kontogebühren und haben 24 Stunden am Tag Zugriff
auf die Gelder. Richten Sie von Ihrem Geschäftskonto einen
Dauerauftrag ein, mit dem Sie jeweils am Anfang eines Monats mindestens
10 % Ihres Unternehmerlohns übertragen. Zusätzlich mieten
Sie sich ein Bankschließfach oder kaufen sich einen Tresor.
Wenn Sie zukünftig Bargeld abheben, legen Sie sofort danach
ein Fünftel dieses Betrags für Ihre Barreserve beiseite.
Heben Sie aber nicht von vorneherein mehr ab, sondern arbeiten
Sie daran, sich diese Reserve von den laufenden Ausgaben abzusparen.
An dieser Stelle kommt im Coaching immer wieder der Einwand: "Natürlich
leuchtet mir das Vorgehen ein, aber woher soll ich die vielen zusätzlichen
Gelder zum Aufbau der Reserven nehmen?". Natürlich ist
dieser Einwand berechtigt, aber die Erfahrung zeigt, dass in jedem
Betrieb versteckte finanzielle Ressourcen schlummern. Tipps, wie
auch Sie Ihren Geldfluss ausbauen und die weiteren Schritte des
5-Punkte-Programms lesen Sie im zweiten Teil "Finanzen erfolgreich
organisieren".
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Als Geschäftsführer einer Betriebsberatung unterstützt
Gerhard Gieschen Freiberufler, Selbstständige und Unternehmer
bei der Optimierung ihrer betrieblichen Ressourcen und der Steigerung
ihrer Gewinne. Seine Erfahrungen gibt er auch als Buchautor wieder,
u.a. in seinem aktuellen Ratgeber "Erfolgreich
ohne Chef" .
Gerhard Gieschen behält
sich alle Rechte am Artikel vor. © 2006 |
Kommentare zu diesem Artikel:
"Die Tipps sind gut, schade dass keine entsprechenden Softwaretipps dabei sind. (Februar 2009)"
"Eine gute Bestätigung meiner Strategie, leider bin ich zu inkonsequent, bei Bargeld denke ich sofot an verlorengegangene Zinsen und die aktuelle Inflation, da ist mir ein zusätzlicher kleiner Bestand Edelmetall (1/10 Unze Gold gibt es bei vielen Banken anonym schon für 60 EUR über die Theke) in Ergänzung der Tagesgeldbestände lieber. (Mai 2007)"
"Eigentlich selbstverständliche Dinge, die jeder Freiberufler machen sollte. Ist aber leider oft nicht der Fall... (August 2006)"
"Gute Tipps. Ein paar Dinge waren für mich offensichtlich, aber im Allgemeinen muss man noch viel härter zu sich selbst sein, wie mir scheint. Dank an GULP für diese Serie! (August 2006)"
"Guter Rat wie man mit seinem Geld grundsätzlich umgehen soll ohne das einem erzählt wird in irgendwelche Versicherungen/Anlagen zu investieren. (August 2006)"
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