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Finanzen erfolgreich organisieren:
Finanzielle Reserven bilden und Ertragskraft stärken

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(August 2006)
Inhalt dieses Artikels:
Schritt 4: Bauen Sie Ihren Geldfluss aus | Schritt 5: Halten Sie Ihr Girokonto im positiven Bereich
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Autor: Gerhard Gieschen, Unternehmensberater
 

Für den selbstständigen Oracle-Spezialist Herbert K. geriet eine unerwartete Steuernachzahlung zum finanziellen GAU: Mahnbescheide, Kontenpfändung, Gerichtsvollzieher und dann auch noch ein Pfändungsbeschluss beim Auftraggeber. Mal ehrlich, hätten Sie für solche finanziellen Krisenfälle einen Notfallplan? Der Unternehmenstrainer Gerhard Gieschen stellt in seinem Ratgeber "Erfolgreich ohne Chef" ein 5-Punkte-Programm vor, mit dem Freiberufler und Selbstständige ihre erarbeitete Position sichern und die Ertragskraft stärken können. Die bereits vorgestellten ersten drei Schritte behandelten die Ermittlung und Erweiterung des finanziellen Spielraums. Bleibt aber noch die Frage, woher die zusätzlichen Gelder zum Aufbau der Reserven nehmen? Wo versteckte finanzielle Ressourcen schlummern, thematisiert der zweite Teil von "Finanzen erfolgreich organisieren".

 

Schritt 4: Bauen Sie Ihren Geldfluss aus nach oben
   

Der Wasserstandspegel in Ihrer Badewanne ergibt sich aus der Differenz zwischen den Zu- und Abflüssen. In der Finanzwelt ist es nicht anders. Nicht hohe Einnahmen führen zu finanziellen Reserven, sondern die Differenz zwischen Geldeingängen und Geldausgängen. Diese Differenz, Cashflow genannt, ist Ihr Hebel zu finanzieller Freiheit und der Bildung eines attraktiven Vermögens. Bauen Sie deshalb regelmäßig Ihren Geldfluss aus:

o Schalten Sie alle Ampeln auf Grün für fakturierbare Umsätze.

Arbeiten, die Sie sofort umsetzen und abrechnen können, sollten in Ihrer Tagesplanung absolute Priorität genießen. Umsatz geht vor Spaß und vor allem vor Verwaltung. Setzen Sie sich ein tägliches Umsatzziel und beginnen erst dann mit Ihren anderen Arbeiten, wenn Sie dieses Ziel erreicht oder gar übertroffen haben.

o Fakturieren Sie immer so schnell es geht.

Ihr Kunde kann frühestens nach Rechnungseingang eine Zahlung an Sie veranlassen. Schreiben Sie deshalb Ihre Rechnungen so früh es irgendwie geht. Nutzen Sie den ersten Freitag eines neuen Monats als letzten Termin, um alle verbliebenen Arbeiten (vor allem aus Großkunden-Projekten) aus dem Vormonat zu fakturieren.

o Zahlen Sie so spät es geht.

Je später Sie zahlen, desto länger arbeitet das Geld auf Ihrem Konto. Falls Sie noch einen Kontokorrentkredit nutzen, sparen Sie dadurch 8 % bis 10 % pro Jahr. Es gibt nur eine Ausnahme von dieser Regel: die Zahlung mit Skonto. Wenn Sie 20 Tage früher zahlen und dafür 3 % Skonto erhalten, verzinst sich Ihr Geld mit gut 50 % pro Jahr. Falls Ihr Lieferant keinen Skonto bietet, schlagen Sie ein Zahlungsziel von 90 oder zumindest 60 Tagen vor.

o Fürchten Sie Fix-Kosten wie der Teufel das Weihwasser.

Unterschreiben Sie zukünftig keine Vereinbarungen über sich wiederholende Kosten, bevor Sie nicht den Betrag in Gedanken mit 50 multipliziert haben. Sind Sie bereit, eine so hohe Summe zu investieren? Ist es das wirklich wert? Halten Sie ein! Ehe Sie sich versehen, haben Sie sich an die Ausgabe gewöhnt oder vergessen, die Vereinbarung zu kündigen. Und Ihr Lieferant bucht ab, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Wieso, glauben Sie, würden sonst für den Abschluss von Abonnements so hohe Prämien bezahlt?

o Entschlacken Sie Ihren Fixkosten-Block.

Wissen Sie, weshalb Ihr Konto leer ist? Weil alle Einnahmen Monat für Monat durch regelmäßig wiederkehrende Kosten wie Mieten, Leasingraten, Telekommunikationsgebühren oder Zeitungsabonnements aufgefressen werden. Erstellen Sie sofort eine Liste aller solcher Kosten, sortieren diese nach Betrag absteigend und überlegen Position für Position, ob diese nicht entbehrlich oder ersetzbar ist. Geben Sie sich nicht zufrieden, bis Sie Ihre regelmäßigen Zahlungen um mindestens 20 % entschlackt haben.

o Streichen Sie den Begriff "geringfügige Kosten" aus Ihrem Wortschatz.

Auf Dauer summieren sich selbst kleinste Beträge zu stattlichen Summen. Wenn Sie Ihren Jahresgewinn um 10.000 Euro steigern möchten, müssen Sie "nur" an 220 Tagen 45,40 Euro mehr verdienen. Oder 220 mal zurückzucken, wenn Ihnen die Idee kommen sollte, 50 Euro auszugeben.

o Stellen Sie jede Ausgabe in Frage – immer wieder.

Verlassen Sie ausgetretene Wege. Denn viel zu schnell gewöhnen wir uns an angenehme Standards und vor allem an Ausgaben. Gestern war es vielleicht richtig, sich den Luxus eines eigenen Büros zu leisten. Morgen können Sie vielleicht mit einem Kooperationspartner eine Bürogemeinschaft bilden, Geld sparen und auch noch zusätzliche Kunden gewinnen. Oder Sie tauschen Ihre teuren, aber alten Räume in der Stadtmitte gegen neue und günstigere Räume in einem aufstrebenden Gewerbegebiet.

o Im Einkauf liegt der Gewinn.

Wenn Sie schon Geld ausgeben, nehmen Sie nie einen Verkaufspreis als gegeben hin. Fragen Sie nach einem attraktiven Rabatt. Verhandeln Sie anschließend über einen zusätzlichen Preisnachlass. Und sprechen dann über die Zahlungsbedingungen. Denken Sie daran: wenn Sie 20 Tage früher zahlen und dafür 3 % Skonto erhalten, verzinst sich Ihr Geld mit gut 50 % pro Jahr.

Greifen Sie nach gebrauchten Investitionsgütern. Autos beispielsweise können Sie nach sechs Monaten weit unter dem eigentlichen Wert kaufen. Das gleiche gilt für gebrauchte Maschinen und Büromöbel. Bevor Sie sich für eine neue Immobilie entscheiden, ziehen Sie einen Fachmann hinzu und prüfen die aktuellen Versteigerungsangebote.

o Unterscheiden Sie zwischen guten Kosten und schlechten Kosten.

Bei allem Kostenbewusstsein schütten Sie aber das Kind nicht mit dem Bade aus. Denn nicht jede Sparmaßnahme wird Ihr Betriebsergebnis positiv verändern. Auch bei Ihren Aufwendungen gibt es gute Kosten und schlechte Kosten. Das Ergebnis macht den Unterschied: Gute Kosten bringen mehr Geld in Ihre Tasche. Schlechte Kosten bringen auch mehr Geld in Ihre Tasche – aber nur dann, wenn Sie diese streichen. Gezielte Ausgaben für Vertrieb, Neugeschäft, Reputation, Kundenbindung und spürbaren Kundenservice sind Investitionen in Ihre Zukunft. Denn mit gezielten Maßnahmen auf diesen Gebieten steigern Sie über kurz oder lang Ihr Unternehmensergebnis. Typische schlechte Kosten finden Sie dagegen in folgenden Bereichen:

o Miete
o Verwaltung
o Fuhrpark
o Reisekosten, Hotels, Bewirtung und Spesen
o Allgemeine Werbung, Imagewerbung
o Technische Spielereien

Gewöhnen Sie sich an, jede ausgabenwirksame Entscheidung wie folgt zu hinterfragen:

o Was würde passieren, wenn ich es nicht kaufe?
o Gibt es das auch gebraucht zu kaufen?
o Wie wird sich diese Entscheidung auf meinen (Tages-)Gewinn auswirken?
 

 

Schritt 5: Halten Sie Ihr Girokonto im positiven Bereich nach oben
   

Bei all diesen Maßnahmen achten Sie aber darauf, dass Sie nicht Ihren Kontokorrentkredit Monat für Monat ausweiten. Ihre Aufgabe ist es, die Einnahmen zu erhöhen und nicht, den Kreditrahmen auszuweiten! Denn bei einem Zinssatz von 12 % verdoppeln sich Ihre Schulden alle sechs Jahre! Falls Sie bei Ihrer Existenzgründung einen Kontokorrentkredit in Höhe von nur 6.000 Euro beanspruchen und den Betrag inklusive Zins und Zinseszins 24 Jahre stehen lassen, müssen Sie nach 24 Jahren 96.000 Euro zurückzahlen. Und das wäre sicher ein finanzielles Polster, mit dem Sie entspannt in die Zukunft schauen könnten, oder?

Falls Ihre aktuelle Ertragskraft nicht ausreicht, um sich ein solides finanzielles Polster zu schaffen, sollten Sie Ihr Geschäftsmodell optimieren. Viele bewährte Tipps, Checklisten und Hinweise hierzu finden Sie im Handbuch "Erfolgreich ohne Chef", erschienen im Cornelsen Verlag. Weitere Informationen finden Sie unter www.erfolgreich-ohne-chef.de extern.

 

 

Der Autor Gerhard Gieschen unterstützt Unternehmer, Selbstständige und Freiberufler dabei, ihren Gewinn zu steigern. Seit über 23 Jahren ist er als Gründer, Gesellschafter und geschäftsführender Gesellschafter im Dienstleistungs- und IT-Bereich tätig und gibt seine Erfahrungen als Betriebsberater, Trainer, Erfolgs-Coach und Buchautor weiter.

Gerhard Gieschen behält sich alle Rechte am Artikel vor. © 2006

 


Kommentare zu diesem Artikel:

"Sehr interessanter Artikel - ich bin seit 5 Jahren selbstständig und werde meine Finanzen jetzt neu planen. Der Tipp mit 'so spät zahlen wie möglich' wurde bereits mehrfach negativ herausgepickt - ist aber doch nur ein kleiner Punkt unter vielen anderen, also kein Grund deswegen den Artikel insgesamt zu verwerfen. (September 2006)"

"In diesem Artikel sind einige sehr nützliche Dinge aufgeführt, z.B. die Trennung der Konten, Vorhaltung von Bargeld etc. Es bleibt jedoch dem Einzelnen selbst überlassen, wie hoch er seine Reserven ansetzen möchte. Des Weiteren setze ich auf eine faire und vertrauensvolle Zusammenarbeit und beachte die Interessen aller Beteiligten, ohne immer auf den Pfennig und den Cent zu schauen. Auf diese Wiese arbeiten BEIDE Partner gerne und lange zusammen. So kann man sich Kunden erhalten. Neue Kunden zu akquirieren kann auch sehr kostspielig werden. (September 2006)"

"Sehr guter Artikel! Nach einem ähnlichen Muster betreibe ich seit drei Jahren erfolgreich meine Selbstständigkeit. Z.B. konnte ich bis jetzt auf den Kauf eines Autos ganz verzichten und mit einem Aldi Notebook programmiert sich auch guter Code. Von der Aussage "Zahlen so spät es geht" halte ich allerdings auch nicht so viel. Bei vernünftiger Liquiditätsplanung auch eigentlich nicht nötig. (September 2006)"

"Grundlegende Überlegungen, ohne die man gar nicht erst den Schritt in die Selbstständigkeit antreten sollte. Das Thema "so spät wie möglich zahlen" schlägt jedoch nur unangenehm in die Kerbe der allgemein schon schlechten Zahlungsmoral. Nicht mein Ding! Etwas mehr Geben UND Nehmen, dann hätten auf Dauer alle was davon. (September 2006)"

"Zitat: "Zahlen Sie so spät es geht". Ein grandioser Tipp für Freiberufler, die selbst darauf angewiesen sind, ihre Kohle zu bekommen! Ein Schuss ins eigene Fleisch und eine generelle Unart in der Wirtschaftswelt. (September 2006)"

"Der erste und sinnvolle Teil rät das Nachdenken und Handeln im finanziellen Bereich, aber der zweite Teil enthält nicht nur Sinnvolles. "Technische Spielereien" haben mir beispielsweise schon ganze Projekte verschafft und das ewige Preisdrücke-Spielchen kann Geschäftspartner ganz schön nerven. Weiterhin sollte auch das Berater-Image wenigstens etwas zum Restaurant, zur Kleidung und zum fahrbaren Untersatz passen, denn wenn Premium-Honorare verlangt werden können, sollte man sie auch verlangen. (September 2006)"

"Zweifellos erhalten ausreichend finanzielle Reserven die unternehmerische Handlungsfähigkeit in einer einkommenschwachen Zeit. Aber die Frage inwieweit und wieviel Reserven gebildet werden, ist und soll eine Frage des persönlichen Lebensstils bleiben. Wären alle nur auf Sicherheit bedacht, würden viele sinnlose Investitionen und Anschaffungen nicht getätigt (immenser Schaden für die Volkswirtschaft)und eine Reihe von Branchen (Anwälte, Inkasso etc) arbeitslos. So bleibt es an uns zu entscheiden, ob wir unbeabsichtigt zum Wohle aller handeln (Konjunktur, Erhalt und Schaffung von Arbeitsplätzen) oder ob uns persönliche Sicherheiten wichtiger sind... (September 2006)"

"Das klingt leider nach "Geiz ist geil" Mentalität. Das geht leider nur einmal, dann nicht mehr. (August 2006)"

"Sehr hilfreich. (August 2006)"

"Das ist mir zuviel verkniffene Pfennigfuchserei. Z.B. ist mir ein angenehmes Verhältnis mit meinen Geschäftspartnern wichtiger als Zahlungen bis auf den letzten Tag herauszuschieben. Ein vertrauensvoller Umgang - eben nicht immer auf den eigenen Vorteil versteift - bringt mittel- und langfristig eine stabilere Wirtschaftslage. (August 2006)"


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