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Finanzen erfolgreich organisieren:
Vermögen aufbauen

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(September 2006)
Inhalt dieses Artikels:
Die Formel für wirklichen Wohlstand | 1. Regelmäßig private Aktiva steigern | 2. Schulden differenzieren | 3. Konsumschulden vermeiden | 4. Zinslast reduzieren | 5. Finanziellen Spielraum regelmäßig ausweiten
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Autor: Gerhard Gieschen, Unternehmensberater
 

IT- Freiberufler sind gewohnt, jeden Tag Spitzenleistungen zu erbringen und diese zu einem guten Stundensatz abzurechnen. Doch die im Vergleich zu angestellten Kollegen hohen monatlichen Einnahmen verführen zu einem gefährlichen Trugschluss: dem Irrtum, dass ein hoher Lebensstandard gleichbedeutend mit Wohlstand sei.

Doch so zu denken, ist als Freiberufler äußerst riskant. Denn so lange Ihr Lebensstandard vom persönlichen Arbeitseinsatz abhängig ist, gibt es keine Wohlstandsgarantie. Es genügt ein Markteinbruch, eine langwierige Krankheit, ein persönlicher Schicksalsschlag oder die Erkenntnis, ausgebrannt zu sein und ein wenig ruhiger treten zu müssen. Und schon ist das laufende Einkommen und damit der Lebensstandard in Gefahr. Wer aber ständig vor Auftragsmangel, drohender Krankheit und zunehmenden Preisdruck Angst haben muss, kann sich weder als frei noch als wohlhabend bezeichnen. Wirklicher Wohlstand ist die Freiheit, tun und lassen zu können, was man möchte.

 

Die Formel für wirklichen Wohlstand nach oben
   

Als wirklich wohlhabend kann sich nur bezeichnen, wer seinen Lebensstandard durch Einnahmen abdecken kann, die unabhängig von seiner Arbeitsleistung sind. Solche Einnahmen bezeichnen wir als passives Einkommen wie z.B. Mieten, Zinsen, Dividenden oder Rentenansprüche. Die Formel für wirklichen Wohlstand lautet deshalb:

Wohlstand =

passives Einkommen

    _________________
    Ausgaben

Wirklich unabhängig von Ihren Kunden, der Konjunktur und Ihrer persönlichen Schaffenskraft sind Sie deshalb erst, wenn Ihr Wohlstandsfaktor über 1,0 liegt, d.h. Ihr passives Einkommen Ihre Ausgaben übersteigt.

Mit ein paar einfachen Zahlen können Sie Ihren aktuellen Wohlstandsindikator testen. Angenommen, Sie stellen für zwölf Monate Ihre Arbeit ein. Schätzen Sie die Höhe der Einnahmen, die Ihnen trotzdem zufließen. Lassen Sie dabei aber noch offene Rechnungen außen vor, denn diese stammen ja aus Ihrem aktiven Einkommen.

Mieten / Pachteinnahmen   _________________ Euro
     
Zinsen + _________________ Euro
     
Dividenden + _________________ Euro
     
Wertsteigerungen + _________________ Euro
     
Tantiemen und Lizenzen + _________________ Euro
     
Renten + _________________ Euro
     
Sonstige passive Einkünfte + _________________ Euro
     
Summe passives Einkommen = Euro
==================
     
Ausgaben pro Jahr / _________________ Euro
     
Ihr Wohlstandsquotient = Euro
====================

Als Selbstständiger sind Sie sozusagen dazu verpflichtet, möglichst schnell einen Faktor von 1,0 zu erreichen. Denn Sie arbeiten täglich länger und intensiver als Ihre angestellten Kollegen, tragen höhere Risiken und engagieren sich auch finanziell. Außerdem müssen Sie noch Arbeitsausfall, Krankheit, Urlaub, Ruhestand sowie Ihr Insolvenzrisiko absichern. Und es gibt keine Garantie, dass eines dieser Risiken erst eintritt, wenn Sie 65 sind! Beschleunigen Sie deshalb Ihren Weg zum Wohlstand. Starten Sie dazu mit dem folgenden 5-Punkte-Programm zum schnelleren Vermögensaufbau.

 

 

1. Regelmäßig private Aktiva steigern nach oben
   

"Aktiva sind Vermögenswerte, die Geld in Ihre Tasche bringen." Anders gesagt, Aktiva bringen Erträge, die Sie in weitere Aktiva investieren können, damit diese wieder Erträge bringen. Mit jedem zusätzlichen Euro, den Sie in solche Aktiva investieren, setzen Sie eine vermögensbildende Spirale in Gang.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie hätten vor 12 Monaten begonnen, zusätzlich 10 % Ihres Einkommens zu sparen. Wie viel hätten Sie dann bis jetzt gespart? Und wenn Sie vor zwölf Jahren damit begonnen hätten? Im langjährigen Vergleich erhalten Sie selbst bei Festgeldanlagen im Schnitt eine Verzinsung von über 5 % – damit würde diese Anlage schon einen spürbaren Beitrag zu Ihrem Einkommen leisten.

Gewöhnen Sie sich an, mindestens 10 % Ihres Unternehmerlohns für Ihre persönliche Vermögensbildung zu verwenden. Ob Sie diesen Betrag in einen Fondssparplan, eine Lebensversicherung oder gar in eine Immobilie investieren, sollten Sie mit Ihrem Finanzberater besprechen. Aber um sicherzustellen, dass Sie diesen Betrag auch wirklich sparen, muss er automatisch von Ihrem Konto abfließen, also per Dauerauftrag - und zwar bevor Ihre betrieblichen Ausgaben und Ihre Konsumwünsche kommen. So setzen Sie sich selbst durch Ihre Sparquote unter Druck, mehr zu verdienen.

 

 

2. Schulden differenzieren nach oben
   

Sparen ist ein langsamer, aber sicherer Weg zum Vermögensaufbau. Um den Vermögensaufbau zu beschleunigen, gibt es verschiedene Abkürzungen. Ein solcher Turbolader ist der richtige Umgang mit Schulden. Denn nicht alle Schulden sind schlecht. Im Gegenteil, Kredite können der Turbolader zum frühzeitigen Wohlstand sein.

Dann nämlich, wenn Sie die erhaltenen Mittel investieren, um damit zukünftig mehr Geld verdienen, als Sie Ihrem Investor zurückzahlen müssen. Deshalb nennt man gute Schulden auch Investitionskredite. Aber Vorsicht, nicht jeder Kredit hilft Ihnen weiter. Wenn Sie das geliehene Geld verkonsumieren, verlangsamen Sie damit Ihren Vermögensaufbau. Der vornehme Ausdruck für schlechte Schulden lautet deshalb auch Konsumschulden. Zur Verdeutlichung zwei Beispiele:

o Falls Sie für Ihre Selbstständigkeit ein Auto benötigen, ist diese Anschaffung eine Investition. Leisten Sie sich aber eine Nobelkarosse anstatt eines Wagens der Golf-Klasse, ist das Verschwendung - außer Sie sind sicher, dass Ihre Kunden darauf achten und es sich so positiv auf Ihr Geschäft auswirkt. Jeder Euro, den Sie zusätzlich ausgeben, ohne dadurch den Umsatz Ihrer Firma steigern zu können, bremst Ihren Vermögensaufbau und muss unter "Spaß" und "Konsum" verbucht werden.
o Sollten Sie in einem auftragsschwachen Monat Ihre laufenden Aufwendungen über Kredite finanzieren, muss das nicht automatisch schlecht sein. Grundsätzlich gilt zwar jede Fremdfinanzierung Ihres Lebensstandards und auch Ihrer laufenden Firmenkosten als Konsumschuld. Wenn Sie allerdings diese Zeit strategisch nutzen, um nicht den erstbesten Job, sondern die passenden Kunden zu finden und profitable Geschäftsfelder zu erschließen, investieren Sie in Ihre Zukunft.
 

 

3. Konsumschulden vermeiden nach oben
   

Konsumschulden kosten nicht nur jeden Monat Zinsen, sie demotivieren auch den Schuldner. Denn die Gegenleistung ist ja schon verbraucht. Das damit angeschaffte Auto hat inzwischen eine Beule, die Möbel zeigen die ersten Kratzer und der Sommerurlaub ist schon längst wieder vergessen. Was bleibt, sind die Verbindlichkeiten.

Der erste Schritt zu langfristigem Wohlstand ist deshalb der sofortige, vollständige Verzicht auf Konsumkredite. Seinen Lebensstandard fremd zu finanzieren heißt, über seine Verhältnisse zu leben. Die sich daraus ergebenden Belastungen können aufgrund des Zins- und Zinseszinseffekts sehr schnell zu einer Lawine werden, welche den Schuldner begräbt. Denn bei einem Zinssatz von 12 % verdoppelt sich die Schuld alle sechs Jahre.

Wer über einen Zeitraum von sechs Jahren durchschnittliche Konsumkredite in Höhe von 10.000 Euro in Anspruch nimmt und dann auf einen Schlag tilgt, muss 20.000 Euro zahlen. Sein Kollege, der keinen Kredit in Anspruch nahm, kann sich zwar erst sechs Jahre später die neuen Möbel leisten – hat aber zusätzlich noch 10.000 Euro Vermögen übrig, welches ihm Monat für Monat ein passives Einkommen gewährt. Erstellen Sie deshalb sofort einen Plan, wie Sie Ihre vorhandenen Konsumschulden binnen 12 Monaten tilgen.

 

 

4. Zinslast reduzieren nach oben
   

Der Kontokorrent, auch Überziehungskredit genannt, ist die teuerste Art der Finanzierung. Falls Sie regelmäßig Ihre Kontokorrentlinien ausnutzen, fahren Sie diese Beanspruchung schnellstmöglich zurück. Besser können Sie Ihr Geld nicht anlegen!

o Tauschen Sie den Kontokorrent-Kredit gegen ein nachrangiges Hypothekendarlehen.

Lösen Sie Ihren Kontokorrentkredit durch ein Hypothekendarlehen ab. Sollte Ihre Hausbank nicht mitziehen, gehen Sie auf die Suche nach anderen Kreditinstituten. Es gibt mehrere Banken, die auch bei Selbstständigen zu einer Immobilienfinanzierung bereit sind.

o Schulden Sie in ein festes Darlehen um.

Lösen Sie Ihren Kontokorrentkredit durch ein festes Darlehen ab. Sie erhalten einen günstigeren Zins und verpflichten sich, den Kredit mit einer festen monatlichen Zahlung zurückzuzahlen. Durch diese Vereinbarung reduzieren Sie automatisch Monat für Monat Ihre Verbindlichkeiten. Gleichzeitig setzen die Raten Sie unter Erfolgsdruck, denn Sie müssen diesen Betrag ja erst verdienen.

o Finanzieren Sie nie Investitionen über den Kontokorrent.

Machen Sie es sich zur Regel, nie Investitionen über den Kontokorrentkredit zu finanzieren. Zu den überteuerten Zinsen kommt noch die Gefahr, plötzlich zahlungsunfähig zu werden. Denn der Überziehungskredit muss Jahr für Jahr verlängert werden. Außerdem kann Ihre Bank den Kontokorrentkredit jederzeit streichen, wenn sie "Informationen erhält, die zu einer Neubewertung der Geschäftsbeziehung führen".

Machen Sie es sich deshalb zur festen Regel: Die Laufzeit eines Kredites sollte in jedem Fall der Nutzungsdauer des angeschafften Gutes entsprechen.

 

 

5. Finanziellen Spielraum regelmäßig ausweiten nach oben
   

Kreditlinien sind gut, so lange Sie diese nicht zur Abdeckung Ihres Lebensstandards in Anspruch nehmen. Betrachten Sie die Ihnen eingeräumten Überziehungskredite als eine Art Lebens- und Chancenversicherung. In schwierigen Zeiten, falls beispielsweise ein Kunde plötzlich zahlungsunwillig oder zahlungsunfähig wird, ermöglichen solche Vereinbarungen, trotzdem die auflaufenden Rechnungen zahlen zu können. So bewahren Sie Ihre Reputation und konzentrieren sich weiter auf Ihre Geschäfte. Denn nichts blockiert den Erfolg so sehr, wie der ständige Gedanke an eine drohende Zahlungsunfähigkeit oder die Sorge um platzende Lastschriften!

Außerdem bietet Ihnen eine möglichst hohe und freie Kreditlinie die Möglichkeit, jederzeit sich bietende Geschäftschancen auszunutzen. Sie sind nie mehr dazu gezwungen, um jeden Preis Aufträge anzunehmen. Weiten Sie deshalb bei jeder sich bietenden Gelegenheit Ihre Kreditlinie aus – ohne sie zu beanspruchen.

Schalten Sie deshalb mental um und betrachten Sie Ihren Kreditsachbearbeiter nicht mehr als Gegner, sondern als Partner. Halten Sie ihn über Ihre Geschäfte auf dem Laufenden, besser noch, setzen Sie das VIP-Kennzeichen für Very Important Person. Behandeln Sie ihn wie einen Vorzugskunden. Informieren Sie ihn auch mal ungefragt über Ihre Geschäfte und warnen Sie ihn, falls doch mal eine Überziehung ansteht. Und halten Sie Ihre Zusagen und Versprechen ein. So bauen Sie über die Jahre eine vertrauensvolle Beziehung auf – eine wichtige Voraussetzung, um schrittweise Ihre Kreditlinie und damit Ihren geschäftlichen Handlungsspielraum auszuweiten.

 

 

Gerhard Gieschen, ist seit über 23 Jahren als Gründer, Gesellschafter und geschäftsführender Gesellschafter im Dienstleistungs- und IT-Bereich tätig. Weitere Informationen und Tipps zum Thema enthält sein Handbuch "Erfolgreich ohne Chefexterner Link, erschienen im Cornelsen Verlag.

Gerhard Gieschen behält sich alle Rechte am Artikel vor. © 2006

 


Kommentare zu diesem Artikel:

""Sehr informativ und verständlich. (Oktober 2008)"

"Einleuchtend, aber nichts Neues. (September 2006)"

"Sehr wichtige Infos mit praktischen Tipps. (September 2006)"

"Voll super. (September 2006)"

"Ich find es sehr positiv, einmal mehr als Allgemeinplätze zu hören. (September 2006)"

"Wichtiges Thema, gute Info. (September 2006)"


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