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Wer sich wohl fühlt, wird seltener krank

Gesund bleiben am Arbeitsplatz, Teil 5: Psychische Belastung und Stress

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(Juni 2006)
Inhalt dieses Artikels:
Warnsignale der Psyche | Gut oder schlecht: Die Sache mit dem Stress |
Aus dem Stress-Dilemma hinaus | Noch einige Link-Tipps
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Wer über einen längeren Zeitraum negativ "unter Druck" steht, weiß: Geistiges Wohlbefinden und körperliche Gesundheit hängen indirekt und direkt zusammen. Der fünfte und letzte Teil der GULP Serie "Gesund bleiben am Arbeitsplatz" befasst sich deshalb mit der Psyche – und wie man mit ihr pfleglich umgeht.

Selbstständige IT-Experten, sofern sie von den Einnahmen aus ihren IT-Projekten finanziell abhängig sind, können es sich nicht leisten, dauerhaft krank zu sein. Dies gilt nicht nur für unbezahlte Fehlzeiten, sondern auch für beeinträchtigte Qualität und Umfang der erbrachten Leistung, was schnell zum Projektverlust führen kann. Nur "mit halber Drehzahl" arbeiten – nicht selten sind daran psychische Probleme schuld.

Wer die Psyche betrachtet, stößt sehr schnell auf den Begriff der psychischen Belastung. Eine solche nennt man im modernen Arbeitsleben u. a.

o Zeit- und Termindruck: "Morgen muss das Projekt fertig sein."
o Hohe Verantwortung: "Sie stehen mir dafür gerade, dass das System läuft."
o Leistungsverdichtung: "Noch ein Auftrag – können Sie als Freiberufler es sich leisten, ihn abzulehnen?"
o Die Angst, einen Fehler zu begehen: "Sie sind schuld und müssen dafür auch bezahlen."
o

Informatorische Belastungen: "Das müssen Sie doch wissen."

o Spannungen mit Projektkollegen: "Der Freiberufler verdient mehr."
o Konkurrenzdruck: "Draußen stehen genügend Experten, die Ihren Auftrag wollen."
o Existenzängste: "Wann gibt es den nächsten Projektauftrag?"

Psychische Belastungen müssen aber noch nicht per se negativ sein – gerade für viele Freiberufler sind diese Herausforderungen, die ein Projekt mit sich bringen kann, der Motor für ihre Motivation und Leistungskraft.

 

Warnsignale der Psyche nach oben
   

Allerdings sollte man seinen individuellen Belastungszustand immer wieder kritisch hinterfragen – häufig zu schnell findet man sich in einem unheilvollen Kreislauf wieder, der letztendlich zur Schädigung der Gesundheit führen kann. Es gibt dabei vier Typen von negativen Folgen zu großer Belastungen:

1. Negativer Stress: Das Gefühl nimmt überhand, die Aufgaben nicht mehr bewältigen und die Situation nicht mehr kontrollieren zu können.
2. Psychische Ermüdung: Man fühlt sich erschöpft, die Fehler häufen sich. Hier kann ein Kurzurlaub bereits helfen.
3. Monotonieerleben: Kommt bei IT-Selbstständigen seltener vor – wenn die Arbeit eintönig ist, dennoch Aufmerksamkeit erfordert. Auch hier steigt die Fehlerquote rapide an.
4. Psychische Sättigung: Man hat das Gefühl, beruflich auf der Stelle zu treten und reagiert darauf vor allem gereizt.

Kurzfristige Auswirkungen können dann sein:

o Die Herzfrequenz steigt an.
o Erhöhung des Blutdrucks.
o Die Konzentrationsfähigkeit lässt nach.
o Gereiztheit und Aggressivität nehmen zu.

Wenn die Psyche dauerhaft negativ beansprucht wird, kommt es mit zunehmender Wahrscheinlichkeit zu:

o Bluthochdruck,
o Nikotin-, Alkohol- oder Drogenmissbrauch,
o Medikamentenmissbrauch,
o chronischen Leistungsabfall,
o Herzerkrankungen bis hin zum Herzinfarkt,
o Depressionen,
o Angstzuständen und Panikattacken,
o sozialer Isolierung.
 

 

Gut oder schlecht: Die Sache mit dem Stress nach oben
   

Das Wohlbefinden und damit die Gesundheit werden in Projekten vorrangig durch immer wiederkehrende bzw. dauerhafte Stress-Situationen beeinträchtigt.

Zum Ersten: Stress ist nicht automatisch eine negative Beanspruchung – für viele Menschen ist er eine wesentliche Voraussetzung dafür, Leistung zu erbringen und zu lernen. Zuweilen ist Stress sogar lebensnotwendig, wenn man zum Beispiel mit einer schnellen Reaktion den Sturz von einer hohen Leiter verhindert.

Zum Zweiten: Nur wenige Begriffe werden im Berufsleben so inflationär gebraucht wie der "Stress" – was oftmals auch dazu führt, dass man mit einem tatsächlich vorhandenem Stressproblem auf taube Ohren stößt.

Zum Dritten aber: In der Selbstständigkeit ist der Stress eine der Hauptursachen für Leistungsabfall, Krankheiten und großen Ärger. Dabei ist das wesentliche Kriterium die Wechselwirkung zwischen Person und Umwelt, in welcher der betroffene Freiberufler das subjektive und unspezifische Gefühl hat, dass

o die an ihn gestellten Anforderungen zu hoch sind,
o er diesen nicht gewachsen ist,
o er weder im Projekt noch im heimischen Umfeld Rückhalt findet
o und er schließlich gerade deshalb negative Konsequenzen zu befürchten hat.

Anzeichen, dass man im Stress ist, gibt es mehrere, u. a.:

o Der Umfang der täglich geleisteten Arbeit nimmt ab.
o Die Qualität der Arbeit nimmt ab, Fehler häufen sich.
o Entscheidungen werden zu früh oder zu spät gefällt – in jedem Fall sind sie falsch.
o Planung und Kontrolle werden schlechter.
o

Die Spannungen zu den Kollegen im Projekt nehmen zu; Streitereien bereits wegen Kleinigkeiten häufen sich.

o Die Disziplin lässt nach, Termine werden nicht eingehalten – auch auf die Gefahr hin, dass es Ärger mit dem Kunden gibt.
o Kurzzeiterkrankungen treten häufiger auf.

Übrigens: Der Mensch arbeitet nicht allein – und wenn Kollegen stark unter Stress leiden, dann betrifft das auch den IT-Freiberufler, der nur begrenzte Zeit im Projekt ist. Es empfiehlt sich also für jene, auch dafür ein Gespür zu entwickeln und bei eigener Betroffenheit gegebenenfalls zu reagieren.

 

 

Aus dem Stress-Dilemma hinaus nach oben
   
Das Problem: Negativer Stress generiert sich immer wieder aus sich selbst heraus – einfach abwarten führt in den seltensten Fällen zur Besserung. Um den durch die Projektarbeit bedingten Stress erfolgreich zu begegnen, ist neben Disziplin und einem entsprechenden Ausgleich in der Freizeit (regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung, genügend Zeit der Entspannung) eine systematische Vorgehensweise angeraten.

Diese setzt zweifach an:

1. Bei der Selbstständigkeit selbst, der Arbeitsumgebung und den äußerlichen Rahmenbedingungen.
o Sich frühzeitig über den Projektanbieter informieren, u. a. anhand der GULP Weißen Liste
[Zugriff nur mit Profil-Account].
o In einem Netzwerk seine Selbstständigkeit formen und festigen.
o Im Projekt und in Fortbildungen stetig seine eigene Qualifikation verbessern.
o Darauf achten, soweit möglich, dass der Arbeitsplatz ein Ort zum Wohlfühlen ist.
o

Zeit und Aufmerksamkeit in einen höflichen Umgang mit den Kollegen im Projekt investieren; Konflikte vermeiden bzw. aktiv an ihrer Behebung arbeiten.

o Unternehmensabläufe und Informationsflüsse kennen lernen und beherzigen.
o Kritik gelassen und als Chance zur eigenen Fortbildung annehmen.

2. Bei der persönlichen Stressbewältigung.
o Mit effektivem Zeitmanagement die Hektik und den Druck aus dem Alltag nehmen.
o Dem Workaholic in sich entgegen wirken.
o Sich um seine soziale Kompetenz und die so genannten Soft Skills kümmern.
o Die Finger lassen von Alkohol, Nikotin, Drogen und Medikamenten.
 

 

Noch einige Link-Tipps nach oben
   

Neben den bereits in Teil 2 der Serie angeführten Link-Tipps findet man auf folgenden Websites zum Thema "psychische Belastungen" viele Informationen:

www.bzga.de extern: Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet u. a. auch die wichtigsten Adressen von Beratungsstellen.

www.dhs.de extern: Das Portal der Hauptstelle für Suchtfragen e. V.

www.dguv.de extern: Hier informiert der Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften – auch für Selbstständige von großem Interesse.

 

 


Kommentare zu diesem Artikel:

"Sehr guter Artikel, da der Aspekt Gesundheit im IT-Berufsleben sehr vernachlaessigt wird. (Juni 2006)"

"Sehr wichtiges Thema. (Juni 2006)"


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