Trash Poll der Woche

(August 2010)
Die wöchentliche GULP Kurzumfrage rund um Leben, Liebe, Alltag & Beruf - nicht immer ganz ernst gemeint, sondern mit einem Augenzwinkern.

Das Ergebnis der Kalenderwoche 33/2010:
Google Street View: Sind Sie dafür oder dagegen?
Dafür. Der Dienst ist praktisch.   42%
Geteilter Meinung. Ich möchte Sehenswürdigkeiten und Plätze sehen können, aber nicht mein Haus öffentlich machen.   41%
Dagegen. Widerspricht dem Datenschutz.   17%
Teilnehmerzahl: 142

Fast die Hälfte (42 Prozent) der Teilnehmer an dieser GULP Trash Poll ist für Google Street View, weil sie den Dienst praktisch finden. 17 Prozent sind dagegen und haben Datenschutzbedenken. Google Street View ist derzeit eines der am häufigsten öffentlich diskutierten Themen. Das mag einerseits daran liegen, dass der Deutsche Bundestag noch bis Mitte September Sommerpause hat und somit nicht genug neue politische Themen auf den Tisch kommen. Andererseits wird die Debatte dadurch angeheizt, dass Google bekannt gemacht hat, den Dienst bis Ende des Jahres in den 20 größten deutschen Städten einzuführen. Alphabetisch geordnet sind das die folgenden: Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bremen, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Mannheim, München, Nürnberg, Stuttgart und Wuppertal.

Nun regt sich Protest. Google soll keine Bilder des öffentlichen Raums ins Netz stellen und auf einer Karte verknüpfen dürfen, heißt es. Dabei lassen sich Street-View-Gegner gerne mal namentlich in Zeitungen und im Internet nennen – mit einem Foto von ihnen vor ihrem Haus, versteht sich. Das sind schon mehr Daten als die, die Google in diesem Zusammenhang sammelt.

Ähnliche Dienste bereits online

Gerne vergessen wird in der Diskussion auch, dass es solche Dienste längst gibt. Im Online-Telefonbuch externer Link zum Beispiel kann jeder nach Adressen suchen und sich die dazugehörigen Luftbilder anzeigen lassen, auch aus der Vogelperspektive – das heißt, es sind Häuserfassaden zu sehen. Beim Anbieter Sightwalk externer Link ist man den Häusern sogar noch ein Stück näher. Hier spaziert man virtuell auf den Straßen ausgewählter deutscher Städte, wie das auch bei Google Street View möglich sein wird.

Ganz zu schweigen davon, dass zum Beispiel auch die Bayerische Staatsregierung externer Link Karten im Internet öffentlich macht. Der öffentliche Raum ist eben öffentlich – und Außenaufnahmen von Straßenansichten gehören nicht zu den (per Gesetz geschützten) personenbezogenen Daten. Sehr wohl gehören Gesichter und Autokennzeichen dazu – diese verspricht Google aber unkenntlich zu machen. Auf Antrag werden ganze Häuser verpixelt; ein Widerspruch gegen die Veröffentlichung ist dauerhaft möglich. Ob das auch wirklich geschieht, muss natürlich beobachtet und kontrolliert werden.

Es ist zu bedenken, dass es sich bei den Google-Bildern um Momentaufnahmen handelt – die noch dazu zum Zeitpunkt der Veröffentlichung Ende des Jahres bereits veraltet sind. Einem potentiellen Einbrecher dürfte das nicht mehr Anhaltspunkte geben als ein Spaziergang.

"Nicht aus dem technischen Fortschritt ausklinken"

BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer spricht sich grundsätzlich dafür aus, die Vorteile von Google Street View zu sehen: "Wenn man in einer unbekannten Stadt unterwegs ist, macht man einfach ein Bild von der Straßensituation und das Handy sagt einem, wo man sich befindet. Es entsteht ein neues Feld ortsbezogener Dienstleistungen für Verbraucher und Unternehmen. Deutschland darf sich auf diesem zukunftsträchtigen Gebiet nicht aus dem technischen Fortschritt ausklinken."

Dass es eine kontroverse Debatte um Google Street View gibt, ist gut und nützlich. Es kann nicht schaden, der "Datenkrake" kritisch gegenüberzustehen und jedes neue Angebot des Konzerns erst einmal zu prüfen. Da aber viel Angst mit im Spiel ist, wird die Diskussion über den Dienst teilweise nicht fundiert genug geführt. Google Street View ist ein Angebot, wie es schon mehrere gibt. Es wird das Internet nicht revolutionieren. Von Medien und Politik sollten Ängste und Bedenken ernst genommen, aber nicht geschürt werden.

Wovor haben Sie Angst im Zusammenhang mit dem Stichwort Google Street View? Oder welche Ängste haben Ihre Bekannten, Freunde oder Kollegen? Wir sind gespannt auf Ihre Kommentare.

Quellen:
Beitrag im ZDF-Blog "Kennzeichen Digital" externer Link
Pressemitteilung des BITKOM externer Link

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Kommentare zu diesem Artikel:

"1. Es widerspricht nicht dem Datenschutz: Fotos von öffentlichen Räumen unterliegen nicht dem Datenschutz, dazu gehören u.a. auch Hausfassaden, denn sonst könnten Sie heute schon Fotos in Reieseprospekten etc., die zufällig auch das Nachbarhaus abbilden oder in einem Stimmungsbild eine Strasse darstellen, verbieten. 2. Schadet das jemandem? Eher kann es nützlich sein, wenn ich aber eine Fassade heraus nehmen lasse, wecke ich vielleicht die Neugier anderer. 3. Ist es aktuell ? eher nein 4. Ist man in anderen Nationen dagegen? Meines Wissens nur in totalitären Staaten hat man Stress mit Google. Daraus folgt für mich: Was soll diese Diskussion? Sollen wir uns mit totalitären Staaten auf eine Stufe stellen? Nein, das will ich nicht. (September 2010)"

"Wenn ich mir als Aktualitätsbeispiel Google-Earth nehme, dann kann ich Street-View nur als nettes Gimmik nehmen. In G-E ist die Ansicht meiner Straße von 2006 und es wird wohl noch eine weile dauern bis dies erneuert wird. Ähnlich wird es bei Street-View sein, außer das Google-Car fährt monatlich alle Straßen ab. Auf Grund der mangelhaften Aktualität wird mir Street-View keine wirkliche Orientierungshilfe sein. Zudem sieht eine Straße je Jahreszeit unterschiedlich aus. Nun ja Google-Car Fahrer könnte ein neues Berufsbild werden, falls Google bereit ist die entsprechenden Mengen an Geld rein zu stecken. (September 2010)"

"Es kann schon mehr als peinlich sein, wenn jemand seine Position auf dem Arbeitsmarkt verbessern moechte, um in ein besseres Haus ziehen zu koennen, doch der potentielle Arbeitgeber lehnt den Kandidaten ab, weil er noch in einer unansehnlichen Huette wohnt, was ja aus der Absenderadresse des Bewerbers nicht unmittelbar erkenntlich waere, jedoch per Streetview offensichtlich. (September 2010)"

"Im Vordergrund des nennen wir es Unbehagens steht eher die Art und Weise wie eine wirtschaftlich orientierte globale Organisation ohne Rücksicht auf lokale Befindlichkeiten ihr Produkt generiert - und dieses Produkt besteht in von manchen Menschen als in ihren ureigensten Bereich hineinreichenden Informationen. Ich hätte nicht gedacht, dass man in einer 'Auseinandersetzung' um die Digitalisierung unserer Umwelt um Toleranz ersuchen muss für die selbstverständliche Daseinsberechtigung anderer Weltbetrachtungen als der digitalen. Man ist nicht 'rückständig', wenn man dieser Digitalisierung kritisch oder ablehnend gegenüber steht, wie es manchmal in dieser Kontroverse - allgemein - anklingt. (August 2010)"

"Ich finde die ganze Aufregung unvernünftig. Wie schon von Ihnen bemerkt, gibt es ähnliche Dienste schon längst. Mit Google Earth kann man auch ziemlich genaue Ansichten erkunden. Microsoft bietet eine noch detailierte und real-zeitliche Darstellung per Satellitenanbindung. Wer sein Haus auspixeln lässt, sollte sich mal überlegen, ob es nicht gerade die Neugier z.B. von kriminell veranlagten Menschen weckt und somit eine gegenteilige Wirkung hervorruft. (August 2010)"