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Umfrage-Ergebnis

Neidisch auf IT-Freiberufler

(November 2003)
 

Hoppla! Da hat GULP mit der Umfrage zum Thema „Neid durch Festangestellte“ offensichtlich seinen virtuellen Finger auf eine offene Wunde bei den freiberuflichen IT-Spezialisten gelegt, denn mit 798 Teilnehmern war die Resonanz beinahe doppelt so hoch wie sonst üblich.

 
Neid, ein zutiefst menschliches Gefühl, das im Kern nichts anderes bedeutet, dass einer dem anderen etwas nicht gönnt bzw. er dasselbe besitzen möchte – sei es z. B. Erfolg, Ansehen oder auch das größere Auto. Neid gibt es beinahe überall, sein negatives Potential kann die Atmosphäre in einer Gemeinschaft vergiften und jede Zusammenarbeit dauerhaft zum Scheitern verurteilen.

Hatten Sie schon mit Festangestellten zu tun, die neidisch auf Sie waren?
Ja, definitiv. 62%
Bin mir nicht sicher, aber ich vermute es 27%
Nein. 11%
 
Dass mit 62 Prozent der Antworten beinahe zwei Drittel für ein deutliches „Ja“ votieren, bestätigt Pragmatiker und Skeptiker in ihrer Einschätzung, dass grundsätzlich in menschlichen Gemeinschaften und natürlich auch in IT-Projekten die Zusammenarbeit auch auf psychologischer Ebene nicht unbedingt einfach ist.

Allerdings: Wer Neid bei Kollegen bemerkt, vertraut bei dieser Feststellung oftmals auf ein kaum beweisbares Gefühl. Ist eine abfällige Bemerkung nebenbei bereits Ausdruck von Neid? Der Vermutung kommt also eine besondere Stellung zu, was 27 Prozent der Teilnehmer bekräftigen, indem sie ihre Unsicherheit zugeben.

Für immerhin 11 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage war Neid durch Festangestellte bisher kein Problem, weil: Es gab noch keine neidischen Kollegen.

 
Was, denken Sie, sind die Gründe für den Neid? (mehrere Antworten möglich)
Höhere Bezahlung. 81%
Höherwertige Arbeit. 15%
Bessere Stellung im Unternehmen. 14%
Mehr Freiheiten bei der Arbeit. 53%
Freiberuflerdasein generell. 34%
Sonstiges. 7%
 
Eine Einschränkung vorab: Keine Auskunft gibt das Ergebnis der Umfrage darüber, ob die Gründe für Neid tatsächlich auch zutreffen, inwieweit die Missgunst von Seiten der Festangestellten also eine reale Basis besitzt. Um hier zu fundierten Erkenntnissen zu gelangen, wäre eine umfassende und anhaltende Analyse direkt vor Ort vonnöten.

Die Frage aber zielt auf die subjektive Erfahrung und Sicht der Teilnehmer ab – und die besagt ohne Zweifel: Der Neid der Festangestellten konzentriert sich nach Meinung von 81 Prozent der Freiberufler darauf, dass jene glauben, die Externen würden mehr verdienen. Ein Ergebnis, dass die Erfahrungen der Psychologie bestätigt: Neid wächst und gedeiht besonders auf materiellem Ungleichgewicht.

An zweiter Stelle im vermuteten Ursachen-Ranking folgen bereits abgeschlagen mit 53 Prozent die größeren Freiheiten – und nochmals mit deutlichem Abstand und 34 Prozent belegt das „Freiberuflerdasein generell“ den dritten Platz.

Es sind also die klassischen beiden Gründe, die Freiberufler immer wieder als Gründe für ihre berufliche Entscheidung fernab des Angestelltendaseins angeben – und die vor allem den Neid der Festangestellten auf sich ziehen.

Seltener sind nach Meinung der Teilnehmer eine höherwertigere Arbeit (15 Prozent) und insgesamt eine bessere Stellung im Unternehmen (14 Prozent) die Ursachen dafür, dass Festangestellte den freiberuflichen Kollegen im Projekt mit Neid begegnen.

 
Und mussten Sie sich dafür schon einmal rechtfertigen?
Nein, noch nie. 41%
Schon öfters. 57%
Täglich. 2%
 

Neid bei anderen zu spüren ist die eine Sache; sich gegen Vorwürfe von Seiten neidischer Kollegen rechtfertigen zu müssen, die andere. Und dass Neid nicht nur ein subjektiv empfundenes Gefühl ist, sondern in vielen Projekten ganz direkt auf die Zusammenarbeit Einfluss nimmt, beweisen die Antworten auf die dritte Frage:

Zwei Prozent sind immerhin 16 Teilnehmer an der Umfrage, die offensichtlich ein wirklich großes Problem damit hatten oder haben, dass festangestellte Kollegen ihnen im Projekt mit unverhohlenem Neid begegnen und „täglich“ eine Reaktion erzwingen. Ob eine vernünftige und erfolgreiche Arbeit dann überhaupt noch möglich ist, darf bezweifelt werden.

Von zwei Prozent auf einen Trend zu schließen, ist kaum möglich, aber die 57 Prozent aller Teilnehmer, die sich wegen neidischer Festangestellter schon öfters rechtfertigen mussten, zeigen deutlich, dass die Stimmung in Projekten zuweilen von Spannungen zwischen den beiden Parteien geprägt ist.

 
Fazit

Am Ergebnis der Umfrage gibt es wenig zu deuteln: Neid ist in IT-Projekten, in denen Freiberufler und Angestellte aufeinandertreffen, ein Thema, mit dem sich alle Beteiligten auseinander setzen müssen.

Es ist ein weites und offensichtlich sehr aktuelles Feld, in dem alle Beteiligten gefordert sind, ihren Beitrag zur möglichst reibungslosen Zusammenarbeit zu leisten: die Projektleiter, die Festangestellten und die Freiberufler. Gute Mittel gegen Neid und Spannungen, die sich meist schnell bewähren, sind hier Aufklärungsarbeit und offene Aussprache – beides trägt zu einem professionellen Umgang miteinander bei, der auf die Fachlichkeit des Projektes konzentriert ist.


Kommentare zu diesem Artikel:

"Neid, finde ich ist ein sehr deutsches Thema und ziemlich destruktiv, nicht nur weil es ein hässliches Gefühl ist, sondern weil es den Neider oft dazu aufruft, dem Beneideten so viel Steine wie möglich in den Weg zu räumen. Letztlich hat der Neider es versäumt selbst Wege zum ersehnten Ziel zu beschreiten und hofft seinem eigenen unguten Gefühl zu entkommen, wenn er den anderen am Fortgang hindert. Leider ist die Welt voller 'besserer' Menschen, deswegen ist der Neider gut beraten sich mehr mit sich selbst als seinem Kongurrenten auseinanderzusetzen. Ich meine, der Beneidete sollte seinen Weg gehen und Neidern keine Chance geben seinen Weg zu kreuzen .... (März 2010)"

"Ich habe oft eifersüchtige Leute bei Arbeit erlebt. Egal als Freiberufler oder Festangestellte! (September 2009)"

"Argumentation bzgl. Neid gegenüber Freiberuflern oder externen Mitarbeitern entbehren in der Regel jeglicher Grundlage. Letztlich ist jeder selbst hinsichtlich der Wahl seiner Vertragsestaltung frei, ja haben es Angestellte in der Regel besser, da ein Wechsel in die Freiberuflichkeit einfacher ist als umgekehrt. (Dezember 2003)"

"Die meisten Internen sehen nur den finanziellen Unterschied, dass Sie, im Gegensatz zu den Freiberuflern, meist geregelte Arbeitszeiten am Wohnort haben, sehen sie nicht. Der 'Aufpreis' für Freiberufler ist neben der oft besseren Qualifizierung auch ein 'Schmerzensgeld' für Risikobereitschaft, Flexibilität und verkorkstes Familienleben. Insgesamt gesehen ist die freiberufliche Tätigkeit vielseitiger (die ganze Palette). (Dezember 2003)"

"Es gibt definitiv Neid, warum und wieso weiss keiner. Solange aber in Deutschland solche Veträge existieren die es verbieten untereinander übers liebe Geld zu reden ist es auch kein Wunder. Sonst könnte man ja den Festangestellten mal eine Rechnung aufmachen was von den 'hohen' Stundensätzen übrig bleibt am Ende des Jahres. Auch dem Artikel mit dem 'Schmerzensgeld' kann man nur zustimmen.... (Dezember 2003)"

"Ich kann mir nur anschließen, vielen Dank für die Umfrage, ich stimme dem Ergebnis ebenfalls 100% zu und finde es schade, daß so viel Potential dadurch verbraten wird was letztlich auch wieder Kosten verursacht, aber ich glaube dass Missgunst ein generelles Problem in Unternehmen ist, dieses Problem sollte das Management vielleicht in zukünftigen Strategien miteinbeziehen. (Dezember 2003)"

"Neid scheid die Krankheit von Deutschen zu sein. Meine Antwort war immer, mach dich auch selbstständig. (Dezember 2003)"

"Ihren Artikel finde besonders zutreffend, spiegelt er doch ein grunsaetzliches und sehr ernstes Problem unserer deutschen Gesellschaft wider. Man braucht ja bloss eine Woche Nachrichten zu gucken oder mal laenger mit den Nachbarn zu sprechen, von Stammtischen ganz zu schweigen. Dabei wird ja nicht nur der Freiberufler oder Selbstaendige beneidet, sondern auch der Russlanddeutsche oder Tuerke der angeblich auf Staatskosten riesige Haeuser und grosse Daimlers faehrt. Dass dahinter oft ein Verzicht auf jeglichen Luxus und ein familien- und freundesgestuetztes Finanzierungs- und Dienstleistungsmodell steckt, was uns verloren gegangen und daher wirklich nachahmungswert ist, weiss keiner.  Ich schliesse mich dem anderen Kommentar an, der zwischen Neid und Missgunst differenziert. Als Mitarbeiter eines amerikanischen Unternehmens in Deutschland kenne ich Kollegen auf beiden Seiten des Atlantik. In den USA freut sich fast jeder ehrlich mit und wird durch Erfolg anderer angespornt. Bei uns muss man sehr bescheiden mit den eigenen Erfolgen und denen von Mitarbeitern umgehen. So kann schon die Nutzung eines Firmenwagens, Firmenhandys oder Dienstreisen ins Ausland bei Kollegen Neidgefuehle wecken, von dem meist nur vermutet hoeheren Gehalt gar nicht zu sprechen.  Vesteckte oder offen geaeusserte Neidgefuehle gegenueber Freiberuflern habe ich oft bemerkt und sehe mich als Projektanbieter in der Pflicht, diesen entgegenzutreten, indem ich meine 'festangestellten' Kollegen und Mitarbeiter aufzuklaeren versuche, natuerlich ohne Zahlen zu nennen. Ausserdem darf man dabei die Worte 'Neid' oder gar 'Missgunst' nicht in den Mund nehmen. Am geschicktesten ist es in der Argumentation die Worte 'unternehmerisches Risiko' zu verwenden, was uns Festangestellte bekanntlich abschreckt. Die Kuendigungen, die mit den Freiberuflern anfingen, waren dafuer ein gutes Beispiel.  Wir sollten Neid viel oefter thematisieren um dieses Geschwuer das den Leistungswillen unserer Gesellschaft zu laehmen droht, auszumerzen. (Dezember 2003)"

"Nach meiner Erfahrung ist das abhängig von Unternehmen bzw. sogar Abteilungen. In meinem aktuellen Projekt bekomme ich das kräftig zu spüren, bald jeden Tag. Bereits bei der Beauftragung wurde mir mitgeteilt, das Externe nicht willkommen seien. In meinem letzten Projekt garnicht, wirklich garnicht, da haben alle als ein Team zusammengearbeitet. (Dezember 2003)"

"die Umkehrfrage fehlt: sind Sie neidísch auf Festangestellte? z.B. weil die Monat für Monat ihre Gehaltsüberweisung bekommen. oder eine vergleichende Frage: sind Sie lieber selbständig oder angestellt? Da man unterstellen kann, daß einige Freiberufler nicht ganz freiwillig selbständig sind (November 2003)"

"ich hätte mir gerne noch etwas mehr informationen zu möglichkeiten gewünscht, dem neid zu begegnen (zB wie spreche ich das thema geschickt an) (November 2003)"

"Volle Zustimmung! (November 2003)"

"Was in der öffentlichen Diskussion häufig übersehen wird, ist der Unterschied zwischen Neid und Mißgunst. Beides sind Konkurrenzgefühle, bei denen man sich mit anderen vergleicht, was sich auch positiv auswirken kann, z.B. wenn man sich aus Neid mehr anstrengt. Solange man damit klar kommt, ist das für niemand anderen ein Problem. Mißgunst allerdings geht über Neid hinaus. Man mißgönnt anderen deren Erfolge oder Besitz, z.B. weil man es selbst nicht hat. Das ist auf jeden Fall für einen selbst stressig, wirkt sich aber auch fast immer in nicht konstruktivem Verhalten den anderen gegenüber aus. In Wirklichkeit haben wir keine Neidgesellschaft, sondern eine Mißgunstgesellschaft, was viel schlimmer ist. (November 2003)"

"Höhere Bezahlung? Ja! Aber das ist oft auch gerechtfertigtes Schmerzensgeld. Liebe 'Interne': Müssen wir nicht oft die ('minderwertigen'???) Arbeiten machen, die Ihr nicht machen wollt (-> Programmieren)?  ST (November 2003)"

"Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu diesem Artikel  Endlich eine Umfrage zu einer Frage, über die man sich wirklich oft ärgert! Es geht also nicht nur mir so! Danke!!! (November 2003)"


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