Selbstständige sollen zufriedener im
Job sein, heißt es. Dass die Selbstständigkeit gewisse
Vorzüge bietet – u. a. Unabhängigkeit, individuelle
Freiräume und Flexibilität - ist nicht von der Hand zu
weisen. Doch wie überall im Leben bringt auch die selbstständige
Tätigkeit Nachteile mit sich, allen voran die fehlende Einkommenssicherheit.
Überwiegen die negativen Aspekte kommt schnell beruflicher
Frust auf. Wie haben selbstständige IT-Spezialisten die Gratwanderung
zwischen Vor- und Nachteilen in diesem Jahr gemeistert? In einer
GULP Umfrage gaben 936 IT-Experten Auskunft zu ihrer beruflichen
Situation.
Die Frage nach ihrer beruflichen Zufriedenheit spaltet die IT-Selbstständigen
in zwei Lager: die Zufriedenen und die Unzufriedenen, wobei letztere
etwas seltener vertreten sind.
Sind Sie zufrieden mit Ihrer beruflichen
Situation?
sehr zufrieden 10%
zufrieden 29%
könnte besser sein 30%
eher unzufrieden 15%
sehr unzufrieden 16%
Fast 40 Prozent und damit ein großer Teil der befragten IT-Selbstständigen
bezeichnet sich als beruflich zufrieden. Für sie läuft
- beruflich gesehen – alles rund. Dennoch hat jeder dritte
den Wunsch nach Verbesserungen, ebenso viele können ihrer Situation
weniger Positives abgewinnen.
Auch Feedbacks von IT-Freiberuflern sowie Diskussionen im GULP
Forum liefern immer wieder Hinweise auf die vorhandenen Extreme
im IT-Projektmarkt: Einerseits gibt es verzweifelte Stimmen, die
seit längerem erfolglos auf Projektsuche sind, kaum noch über
finanzielle Reserven vorfügen und sich plötzlich mit Hartz
IV beschäftigen müssen. Andere bestätigen den Aufschwung
aus eigener Erfahrung wie beispielsweise folgendes Zitat eines IT-Freiberuflers
beweist: "... In einigen Bereichen, wie z.B. embedded-Systeme
wird händeringend nach Externen gesucht. Ich kann mich vor
Anfragen gar nicht mehr retten und kann nun auch wieder neben meinem
jeweiligen Hauptprojekt auch kleine bis mittlere Zweit- und Drittprojekte
durchführen, was bis vor kurzem praktisch unmöglich war.
Und auch beim Stundensatz sind nun 70 Euro und mehr drin."
Die berufliche Situation freiberuflicher IT-Fachkräfte ist
also immer noch zerrissen: Es gibt Gewinner und Verlierer. Noch
deutlicher wird dies beim Vergleich mit dem Vorjahr.
Im Vergleich zum Vorjahr geht es Ihnen...
besser 32%
unverändert 36%
schlechter 32%
Auch bei dieser Frage scheiden sich wieder die Geister, klare Tendenzen
sind nicht erkennbar. Eine deutliche Verbesserung oder Verschlechterung
im Vergleich zu 2004 ist nicht eingetreten: Die beruflichen Gewinner
und Verlierer in 2005 halten sich mit je 32 Prozent die Waage. Für
36 Prozent der Befragten hat sich im Vergleich zum Vorjahr wenig
geändert, was sowohl negativ als auch positiv ausgelegt werden
kann.
Insgesamt scheint es, dass noch nicht alle freiberuflichen IT-Experten
von dem Aufschwung im IT-Projektmarkt profitieren. Umso erfreulicher,
dass ein Großteil der Umfrage-Teilnehmer mit Optimismus in
das neue Jahr blicken.
Für nächstes Jahr erwarten Sie...
es wird besser 44%
es bleibt gleich 39%
es wird schlechter 17%
Neues Jahr, neues Glück: 44 Prozent der IT-Freiberufler haben
für 2006 positive Erwartungen und hoffen damit auf eine deutliche
Verbesserung im Beruf. Nur 17 Prozent sehen für ihre zukünftigen
beruflichen Aussichten schwarz und erwarten eine weitere Verschlechterung.
Kommentare zu diesem Artikel:
"In der FAZ war vor einigen Monaten eine Umfrage veröffentlicht, die ungefähr so war: Zufriedenheit mit dem Job: Selbstständige 21%, Meister 6%, Mittelmanagement 5%, Top-Management 4% (offensichtlich zählt hier nur das Geld, um mal ein Vorurteil gegen Freiberufler umzudrehen; die Macht kann es offensichtlich nicht sein). Die jährlichen Gallup-Studien zeigen bei Angestellten ungefähr: Zufriedenheit im Job bei Angestellten: 10% zufrieden, 70% Dienst nach Vorschrift, 20% innerlich gekündigt. (Januar 2006)"
"Es scheint sich mit meinen Erfahrungen zu decken. Ich spürte einen deutlichen Aufschwung am Projektmarkt (der wg. spezieller Wünsche an das Projekt bei mir zwar nicht 100% ankommt) aber gleichzeitig auch eine Polarisierung. Schwächer qualifizierte Kollegen werden auch bei geringeren Stundensätzen nicht gern genommen. Allerdings sollte man sich über seinen eigenen Vertrieb ein paar mehr Gedanken machen, als "nur" bei GULP gelistet zu sein. (Dezember 2005)"
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