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Umfrage-Ergebnis

Auf dem Weg zum Projekt und wieder zurück

 
(September 2004)
 

Weit weg und lange unterwegs? Die zweite Umfrage, die auf einer Anregung aus dem GULP Forum basiert, beleuchtete den Weg von der heimischen Wohnung zum Projekt und wieder zurück. 105 IT-Freiberufler gaben Auskunft – und ein "sehr bewegtes" Bild ihres mobilen Alltags.

Schon im vergangenen Jahr hatte sich GULP des Themas angenommen und unter dem Titel "Unterwegs zum Projekt" eine detaillierte Marktstudie durchgeführt. Ein Ergebnis daraus: Freiberufler besitzen eine grundsätzlich stärker ausgeprägten Bereitschaft als ihre festangestellten Kollegen, auch größere Entfernungen in Kauf zu nehmen. Ob hierhin oder dorthin – Hauptsache, es gibt ein gutes Projekt.



Ihr aktuelles bzw. letztes Projekt: Wie kommen Sie zum Einsatzort?
Bin meist zu Hause im Homeoffice. 12%
Wohnung und Projektort in der gleichen Stadt. 11%
Tägliches Pendeln: Bis 80 km (einfach). 24%
Tägliches Pendeln: Über 80 km (einfach). 9%
Wochenendheimfahrer in der Pension/im Hotel. 29%
Wochenendheimfahrer mit Zweitwohnung. 15%


Einmal ins andere Zimmer oder nur kurz um die Straßenecke – für weniger als ein Viertel (23 Prozent) der IT-Freiberufler ist diese zeitsparende "Nähe" zur Arbeit der Alltag. Weitere 24 Prozent müssen zwar zum Projekt die heimatliche Stadt verlassen, dabei aber nicht mehr als (einfach) 80 Kilometer zurücklegen – für erfahrene Pendler firmiert dies fast schon unter "etwas größerer Katzensprung".

Über 160 Kilometer ist ein weiter Weg – und die tägliche Strecke für beinahe jeden zehnten der Teilnehmer an der Umfrage. Da lohnt sich bei längeren Projekten durchaus die Überlegung, das tägliche Hin und Her gegen das Los eines Wochenendheimfahrers einzutauschen. Und genau 44 Prozent haben sich dafür entschieden - kein Wunder, dass das Thema "Fernbeziehung" in Freiberuflerkreisen von großer Bedeutung ist.

Noch eine Beobachtung: 15 Prozent aller IT-Freiberufler haben mittlerweile in unmittelbarer Nähe zum Arbeitsplatz eine Zweitwohnung – ein kaum übersehbares Indiz dafür, dass sie in ihrem IT-Projekt langfristig beschäftigt sind.



Welches Verkehrsmittel nutzen Sie dabei vorwiegend?
Zu Fuß. 2%
Fahrrad. 5%

Motorrad. 1%

Auto. 52%
ÖPNV. 11%
Bahn. 18%
Flugzeug. 11%


Trotz Staurisiko und Unfallgefahr – das Auto ist bei über der Hälfte der IT-Freiberufler das Verkehrsmittel Nummer 1. Die viel zitierten Argumente hierfür, die jeder kennt: Zeitliche Unabhängigkeit und direkte "von-Ort-zu-Ort-Verbindung".

Statt sich am Steuer zu konzentrieren lieber die Zeit anders nutzen mit beispielsweise einem Schläfchen – die Bahn, die immerhin 18 Prozent der IT-Freiberufler regelmäßig nutzen, ist dafür gut geeignet. Das gilt auch für die beiden „Drittplatzierten“ in der Antwortverteilung: Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV von Bus bis zur U-Bahn) und Flugzeug, die jeweils 11 Prozent auf sich vereinigen können. Dabei ist es bemerkenswert, dass mehr als jeder zehnte Freiberufler vor allem in der Luft zum Projekt anreist.

Eine nahtlose Fortsetzung zum Ergebnis der ersten Frage: Selbstständige IT-Experten sind meist über größere Strecken hinweg unterwegs, entsprechend wenig kommen das Fahrrad (5 Prozent) sowie die eigenen Beine zum (2 Prozent) Einsatz. Noch geringeren Zuspruch findet nur noch das Motorrad – oder wie hartgesottene Biker fragen würden: „Sind IT-Freiberufler denn Warmduscher?“



Wie viele Stunden verbringen Sie wöchentlich mit allen Fahrten zwischen Wohnung, Einsatzort und Hotel/Zweitwohnung?
Bis 2 Stunden. 16%
2 bis 5 Stunden. 16%
5 bis 10 Stunden. 35%
10 bis 15 Stunden. 25%
Mehr als 15 Stunden. 8%


Zum Vergleich: Wer in München mit der U-Bahn vom äußersten Osten der Stadt in den Westen gelangen will, ist im Idealfall etwa eine halbe Stunde unterwegs; das würde bei einer 5-Tage-Arbeitwoche rund 5 Stunden bedeuten – und ist für die meisten „Großstädter“ eine annehmbare Zeitinvestition.

Beinahe ein Drittel (32 Prozent) der Teilnehmer an der Umfrage befinden sich ebenfalls in diesem „annehmbaren Bereich“, manche davon sogar in einer ausgesprochenen Komfortzone (16 Prozent bis 2 Stunden).

Weitere 35 Prozent sind wöchentlich 5 bis 10 Stunden unterwegs, was im Schnitt der Zeit eines Arbeitstages festangestellter Kollegen entspricht. Wer den Weg zum Projekt nicht philosophisch als Ziel betrachtet, kommt langsam in strapaziöse Regionen, wo sich ein Viertel der IT-Freiberufler (10 bis 15 Stunden) bereits befindet. Über 15 Stunden „Wegezeit“ schließlich müssen 8 Prozent auf ihr Freiberufler-Konto verbuchen – bleibt nur zu hoffen, dass bei den Stundensatzverhandlungen diese Zusatzbelastung auch ihren Euro-Niederschlag gefunden hat.

Zum Vergleich: In einer aktuellen Erhebung im September 2004 kommt das Statistische Bundesamt in Wiesbaden zu folgenden Durchschnittswerten:
o
81 Minuten ist jeder Bundesbürger täglich unterwegs.
o
Für nur 27 Prozent der Deutschen ist die Arbeit der häufigste Grund, die eigenen vier Wände zu verlassen; demgegenüber nannten 40 Prozent die Freizeitbeschäftigung als Hauptursache.
o
78 Prozent der Männer und 69 Prozent der Frauen fahren mit dem eigenen Kraftfahrzeug zur Arbeit und wieder nach Hause. Und jeweils 13 Prozent der Männer und 18 Prozent der Frauen machen sich entweder mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf dem Weg – oder gehen einfach zu Fuß.

Damit schließt sich der Kreis von Vermutung und Beweis:
o
IT-Freiberufler im Projekt haben nicht selten ein Problem: Der Weg zur Arbeit kostet zusätzlich so viel Zeit, dass für das Privatleben und die Freizeit nur wenige Stunden übrig bleiben.
o
Freiberuflichkeit bedeutet Unabhängigkeit, die auch mit hoher regionaler Flexibilität und weiten Entfernungen zum Wohnort „bezahlt“ werden muss.
o
Aufgrund der ungewissen Länge der Projekte kommen Umzüge mit „Sack und Pack“ oft nicht in Frage, sondern greifen viele IT-Freiberufler (44 Prozent) zur Alternative „Wochenendheimfahrer“.

 

 

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Kommentare zu diesem Artikel:

"Zum Vergleich: mein Heizungsinstallateur verlangt für die Anfahrt (10km) 5.50 Euro und Stundenlohn 40 Euro. Wozu habe ich studiert? (Dezember 2005)"

"Eine Woche hat in der Regel ca. 40-50 abrechenbare Arbeitsstunden, die Wege zum Kunden werden branchenüblich nicht abgerechnet. 1/3 der Freiberufler verbringt mindestens 20% zusätzliche Zeit auf dem Weg zum Projekteinsatz. Bei 10% der Freiberufler sind's sogar 30% Reisezeit. Angesichts dieser Zahlen sehen typische Stundensätze um die 60 Euro schon bescheiden aus. Da kommen auf die tatsächliche Arbeitszeit bezogen für viele Freiberufler deutlich unter 50 Euro raus. (Oktober 2004)"

"Reisezeit ist größtenteils tote Zeit, die man für einen Projektjob mitschlucken muss. Mich würde mal interessieren, wieviel Zeit die IT-ler insgesamt als Summe von Reise- und Arbeitszeit stämmen müssen! Weiterhin stellt sich dann die Frage, wieviel Geld pro investierter Stunde (Arbeiten +Reisen +persönliche Verwaltung +Weiterbildung) nach Abzug der selbstgetragenen Kosten für Reise, Unterkunft usw. übrig bleiben. Das Ganze solltet ihr am besten noch nach den Tätigkeitsfeldern der IT-ler unterteilen. Wäre spannend zu erfahren, inwieweit hohe Stundensätze am Ende auch in der Brieftasche hängen bleiben. (Oktober 2004)"

"Das entspricht meinen eigenen Erfahrungen (Oktober 2004)"

"Eine nette, interessante und v.a. auch treffende Auswertung. Etwas mehr Detailtiefe wäre vielleicht wünschenswert. (Oktober 2004)"

"Serh Interessante Statistik. Meistens bin ich der Wochenendheimfahrer - Arbeiten im Rhein-Main-Ruhr-Gebiet, zu Hause in Berlin. Unterwegs mit der Bahn und ÖPNV. Im Stundensatz finde ich es dadurch, dass in Berlin besonders wenig bezahlt wird. (Oktober 2004)"

"Ich befürworte die Umfrage und unterstreiche das Ergebnis! Für einen seit drei Jahren gezwungenen Wochenendheimfahrer ist es ein großes Problem, Projekt und Familie in Einklang zu bringen. Und dann kassiert man vom Kunden nur ein dünnes Lächeln, wenn man diese Strapazen zumindest finanziell angemessen entschädigt erhalten will. Solche Studien wie diese tragen dazu bei, die eigene Argumentation zu erhärten. Danke. (September 2004)"


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