Selbstpräsentation im IT-Bereich - meist schlechte Fotos

Das Bild ist (oft) das erste, was man vom ITler sieht.  Wichtig ist es für die meisten trotzdem nicht. Leider.

(August 2008)
Autor: Svenja Hofert

Die Dame mit dem roten Käppi und dem Trägerhemd ist Projektleiterin im SAP-Umfeld. Wir erfahren, dass sie sich für Yoga interessiert, immer offen für neue Beziehungen ist und außerdem Buddhistin. Das wäre alles in Ordnung, wenn sie privat unterwegs wäre und nicht auf einem Portal im Web. Denn im Business-Web geht es immer auch um Selbstdarstellung. Und diese ist schlecht.
So wie viele Foto-Darstellungen im IT-Bereich: Zu opulenter Hintergrund, zu bunt, zu wenig Gesicht, ungepflegte Erscheinung. Ganzkörperfotos sehen ebenso seltsam aus wie Fotos am Strand oder Artefakte des schlechten Stils wie offene Hemden oder eng ummantelte Bierbäuche.

Ob in einem schriftlich ausgearbeiteten Profil oder im Web: Auf Fotos wird in der IT-Branche gemeinhin wenig Wert gelegt, vor allem gilt das außerhalb des SAP-Bereichs. Manch Entwickler scheint zu denken, dass Äußerlichkeiten keine Rolle spielen. Weil sie davon überzeugt sind, lassen einige die Fotos im Profil auch weg. Keine schlechte Idee. Der Haken daran ist nur, dass man sich im Web 2.0 kaum noch unsichtbar machen kann. Wer eine Person sucht und sich durchs Netz klickt, findet immer auch Fotos. "Niemand wird wegen eines Fotos für ein Projekt engagiert - manch einer wegen eines Fotos allerdings nicht", sagt ein Personalberater hinter vorgehaltener Hand. Weil sie von der Überflüssigkeit überzeugt sind, lassen einige die Fotos im Profil auch weg. Zudem gebe es IT-Leiter und Entscheider, die sich über den angebotenen Kandidaten im Internet informieren - und spätestens dann auf ein Foto stoßen.

Wer sich pro Foto entscheidet, sollte dabei auch konsequent sein: Branchengerechte Kleidung und gepflegtes, businessgerechtes Aussehen überall - im Word-Profil und in allen Netzwerken des Internets. Wer online auftritt, sollte zudem an die Besonderheit des Web 2.0s und des Internets denken: die winzigen Fotos, die Netzwerkverbindungen anzeigen, sind das erste, was man überhaupt vom anderen sieht. Der erste Eindruck kommt wesentlich besser auf hellem Hintergrund zum Tragen und wenn das Gesicht im Mittelpunkt steht. Ausnahme sind kreative Fotos: Wie das der Frau, die einen Aristoteles-Kopf unter dem Arm trägt und damit kulturelle Gewandtheit demonstriert. Oder der Mann mit dem Laptop. Beide gesehen im Netz - als gute Beispiele.

Tipps:
  • Ein Bewerbungsfoto ist heute oft nicht mehr zwingend notwendig - viele Firmen legen keinen Wert auf das Bild im Profil. Nicht ganz so stark ausgeprägt ist dieser Trend bei Bewerbungen auf feste Stellen.
  • Für Projektbewerbungen im Ausland sind Fotos in jedem Fall überflüssig.
  • Achten Sie auf eine natürliche Aufnahme, die Sie in ein positives Licht setzt.
  • Auffällige Muster in der Kleidung, opulente Hintergründe: Alles, was von Ihrem Gesicht ablenkt, ist tabu.
  • Tragen Sie zu hellem Hintergrund (empfehlenswert!) dunklere, unifarbene Kleidung.
  • Bezüglich kreativem Fotodesign und Bildbearbeitung am Computer (Schatten, Rahmen o. Ä.) lautet die Empfehlung: Verzichten Sie auf Experimente und stecken Sie Ihre Kreativität lieber in die Ausarbeitung des Profils.
  • Wenn Sie in das Blatt hinein lächeln, wirkt dies meist sympathischer, als wenn Sie hinausblicken.
  • Wenn Sie der Ansicht sind, Ihr Foto sei gelungen, dann überprüfen Sie die Wirkung, indem Sie es Bekannten zeigen. Man kann sich in der Wirkung sehr täuschen.
  • Eine Meinung ist allerdings keine Meinung - fragen Sie möglichst viele Personen, am besten solche, die in dem Umfeld tätig sind, indem auch Sie arbeiten.
  • Schicken Sie auf keinen Fall ein schlecht gescanntes jpg als einzelne Datei zusammen mit dem Profil heraus.
  • Bei kreativen Fotos achten Sie darauf, dass Foto und berufliches Ziel harmonieren.
Svenja Hofert ist Karriereberaterin für die IT-Branche (www.karriereundentwicklung.de externer Link) und Buchautorin. Sie hat unter anderem "Jobsuche und Bewerbung im Web 2.0. Wie Sie das Internet als Karriereplattform nutzen" geschrieben (Eichborn-Verlag, ISBN 3821859512). Ein Schwerpunkt dieses Buches ist das Thema optimale Selbstdarstellung im Netz.

Kommentare zu diesem Artikel:

"Sicher ist es manchmal hilfreich, eine Orientierung zu erhalten, aber ich bin nun seit fünf Jahren freiberuflich tätig und meine Projektvermittler sind keine 'Heuschrecken', weil sie sich moderate 15-20 Prozent vom Tagessatz abzweigen, bei denen ich durchaus Verständnis habe, weil dort auch Verwaltungskosten anfallen für Personal, Papierkram und Technik etc. Da aber genug Projektvermittler am Markt sind, die hier n.m.M. korrekterweise als 'Zuhälter' bezeichnet werden, weil sie sich vom Tagessatz bis zu 40 Prozent nehmen, muss ich ja mit solchen nichts gemeinsam haben.  Das Problem sind die vor allem die Firmen selbst, die keine Ausschreibung im eigentlichen Sinne machen, denn dann würde der Externe den Aufwand schätzen und nicht die Firma ihn festlegen! Und dann kann sich zeigen, ob ein Freiberufler mit höherem Tagessatz es in kürzerer Zeit schafft. Dann zeigt sich die Qualität. Wie auch schon gesagt, sind die eigenen Kollegen mit ihren Fernost-Angeboten das Problem, weil hier eben nicht Qualität sondern 'billig ... will ich' gefragt ist. (August 2008)"

"einigermassen informativ (August 2008)"

"Finde ich ja beruhigend, daß viele ITler bei ihren Bewerbungen/Akquisen keine Fotos verwenden. Konsequenterweise stellt man auch keine ins Web.  Eine mMn selten angebrachte Pose sieht man auf vielen Xing-Bildern: die stützende Hand oder Faust unter dem Kinn. Finde ich weit befremdender als offenen Hemdkragen. (August 2008)"

"Der Artikel bringt nichts Neues - die Inhalte sind m.E. Selbstverständlichkeiten (August 2008)"

"Bill Gates hat bei den Bewerbern Mathematik, Programmierung und IQ getestet. Hoffentlich kommt der Trend auch zu uns. Bis dann müssen wir uns die Gedanken darüber machen, wie wir lächeln, welche Kleidung wir tragen etc. (August 2008)"