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Bewerben in der Krise...

Interview mit Andreas Schubert, Geschäftsführer der GULP Information Services GmbH

(November 2002)

Foto: Geschäftsführer Andreas Schubert

Andreas Schubert, Geschäftsführer der GULP Information Services GmbH

 

Die Zeiten werden härter für Freiberufler. Mehr projektfreie Phasen und steigender Konkurrenzkampf um die verbleibenden Projekte machen für viele das Überleben schwer. Damit ist die richtige Art, sich zu bewerben, wieder ins Zentrum der Diskussion gerückt. Andreas Schubert, Geschäftsführer der GULP Information Services GmbH und ehemals selbst Freiberufler am Markt, berichtet aus eigener und GULP-Erfahrung, auf was man achten sollte.

 

GULP Herr Schubert, wie lange liegen denn Ihre eigenen Erfahrungen zurück? Wie sah der Markt damals aus und auf was kam es für einen Freiberufler an?

Herr Schubert

Ich selbst war zwischen Ende der Achtziger- und Ende der Neunzigerjahre als Freiberufler tätig. Während dieses Zeitraums gab es auch Ups und Downs im Projektmarkt, aber sie waren nicht so extrem wie jetzt. Die Freiberufler-Tugenden waren damals dieselben wie heute: sehr gute technische Qualifikation, Kundenorientierung, Zuverlässigkeit und Flexibilität. Der große Unterschied zur jetzigen Situation war jedoch, dass Freiberufler nur Vermutungen über den Projektmarkt anstellen konnten. Eine Freiberufler-Szene gab es nicht und Freie fanden kaum Informationen zu ihren Fragen und Problemen. Das hat sich durch die Verbreitung des Internets grundlegend geändert. Wer heute steuerliche oder rechtliche Probleme hat, Fragen zu Versicherungen oder zur Vertragsabwicklung, wer wissen will, was er verdienen kann oder wie es dem Projektmarkt geht, kann all diese Infos im Internet finden.
GULP Als Geschäftsführer von GULP haben Sie ja nach wie vor intensiven Kontakt mit dem Metier. Wie können Freiberufler ihre Chancen in wirtschaftlich angespannten Zeiten verbessern?
Herr Schubert

>> Der klassische Homo Technicus vernachlässigt gerne die eigene Außendarstellung. <<

Der klassische Homo Technicus vernachlässigt gerne die eigene Außendarstellung. In Krisenzeiten kann die eigene Darstellung im Wettbewerb um das nächste Projekt jedoch den entscheidenden Pluspunkt bringen. Selbstmarketing kann man aufwändig gestalten und viel Geld dafür ausgeben - aber auch die zehnte Kleinanzeige nutzt herzlich wenig, wenn man nicht zuerst mal ein paar einfache Grundregeln beachtet. Dazu zählt, sein Profil und die Bewerbungsunterlagen kritisch und in Ruhe zu überarbeiten. Auch und gerade wer ein elektronisches Profil angelegt hat - sei es bei GULP oder in Form einer eigenen HTML Seite - sollte es in regelmäßigen Abständen überprüfen.

GULP Haben Sie besondere Tipps, auf was man allgemein bei der Projektakquise achten sollte?
Herr Schubert Immer nach dem Motto suchen "wer zuerst kommt, mahlt zuerst". Ich weiß, dass viele Freiberufler Nachtmenschen sind. Trotzdem rate ich: fangen Sie möglichst früh und möglichst täglich mit der Recherche nach neuen Angeboten an. Bewerben Sie sich bei Treffern umgehend. Die Geschwindigkeit kann entscheidend sein. Danach können Sie ja noch mal in die Federn gehen ...
GULP OK, nehmen wir an, ich habe mein Profil aktualisiert. Ich habe mir jetzt gerade ein Projekt herausgesucht, dass sehr vielversprechend klingt - auf welchem Weg nehme ich am besten Kontakt zum Projektanbieter auf?
Herr Schubert Sie sollten immer erst mal dafür sorgen, dass der Personalvermittler oder Projektanbieter schriftliche Unterlagen, das heißt Ihr Anschreiben und ein Profil, bekommt. Wollen Sie ihm die Arbeit besonders leicht machen, dann schicken Sie ein standardisiertes Profil, also zum Beispiel ein GULP Profil. Nur so schaffen Sie eine Grundlage, um telefonisch oder persönlich weitere Einzelheiten mit ihm zu besprechen. Also nicht gleich anrufen, sondern erst Ihr Profil per Mail verschicken. Darin können Sie Ihren Telefonanruf schon mal ankündigen, sollten dem Recruiter aber mindestens einen halben Tag Zeit lassen. Wie gut ein Anruf ankommt, hängt vom jeweiligen Ansprechpartner ab. Einerseits signalisiert er Eigeninitiative und Interesse, andererseits kostet er den Recruiter Zeit. Werden Sie abgewimmelt - so a lá "wir melden uns schon bei Ihnen" - dann rufen Sie beim nächsten Mal besser nicht an.
GULP Was gilt es beim Bewerbungsablauf zu beachten?
Herr Schubert Beim Bewerbungsablauf kann Pluspunkte sammeln, wer ein wenig auf Details achtet. Das Ganze fängt damit an, dass Sie sich in die Rolle der Person, bei der Sie sich bewerben, versetzen, bevor Sie loslegen. Das ist in der Regel ein Recruiter.
GULP In welcher Lage ist ein Recruiter?
Herr Schubert Auf die offene Position treffen vermutlich 30 Bewerbungen ein. Gleichzeitig bearbeitet er noch 10 weitere Ausschreibungen, bekommt also 300 Bewerbungen. Der Abschluss muss möglichst schnell erfolgen. Da bleibt nicht die Zeit, jede Bewerbung im Detail zu bearbeiten. Oft muss auf einen Blick entschieden werden, ob der Kandidat in die Auswahl kommt oder nicht. Machen Sie es dem Recruiter deshalb so einfach wie möglich!
GULP Das heißt, ich schicke ihm also eine möglichst übersichtliche Bewerbung. Was noch?
Herr Schubert Erwarten Sie nicht zuviel Service, es ist nicht persönlich gemeint. Der Recruiter ist dafür eingestellt - und wird in der Regel auch danach bezahlt - dass er Kandidaten erfolgreich in ein Projekt vermittelt. Er wird sich daher auf die erfolgversprechendsten Bewerbungen konzentrieren. Wenn Sie nach einer Bewerbung überhaupt kein Feedback bekommen, bewerben Sie sich auf das nächste Projekt wieder.
GULP Wie stelle ich sicher, dass der Recruiter mein Profil in die engere Wahl nimmt?
Herr Schubert Der Recruiter verfügt meist über ein gutes IT-Allgemeinwissen, kennt sich in Ihrem Fachgebiet aber nicht im Detail aus. So erfolgt die Auswahl eines Profils häufig durch Vergleichen, ob alle vom Kunden geforderten Schlüsselbegriffe im Profil vorhanden sind. Erläutern Sie im Anschreiben zu Ihrer Bewerbung, warum Sie für ein Projekt passend sind. Das hilft ihm.
GULP Das Anschreiben zu einer Bewerbung ist doch recht nebensächlich. Schließlich kommt es doch nur auf das Profil an, oder?
Herr Schubert

>> Unterschätzen Sie das Anschreiben nicht! Sehen Sie es als zusätzliches Selbstmarketing-Tool, das Sie nicht ungenutzt lassen sollten. <<

Unterschätzen Sie das Anschreiben nicht! Sehen Sie es als zusätzliches Selbstmarketing-Tool, das Sie nicht ungenutzt lassen sollten. Senden Sie Ihre schriftlichen Unterlagen nicht mit einem lapidaren Begleitbrief, in dem Sie schreiben "das Projekt interessiert mich, hier ist mein Profil, MfG...", sondern gehen Sie auf das Projekt ein und beschreiben möglichst zu jedem Punkt, welche Erfahrungen Sie dazu sammeln konnten und in welchen Projekten Sie die entsprechende Qualifikation eingesetzt haben. Abgesehen von den technischen Anforderungen sollten Sie erläutern, warum genau dieses Projekt Ihre Interessenslage trifft.
GULP Wieso ist das so wichtig?
Herr Schubert Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen schaut der Recruiter Ihr Profil eventuell nur wenige Sekunden an. Sieht er die Zusammenhänge nicht auf den ersten Blick, sortiert er es aus. Außerdem muss der Recruiter Ihr Profil beim Endkunden verkaufen, um das Projekt zu gewinnen. Wenn Sie es selbst machen, nehmen Sie ihm die Arbeit ab. Und mit Sicherheit können Sie sich - mit etwas Mühe und Ihrem ganzen Backgroundwissen - selbst besser darstellen, als er es kann. Indem Sie auf das angebotene Projekt eingehen, signalisieren Sie dem Projektanbieter, dass Sie nicht nur über die notwendigen Skills verfügen, sondern auch Interesse an der Arbeit haben.
GULP Gibt es bei der Kontaktaufnahme sonst noch etwas zu beachten?
Herr Schubert Ja. Seien Sie höflich - Abkürzungen wie "MfG" und fehlende oder verkürzte Anrede erwecken den Eindruck von Desinteresse oder Arroganz und drücken Geringschätzung gegenüber dem Adressaten aus. Geizen Sie nicht mit Kontaktinformationen! In die E-Mail gehört Ihre vollständige Adresse, Ihre Telefonnummer und möglichst auch die Handynummer. Sollten Sie nicht durchgehend erreichbar sein, dann bitte auch die Uhrzeiten Ihrer Erreichbarkeit angeben. Der Recruiter wird Sie einmal anrufen und dann - wenn Sie nicht erreichbar sind - vermutlich die nächste Nummer wählen.
GULP Und was ist mit meinem Profil - worauf soll ich dabei achten?
Herr Schubert

>> Ihr Profil ist das Herzstück Ihrer Bewerbung und sollte professionell und sorgfältig erstellt sein! <<

Eigentlich fast unnötig zu erwähnen, aber trotzdem sicherheitshalber: Ihr Profil ist das Herzstück Ihrer Bewerbung und sollte professionell und sorgfältig erstellt sein! Ihr Profil kommt in eine Datenbank, sei es nun bei GULP oder bei einem Projektanbieter. Es gibt Auskunft über die von Ihnen durchgeführten Projekte. Enthält es nicht die richtigen Schlüsselwörter, wird es nicht gefunden - egal wie perfekt Sie für das Projekt geeignet gewesen wären. Also: achten Sie auf die Verwendung von Schlüsselwörtern! Schreiben Sie keine Romane, bleiben Sie kurz, knackig und aussagekräftig. Wenn Sie ein halbes Jahr in einem Projekt waren, gibt es bestimmt mehr als vier Zeilen darüber zu schreiben.
GULP Wie viel Wert muss ich dabei auf die Form legen?
Herr Schubert Verwenden Sie ruhig etwas Zeit auf die Form. Geben Sie sich Mühe bei der Gestaltung, speziell bei Ihrem GULP Profil, auch wenn Sie wissen, dass Projektanbieter Informationen umgestalten werden, die sie dann in ihre Datenbanken übernehmen. Projektanbieter werden aus Rechtschreibfehlern, falschen Einrückungen und einer lieblosen Aufbereitung sehr schnell auf Ihre Arbeitsweise schließen.
GULP Haben Sie einen Tipp, wo ich mir Anregungen zur Optimierung meines Profils holen kann?
Herr Schubert Schauen Sie sich doch mal die Profile von Leuten an, die besonders gut bei Projektanbietern ankommen. Beim GULP Profil des Monats finden Sie bestimmt die eine oder andere Idee, wie Sie das eigene Profil verbessern können.
GULP Kann ich meine Chancen dadurch verbessern, dass ich Referenzen beifüge?
Herr Schubert Referenzen sind Nachweise Ihrer Qualifikation. GULP hat im Januar dieses Jahres in einer Studie zu diesem Thema nachgewiesen, dass Freiberufler, die sich eine oder mehrere Referenzen geben lassen, deutlich bessere Marktchancen haben und höhere Stundensätze verlangen können. Der Grund ist einfach: aus einer Referenz kann der Projektanbieter ablesen, dass Sie Ihre Qualifikationen schon erfolgreich im Projekt eingesetzt haben. So ein Zeugnis Dritter zählt immer mehr als die eigene Darstellung, denn letztlich will der Recruiter einen Freiberufler beim Kunden platzieren, der seine Aufgabe möglichst problemlos bewältigt. Und eine Referenz bezeugt genau dies. Deshalb mein Rat: Sind Sie in einem Projekt besonders gut zu Rande gekommen, war der Projektleiter besonders begeistert von Ihnen oder Ihr Auftraggeber zufrieden mit Ihnen als Projektleiter, lassen Sie sich das in Schriftform geben - es ist bares Geld wert.
GULP Was tue ich, wenn eine Projektausschreibung nicht hundertprozentig auf mich zutrifft, weil ich einen oder zwei Skills von 10 nicht habe?
Herr Schubert Wird eine Unsumme von Skills gefordert, verfügt wahrscheinlich kein einziger Bewerber über alle Qualifikationen. Das heißt, Sie haben durchaus eine Chance. In dem Fall verschweigen Sie es nicht - denn es geht ja aus Ihrem Profil hervor - sondern gehen Sie darauf ein. Stellen Sie möglichst vergleichbare Kenntnisse dar oder beschreiben Sie, was hinter einem geforderten Skill steckt. Das einzuschätzen, reichen sehr oft die Kenntnisse des Recruiters nicht aus. Sind hingegen nur wenige gängige Skills wie zum Beispiel Java und Oracle gefordert und Sie verfügen nicht über alle, dann sollten Sie sich nicht bewerben. Das wäre nutzlos oder würde Ihnen im schlimmsten Fall sogar schaden.
GULP Wie kann ich argumentieren, wenn mir die eine oder andere Qualifikation fehlt?
Herr Schubert Also zum Beispiel "Leider verfüge ich nicht über XML Kenntnisse, bin aber fit in HTML. Ich rechne mit einem Einarbeitungsaufwand von 3 Tagen in XML und bin gerne bereit, mir diese Kenntnisse vor Projektbeginn anzueignen".
Oder: "Ich habe bisher noch nicht mit Visual Studio Smalltalk gearbeitet, sondern nur mit Visual Cafe Smalltalk. Mir ist jedoch die Entwicklungsumgebung Visual Studio aus mehreren C++ Projekten bekannt. Da bei Smalltalk - im Gegensatz zu C++ - die Klassenbibliothek im Sprachumfang enthalten ist und sich nicht je nach Entwicklungsumgebung ändert, sehe ich keinerlei Probleme und keinen zusätzlichen Einarbeitungsaufwand".
GULP Wie geht es weiter, nachdem ich meine Bewerbung abgeschickt habe?
Herr Schubert In der täglichen Flut der Bewerbungen geht beim Projektanbieter ab und zu was unter. Gehen wir mal davon aus, dass Sie meine oben gegebenen Empfehlungen beherzigt und eine entsprechend sorgfältige Bewerbung und keine "unkommentierte" Projektbewerbung abgeschickt haben, dann sollten Sie höflich nachhaken, wenn Sie drei Arbeitstage nach Ihrer Bewerbung noch kein Feedback bekommen haben. Verweisen Sie auf Ihre ursprüngliche Bewerbung und schicken das Profil noch mal mit. Kommt dann nichts, ist es schade. Nach meiner Erfahrung ist es dann das beste, die Sache zu vergessen.
GULP Ein ganz anderes Thema. Halten Sie es für sinnvoll, sich initiativ zu bewerben?
Herr Schubert Initiativbewerbungen sind an und für sich eine gute Sache - denn so zeigt man seine Motivation und Eigeninitiative. Aber bitte machen Sie es nicht wie so manche, die sich wahllos auf jedes ausgeschriebene Projekt ohne Rücksicht auf die geforderten Qualifikationen bewerben. Motto: "Irgend was wird schon hängen bleiben, vielleicht hat der Anbieter ja noch ein anderes Projekt". Davon rate ich - besonders in der heutigen Situation - dringend ab. Nach einiger Zeit kennt der Recruiter seine Pappenheimer und wird deren Mails ungelesen in den Papierkorb klicken. Außerdem erweckt so ein Vorgehen nicht gerade Vertrauen für den Einsatz beim Kunden, denn er denkt sich "kann er nicht lesen?".
Wenn Sie sich gerne initiativ bewerben möchten, tun Sie das nur in gezielten Fällen, zum Beispiel wenn Ihnen ein Systemhaus, ein Personalvermittler oder ein Endkunde besonders zusagt. Außerdem sollten Sie sich dann unabhängig von einem Projekt dort bewerben, im Sinne von "anbei mein aktuelles Profil für Ihre Datenbank".
GULP Soll ich meinen endgültigen Stundensatz im Profil nennen?
Herr Schubert Ja, Sie sollten im Profil Stellung beziehen, denn den Projektzuschlag wird der attraktivste Kandidat bekommen. Das bedeutet nicht unbedingt, dass es sich um den fachlich am besten geeigneten Kandidaten handelt. Am attraktivsten sind diejenigen Kandidaten, die einerseits aufgrund ihres Auftretens und ihres fachlichen Könnens keinerlei Probleme im Projekt erwarten lassen, andererseits aufgrund ihres moderaten Stundensatzes dem Projektanbieter möglichst viel Profit versprechen.
GULP Ist es angesichts dessen nicht legitim, ein wenig zu unter- oder übertreiben, nach dem Motto, richtig stellen kann man es ja später noch?!
Herr Schubert Das auf keinen Fall. Ihr Stundensatz im Profil sollte möglichst der Realität entsprechen. Ein zu hoher Stundensatz als "erstes Verhandlungsangebot" wird dazu führen, dass es überhaupt nicht zu Verhandlungen kommt, weil Sie durch das Raster fallen. Ein zu niedriger Stundensatz als Lockangebot ist erst recht nicht zu empfehlen. Wenn Sie erst bei der persönlichen Verhandlung damit rausrücken, dass Sie doch mehr haben wollen, ist die Vertrauensbasis von vorne herein zerstört.
GULP Habe ich dann überhaupt noch Spielraum für Verhandlungen?
Herr Schubert Das schon, aber seien Sie geschickt. Formulieren Sie nie "Mein Stundensatz von 70 EUR ist verhandelbar". Natürlich will jeder so viel wie möglich verdienen, aber was wollen Sie jetzt wirklich haben? Geben Sie lieber eine realistische Spanne an und kommentieren Sie, wann das Pendel in welche Richtung ausschlägt. Also zum Beispiel: Stundensatz 75 EUR, +/- 10 EUR je nach Projektlänge, Einsatzort und danach, wie interessant das Projekt für mich ist". Indem Sie ein Projekt finanziell auch danach mitbeurteilen, wie interessant es für Sie ist, zeigen Sie einerseits Engagement und verschaffen sich andererseits Verhandlungsspielraum.
GULP Angenommen, ich habe die Angebotsphase und die Stundensatzverhandlung hinter mir. Jetzt kann doch nichts mehr schief gehen, oder?
Herr Schubert

>> Solange Sie keinen Vertrag unterschrieben haben, haben Sie auch kein Projekt - daran ändert selbst ein unterschriebener Rahmenvertrag noch nichts. <<

Wiegen Sie sich nicht zu früh in Sicherheit! Solange Sie keinen Vertrag unterschrieben haben, haben Sie auch kein Projekt - daran ändert selbst ein unterschriebener Rahmenvertrag noch nichts. Bewerben Sie sich weiter. Weder sollten Sie sich auf mündliche Versprechen verlassen, noch selbst welche machen - so a lá "gut, dann warte ich bis Montag" - schon gar keine, die Sie dann nicht halten. Wenn alles klar ist, kann Ihnen der Projektanbieter ja den Vertrag jetzt sofort zuschicken. Und wenn nicht: wer zuerst kommt, mahlt zuerst.
GULP Allgemein verschärft sich der Eindruck, dass viele Projektangebote nicht ehrlich gemeint sind. Stimmt es, dass es derzeit so viele Scheinprojekte gibt wie nie zuvor?
Herr Schubert Freiberufler sind nach unserer Erhebung sehr vorsichtig damit, Projektangebote leichthin als Scheinprojekte abzutun, denn nur 3,7 Prozent der angebotenen Projekte wurden von Freiberuflern als "Scheinprojekte" klassifiziert. Aber es gibt eine recht große Grauzone. Bei rund 13 Prozent aller Projektangebote war es den IT-Profis nicht klar, ob es sich um Fakes handelte. Diese Wahrnehmung dürfte sich weiter verschärfen, je länger die IT-Krise anhält und für zunehmende Projektknappheit sorgt.
GULP Was soll ich tun, wenn ich den Eindruck habe, dass es sich bei der Ausschreibung, die mich interessiert, um ein Scheinprojekt handelt?
Herr Schubert Sie bewerben sich, bekommen als Absage "Das Projekt ist schon besetzt" oder gar keine Antwort, die offene Position bleibt aber weiterhin ausgeschrieben. Sicherlich gibt es genügend Agenturen, die tatsächlich Fake-Projekte veröffentlichen und dadurch kostenlos ihre Datenbank mit Profilen füllen. Andererseits kann es auch möglich sein, dass das Profil nicht exakt gepasst hat und keine Zeit für eine detaillierte Absage blieb. Oder nach einer ersten persönlichen Kontaktaufnahme fand der Projektanbieter, dass der Bewerber von seiner Art einfach nicht gepasst hat und er sagt ihm auf diese Art kurz und knapp ab. Leider lässt sich fast nie herausfinden, ob es nun ein Fake-Projekt war oder ein anderer Grund dahinter steckte. Deshalb mein Rat: Einfach gelassen bleiben und sich weiterhin bewerben.
GULP Gelassen bleiben ist leicht gesagt. Aber je länger die Krise anhält, desto häufiger fällt vielen Freiberuflern auf, dass das Geschäftsgebaren auf Seiten der Projektanbieter immer zu wünschen übrig lässt. Oft werden selbst die sorgfältigsten Bewerbungen gar nicht mehr zur Kenntnis genommen oder mit einem Satz abgekanzelt. Was kann man dagegen tun?
Herr Schubert

Leider nicht viel. Der Markt wird bestimmt von Angebot und Nachfrage. Bei einem relativen Überangebot an Fachkräften und einer relativen Knappheit an IT-Projektangeboten verschiebt sich das Verhältnis zu Gunsten derer, die Mitarbeiter für ihre Projekte suchen. Entsprechend verändert sich der Umgangston. Aber sind wir doch mal ehrlich: In Zeiten der Hochkonjunktur war es oft genau umgekehrt - da konnten es sich die IT-Profis leisten, nachlässig zu reagieren und dennoch mit Angeboten zugeschüttet zu werden.

>> Wer Wert auf einen professionellen Umgang legt, sollte sein Geschäftsgebaren nicht von Angebot und Nachfrage abhängig machen. <<

Wer Wert auf einen professionellen Umgang legt, sollte sein Geschäftsgebaren nicht von Angebot und Nachfrage abhängig machen. Den besten Beitrag dazu leistet, wer sich nicht von einzelnen, wenn auch gehäuft auftretenden, Erfahrungen ins Bockshorn jagen lässt und durch professionelle Außendarstellung und vernünftige Bewerbungen überzeugt.

GULP Gibt es jetzt, wo Projektangebote rar geworden sind, noch andere Möglichkeiten, neue Projekte aufzutun?
Herr Schubert Unbedingt - wenn Sie bereit sind, zu neuen Ufern aufzubrechen. Wenn es Ihre persönliche Situation erlaubt, schauen Sie über den deutschsprachigen Tellerrand hinaus. Die Welt ist groß, je mehr Sie den potenziellen Markt ausweiten, in dem Sie arbeiten möchten, desto besser werden die Chancen sein, interessante Projekte zu finden. GULP unterstützt Sie dabei, indem Sie zusätzlich zu Ihrem deutschen ein internationales Profil in englischer Sprache anlegen und Ihre gewünschten Einsatzorte weltweit bestimmen können. Unentschlossene sollten bedenken, dass ein internationales Projekt das eigene Profil entsprechend bereichert.
GULP Herr Schubert, Sie haben jetzt ja zahlreiche Tipps gegeben, auf was Freiberufler alles achten können, um ihre Chancen auf ein Projekt in Krisenzeiten zu verbessern. Wer sich das zu Herzen nimmt, ist also bestens für den Erfolg gerüstet?
Herr Schubert Natürlich gibt es DAS Erfolgsrezept nicht. Neben der richtigen Vorgehensweise in der Bewerbungsphase kommt es auch auf die eigene Qualifikation und Lernbereitschaft, genauso wie auf die persönliche Situation an. Selbst wenn alle Vorzeichen stimmen, ist keine Garantie gegeben. Ausdauer und Selbstvertrauen, korrektes Auftreten und das Bestreben sich weiterzuentwickeln sind aber auf alle Fälle die nützlichsten Tugenden für freie ITler, um Durststrecken zu überwinden.
GULP Wir bedanken uns für das informative Gespräch.

 


Kommentar zum Artikel

"Besten Dank, sehr hilfreich. (April 2004)"

"Sehr hilfsreich! (März 2004)"

"Sehr detailliert, gut nachvollziehbar, deckt sich im wesentlichen mit eigenen Erfahrungen. (Januar 2003)"

"Sehr treffend und informativ! Genau so würde ich das auch einschätzen! (Dezember 2002)"

"Liebes GULP-Team, Liebe Freelancer Ich bin seit Anfang Dezember Assistentin eines Lotus Notes/Domino-Spezialisten. Meine derzeitige Aufgabe ist es, geeignete Projekte für ihn zu finden (Telefon-Aquise). Dieser Artikel ist für mich zum jetzigen Zeitpunkt Gold wert! Nun weiss ich ein bisschen auf was ich achten muss beim Gespräch mit den Recruitern und konnte es bereits ein paar mal umsetzen. BESTEN DANK! (Dezember 2002)"

"Der Artikel enthält viele gute Tipps. Einige der Techniken habe ich bei meinen Bewerbungen im August und September angewendet. Aber immerhin habe ich 2 Monate gebraucht, bis ich wieder ein Projekt gefunden habe. (Vor 2 Jahren hätte ich einen Tag gebraucht.) Eine Sache fand ich unerwähnt in Ihren Artikel: Beständigkeit. Ich habe jeden Tag ein gewisse Zeit an Bewerbungen gearbeitet und dies ähnlich wie Projektarbeit betrieben. Und der psychologische Aspekt: Immer neu selbst-motivieren. (Dezember 2002)

"Sehr interessant. (Dezember 2002)"

"Sehr gute Darstellung der Basics und interessante Formulierungshilfen z.B. beim Stundensatz und für die Fälle, dass nicht alle Skills passen. (Novembr 2002)"


Kommentare zu diesem Artikel:

"Besten Dank, sehr hilfreich. (April 2004)"

"Sehr Hilfsreich! (März 2004)"

"Sehr detailliert, gut nachvollziehbar, deckt sich im wesentlichen mit eigenen Erfahrungen (Januar 2003)"

"Sehr treffend und informativ! Genau so würde ich das auch einschaetzen! (Dezember 2002)"

"Liebes GULP-Team, Liebe Freelancer Ich bin seit Anfang Dezember Assistentin eines Lotus Notes/Domino-Spezialisten. Meine derzeitige Aufgabe ist es, geeignete Projekte für ihn zu finden (Telefon-Aquise). Dieser Artikel ist für mich zum jetztigen Zeitpunkt Gold wert! Nun weiss ich ein bisschen auf was ich achten muss beim Gespräch mit den Recruiters und konnte es bereits ein paar mal umsetzen. BESTEN DANK! Liebe Grüsse Esther Graf (Dezember 2002)"

"Der Artikel enthält viele gute Tipps. Einige der Techniken habe ich bei meinen Bewerbungen im August und September angewendet. Aber immerhin habe ich 2 Monate gebraucht, bis ich wieder ein Projekt gefunden habe. (Vor 2 Jahren hätte ich einen Tag gebraucht.) Eine Sache fand ich unerwähnt in Ihren Artikel: Beständigkeit. Ich habe jeden Tag ein gewisse Zeit an Bewerbungen gearbeitet und dies ähnlich wie Projektarbeit betrieben. Und der psychologische Aspekt: Immer neu selbst-motivieren. Grüsse Stephan Hein (Dezember 2002)"

"sehr interessant. (Dezember 2002)"

"Sehr gute Darstellung der Basics und interessante Formulierungshilfen z.B. beim Stundensatz und für die Fälle, dass nicht alle Skills passen. (November 2002)"


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