Casual-Friday - was ziehe ich an?

(Mai 2008)
Nandine Meyden
Autorin Nandine Meyden
Was ist der Casual Friday?
 
Der Begriff stammt aus den USA – da denken viele Deutsche an Bluejeans, Hamburger, unkomplizierte und direkte Kommunikation. Wenige wissen, dass die Kleiderordnung dort in einigen Branchen durchaus sehr streng ist. Eine falsche Krawatte kann also bei einem Erstgespräch schon das Ende bedeuten. Meistens wurde der "Casual Friday" als "Dress down Friday" verstanden – als Tag, an dem die Business-Kleidung etwas gelockert sein darf. Die Betonung liegt hier auf: Business-Kleidung – also keine Rede von Freizeitlook.
Korrekte Kleidung am Casual Friday
 
Eine Anzahl von Unternehmen hat die nett gemeinte Geste wieder zurücknehmen müssen. Zum einen hatten Untersuchungen gezeigt, dass die Effektivität bei gelockerter Kleidung sinkt. Zum anderen hatten sich Kunden über zu saloppe Kleidung beschwert. "Casual" wurde hierzulande oft mit "Freizeit" übersetzt. So kamen dann Jogginganzüge, Flipflops und verwaschene Jeans in die Unternehmen. Das lässt zwar tiefe Schlüsse auf das Verhalten der Angestellten in ihrer Freizeit zu, hilft aber nicht unbedingt, sich als Unternehmen professionell zu präsentieren.
Tabus am Casual Friday
 
Was wäre eine korrekte Kleidung am "Casual-Friday"?
Als Grundregel gilt: Die Kleidung sollte immer noch dem Image des Unternehmens entsprechen. Sie ist nur etwas aufgelockerter als an den Tagen zuvor. Also: Lässig ist nicht gleich nachlässig! Gelockerte Kleidung kann nur dann an einem Freitag getragen werden, wenn man keine Kundentermine an diesem Tag hat. Was es im Einzelfall genau bedeutet, ist nur zu verstehen, wenn man weiß, welcher Dresscode mit welchen Details für die anderen Wochentage gilt. Gilt im Unternehmen Anzugpflicht, wäre folgendes möglich: Männer könnten zum Beispiel statt Anzug eine Kombination tragen oder die Krawatte beim Anzug weglassen und dafür ein Button-down-Hemd tragen. Frauen statt des Kostüms oder Hosenanzug nur den unteren Teil davon tragen und das Jackett durch ein elegantes Twinset ersetzen.

Auch am Casual-Friday sollte tabu sein:

  • Zerrissene Jeans, ungebügelte oder ungepflegte Kleidung
  • Jogginganzug oder andere Sportkleidung
  • "Strandlook", Sandalen oder Flipflops
  • Gürtelschlaufen ohne Gürtel
  • Schlecht sitzende Kleidung, "Schlabberlook", Partykleidung
  • Spezielle Freizeitkleidung wie Jäger- oder Anglerkleidung
  • Schritt der Hose in den Kniekehlen
  • Look, der an Campingplatz, Kindergeburtstag oder Handarbeitsgruppe denken lässt
Auf 128 Seiten erhalten die Leser Rundum-Tipps zu gutem Benehmen in Deutschland, um sicher aufzutreten und Fettnäpfchen zu vermeiden. Der Band geht dabei auch auf Imagefaktoren und den "ersten Eindruck", Körpersprache und besondere Termine und Gelegenheiten im Beruf ein. Sechs Selbsttests stimmen in die unterschiedlichen Kapitel ein – von Smalltalk über korrektes Äußeres bis hin zu Pannen und Entschuldigungen. Der Band hält Checklisten parat und ist gespickt mit unzähligen Beispielen, Übungen und Übersichten. Seit 1994 trainiert Nandine Meyden als Etikette-Expertin Fach- und Führungskräfte aller Branchen. Sie ist durch den Fernsehratgeber "Vorsicht Fettnäpfchen!" einem breiten Publikum bekannt geworden. Pocket Business: Business-Etikette
Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch "Business-Etikette" von Nandine Meyden, erschienen im Cornelsen Verlag externer Link.
Der Autorin und der Verlag behalten sich alle Rechte am Artikel vor. © 2008

Kommentare zu diesem Artikel:

"Diejenigen, die hier so sehr das Hohelied des freien Selbstausdrucks singen: Wahrscheinlich wissen Sie gar nicht, für welche Projekte Sie nicht genommen worden sind, weil Ihre Einstellung zum Kunden (offensichtlich) nicht stimmt. Ich habe noch keinen intelligenten Menschen getroffen, der sich an einer Kleiderordnung gerieben hätte und vor der Wahl, entweder Intelligenz oder eine korrekte Kleidung zu erhalten, hat sicher noch nie ein Projektanbieter gestanden. Meistens bekommt er beides - nur eben nicht von allen. Die Wahl fällt leicht. (Juli 2008)"

"Kein Problem mit den Klamotten - solange niemand seine Inkompetenz dahinter verstecken will ... . Und woher die Autorin die Untersuchung hat "dass die Effektivität bei gelockerter Kleidung sinkt" DAS fände ich ja mal spannend. (Mai 2008)"

"Ich bin auch der Meinung, dass dieser Artikel völlig blödsinnig ist. Wenn die Projektgeber und Unternehmen der Meinung sind, dass man nur über den Anzug und der Krawatte bzw. Kostüm und Hosenanzug fachliche und soziale Kompetenzen definieren kann, dann verstehe ich jetzt endlich auch das Klagelied über den angeblichen Fachkräftemangel in Deutschland. Ich arbeite als Freiberuflerin "bewusst" in der "IT-Branche"; wenn ich als wandelnder Kleiderständer beruflich unterwegs sein wollte, dann hätte ich mir schon längst Aufträge in der Modebranche als Modell gesucht. Die Entscheidungsträger der Projektgeber sollten ihr Hauptaugenmerk mal besser auf die Qualifikationen und Fachkompetenzen legen und nicht so sehr auf das Äußerliche. Ich als Freiberuflerin weiß sehr wohl wie ich mich den Gegebenheiten anzupassen habe, dazu benötige ich nicht noch zusätzlich einen Business-Knigge. (Mai 2008)"

"Es macht fast mehr Spaß, die Reaktionen auf diesen Artikel zu lesen ;) Wünsche Allen einen schönen (casual) friday heute! (Mai 2008)"

"Der Blaumann ist für den Handwerker seine Business-Kleidung - warum sollte der Herr am Schreibtisch nicht auch eine gepflegte und modische Bekleidung an den Tag legen... (Mai 2008)"

"Es ist in der Tat nicht zu fassen. Gehts noch überflüssiger? Bin gespannt, was als nächstes Thema dran ist.... (Mai 2008)"

"Ich hatte mein ganzes inzwischen über 20-jähriges Berufsleben noch nie eine Krawatte, ja nicht mal einen Anzug an. Ich sehe das so: Wenn ein Auftraggeber/Projektanbieter/Arbeitgeber mehr Wert auf Äußerliches legt, als auf mein Können und die Qualität meiner Arbeit (was noch nie vorkam), dann ist er nicht der richtige Auftraggeber für mich. Sein Pech! Ich kann mich über Arbeitsmangel nicht beschweren... (Mai 2008)"

"Allgemeinplätze, für die man kein Buch kaufen muss. (Mai 2008)"

"Gott sei dank ist die Anzahl der Unternehmen, die das volle Programm (sprich: Anzug und Krawatte) täglich wollen, kontinuierlich abnehmend, weil ansonsten ordentliche Kleidung ausreichend sein sollte. Aber es gibt trotzdem immer wieder Momente im Leben, an den ein Anzug mit einer guten Krawatte zum guten Ton gehört. Aber eine solche Gelegenheit ist nicht die tägliche Arbeit. (Mai 2008)"

"90% unzutreffend und z.T. an den Haaren herbeigezogen. Da will sich jemand Geschäft generieren. Dort wo es dennoch zutrifft, ist jedem bekannt wie er sich zu kleiden hat. Ergo: ein Artikel, den die Welt nicht braucht. Ein Zeitfresser! (Mai 2008)"

"Ich weiss gar nicht, warum sich die Leute so aufregen. Ich finde es schon wichtig, sich als Freiberufler an die Gegebenheiten des jeweiligen Unternehmens anzupassen. Da ja nun bekannterweise oft der erste Eindruck entscheidet und nachträglich es immer schwer ist, einen schlechteren Eindruck durch Wissen und Können wett zu machen (was natürlich im Endeffekt zählen sollte). Wir sind ja nun einmal Dienstleister und hängen vom Kunden ab und da ist es völlig egal, ob man eine andere Einstellung zu solchen Dresscodes hat. Wenn man mit solchen Dingen Probleme hat, sollte man sich besser einen anderen Job suchen. (Mai 2008)"

"Unnötiger Artikel und Aufbau von Klischees. Menschlichkeit steht an oberster stelle. Denn wer bekleidet die Jobs? Menschen -> Menschen treffen Menschen um herauszufinden was menschlich ist. Den Driss mit Anzug und Krawatten haben die meisten zum Glcük überwunden. (Mai 2008)"

"Überflüssig und nicht zutreffend... (Mai 2008)"

"So ein Schrott. (Mai 2008)"

"Wer von "Business-Etikette" lebt, muss natürlich den Unsinn starrer Kleidungs"ordnung" anpreisen. Wenn ich auch die gelebte "Kleiderordnung" in Deutschland (und dem Rest der Welt) als geradezu peinlich empfinde, so habe ich doch persönlich immerhin die Erfahrung gemacht, dass man mit Kompetenz durchaus sich über die eine und andere Kleidungsunsinnigkeit - wie etwa der Krawatte als solche - hinwegsetzen kann, was maximal zur fünfminütigen Irritation führt, die durch die persönliche Erscheinung (Freundlichkeit, Offenheit) und entsprechende fachliche Kompetenz wieder mehr als ausgeglichen wird. Ich möchte unbedingt alle unter Kleiderordnung "Leidenden" empfehlen, hier etwas Mut zu zeigen! (Mai 2008)"

"Der Casual Friday obliegt der Entscheidung des Unternehmens und seiner Philosophie. Das bedeutet dass es keinen Sinn macht hier einen globalen Ratgeber anzupreisen - wenn das Unternehmen doch selbst hier je nachdem die Richtlinien setzt. Heisst für mich: Strandkleidung im Sommer wenn auch büro-tauglich kann den Richtlinien entsprechen. Das hängt natürlich ganz vom Selbstverständis und der Branche des Unternehmens ab. (Mai 2008)"

"unwichtig. (Mai 2008)"

"So einen Unsinn habe ich selten gelesen. (Mai 2008)"

"Was soll die Werbung? Das hätte auch kürzer sein können. Nun in Deutschlands IT-Landschaft herrscht eine Kleidungsunordnung. Warum soll ich nicht Schlips und Kragen als Arbeitskleidung verstehen und diese nach der Arbeit ablegen. Am CF lasse ich dann den Schlips weg. (Mai 2008)"

"Der Artikel beschreibt die Situation in den USA - wir sind in Europa, genauer im deutschsprachigem Raum. Dort gelten andere Verhältnisse. Dass "über"-legere Kleidung nicht abgebracht ist, weiss doch jedes Kind! Wieder einmal ist dieser Artikel ein unpassender Lückenfüller für fehlende Kreativität der Redaktion. Nein danke, das braucht niemand! (Mai 2008)"