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| Vom Duzen und Siezen im IT-Projekt
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(Mai 2005)
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Inhalt dieses Artikels:
Schwierige Zeiten, schwierige
Rahmenbedingungen | 3 Grundregeln
| Bekannte Variationen |
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| Eigentlich spricht man fremde Erwachsene mit "Sie"
an.
Eigentlich ist es bei IT-Freiberuflern üblich, sich untereinander
zu duzen.
Eigentlich ist in vielen Firmen das "Sie" der Umgangs-Standard.
Eigentlich sind jüngere Generationen generell zum "Du"
übergegangen.
Es gibt viele "eigentlich", wenn die Frage nach
dem Duzen und Siezen aufgeworfen wird – und so geben für
GULP die Stilexpertinnen Christina Tabernig und Anke Quittschau
zwar manch nützliche Empfehlung im heiklen Terrain, lassen
aber auch keinen Zweifel daran: Trotz Konventionen und Regeln bleibt
"Du oder Sie" immer auch eine persönliche Entscheidung
zweier Menschen:
Früher war es einfacher. Da war es ein sicheres Anzeichen
herannahenden Erwachsenseins, dass vom "Du" zum "Sie"
gewechselt wurde – es begann damit, dass ein Lehrer seine
16jährigen Schüler plötzlich gesiezt hat. Bei den
Eltern konnte man beobachten, dass sie fremden Menschen ausschließlich
mit einem "Sie" begegneten und selbst mancher Mannschaftskollege
im Sportverein wurde nicht geduzt. |
| Schwierige
Zeiten, schwierige Rahmenbedingungen |
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| Damals waren mit 40 Jahren die Eltern
in unseren Augen uralt, heute haben wir oft selbst dieses Alter
bereits erreicht bzw. überschritten. Als IT-Freiberufler ist
es allemal wahrscheinlich, sich in einer reiferen
Phase seines Lebens zu befinden – und ohne Zweifel gibt
es viele unter ihnen, die sich auch jenseits der 40 noch lange nicht
alt oder "erwachsen" fühlen. Du oder Sie –
was nun soll man als Junggebliebener tun? Gerade Freiberufler, die
häufiger die Projekte und Kunden wechseln, stehen immer wieder
vor dieser Frage.
Zudem gibt es verschiedene Branchen, in denen unterschiedliche
Kulturen bevorzugt werden: Designer, Modebranche, IT- oder Beratungsfirmen
sind intern meist per Du. Banken, Versicherungen oder Automobilbranche
und stark hierarchisch geführte Unternehmen dagegen bleiben
weiterhin meist beim Sie. |
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| 3
Grundregeln |
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| Auch im 21. Jahrhundert gibt es natürlich
einige Grundregeln, an die man sich auf jeden Fall im Geschäftsleben
und auch im Privatleben halten kann:
| Nr. 1: |
Der Ranghöhere bietet dem Rangniederen das Du an. |
| Nr. 2: |
Ein Du darf abgelehnt werden. |
| Nr. 3: |
Für ein "Du" reicht ein Handschlag. |
Ein "Sie" schafft Distanz und gewährt Diskretion,
schützt also vor allzu indiskreten Zeitgenossen. Dabei ist
die Norm wie eh und je, dass sich fremde Erwachsene im Geschäftsleben
erst einmal siezen.
Ein Du – leichtfertig angeboten oder auch unüberlegt
akzeptiert – ist nicht mit Freundschaft gleichzusetzen. Zugegeben
eine gewisse Vertrautheit mag sich einschleichen, aber sollte nicht
überinterpretiert werden. Es ist sicherlich einfacher geschäftlich
miteinander umzugehen – gerade wenn es sich um gleichaltrige
Kontakte handelt. Barrieren werden schneller abgebaut und eine Geschäftsbeziehung
fängt ungezwungener an.
"...Der Unterschied zwischen der 2. und 3. Person besteht,
wie jeder geübte Schreiber weiß, nicht zwischen unhöflicher
und höflicher Anrede, sondern zwischen vertrauter und distanzierter..."
(Alter Duden R71).
Apropos Höflichkeit: Diese ist natürlich oberstes Gebot,
wenn man sich auf Grundregel 2 beruft und ein "Du" ablehnen
möchte. Dabei sollte man so freundlich wie möglich vorgehen
und wenn möglich auf grundsätzliche Prinzipien (also nicht
persönliche Animositäten verweisen). Dennoch müssen
Sie sich darüber bewusst sein, dass diese Person Ihnen wahrscheinlich
nie wieder ein Du anbieten wird.
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| Bekannte
Variationen |
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| Geraten Sie als älterer IT-Experte in ein
altersmäßig junges Projekt, wollen gerne Ihre Erfahrung
zum Ausdruck bringen, dabei aber kein "Party-Pooper" sein,
kann eine Mischform eine prima Alternative sein: Sie siezen die
Kollegen, reden sie aber mit dem Vornamen an.
Im IT-Projektmarkt gang und gäbe ist der Umgang mit englischsprachigen
Partnern oder Kunden. Diese werden oft mit dem Vornamen angesprochen
und im Englischen natürlich geduzt. Siezen Sie sich mit Ihrem
deutschen Projektleiter oder Kollegen, mit dem Sie gemeinsam ins
Meeting gehen, vereinbaren Sie im Vorfeld, dass Sie sich vor den
angelsächsischen Gästen mit Vornamen anreden und duzen.
Damit vermeiden Sie, dass Ihre Kunden oder Partner irritierte Blicke
austauschen. Selbstverständlich werden Sie dann nach der Besprechung
zum Siezen zurückkehren.
Vorsicht! Wird Ihnen vom Projektleiter oder Kunden auf einer Feier
zu fortgeschrittener und alkoholisch beeinflusster Stunde locker
das Du angeboten, halten Sie sich am nächsten Morgen mit dieser
neu gewonnenen Anrede zurück. Sie wissen nie, wie ernst dieser
Anflug von Zuneigung gemeint war. Sprechen Sie in so einem Fall
den Betreffenden lieber per Sie an. Sollte er dann aber auf das
vereinbarte Du verweisen, ist die Angelegenheit klar. |
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Nähere Informationen zum Thema bei Christina Tabernig und
Anke Quittschau unter www.korrekt.de .
Die Autorinnen behalten sich alle Rechte am Artikel vor. ©
2005 korrekt.
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Kommentare zu diesem Artikel:
"Interessant der Hinweis auf die gemischten Meetings mit angelsächsischen Kollegen - aber ansonsten lehne ich die beworbene Mischform des 'Sie' mit dem Vornamen rundweg ab. Das ist ein steifer Workaround um Unsicherheiten, der in die Mottenkiste gehört! (Juli 2005)"
"In bedingten Maße trifft das auf Bayern zu (ebenfalls in Österreich), denn da wird von Haus aus mit 'Servus' begrüßt, 'pfiat Eahna' als Abschiedsformel verwendet und im Redefluß das 'Du' förmlich angeboten - 'Das muaßt Da vorstellen', 'Schau dir das an' - jedoch nicht immer gemeint! (Juni 2005)"
"Ein paar interessante, aber nicht neue Gedanken zu einem stets top-aktuellen Thema. (Mai 2005)"
"Ich bin mit 49 schon ein alter Hase in den IT-Projekten und fand es interessant meine Ansichten weitestgehend bestätigt zu bekommen. Wichtig für mich war der Umgang mit den deutschen Kollegen im angelsächsischen Bereich. Danke. (Mai 2005)"
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