GULP >> GULP Knowledge Base >> Rund ums Projekt >> Selbstmarketing >> Geschäftskorrespondenz

Mit der passenden Geschäftskorrespondenz punkten

(Mai 2004)
Inhalt dieses Artikels:
Neun Punkte für den Geschäftsbrief | Der richtige Ton bei unangenehmen Themen | Besondere Regeln für das E-Mail | Vorsprung mit Stil
Ihre Meinung zum Artikel
sehr gut
1
2
3
4
5
6
schlecht
 

Knifflige Software, ein verstecktes bug, Programmieren unter Zeitdruck – für einen guten IT-Freiberufler sind das Herausforderungen, denen er sich gerne stellt. Aber dann wird’s richtig schwierig: Die Geschäftskorrespondenz muss erledigt werden. Wie man mit Schreiben punktet statt sein Image ruiniert, dabei helfen die Tipps der Stil-Profis Anke Quittschau und Christina Tabernig.

Kundenorientierte Korrespondenz sollte kurz, konkret und positiv sein. Die Praxis zeigt aber: Es fällt vielen Menschen schwer, beim Schreiben den richtigen Ton zu treffen. Dabei sollte sich jeder IT-Freiberufler bewusst machen, dass schlecht geschriebene Briefe oder E-Mails am Ende sein Image als Profi schädigen können.

Ob Projektbewerbung, Informationsbrief, Mahnung oder Akquisitionsanschreiben – jeder kleinste Fehler kann teuer werden. Die Korrespondenz doch einfach mal von einer unabhängigen Person prüfen lassen, kann sich lohnen – ebenso wie das Beherzigen von ein paar Tipps.

 

Neun Punkte für den Geschäftsbrief
nach oben
   

In der Praxis schreibt der IT-Freiberufler meist ein E-Mail, hin und wieder kommt er aber um die Printversion der Geschäftskorrespondenz nicht herum, z. B. bei Rechnungen oder Mahnungen. Generell sollte man geschäftliche Korrespondenz auf folgende Punkte checken:

1. Namen des Empfängers richtig geschrieben? Ergänzen Sie immer "Herr" oder "Frau" zum Namen, denn ohne diesen Zusatz bedeutet es, dass es sich um ein Kind oder Teenager handelt.
2. Sympathische Anrede gefunden? Statt "Sehr geehrte Damen und Herren" sagen Sie ruhig mal "Guten Tag, Herr Meier" oder in Bayern auch "Grüß Gott, Herr Becker".
3. Keine Belehrungen ("...sollten Sie beachten...") oder Befehlston ("...müssen Sie bis zum...") verwendet?
4. Übersichtliche Textaufteilung gegeben?
5. Beim Brief: Blatt nicht zu voll? (Leser ermüdet sonst sehr schnell)
6. Individuelle Schlussformel genutzt? Die meisten Briefe enden mit "Mit freundlichen Grüßen". Differenzieren Sie sich mit Formulierungen wie "Herzliche..., beste..., sonnige Grüße vom Bodensee,..." oder beziehen Sie sich auf aktuelle Anlässe wie "Mit sommerlichen Grüßen".
7. Nicht zu viele Fachausdrücke oder Fremdwörter benutzt? Sprechen Sie nicht von "maßgeschneiderten Solutions" oder einem "erwarteten Statement", auch wenn es schon fast Umgangssprache geworden ist.
8. Beim Brief: Eigener Name unter der Unterschrift wiederholt?
9. Anlagen bzw. angehängte Dateien explizit benannt? (Erleichtert das Zuordnen)
 

 

Der richtige Ton bei unangenehmen Themen
nach oben
   

Sind Mahnungen und Erinnerungen nur mit juristischen Phrasen wirksam? Nein! Denn die Rechtskräftigkeit einer Erinnerung hängt nicht von einem unfreundlichen Ton ab. Vielmehr gehört zu einem professionellen Auftreten auch ein fairer, kooperativer Schreibstil. Und das geht auch bei unangenehmen Themen:

o  Setzen Sie auf eine persönliche, emotionale Ansprache schon im Betreff. Z.B.: "Haben Sie unsere Vereinbarung vergessen?" statt "Mahnung".
o  Formulieren Sie deutlich Ihre Forderung, bleiben Sie aber freundlich im Ton: "... bestimmt hat sich Ihre Zahlung mit meinem Brief gekreuzt. Bitte überprüfen Sie zur Sicherheit noch mal Ihre Verbindlichkeiten." Oder "Sicherlich haben Sie Verständnis dafür, dass auch ich auf pünktlichen Zahlungseingang angewiesen bin."
o  Machen Sie ein Kontakt- und Kooperationsangebot: "Falls es besondere Probleme geben sollte, rufen Sie mich bitte an, damit wir gemeinsam eine Lösung finden."
o  Aktivieren Sie für die Zukunft, denn Sie möchten ja weiterhin Geschäfte mit diesem Kunden machen. Beispiel: "Bitte erweisen Sie sich weiterhin als zuverlässiger Partner."
 

 

Besondere Regeln für das E-Mail
nach oben
   

Die Anzahl der Geschäftsbriefe hat durch den Einsatz von E-Mails erheblich abgenommen – das gilt natürlich im besonderen Maße im IT-Projektmarkt. Dies ist aber kein Grund dafür, dem Inhalt und dem Stil einer E-Mail weniger Aufmerksamkeit zu schenken. Für die E-Mail-Korrespondenz gelten besondere Regeln:

o  Schreiben Sie einen Zwischenbescheid, wenn Sie die E-Mail nicht sofort beantworten können. Nennen Sie einen Termin für die ausführliche Antwort.
o  Bearbeiten Sie Ihre Mails täglich. Die Nutzer eines schnellen Mediums erwarten auch eine schnelle Antwort.
o  Benutzen Sie keine Abkürzungen wie "mfG", "fyi", "thx" oder "asap" – sie sind nicht jedem bekannt.
o  Füllen Sie immer den "Betreff" mit einer aussagekräftigen Beschreibung des Inhaltes der E-Mail aus.
o Verzichten Sie niemals auf eine korrekte Anrede und Verabschiedung. So viel Zeit muss sein.
o Nennen Sie immer die kompletten Absenderdaten (Anschrift, Telefon, Fax) am Ende einer E-Mail, damit der Empfänger den Antwortweg frei wählen kann.

Einen besonders schlechten Eindruck hinterlässt der, der auf einen Brief oder eine E-Mail nicht zeitnah oder überhaupt nicht antwortet. Die erwartete Antwortzeit bei einer E-Mail beträgt zwei Geschäftstage, bei einem Brief eine Woche. Wer innerhalb dieser Zeit keine endgültige Antwort geben kann, sollte unbedingt einen Zwischenbescheid versenden.

 

 

Vorsprung mit Stil
nach oben
   

Der richtige Stil in der Korrespondenz gehört heute ebenso zu den modernen Umgangsformen wie das persönliche Auftreten beim Kunden. Man kommt bei anderen einfach besser an, wenn man bestimmte Regeln beachtet. Auch wenn hinter ungeschickten Formulierungen oder Nachlässigkeiten beim Inhalt keine böse Absicht stecken, es kann das Verhältnis zum Empfänger empfindlich stören. Um nicht in solche "Fallstricke" zu geraten, kann es ausgesprochen nützlich sein, eine unabhängige Person die Korrespondenz einmal prüfen zu lassen und eventuell sogar eigens angefertigte Textbausteine zu verwenden.

Man führe sich einfach vor Augen, ein Projektanbieter habe die Wahl zwischen zwei fachlich völlig gleichwertigen IT-Freiberuflern. Der eine legt viel Wert auf seinen textlichen Auftritt, der andere pflegt das stilistische Chaos. Wer von beiden wird beim Projektanbieter als der professionellere IT-Experte gelten?

 

 

Nähere Informationen zum Thema bei Anke Quittschau und Christina Tabernig unter www.korrekt.de extern.
Die Autorinnen behalten sich alle Rechte am Artikel vor. © 2004 korrekt

 

 

Kommentare zu diesem Artikel:

"Vielen Dank für all die genannten Ratschläge. Soweit bin ich allerdings 'gut dabei'. Was immer hilft ist der Hinweis, man solle doch mal einen Dritten hinzuziehen, der bei besonders wichtigen Anschreiben mal eben ein neutrales Auge auf das Geschriebene wirft. Da wird dann häufig auf eine ungünstige Formulierung hingewiesen. Schreibfehler treten ja dank aller elektronischer Hilfestellung immer seltener auf?! (November 2004)"

"nicht uninteressant. und ganz gut, die ganze materie mal kompakt dargestellt zu bekommen. (Juni 2004)"

"Mir scheint, daß einige der Tips für unsere Branche, in der es mehr als in den meisten anderen auf Präzision und Logik ankommt, eher kontraproduktiv sind. Wenn ich einem Kunden schreibe "...sollten Sie beachten..." oder "...müssen Sie...", dann ist es auch so gemeint, weil sonst irgendetwas an irgendeinem Produkt nicht funktioniert und ich dann den schwarzen Peter habe, wenn ich es weniger klar ausdrücke. Und wenn mir jemand, der im technischen Bereich tätig ist, schreiben würde "... bestimmt hat sich Ihre Zahlung mit meinem Brief gekreuzt...", dann wäre das vermutlich für mich ein Grund, die Geschäftsbeziehung umgehend zu beenden, weil es ein eindeutiger Versuch ist, den Empfänger so eines Briefs anzulügen (wenn es so wäre, hätte man den Brief nicht geschrieben). Und so weiter. (Juni 2004)"

"Waren doch ein paar gute Tipps dabei. Allerdings würde ich erwarten, daß ein freier Mitarbeiter über einigermaßen richtige Ausdrucksformen verfügt. Wenn nicht, sollten Sie noch eine Bibel für Eventualfälle schreiben. Ich habe schon Schreiben erlebt, aus denen die Schulbildung (Abitur?) absolut nicht erkennbar ist. Da helfen auch die Tipps wenig. (Juni 2004)"

"Wer ist der professionellere E-lancer? Der letzte Satz gibt die Antwort, warum es nicht schaden kann, sich auch über ein solches Thema Gedanken zu machen. Mich selbst nerven die Gedankenlosigkeit und Schluderei in den e-mails, die nur einen Schluss zulassen: Deutschland ist auf dem Weg zum Analphabetismus. (Juni 2004)"

Seite drucken Seiten drucken
Zum Seitenanfang nach oben

Für die Teilnahme an den mit diesem Icon gekennzeichneten Diensten melden Sie sich mit den Zugangsdaten an.
Zugangsdaten vergessen? | Noch kein GULP Profil?
Über GULP: Mehr als 3.000 Kunden, 75.000 eingetragene IT-Experten, davon 10.500 mit Schwerpunkt Engineering, und über 1.000.000 abgewickelte Projektanfragen: GULP ist die wichtigste Quelle für die Besetzung von IT-/Engineering-Projekten mit externen Spezialisten im deutschsprachigen Raum. Zusätzlich zu den Dienstleistungen einer modernen Personalagentur bietet GULP ein umfassendes Online-Portal mit Informationen und Services für die Teilnehmer im Markt.