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| Grenzen setzen als Selbstständiger
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(Juni 2007)
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| Inhalt dieses Artikels:
Die eigenen Bedürfnisse, Erwartungen und Grenzen |
So setzen Sie Grenzen |
Verärgerung und Streit |
Konsequenz! |
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| Autorin: Gitte Härter, Karriere-Coach
und Business-Trainerin
Klar: Geschäfte sind Geschäfte. Aber wir alle
wissen, dass eine Geschäftsbeziehung nur dann angenehm –
und auf Dauer tragfähig - ist, wenn sie tatsächlich partnerschaftlich
ist: Wenn beide Seiten respektvoll miteinander umgehen und auch
die eigenen Bedürfnisse und Grenzen berücksichtigt werden.
Viele Selbstständige haben leider eine andere Vorstellung
und denken, dass "der Kunde bestimmt". Diese eher unterwürfige
und oft resignierte Sicht der Dinge impliziert, dass man als Selbstständiger
nicht viel zu melden hat. Doch das stimmt nicht nur nicht, sondern
birgt eine Menge Sprengstoff für sich – und für
den Auftraggeber. Wie Sie Grenzen setzen, ohne Ihre Kunden vor den
Kopf zu stoßen, verrät die langjährige Business-Trainerin
Gitte Härter anhand konkreter Beispiele. |
| Die
eigenen Bedürfnisse, Erwartungen und Grenzen |
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| Werden die eigenen Grenzen überschritten,
fühlen wir uns nicht wohl. Je nachdem, worum es geht, kann
das so weit führen, dass wir sauer oder enttäuscht sind:
Weil ein anderer unsere Erwartungen nicht erfüllt, Bedürfnisse
nicht ernst nimmt oder egoistisch nur an eigenen Zielen interessiert
zu sein scheint.
Wenn wir von anderen enttäuscht oder wütend sind –
beruflich wie privat – dann lohnt sich ein näherer Blick
darauf, inwieweit man seine Bedürfnisse oder Erwartungen überhaupt
geäußert hat. Denn nur dann kann ein anderer diese überhaupt
wahrnehmen. Oft sind "Grenzverstöße", die einen
selbst wurmen, für den anderen überhaupt nicht ersichtlich.
Ein Beispiel: Ein IT-Freiberufler betreut das Netzwerk eines mittleren
Unternehmens. Da er sich mit den Mitarbeitern dort gut versteht,
rufen diese auch bei allen möglichen Anwenderfragen schnell
mal bei ihm an. Dies geht ihm mittlerweile zu weit, er fühlt
sich zunehmend ausgenutzt, weil diese "informellen kurzen Fragen
nebenbei" nicht bezahlt werden. Schließlich ist er auf
die Personen, mit denen er sich bislang wunderbar verstand, auch
nicht mehr gut zu sprechen. Schon wenn die Telefonnummer im Display
erscheint, steigt sein Blutdruck: Die schon wieder! Die Mitarbeiter
wiederum wissen nichts von seiner Unzufriedenheit, sondern fragen
sich, warum der vormals so nette Computermensch plötzlich so
kurz angebunden ist und eher unfreundlich reagiert. Was dem wohl
über die Leber gelaufen ist?!
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Wichtig: Seien Sie fair mit
sich und Ihren Kunden. Nur, wenn Sie Ihre Erwartungen, Bedürfnisse
und Grenzen kennen und diese klar kommunizieren, können
Sie Missverständnissen, unangenehmen Situationen und Konflikten
vorbeugen. Außerdem erleichtern Sie anderen den Umgang
mit Ihnen, weil diese wissen, woran sie mit Ihnen sind. |
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| So
setzen Sie Grenzen |
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| Wenn Sie von Anfang an klare Aussagen
treffen, dann kennt Ihr Kunde die Rahmenbedingungen. Das geht beispielsweise
beim Vereinbaren von Auftragsdetails los. Unser Netzwerkbetreuer
aus dem obigen Beispiel muss klar sagen, was "Betreuung"
alles umfasst. Wird er nach Pauschale bezahlt, muss für beide
Seiten transparent sein, was darin enthalten ist und was separat
bezahlt wird.
Nehmen wir ein anderes Beispiel: die Erreichbarkeit. Wenn Sie Ihrem
Kunden für Notfälle Ihre Handynummer gegeben haben, dieser
aber wegen jeder Kleinigkeit abends und am Wochenende bei Ihnen
anruft, dann ist es wichtig, ihm zu sagen, dass Sie das stört,
und einen Vorschlag zu machen, wie normale Anfragen besser geregelt
werden (z. B. Per E-Mail senden, weil Sie das in Ihrer Arbeit weniger
unterbricht. Das wird dann angenommen, wenn Anfragen über diesen
Weg auch ebenso verlässlich und zeitnah von Ihnen bearbeitet
werden.).
Haben Sie keine Angst davor, dass Sie Ihren Kunden verärgern
könnten. Wie so oft kommt es darauf an, WIE Sie etwas sagen.
Um sachlich und freundlich zu bleiben, ist es wichtig, dass Sie
auf Dinge, die Ihre Grenzen verletzen, schnell reagieren. Andernfalls
staut sich Groll auf und die Wahrscheinlichkeit, dass es irgendwann
unkontrolliert oder vorwurfsvoll aus Ihnen herausbricht, ist sehr
hoch.
Darauf kommt es an:
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| Verärgerung
und Streit |
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| Es wird immer mal passieren, dass
ein Gespräch aus dem Ruder läuft. Etwa wenn ein Gespräch
hitzig wird, weil etwas schief gelaufen ist. Bestimmt kennen Sie
es aus eigener Erfahrung, dass man sich schnell an einem "falschen
Ton" aufhängt, selbst wenn man dem Gesprächspartner
inhaltlich sogar Recht gibt.
Nehmen wir das Beispiel, dass ein Auftraggeber laut und unsachlich
wird. Wenn Sie die Emotionalität komplett ignorieren und gleich
versuchen gegenzuargumentieren, werden Sie nicht weit kommen. Denn
je saurer Ihr Gesprächspartner ist, desto weniger kommen Sie
gerade mit Tatsachen durch – besonders wenn Sie sich auch
noch rechtfertigen und das den Eindruck macht, Sie wollten sich
rausreden. Wenn Sie sich mitreißen lassen und ebenfalls emotional
werden (etwa laut oder bockig), dann schütten Sie unnötig
Öl ins Feuer.
Demnach ist es wichtig, die kritische Situation konstruktiv zu
unterbrechen. Indem Sie einerseits eine klare Grenze ziehen ("So
nicht!"), andererseits aber Ihre Lösungsorientiertheit
in Bezug auf den Inhalt unterstreichen. Zum Beispiel:
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Wichtig ist, dass Sie die Zügel
in die Hand nehmen: Dadurch, dass Sie aussprechen, dass momentan
ein konstruktives Gespräch nicht möglich ist, und
das auf sachlich-freundliche Weise tun, beweisen Sie Souveränität
und Lösungsorientiertheit. Das setzt aber natürlich
voraus, dass Sie diesen Break sachlich herbeiführen und
nicht selbst angreifen oder anklagen. |
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| Konsequenz! |
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Jede Grenze braucht Konsequenz. Wenn Sie einerseits mit Ihrem Kunden
darüber gesprochen haben, dass er Ihnen nicht immer erst kurz
vor knapp die relevanten Daten übermittelt, Sie andererseits
dann doch wieder kommentarlos alles annehmen und eine hektische
Deadline einhalten (obwohl es kein Notfall war), dann ist diese
Grenze offenbar für Sie doch nicht so wichtig. Denn wenn Sie
selbst sie nicht einmal einhalten, warum sollte Ihr Kunde das dann
tun?
Damit Ihre Grenzen auch ernst genommen werden, ist es wichtig,
dass Sie
- sich selbst daran halten und eine zuvor besprochene Konsequenz
dann auch eintritt.
- Ihre Grenze wieder (und manchmal noch ein paar Mal) kommunizieren.
Haben Sie das Gefühl, dass es gar nicht um eine aktuelle Sache
geht, sondern dass in der Geschäftsbeziehung allgemein der
Wurm ist – oder dass Sie bei einem bestimmten Auftraggeber
einfach persönlich "nichts gelten", dann haben Sie
den Mut, für sich selbst festzulegen, unter welchen Umständen
Sie die Geschäftsbeziehung aufrecht erhalten.
Natürlich ist es wichtig, Aufträge und damit ein Einkommen
zu haben. Das sollte aber nicht auf Dauer gegen Ihr Wohlbefinden
gehen. Ziehen Sie also in Ihrem eigenen Interesse auch einen Schlusstrich,
wenn Sie das Gefühl haben, dass die Geschäftsbeziehung
immer Schlagseite haben wird. Je kontinuierlicher Sie sich um Ihre
Akquise und
um eine breite Kundenbasis bemühen, desto eher gelingt Ihnen
das, weil Sie sich nicht abhängig von einzelnen Kunden machen. |
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Gitte Härter war viele Jahre im Management eines internationalen Medienunternehmens tätig, bevor sie sich als Business-Coach und -Trainerin selbstständig gemacht hat. Außerdem hat sie über zwei Dutzend Ratgeber in namhaften Verlagen veröffentlicht. Auf ihrer Website www.unternehmenskick.de finden Selbstständige und Freiberufler Hunderte von kostenfreien Online-Tipps.
(c) Gitte Härter, schreibnudel.de
E-Mail: info@schreibnudel.de, Tel. 089 36107847
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Mehr rund um Kommunikation und das Vertreten eigener Meinungen
und Bedürfnisse finden Sie zudem in ihrem Buch "Das 1x1
der Schlagfertigkeit" (GU Verlag), in dem es nicht um die übliche
Schlagfertigkeit geht, sondern darum, auch in kritischen Situationen
handlungsfähig zu bleiben und souverän zu (re)agieren.
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