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| Respektvoll und souverän
in fernen IT-Projekten |
| (Juli
2005) |
Inhalt dieses Artikels:
Ein kurzer Flugzeugknigge
vorab | In Frankreich
| In Spanien | In
Italien | In
der Türkei | In
arabischen Ländern | In Asien
| In den USA
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| Für die einen ein Traum, für die anderen
ein Muss: Ein Projekteinsatz in fernen Ländern. Ob in Paris,
Madrid oder Dubai – der selbstständige IT-Experte trifft
bei der Arbeit und in der Freizeit unter Umständen auf jede
Menge "Fremdes", das immer auch eine Herausforderung ist.
Nachdem die Stilexpertinnen Christina Tabernig und Anke Quittschau
andere Sitten
direkt im Projekt bereits für GULP beleuchtet hatten, geht
es diesmal um internationale Fettnäpfchen, die vorwiegend in
der Freizeit lauern:
Auch wenn ein IT-Projekt in fremden Ländern kein Urlaub ist
und deshalb der Griff zu Reiseführern nicht unbedingt nahe
liegt, lohnt sich genau ein solcher, denn: Hier erfährt man
in Kürze Wissenswertes über Land, Bewohner, Sprache sowie
Bräuche. Und dieses Wissen hilft natürlich im Umgang mit
einheimischen Kollegen und vor allem in der Zeit abseits der Arbeit.
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| Ein
kurzer Flugzeugknigge vorab |
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| Wer mit Linie oder Charter in den Zielort
seines Projektauftrages fliegt, sollte im Dienste eines "stressfreien
Miteinanders auf engsten Raum" gewisse Verhaltensregeln beachten:
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Wer höflich ist, begrüßt den Sitznachbarn. |
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Beim Aufstehen nicht am Vordersitz festhalten – der
Vordermann wird es danken. |
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Zur Schonung der Knie des Hintermannes sollte man die Rückenlehne
nicht unangekündigt in Liegestellung bringen. |
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Laut über andere Menschen zu sprechen birgt Risiken,
denn niemand weiß, wer in der Nähe sitzt und mithört. |
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Der Pilot macht nur seinen Job – und erwartet ebenso
wenig wie zum Beispiel ein Busfahrer, dass bei der unfallfreien
Ankunft geklatscht wird. |
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Am Kofferrondell sich durch aggressive Besitzansprüche
beweisen – und wenn es dumm läuft, den künftigen
Projektleiter anrempeln? Besser nicht. |
Der Flug bzw. die Bahnfahrt zum Projektort im fremdsprachigen Ausland
lässt sich übrigens hervorragend nutzen um sich die einfachsten
Worte wie "Danke", "Bitte", "Guten Tag",
"Auf Wiedersehen" und "Entschuldigung" in der
Landessprache anzueignen. Vor Ort zeigt ein solches Interesse schnell
Wirkung – ob im Projekt der Kollege oder nach Feierabend der
Pensionswirt, die kurze Anrede in ihrer eigenen Sprache freut beide.
Welche Regeln sind in den einzelnen Ländern zu beachten? Eine
kleine Reise über die Weltkarte:
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| In
Frankreich |
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| Vive la France. In Frankreich sollten
keine Fragen gestellt werden, die nicht mit Stolz beantwortet werden
können. Wenn es mal im Gespräch mit Kollegen nicht um
die Arbeit geht, sollte man private und politische Themen tunlichst
vermeiden; dagegen kann man punkten, wenn man sich in französischer
Geschichte auskennt.
Anders als in anderen Ländern darf man ruhig über das
gute Essen sprechen, dass einem vorgesetzt wird, denn: Der Essensgenuss
gehört in Frankreich zu den wichtigeren Dingen im Leben. Und:
Wer ins Restaurant oder ins Theater geht, sollte Zurückhaltung
üben und auf den Kellner warten, der die Plätze zuweist.
Wer bei Projektleiter oder Kollegen zum Abendessen eingeladen ist
und für die Dame des Hauses ein blühendes Gastgeschenk
mitbringt, für den der Tipp: Blumen werden grundsätzlich
im Papier überreicht. |
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| In
Spanien |
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| "In aeh di Spain(ah) evaehrrything
is differrent!" Diesen Ausspruch hört man zu vielen Themen
und von vielen Spaniern. Ob es tatsächlich so ist?
Die Zeiteinteilung ist tatsächlich anders. Durch die heißen
Sommer wird eine Siesta zwischen 14 und 16 Uhr eingehalten –
und sollte auch nicht durch Anrufe, schon gar nicht in Privathaushalten,
gestört werden.
Zu Abend gegessen wird oft erst gegen 22 Uhr, was heißt:
Wer nach dem Arbeitstag im Projekt bereits am frühen Abend
hungrig auf Restaurantsuche geht, darf sich nicht wundern, wenn
er lange suchen muss und dann alleine isst. Sofern man mit Kollegen
unterwegs ist: Im Restaurant den Gesamtbetrag begleichen und die
Rechnung dann untereinander aufteilen – alles andere stößt
beim Kellner nur auf Widerwillen.
Übrigens: Auch wenn man bei privaten Einladungen gerne eine
halbe Stunde nach dem angegebenen Zeitpunkt erscheinen kann, herrscht
im spanischen Geschäftsleben die viel zitierte "Deutsche
Pünktlichkeit". |
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| In
Italien |
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| Zum IT-Projekt nach "bella italia"
– Freiberufler, die gerne essen, sollten schon mal den Gürtel
weiter schnallen. Denn im Gegensatz zur touristischen Pizza-Abfertigung
wird man bei einem längeren Aufenthalt zweifellos die Vielfalt
italienischer Küche zu schätzen wissen, die nach Vorspeise
(antipasti) und Pasta, Suppen oder Risotti (primi piatti) die bekannten
"secondi piatti" wie Fleisch oder Fisch in allen Variationen
bereit hält.
Der Kaffee nach dem Essen ist übrigens ein Espresso –
wer lieber einen Cappuccino oder Latte Macchiato will, sollte sich
gleich auch das Wort "Tourist" auf das Hemd sticken lassen.
Italienischer Lebensart die kalte Schulter zeigen kann der IT-Freiberufler
schließlich auch in der Wahl seiner Bekleidung – Sandalen,
kurze Hosen, verwaschenes T-Shirt etc. definieren auch im Projekt
die Rollenverteilung: Der schlecht Gekleidete ist der "Barbar"
aus dem Norden. |
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| In
der Türkei |
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| Wer für einen Auftraggeber ein
IT-Projekt in der Türkei betreut, sollte auch im 21. Jahrhundert
eher auf konservative Kleidung achten – vor allem im Landesinneren
der Türkei. Beim Betreten von Gotteshäusern (das gilt
übrigens auch für Italien und Griechenland) sollten Frauen
und Männer bedeckte Schultern und bedeckte Beine haben.
Großzügigkeit ist gefragt – das Trinkgeld beträgt
in der Türkei bis zu 20 Prozent. Und die Verabschiedung auf
Türkisch heißt "Güle güle" –
hierbei ist aber zu beachten, dass nur der Zurückbleibende
diese Worte spricht, der Weggehende belässt es bei einem Lachen.
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| In
arabischen Ländern |
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| Der Traum von 1001 Nacht und sehr kapitalstarken
Auftraggebern – arabische Länder stehen bei selbstständigen
IT-Experten hoch im Kurs. Sollte es dann tatsächlich soweit
sein, gibt es eine regionale Eigenart, die man unbedingt kennen
sollte: Beim Gespräch ist es üblich, sich sehr, sehr nahe
zu sein.
Den Atem des Gesprächspartners zu spüren ist durchaus
an der Tagesordnung. Sollte man dann die westlich-gewohnte Distanz
zum Gegenüber einnehmen wollen, kann dies missverstanden werden,
denn: Der Gesprächspartner denkt, er sei abstoßend und
unangenehm. |
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| In
Asien |
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| Führt das IT-Projekt ins ferne
Asien, zeigen in China beim Fisch-Menü alle Fischköpfe
auf den Ehrengast aus dem Ausland. Es kann sein, dass man sich durch
die vielen starren Blicke vielleicht etwas beobachtet vorkommt.
Und ja, es wird mit Stäbchen gegessen. Chinesen genießen
ihr Essen klein geschnitten, was den Gebrauch von Stäbchen
erleichtert. Worauf bei privaten Einladungen zu achten ist: Nie
den Teller ganz leer essen, denn das wäre für den Gastgeber
das Zeichen, dass man nicht satt geworden ist. Erfreut wird allerdings
ein deutlich vernehmliches Schmatzen und Rülpsen zur Kenntnis
genommen – und selbst ausgiebig praktiziert.
Gespräche in China sind zuweilen schwierig, denn über
Negatives wird nicht gerne gesprochen, bestenfalls blumig umschrieben
und ein eindeutiges "Nein" wird man nie in Asien vernehmen.
Außerdem sollte man sich nicht wundern, wenn der chinesische
Gesprächspartner öfters im Gespräch wegschaut –
dies gehört zur kulturellen Eigenart ebenso wie der Verzicht
auf große Gesten (z. B. Schulterklopfen).
Die Hauptdevise in China heißt immer noch: "Nicht das
Gesicht verlieren."
Dies gilt uneingeschränkt auch für Japan, was dort u.
a. seinen Ausdruck findet in einem sehr ritualisierten Zusammenleben
mit einer Unzahl von Regeln, die für einen Nicht-Japaner kaum
zu durchschauen sind. Dieser Meinung sind glücklicherweise
auch die Japaner, die deshalb viel Nachsicht mit den "Langnasen"
jenseits von Asien haben. Noch ein paar Besonderheiten aus Nippon:
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In jedem Fall auf saubere und komplette Socken achten, da
man in Restaurants die Schuhe vor der Tür stehen lassen
muss. |
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Die heißen Mini-Handtücher sind zum Hände
säubern und nicht zum Gesichtwaschen gedacht. |
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Empfehlenswert: Einmal Kobe-Fleisch (massierte Rinder, die
Bier zu trinken bekommen) essen. Zwar sehr teuer – aber
der Geschmack ist einzigartig. |
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Trotz zunehmender Emanzipation haben Frauen in Japan keine
hohe Stellung. Als weibliche IT-Spezialistin sollte man sich
also nicht wundern, wenn die Aufmerksamkeit sehr zu wünschen
übrig lässt |
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Japaner sind sehr höfliche Menschen. Zum Beispiel entschuldigen
sich die Angestellten in Geschäften, wenn ein Kunde hereinkommt.
Da sagen sie (wie übrigens auch alle Automaten an der Straßenecke)
"sumimasen", und das ist das wichtigste japanische
Wort überhaupt. Wer einmal nicht mehr weiter weiß
– einfach "sumimasen" sagen und schon naht japanische
Hilfe. |
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| In
den USA |
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| Wer in den Vereinigten Staaten tätig
ist, sollte beim Restaurantbesuch Großzügigkeit walten
und genügend Trinkgeld liegen lassen. Die Bedienungen leben
dort davon – mehr als in Europa. 15 Prozent Trinkgeld ist
die Mindestsumme; abgesehen von dieser Barzahlung können übrigens
die kleinsten Beträge mit Kreditkarte bezahlt werden.
Im Job und auch danach. Man sollte sich in einer Hinsicht nicht
von der amerikanischen Freundlichkeit täuschen lassen: Wenn
es darum geht, wer und was besser, schneller und größer
ist, sind die Rollen zu Gunsten der Weltmacht eindeutig verteilt.
In Projekten ist deshalb ein gutes Stück Diplomatie angeraten,
wenn man seine Ideen auch durchsetzen will. |
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Nähere Informationen zum Thema bei Christina Tabernig und
Anke Quittschau unter www.korrekt.de .
Die Autorinnen behalten sich alle Rechte am Artikel vor. ©
2005 korrekt
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