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| Authentisch handeln und sich
selbst treu bleiben
Interview mit Isabel Nitzsche über globale
Business-Spielregeln |
| (Juli
2006) |
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Isabel
Nitzsche |
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Wer Business-Partner nach Deutschland einlädt oder
wer selbst eine Geschäftsreise ins Ausland unternimmt, der
muss sich auf andere soziale und kulturelle Spielregeln einstellen.
Den ersten Benimm-Hürden begegnet man bereits beim Smalltalk
am Telefon, bei der Anrede in E-Mails und Briefen oder beim Geschäftsessen
im Restaurant. Wie man solche Hürden erfolgreich meistert und
Kommunikations-Fettnäpfchen souverän umschifft hat die
Journalistin Isabel Nitzsche in ihrem Ratgeber "Business-Spielregeln
rund um den Globus" in 25 interessanten und praxisnahen Länderporträts
zusammengefasst.
Worauf es beim Umgang mit anderen Kulturen besonders ankommt, warum
es wenig Sinn macht, Benimm-Regeln roboterhaft auswendig zu lernen
und weshalb das Verstehen der Sprache für internationales Verständnis
allein nicht ausreichend ist, erläutert Isabel Nitzsche im
Gespräch mit GULP. |
| GULP |
Frau Nitzsche, warum ein Buch über globale Businessregeln?
Wo liegt da die Notwendigkeit? |
| Nitzsche |
Weil die Welt einfach immer kleiner wird und es angesichts der zunehmenden
Globalisierung wichtig ist, auch internationale Business-Spielregeln
zu beherrschen. Denn heute gibt es kaum mehr Jobs, die nichts mit
dem Ausland zu tun haben. Das beginnt damit, dass man mit der ausländischen
Niederlassung verhandeln muss, dass direkt vor Ort produziert wird
oder dass ausländische Geschäftspartner nach Deutschland
kommen. Häufig wird auch in virtuellen Teams gearbeitet,
deren Mitglieder in anderen Städten oder Ländern sitzen
und deshalb fast nur per E-Mail oder Telefon kommunizieren und verhandeln.
Ich denke, das trifft auch auf viele IT-Freiberufler zu. Handelt es
sich dann noch um Menschen aus verschiedenen Ländern und Nationen
stellt das eine besondere Schwierigkeit dar. |
| GULP |
Warum ist die virtuelle Zusammenarbeit
denn so schwierig? |
| Nitzsche |
Es kommt schneller zu Missverständnissen, weil der direkte
persönliche Kontakt fehlt. Ein Beispiel: Trete ich als Deutsche
einem Franzosen im Gespräch ohne Smalltalk entgegen, dann werde
ich noch eher an dessen Mimik erkennen, dass er etwas pikiert ist.
Schicke ich ihm aber eine E-Mail, in der ich nur schreibe "Herr
XY, Ihre Zahlen sind falsch.", dann merke ich gar nicht, wie
er darauf reagiert. Dann ist er als Franzose unter Umständen
vielleicht sauer, weil ich keinen persönlichen Einstieg gemacht habe, ihn
sozusagen noch nicht abgeholt habe. |
| GULP |
Aber wie merke ich dann, ob ich angemessen
mit meinem ausländischen Geschäftspartner oder Kollegen
kommuniziere, wenn ich seine Reaktion nicht sehe? |
| Nitzsche |
>> Das Zauberwort heißt
"interkulturelle Kompetenz". <<
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Das Zauberwort heißt "interkulturelle Kompetenz".
Dahinter verbirgt sich die Fähigkeit, das kulturelle System eines
Landes zumindest in Ansätzen zu verstehen und sich auf seine
Bewohner einzustellen. Also zu fragen, wo ein Mensch herkommt, welche
Sozialisation er hat, wie europäisch-westlich geprägt jemand
aufgewachsen ist. Bezogen auf Ihre konkrete Frage bedeutet es, mich
in den anderen hineinzuversetzen und darauf zu achten, ob die Kommunikation
irgendwie gestört ist, einem Zusammenkommen also etwas im Wege
steht. Schließlich geht es ja darum, dass beide Seiten zusammenkommen.
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| GULP |
Das erfordert aber schon ein gewisses
Maß an Einfühlungsvermögen. |
| Nitzsche |
Eine gewisse Sensibilisierung ist dafür nötig. Aber wenn
man sich gut in andere Menschen hineinfühlen kann, dann ist das
eine Fähigkeit, die einem auch im Inland nutzt. Speziell für
Menschen, die manchmal Schwierigkeiten haben, auf andere Leute zuzugehen
und in ihrem eigenen Kosmos leben, ist es doppelt wichtig. Ein IT-Spezialist,
der in seine Programme versunken ist, merkt vielleicht gar nicht,
dass sein ausländischer Kollege mehr Ansprache haben will, auch
mehr persönliche Ansprache. Was vielleicht auch deutsche Kunden
gerne mehr haben möchten und deshalb nur mit bestimmten IT-Freiberuflern
zusammenarbeiten. |
| GULP |
Wie erwerbe ich "interkulturelle Kompetenz"? |
| Nitzsche |
| Überblick Frankreich
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Der Umgangston ist formeller, gepflegte Konversation
und Esprit kommen an. |
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Hierarchien und Status spielen eine wichtige
Rolle. |
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Statt nach striktem Plan arbeitet man gern intuitiv.
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Restaurantbesuche dienen der Beziehungspflege,
dafür sollte man genügend Zeit einplanen. |
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Indem man es einfach ausprobiert, sprich selbst Erfahrungen im
jeweiligen Land sammelt, offen ist, viele Fragen stellt und das
Erfahrene auch immer wieder reflektiert. Und sich selbst immer wieder
fragt: Ist die Beziehung jetzt wirklich in Ordnung? Funktioniert
alles? Was könnte besser sein? Und sobald mir etwas seltsam
vorkommt, jemanden um Rat fragen, ob er ähnliche Erfahrungen gemacht
hat. Das kann jemand sein, der selbst schon in dem betreffenden
Land war oder interkulturelle Experten, wie sie auch in meinem Ratgeber
zu finden sind. Aber der allerwichtigste Schritt ist,
sich von der Haltung zu verabschieden, dass der deutsche Weg der
einzig Seligmachende ist. Es mag vielleicht im deutschen Umfeld
ganz klar sein, dass ein bestimmtes IT-Programm diesen und jenen
Qualitätsstandards genügen muss. In Brasilien ist das
dagegen überhaupt nicht klar.
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| GULP |
Aber wie kann ich diese deutsche Haltung
etwas abschütteln? |
| Nitzsche |
Indem ich auch eigene Werte und Normen in Frage stelle und berücksichtige,
dass meine Kultur nur eine von vielen ist und damit weder besser noch
schlechter als andere. Sich also einfach mal vor Augen zu halten,
was denn uns Deutsche ausmacht, was unsere Kulturstandards sind. Um
sich für kulturelle Unterschiede zu sensibilisieren, sind Kulturmodelle
grundsätzlich eine gute Orientierungshilfe. Das soll jetzt nicht zu
wissenschaftlich werden, aber Kultur lässt sich in verschiedene Dimensionen - u.a. Raum, Zeit, Machtdistanz,
Unsicherheitsvermeidung - einteilen, anhand derer sich
bestimmte Handlungsmuster identifizieren lassen. Zum Beispiel haben
Nationen, die gut improvisieren können, ein schwaches Bedürfnis
nach Unsicherheitsvermeidung. Sie reagieren gelassener auf chaotische
Verhältnisse. Im Gegensatz dazu sind wir Deutschen von einer
starken Unsicherheitsvermeidung geprägt und versuchen durch strengere
Regelsysteme unstrukturierte Situationen auf ein Mindestmaß
zu beschränken. Ich denke es ist einfach wichtig, sich darüber
klar zu sein, dass es so unterschiedliche Verhaltensmodelle gibt. |
| GULP |
"Interkulturelle Kompetenz"
bedeutet also vor allem, andere Kulturen verstehen lernen und deren
Ansichten auch gelten zu lassen. Ohne entsprechende Vorinformationen
über Land und Leute dürfte ein solches Verständnis
aber schwierig sein. |
| Nitzsche |
>> Es schadet auch nie,
die eigene Kultur zu kennen. <<
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Natürlich ist es gut, wenn man sich vorher über das betreffende
Land informiert. Neben den Basisinformationen, die man Länderratgebern
wie meinem entnehmen kann, sollte man sich auch etwas mit den aktuellen
Themen im jeweiligen Land beschäftigen. Es schadet nicht, sich
in den Medien über politische Sachverhalte, erfolgreiche Filme
oder Sportereignisse zu informieren, vor allem, weil das auch gleich
Themen für Small Talk sind. Als sportbegeisterter IT-Freiberufler
kann ich überlegen, welche Sportarten sind in dem jeweiligen
Land besonders gefragt - Football oder Cricket? Wer hat welche Erfolge
errungen usw. Es kann aber auch nie schaden, die eigene Kultur ein
bisschen zu kennen. Sonst wird man unter Umständen von seinem
ausländischem Kollegen oder Geschäftspartner höflich
angesprochen, weil er sich vorbereitet hat und man selbst kann nicht
reagieren. Gerade Chinesen und Japaner lernen viel über europäische
Kultur und hören viel Klassik. |
| GULP |
In welchen Ländern treffe ich als
Deutscher nun auf die größten kulturellen Unterschiede? |
| Nitzsche |
Das lässt sich schwer sagen, denn jedes Land ist anders
als Deutschland. Die größte Gefahr sehe ich darin, von
zu vielen Gemeinsamkeiten auszugehen, um dann festzustellen, dass
es weitaus weniger davon gibt. Also zum Beispiel mit dem Denken
nach Amerika zu gehen, dort sei alles so wie hier, dann aber plötzlich
zu merken, wie europäisch man eigentlich ist. Und dann hat man
in Amerika auf einmal mehr Gemeinsamkeiten mit einer Bulgarin als wenn man sie in Deutschland treffen würde. |
| GULP |
Und wie gestaltet sich die Situation dann
innerhalb Europas, wenn Sie sagen, dass mir die Bulgarin zwar in Amerika
vertraut, in Deutschland aber eher fremd ist? |
| Nitzsche |
Man unterschätzt oft, wie wichtig es ist, sich gerade auch
um die europäischen Nachbarn zu kümmern. Mit Italienern, Franzosen oder Engländern verbindet man meist mehr Gemeinsamkeiten, da es sich um EU-Mitglieder und teilweise ja auch direkt angrenzende Nachbarn handelt. Aber
dort ist es trotzdem anders, denn schließlich verhalten sich
selbst innerhalb Deutschlands Süddeutsche häufig anders
als Norddeutsche. Deshalb ist es innerhalb Europas mindestens genauso
wichtig, sich mit dem Land zu beschäftigen und nicht zu meinen,
nur weil Engländer immer freundlich sind, könnte man
sich auch gleich privat mit ihnen treffen. Oder sich zu wundern, wieso
in Großbritannien die Menschen etwas seltsam
reagieren, wenn man im Meeting etwas Kritisches äußert.
Die Engländer haben meist eine viel indirektere Art Kritik oder Probleme
anzusprechen. Sie kritisieren sehr viel höflicher, diplomatischer
und vorsichtiger. Unsere direkte Art können sie als unverschämt empfinden.
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| GULP |
Also merke ich unter Umständen gar
nicht, dass mich ein Brite gerade kritisiert? |
| Nitzsche |
| Überblick Großbritannien |
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Briefe sollte man sehr höflich und sorgfältig
formulieren, nur in Mails kommuniziert man kurz
und knapp. |
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Bei Diskussionen nicht unterbrechen, den Vorredner
loben und Kritik diplomatisch äußern. |
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Allzu strikte Planung gilt als pedantisch. |
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Beim Small Talk nicht zu privat werden, statt
über den Gesundheitszustand lieber übers
Wetter oder Sport reden. |
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Beim Dresscode bleibt man konservativ. |
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Ja, das kann gut sein. Und die Briten wundern sich, wieso sie
als Deutscher nicht darauf reagieren. Warum sie so
uneinsichtig sind oder vielleicht meinen, dass sie etwas Besseres
sind. Dieses Verhalten fällt dann wieder unter das in Großbritannien
weitverbreitete Klischee der Deutschen als Besserwisser. Dabei haben
es die Deutschen oft tatsächlich nicht gehört, weil sie
ihre Antennen gar nicht darauf eingestellt haben. |
| GULP |
Welches Bild haben denn die Deutschen
so generell in der Welt? |
| Nitzsche |
Also in Frankreich gelten sie zum Beispiel als Dampfwalze, als "rouleau
compresseur" und in Spanien als Quadratschädel, als "cabezas
cuadradas". In Holland sind sie die Protzigen, die mit dem dicken
Mercedes vorfahren. Sehr oft haben die Deutschen schon den Ruf, dass
sie zwar alles wissen, aber nichts besser. Dass sie rechthaberisch
sind, sehr penibel und pedantisch. Auf der anderen Seite gibt es aber
auch eine sehr große Wertschätzung für das deutsche
Technikverständnis, die gelieferte Qualität und für
die Zuverlässigkeit. Das ist besonders ausgeprägt im Osten,
aber auch in Italien und Asien. Da gibt es so einige Länder,
in denen das sehr positiv gesehen wird. |
| GULP |
Folgt man dem Klischee des peniblen, pedantischen
Deutschen, dann müssten wir doch wahrscheinlich mehr Probleme
in den Ländern haben, die vieles lockerer sehen? |
| Nitzsche |
>> In anderen Ländern
sind Deadlines viel flexibler. << |
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In den meisten Ländern haben Deutsche schlechte Karten, wenn
sie fest auf Deadlines beharren und diese nach dortigen Maßstäben polizeimäßig
einfordern. In anderen Ländern sind Deadlines oft viel flexibler,
so dass es besser ist, wenn man charmant vorgeht.
Es ist auch nützlich, offen zu sagen, welche Probleme entstehen, wenn der Termin nicht eingehalten wird. Auch Improvisationskünstler
wie die Brasilianer oder Tschechen schaffen Deadlines nicht immer
und sind dann unter Umständen erstaunt, dass tatsächlich
ganz ernsthaft mit diesem Termin gerechnet wurde und jetzt plötzlich
ein Problem da ist. Durch offene Kommunikation kann man solchen Missverständnissen
vorbeugen. |
| GULP |
Gilt das für alle Länder? |
| Nitzsche |
Natürlich gibt es andererseits auch Länder wie Russland,
in denen ich gefordert bin, immer mal wieder den Projektstatus abzufragen.
Dort sind die Menschen, auch aufgrund ihrer Geschichte, oft nicht so
gewohnt eigenverantwortlich zu arbeiten und dann kann der Prozess
wegen irgendetwas ins Stocken geraten. Ein ganz banales Beispiel:
Ich bestelle mir Kopien, die mir dann aber niemand bringt, weil vielleicht
gerade der Kopierer kaputt gegangen ist. Es kümmert sich aber
keiner darum, dass der Kopierer wieder läuft, weil niemand diesen
Extra-Auftrag bekommen hat. Das heißt, dort muss ich sehr viel
in die einzelnen Arbeitsschritte zerlegen. Da nützt es nichts,
erst dann locker nachzufragen, wenn die Deadline schon da ist. Grundsätzlich
sollte man beherzigen, dass es im Ausland noch wichtiger ist als in
Deutschland, Zwischenschritte abzufragen, um im Fall der Fälle rechtzeitig reagieren zu können. Aber nicht nach Verhörmethode,
sondern freundlich und charmant. |
| GULP |
Wie wichtig ist es eigentlich, die jeweilige
Landessprache zu beherrschen? |
| Nitzsche |
>> Ein paar Brocken der
Landessprache zu beherrschen, kommt immer gut an.
<< |
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Nach meinen Recherchen ist es nicht so wichtig, denn in den meisten
Ländern ist Englisch Business-Sprache. In einigen Ländern
wie beispielsweise Russland sollte man sich ein bisschen mit dem Alphabet
beschäftigen, weil es dort ganz nützlich ist, die kyrillischen
Buchstaben lesen zu können. Für Verhandlungen empfiehlt
es sich immer, einen Dolmetscher zu engagieren, weil dieser die Mentatlität seiner Landsleute kennt und sie auf ihre Weise ansprechen kann und so sicherstellt, dass das eigene Anliegen
wirklich verstanden und vermittelt wird. Sehr gut kommt immer an,
ein paar Brocken der Landessprache zu beherrschen, weil die Leute
dann sehen, dass man sich mit ihnen beschäftigt. Es ist ein ganz anderer
Türöffner, wenn man ausländische Geschäftspartner
in einer E-Mail in deren Landessprache begrüßt oder verabschiedet.
Das ist eine Wertschätzung, von der die meisten begeistert
sind. Es machen aber nur die wenigsten, obwohl das mit relativ wenig
Mühe verbunden ist. In Südafrika sollte man etwas aufpassen,
in welcher Sprache die Leute angesprochen werden wollen. Schwarze
Südafrikaner sollte man eher nicht in Afrikaans ansprechen, weil
es die Sprache des ehemaligen Apartheid-Regimes ist. Sie reden lieber
englisch, weil es für sie bedeutet, Anschluss an die internationale
Welt gefunden zu haben. Im Gegensatz dazu findet man bei weißen,
konservativen Südafrikanern über ein paar Afrikaans-Formulierungen
einen guten Einstieg. Und man sollte auch nicht meinen,
dass ausländische Geschäftspartner gar kein Deutsch können.
Wenn man mit seinem Freiberufler-Kollegen in einer Besprechung
sitzt, sollte man vorsichtig sein, was man auf deutsch mit ihm bespricht. Unter
Umständen sitzt man jemandem gegenüber, der die Sprache
versteht und das vorher nicht erwähnt hat. Darauf sollte man achten. |
| GULP |
Unterscheiden sich eigentlich die Business-Regeln
eher von Land zu Land oder mehr von Kontinent zu Kontinent? |
| Nitzsche |
Man erkennt natürlich schon grobe Linien von Kontinent zu
Kontinent. Richtung Asien ist beispielsweise die Kommunikation eher
indirekt, allerdings auch nicht immer auf die gleiche Art und Weise.
Ein Chinese wird nicht immer indirekt antworten, sondern er wird auch
mal ganz offen sauer sein. Im nördlichen Europa funktioniert
eher die sachliche Ebene, mehr nach Süden wird es immer persönlicher.
Ähnlich ist es auch in Amerika. In Nordamerika spielt
die Sachebene eine größere Rolle als in Brasilien, wo die Beziehungsebene und Freundlichkeit
ganz wichtig sind. Spreche ich dort jemanden nicht freundlich an,
dann will der unter Umständen nichts für mich tun. Begegne ich ihm freundlich,
dann macht er alles, selbst wenn er dafür drei Nächte durcharbeiten
muss. Aber ich glaube, man verfängt sich sehr leicht in irgendwelchen
Fallstricken, wenn man versucht, sich da so pauschal zu äußern.
Den Vorwurf, zu sehr nach Schema F vorzugehen, müssen sich übrigens
auch viele Länderknigges gefallen lassen. |
| GULP |
Warum dann überhaupt Länderknigges,
wenn diese oft zu klischeehaft sind? |
| Nitzsche |
| Überblick Italien |
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Business-Look ist ein Muss. |
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Man sollte nicht zu sachlich, pedantisch und
autoritär auftreten, Spielraum lassen und Geduld
zeigen, wenn nicht alles sofort nach Plan läuft. |
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Zeit für eine ausführliche Begrüßung
und persönlichen Small Talk nehmen. |
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Beim Alkohol-Konsum während des Essens gilt
Mässigung; nach dem Espresso ist der Restaurantbesuch
beendet. |
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Ich denke, man kann immerhin Anhaltspunkte geben, dass es eine gewisse
Chance gibt, auf ein bestimmtes Verhalten zu treffen. Zum Beispiel,
dass ein Italiener gerne eine persönliche Ansprache haben möchte
oder dass bei einem Treffen plötzlich zehn Italiener ziemlich
laut durcheinanderreden und währenddessen 15 Handys klingeln.
Es muss nicht so sein, aber es ist ganz nützlich, wenn ich darauf
eingestellt bin. Das Wichtige ist, diese Vorinformation mit einer
bestimmten Haltung zu kombinieren. Es kommt ja nicht darauf an, sklavisch
auswendig zu lernen, wie man sich in einer bestimmten Situation verhält,
sondern darauf, ein grundsätzliches Verständnis für
das jeweilige Land und seine Bewohner zu entwickeln. Dann wird es
sich einem auch in ungewohnten Situationen von selbst erschließen,
wie man sich angemessen verhält. |
| GULP |
Gibt es Verhaltensweisen, mit denen sich
Deutsche im Ausland besonders schwer tun? |
| Nitzsche |
Für viele Deutsche ist es schwer, der Pflege der persönlichen
Beziehung mehr Zeit einzuräumen, da sie diese nicht als Geschäftsbestandteil
sehen. Ohne diese Wertschätzung für die persönliche Ebene wird aber erfolgreiches Business
im Ausland nicht funktionieren. Man sollte einfach akzeptieren, dass
sich das auch nicht abkürzen lässt. Ich habe beispielsweise
mit einem Leiter für Qualitätssicherung eines deutschen
Autokonzerns gesprochen, dem es sehr schwergefallen ist, das in Brasilien
übliche Begrüßungsritual "Wie geht’s? Wie
geht’s der Familie? Gute Reise gehabt?" zu übernehmen.
Seine sachliche und direkte Art stieß bei seinen brasilianischen Mitarbeitern
auf Unverständnis. Erst als ihm seine deutsche Sekretärin
den Tipp gab, dass er sehr viel persönlicher mit den
Leuten sprechen muss, hat er seine Umgangsformen entsprechend angepasst
und die Mitarbeiter waren motivierter. Mit dem Thema Pünktlichkeit
ist er aber gar nicht klar gekommen. Zehn Uhr bedeutet für Brasilianer
irgendwann am Vormittag, vielleicht aber auch erst mittags. Aber ich
denke, das muss man sich einfach zugestehen, dass manches eben
nervt. Dann ist Geduld wichtig, gerade auch wegen dieses
anderen Umgangs mit der Zeit. |
| GULP |
Sollte ich meinen Unmut darüber rauslassen
oder besser gute Miene machen? |
| Nitzsche |
>> >> Nur wer authentisch
handelt und sich selbst treu bleibt, ist auch überzeugend.
<< |
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Total genervt würde ich jetzt nicht sein, sondern mit einer Prise
Humor darauf hinweisen, dass man als Deutscher etwas anderes unter
Pünktlichkeit versteht. Meinem Gegenüber also einfach klarmachen,
dass es diese zwei Seiten gibt und ich mit seinem Verhalten gewisse
Schwierigkeiten habe. Es nützt meiner Meinung nach wenig, wenn
ich mich selbst verleugne, zumal mein Gesprächspartner das auch
merkt. Ich denke, nur wer authentisch handelt und sich selbst treu
bleibt, ist auch überzeugend. |
| GULP |
Und wie viel Anpassung sollte sein? |
| Nitzsche |
Es geht nicht darum, fremdes Verhalten zu imitieren. Auch Ihr Gesprächspartner
wird nicht erwarten, dass Sie sämtliche Regeln kennen, sondern
wird es schätzen, dass Sie sich bemühen, die Gepflogenheiten
seines Landes zu verstehen. Es ist deshalb viel wichtiger, dass die
andere Seite das Gefühl hat, dass Sie bereit sind, die andere Kultur zu verstehen. Ob und inwieweit man sich anpassen will, muss
jeder für sich selbst entscheiden. Sicher spielt auch die eigene
Schmerzgrenze eine Rolle, beispielsweise wenn man in China mit frittierter
Qualle oder Hund konfrontiert wird. Da muss man sich dann
überlegen, ob man das probieren möchte oder lieber eine
Allergie vorschiebt, die den Genuss verbietet. |
| GULP |
Kann beispielsweise in China aufgrund
von Essensverweigerung ein Geschäft platzen? |
| Nitzsche |
Ich denke, wenn die Leute merken, dass man sich bemüht, dann
wird nicht wegen einer frittierten Qualle, die man nicht essen
möchte, das Geschäft platzen. Wenn sonst der Umgang und die Kommunikation gut läuft,
sollte das nicht passieren. Wenn ich natürlich mit der generellen
Haltung nach China gehe, dass dort alles ganz seltsam ist und das
chinesische Essen grundsätzlich nichts für mich ist, werde
ich es schwer haben, weil Chinesen gutes Essen sehr schätzen. |
| GULP |
Allen frittierten Quallen zum Trotz, warum
sollte man den Sprung ins Ausland wagen? |
| Nitzsche |
>> Einfach neugierig zu
sein, reicht schon als Einstieg. << |
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Weil es einfach eine tolle Chance ist, andere Menschen und Kulturen
kennen zu lernen und es viel Spaß machen kann, den
eigenen Horizont zu erweitern. Angefangen bei irgendwelchem fremden
Essen, das man bisher nicht kannte bis hin zu anderen Verhaltensformen,
die sehr angenehm sein können. Es ist ja nicht nur Unbill mit
einem Auslandsaufenthalt verbunden, sondern auch vieles, was einem
gut gefällt und was man bei seiner Rückkehr in den Alltag
übernehmen kann. Ich finde es wichtig, auch die Chancen zu sehen,
die in der Beschäftigung mit einer anderen Nation und Kultur
stecken. Dafür muss man kein Kultur-Experte für das jeweilige
Land werden, sondern einfach neugierig sein. Das reicht schon als
Einstieg. |
| GULP |
Frau Nitzsche, herzlichen Dank für
das nette und informative Gespräch. |
| Isabel Nitzsche hat
Journalistik und Germanistik studiert und ist seit 1997 mit ihrem
Redaktionsbüro printTV
für Tageszeitungen, Zeitschriften und fürs Fernsehen tätig.
Als Sachbuchautorin widmet sie sich den Spielregeln im Job und dem
Bereich "Konfliktmanagement". Zudem hält sie Vorträge
und Workshops und bietet Einzelberatungen an.
Der Ratgeber "Business-Spielregeln rund um den Globus"
ist bei Bildung
und Wissen Verlag und Software GmbH
erschienen.
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Kommentare zu diesem Artikel:
"Super, da ich in USA Projekten involviert bin, finde ich diese Rubrik sehr hilfreich! (Juli 2006)"
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