 |
|
Der Kick gegen den Karriereknick
Strategien gegen den Frust und für
einen Neuanfang
|
|
(Februar
2005)
|
|
|
|
| |
|
Ein Karriereknick ist kein Beinbruch - davon ist Svenja Hofert überzeugt.
Seit langem erfolgreich im Karriere-Coaching tätig, lautet
ihre Devise: Entscheidend ist, dass man frühzeitig Perspektiven
für sich entdeckt und aktiv neue Wege beschreitet. Einige
Strategien hat Svenja Hofert für GULP zusammengestellt:
"Karriereknick: Joschka Fischer ist das jüngste Beispiel
dafür, dass er auch erfolgsverwöhnte Menschen betreffen
kann. Natürlich können auch weniger prominente Angestellte
und Selbstständige nach einem lang andauerndem Hoch in ein
tiefes Loch fallen. Da ist der IT-Abteilungsleiter, der seinen
Job verliert, weil sein Know-how im Unternehmen nicht mehr gefragt
ist. Er fühlt sich ähnlich mies wie der Freiberufler,
der Jahre lang auf höchsten Niveau verdient hat und, ein halbes
Jahr ohne Projekt, den Mut verliert.
Auch solche Aussagen sind typisch für Menschen in der beruflichen
Sackgasse:
| |
|
"Ich bin 46 und sehe für mich keine Perspektive
mehr in diesem Unternehmen." |
|
"Mit 51 wurde ich arbeitslos und stehe vor dem Nichts." |
|
"Ich habe mich nie bewerben müssen, bin immer
von Projekt zu Projekt gehüpft. Nie hätte ich es
für
möglich gehalten, einmal keinen neuen Auftrag zu bekommen. Heute lag
die 50. Absage in meinem
eMail-Account." |
|
"Vor zwei Jahren waren meine Skills noch top gefragt,
heute interessiert sich keiner mehr dafür." |
|
|
| Auf den Knick
folgt eine Veränderung |
|
| |
|
|
In einer Karriereknick-Situation begreifen selbst Erfolgsverwöhnte
erst richtig, dass nicht nur jeder Mensch und jedes Produkt, sondern
auch Lebensphasen einen Zyklus durchlaufen. Eine Erfolgsphase mag
lange andauern, aber irgendwann endet sie fast immer. Dann kippt
die Kurve, die immer nach oben gezeigt hat, plötzlich abwärts.
Rien ne va plus: Die Gründe für einen Karriereknick
mögen mannigfaltig sein - gemeinsam ist allen jedoch, dass
jeder Knick letztendlich eine Veränderung nach sich zieht.
Diese kann sofort und von heute auf morgen oder nach einer Zeit
der Stagnation erfolgen.
Die Phasen, die Menschen nach einem Knick durchlaufen sind dabei
immer ähnlich:
| |
|
Leugnen und Nicht-Wahrhaben-Wollen (Motto: "Mich
wollen die bestimmt nicht loswerden!") |
|
Wut und Aggression ("Die Manager sind an allem
schuld.") |
|
Trauer ("Es war immer sehr schön harmonisch,
ein super Team.") |
|
Abnabelung ("Ich muss nach vorne blicken.") |
|
Neuorientierung ("Welche Alternativen habe ich?") |
|
Veränderung ("Ich tue etwas und bewege mich
gezielt in eine neue Richtung.") |
|
Die ersten Phasen erlebt fast jeder in unterschiedlicher Ausprägung – je überraschender
der Knick, desto intensiver wabern meist die Gefühle. Diese
emotionale Phase müssen Betroffene durchleben, um offen zu sein
für die Neuorientierung und die darauf folgende Veränderung. |
|
| Sich neu orientieren |
|
| |
|
|
Neuorientierung bedeutet Arbeit - vor allem Arbeit an der inneren
Einstellung. Wer sich von seinem alten Arbeitgeber oder seinem
bisherigen Leben noch nicht gelöst hat, ist dazu meist noch
nicht bereit. Es müssen neue Perspektiven gefunden, alternative
berufliche Wege beschritten werden.
Die meisten Menschen verbringen statt dessen zu viel Zeit damit,
die Gründe zu analysieren, aus denen heraus es zum Karriereknick
gekommen ist ...
... mit meist negativen Folgen für das eigene Selbstbewusstsein:
Wer gekündigt worden ist, stellt irgendwann die eigene Leistung
in Frage, selbst wenn die Kündigung nichts damit zu tun hatte.
Auch die Erkenntnis, zu alt und teuer zu sein, wirkt sich ungünstig
auf das Selbstbewusstsein aus – gerade bei starken, früher
erfolgreichen Menschen. Wie soll ein ehemaliger Mitarbeiter, der
sich absolut mit Unternehmen und Aufgabe identifiziert hat, einfach
so wegstecken, dass er jetzt überflüssig ist? Nicht wenige
haben für die Karriere auf Kinder und Privatleben verzichtet.
Und dann wird nach mancher Übernahme oder Umstrukturierung
alles zerstört, was man selbst in engagierten 12-Stunden Jobs
aufgebaut hat.
|
|
| Der individuelle
Spaßfaktor |
|
| |
|
|
Das Nachdenken über die Highlights lohnt sich meist auch
deshalb, weil Sie dabei entdecken, was Sie in eine neue und anders
gelagerte Tätigkeit übertragen können. Recherchieren
Sie Berufsfelder und Gründungsideen, in die Sie diese Spaßfaktoren
einbringen können. Was müssen Sie tun, wissen und beachten,
um hier einzusteigen?
|
|
| Die eigene Werte
und Prioritäten |
|
| |
|
|
Erstellen Sie eine Liste mit den Dingen, die Ihnen im Berufsleben
wichtig sind. Bringen Sie diese in eine Rangordnung aus nicht mehr
als 5 Punkten, z.B. so:
| |
| 1. |
Wissen einsetzen |
| 2. |
Entscheiden können |
| 3. |
Anerkannt werden |
| 4. |
Geld verdienen |
| 5. |
Sicherheit haben |
|
Suchen Sie nun wertekonforme Aufgaben: Welche Tätigkeit bietet
die Möglichkeit, Ihre individuelle Werteskala zu leben? Notieren
Sie verschiedene Alternativen und überprüfen Sie, ob
diese „wertekonform“ sind. Alternativen können
in der Selbstständigkeit als IT-Projektleiter, in der Gründung
eines Unternehmens, Weiterbildung, einer Auszeit oder in einer
Angestelltentätigkeit liegen. |
|
| Recherchieren
und checken |
|
| |
|
|
Überprüfen Sie Ihre Perspektiven auf Realisierbarkeit.
So kann die schlichte wirtschaftliche Notwendigkeit dem Traum,
als Strandkorbverkäufer in Florida zu arbeiten, den Garaus
bereiten. Die Gründung eines Finca-Internetcafes auf Mallorca
erfordert Investitionskapital (ebenso wie einen Business Plan).
Außerdem muss Ihr Partner mitspielen. Vielleicht passt eine
Festanstellung am besten zu Ihren Werten, doch Ihr Alter lässt
wenig Hoffnung, diese zu finden.
Wenn Sie aus der Festanstellung kommen: Prüfen Sie Alternativen,
etwa eine für die Unternehmen risikoärmere freie Mitarbeit.
Wenn Sie bereits als IT-Freiberufler tätig sind: Prüfen
Sie, welche Qualifikationen, Zertifikate, Fortbildungen dauerhaft
erfolgsversprechend sein könnten. Schauen Sie in den Markt!
Klären Sie Fragen wie: Was lässt sich verdienen? Wie
bekomme ich Aufträge? Gibt es Altersgrenzen? Formale Voraussetzungen?
Erstellen Sie zudem ein Anforderungsprofil. Was erwarten Auftraggeber
von Ihnen? Überprüfen Sie die vermuteten Anforderungen
mit dem, was Sie auf der anderen Seite mitbringen. |
|
| Ziele setzen
und realisieren |
|
| |
|
|
Ein gutes Ziel ist vor allem ein erreichbares Ziel. Untersuchen
Sie Ihr Ziel daraufhin genau.
Fragen Sie sich:
| |
|
Haben Sie genügend Ressourcen (Geld, Zeit), um
es zu realisieren? |
|
Welche Konsequenzen hat die Arbeit an der Zielerreichung
für mich? Denken Sie an eventuelle Umzüge,
finanzielle Einbußen, weniger Frei-Zeit (bei einer Gründung),
die Notwendigkeit der Unterstützung durch
den Partner etc.. |
|
Erarbeiten Sie sich Schritt für Schritt einen Plan, was Sie tun
wollen, um Ihr Ziel - die Veränderung Richtung... - zu erreichen.
Definieren Sie Teilschritte, um Frustrationen zu vermeiden. Empfehlenswert
ist vielleicht auch die Begleitung durch einen Coach, der mit Ihnen
Ziele vereinbart, motiviert, seine Erfahrungen und Kenntnisse beisteuern
kann. |
|
| Veränderung
genießen |
|
| |
|
|
Wenn die Ziele realistisch sind und zu Ihnen passen, werden Sie
schnell merken, dass sich etwas tut. Da ist der erste Auftrag.
Eine Software-Idee, die schon immer in Ihrem Hinterkopf geschlummert
hat. Oder das Gespräch mit einem potentiellen Auftraggeber.
All das zeigt, dass es wieder aufwärts geht. Und irgendwann
ist kein Knick mehr spürbar und manches oder sogar alles läuft
besser als zuvor. Glückwunsch!"
|
|
Nähere Informationen zum Thema und zur Autorin bei Svenja
Hofert .
Dort gibt es auch eine Übersicht
ihrer Bücher ( u. a. "Praxishandbuch Existenzgründung.
Erfolgreich selbstständig werden und bleiben", Eichborn-Verlag,
26,95 Euro). Svenja Hofert betreibt außerdem das Internetportal
www.gruenderreports.de . |
| Die Autorin behält sich alle Rechte am Artikel vor. © 2005
Svenja Hofert |
Kommentare zu diesem Artikel:
|