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Wenn Mund und Haltung verschiedene Sprachen sprechen

Körpersprache, Teil 1: Grundsätzliche Betrachtungen

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(Januar 2005)
Inhalt dieses Artikels:
Vorsicht vor einfachen Interpretationen! | Überzeugend auftreten - die Körpersprache entscheidet
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Ein Projekt-Szenario: Mit Inbrunst und scheinbar unbestechlicher Logik verteidigt der Kollege seinen Lösungsvorschlag – und dennoch ist man nicht überzeugt. Wenig später: Obwohl man vermeintlich alle Argumente auf seiner Seite hat, bleibt der Projektleiter stur und lehnt die Idee ab. Aber warum? Die Ursachen für Ablehnung und Zustimmung liegen häufig in der Körpersprache, welche für GULP der Rhetorik-Experte Peter Edwin Brandt in einer dreiteiligen Serie untersucht:

Je differenzierter die verbalen Verständigungsformen werden, desto mehr verlieren Menschen die Fähigkeit zu spüren, was ihr Gegenüber wirklich ausdrückt.

o  Welche Botschaften vermittelt ein Mensch, ohne diese zu beabsichtigen?
o  Welche möchte er mitteilen, ohne sie sprachlich adäquat ausdrücken zu können?

Es ist kein Geheimnis: Worte und Körpersprache stehen nicht immer in Verbindung miteinander. Während den verbalen Botschaften manchmal der Bezug zum inneren Anliegen des Menschen fehlt, drückt der Körper auf vielfältige Weise die authentischen Botschaften aus – auch ohne Wissen des "Senders".

Diese versteckten Botschaften verstehen zu lernen und sie auch mit gesprochenen Worten auszudrücken, ist eine Herausforderung, die sich lohnen kann. Denn: Signale und Botschaften des Körpers

o  geben offen oder verdeckt Aufschluss über Gefühle, Stimmungen, Verhaltensweisen, Lebenseinstellungen, Persönlichkeitsmerkmale, Körperbewusstsein und vieles mehr und
o  spiegeln sich wider in Haltung, Gang, Gestik und Mimik.

Oder, wie Charles Darwin sagte: "In der Sprache finden die Gedanken Ausdruck, in der Körpersprache die Gefühle des Menschen."

 

Vorsicht vor einfachen Interpretationen!
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Das stetig zunehmende Interesse an Körpersprache ist leider oft einseitig gefärbt: Man glaubt, anhand eines bestimmten körpersprachlichen Signals sein Gegenüber zu durchschauen. Jeder kennt diese allgemeinen Interpretationen:

o  Arme verschränkt = Verschlossenheit und Ablehnung;
o  An der Nase reibend = Zweifel hegend;
o  Beine übereinandergeschlagen beim Sitzen = Verspannung usw..

Das jedoch ist naiv und eindimensional – eine solche Betrachtungsweise vernachlässigt die wichtigen Zusammenhänge zwischen Körpersprache und der jeweiligen Situation, in der sie auftritt, die Beziehung der beiden Kommunikationspartner zueinander sowie die Bedeutung der sie begleitenden gesprochenen Sprache.

Körpersprache ist nur in Handlungs- und Kommunikationszusammenhängen zu verstehen!

Überlegungen von Autoren, deren Arbeiten hinsichtlich nonverbaler Signale man fast als “Wörterbuch” empfinden muss, weil darin z.B. steht, was es bedeute, wenn jemand mit verschränkten Armen oder einer Hand in der Hosentasche dasteht, sind einem besseren Verständnis der Körpersprache nicht sonderlich hilfreich. Zu groß ist die Gefahr, mein Gegenüber in eine “Schublade” zu stecken, eigene Interpretationen nicht mehr auf deren Richtigkeit zu überprüfen und damit den Gesprächspartner miss zu verstehen. Erst eine permanente Erfolgskontrolle kann sicher stellen, ob man richtig wahrgenommen hat.

Übrigens geht es immer zuerst darum, die eigenen Signale zu erkennen, die einem mehr Informationen über sich selbst geben, um dann die Signale, die andere senden, zu erkennen und richtig zu deuten.

Körpersprache ist eine sehr komplexe Sprache und ein eindimensionaler Umgang mit ihr wird weder der Körpersprache selbst noch unseren Mitmenschen gerecht! Viel wichtiger als schnelle Deutungen sind die bewusste Wahrnehmung der Körpersprache und das Erkennen der Zusammenhänge von verbalem und nonverbalem Ausdruck. Das erfordert Geduld und viel Übung.

Realistische und auch langfristig erfolgversprechende Ziele in einem so verstandenen Umgang mit dem Thema Körpersprache könnten sein:

o  Bewusstsein über körpersprachlich verinnerlichte Regeln und Vorschriften stärken, die uns nicht mehr bewusst sind;· Bewusstsein über körpersprachlich verinnerlichte Regeln und Vorschriften stärken, die uns nicht mehr bewusst sind;
o  Ablegen "andressierter" Verhaltensweisen;
o  Zurückfinden zu „natürlichem“ Verhalten;
o  Sensibilisierung für die eigene Körpersprache und für die anderer Menschen;
o  Wirkungsweisen verschiedener körpersprachlicher Signale verdeutlichen – nicht eine, sondern mehrere mögliche Wirkungsweisen.

Der erste Schritt: Bewusstsein über das eigene Handeln zu erlangen. Denn erst wer weiß, was er macht, kann auch tun, was er will!

 

 

Überzeugend auftreten – die Körpersprache entscheidet
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Was ist der Schlüssel für ein überzeugendes Auftreten? Wodurch überzeugt man im Umgang mit Kunden, Vorgesetzten, Mitarbeitern oder Kollegen? Und woran liegt es, dass man manchmal eben auch nicht überzeugt? Das Geheimnis überzeugenden Auftretens liegt in der Stimmigkeit der drei Kommunikations-Kanäle:

  1. Verbale Sprache
  2. Stimme und Tonfall
  3. Körpersprache inkl. Mimik

Überzeugend sind wir immer dann, wenn wir kongruent, d.h. stimmig kommunizieren. Wenn also das, was man sagt, zu dem passt, wie man es sagt, dann wirkt man überzeugend.

Ein Beispiel:

Der IT-Freiberufler sagt zum Kunden "Ich freue mich Sie zu sehen!". Wenn jetzt seine Mimik und Körpersprache auch Freude ausdrücken, dann wirkt er echt, authentisch und damit überzeugend. Nehmen wir an, der IT-Freiberufler scheut bei diesem Satz Blickkontakt und schaut grimmig – dann kommuniziert er inkongruent, unstimmig und damit unglaubwürdig. Wenn eine solche Inkongruenz im Verhalten auftritt, dann sieht die prozentuale Verteilung der Wirkung folgendermaßen aus:

Worte 7 %
Tonfall 38 %
Körpersprache/Mimik 55 %

Also: Bei Unstimmigkeit glaubt der Gesprächspartner zunächst dem, was er sieht. Die entscheidende Orientierung findet über Körpersprache und Mimik statt. Dann werden Stimme und Tonfall relevant. Das, was man sagt, wirkt nur zu 7 Prozent. Wenn der Gegenüber den Eindruck gewinnt, dass man irgendwie widersprüchlich kommuniziert, dann ist der Faktor der Körpersprache und Mimik immer ausschlaggebend!

Unstimmigkeit weckt Misstrauen!

Selbst wenn der ungeschulte Mensch nicht bis ins Detail analysieren und benennen kann, warum sein Gegenüber nicht überzeugend wirkt – eines ist klar: jede und jeder hat dafür sehr sensible Antennen und spürt die Unaufrichtigkeit, wird misstrauisch und glaubt einem nicht, was er sagt, vielleicht sogar beteuert. Deshalb ziehen wir eine Aussage in Zweifel, wenn das Gesicht dazu nicht passt oder der Tonfall etwas anderes verlauten lässt. Der Faktor Körpersprache ist entscheidend für überzeugendes, glaubwürdiges Auftreten in dem Sinne, dass erst nonverbale Signale das gesprochene Wort mit Glaubwürdigkeit beleben oder – im schlechten Fall – das gesprochene Wort als unwahr entlarven.

Je nachdem, welche Wirkung man in welchem Rahmen mit welchen Inhalten erreichen will, lohnt sich der Blick auf die begleitenden nonverbalen Botschaften - die Hauptfrage: Wie kann ich körpersprachlich z.B. in einer Verhandlungssituation auftreten, um nach außen wirklich glaubwürdig die Wirkung zu erzielen, die ich den Gesprächspartnern gegenüber gerne haben will?

Unser Ziel ist es, kongruent aufzutreten und jegliches Misstrauen uns gegenüber zu vermeiden. Nun kann es allerdings sein, dass wir an der einen oder anderen Stelle nach außen Unstimmigkeit vermitteln, ohne das selbst zu merken. Oft liegt es dann am Auftreten der Person, an Körpersprache und Mimik. Aus einer gewissen Unsicherheit heraus wirkt die Person z.B. fahrig oder zerstreut, vielleicht sogar unbeholfen. In solchen Fällen kann der Inhalt nicht so wirken, wie er wirken könnte, weil uns die Begleiterscheinungen im gesamten Auftreten der redenden Person davon mehr oder weniger stark ablenken.

Der Wirkungsfaktor Körpersprache also spielt in der Überlegung, wie wir glaubwürdig und überzeugend reden können, eine entscheidende Rolle.

Nach den grundsätzlichen Betrachtungen zu Beginn betrachten wir in Teil 2 der Reihe, dass Wirkung auch immer eine Frage der Haltung ist.

 

 

Nähere Informationen zum Thema und zum Autor bei study & train extern. Dort gibt es auch eine Übersicht seiner Seminare und Bücher ( u. a. "Rhetorik – Wirkungsvoll und glaubwürdig reden").
Der Autor behält sich alle Rechte am Artikel vor. © 2004 Peter Edwin Brandt.

 

 


Kommentare zu diesem Artikel:

"Wer immer noch an das Märchen von "Worte = 7%, Tonfall = 38%, Körpersprache/Mimik = 55% glaubt, der sollte sich dringend mit dem Originalexperiment auseinandersetzen oder alternativ diesen Aufsatz lesen: Stefan Wachtel, Heinrich Lenhart - Zu sieben Prozent kommt es auf den Inhalt an. Wie ein Mythos entsteht und was er anrichtet. In: Lemke, Siegrun (Hg.): Sprechwissenschaftler/in und Sprecherzieher/in - Eignung und Qualifikation. München: 2001. S. 74-79. Insgesamt lässt sich an der Körpersprache weit weniger ablesen als man denkt. (Juli 2010)"

"Sehr interessant, die Frage ist: Kann unsere Körpersprache von anderen manipuliert bzw. mißbraucht werden? Wenn z.B. Externe gewisse Ziele erreichen wollen. Ist es möglich, dass man trainiert (z.B. durch subliminale Mitteilungen) wird, eine gewisse Gestik zu verwenden, die etwas verrät wovon man selber keine Ahnung hat, aber auf komische Reaktionen stösst? (Juli 2008)"

"Sehr objektiv, kurz und bündig, bin besonders einig mit: Erst eigenes Bewußtsein entwickeln; aber weiter Weg bis dahin, wäre ein ausführliches Thema wert! (November 2005)"

"Schwierig, in Stressituationen die Körpersprache zu beinflussen. (Oktober 2005)"

"Kann dem dargelegtem Thema sehr gut folgen. Vor dem Spiegel reden kann einem beim Üben helfen (Januar 2005)"

"kurz, prägnant beschrieben, ...prima. (Januar 2005)"

"Nich wirklich neu, aber immer wieder wichtig - fragt sich nur, ob die Methoden perfider werden: Wer hat sich soweit unter Kontrolle, dass er/sie stimmig wirkt aber trotzdem nicht hinter einer Sache steht?! (Januar 2005)"

"Sehr interessanter Artikel, der mit einigen Vorurteilen aufräumt. (Januar 2005)"


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