Smalltalk: Mit einem Gruß fängt alles an

(Oktober 2008)
Autorinnen: Christina Tabernig und Anke Quittschau, Business-Knigge-Expertinnen

Viele Menschen haben Angst vor ihm oder halten ihn sogar für überflüssig - er ist aber kinderleicht, wenn man sich nur traut. Die Rede ist vom Smalltalk, vom kleinen, seichten Gespräch mit meist fremden Menschen. In geschäftlichen, aber auch privaten Situationen sollten Sie den Smalltalk als Aufwärmphase verstehen. Jeder Sportler, Opernsänger oder Schauspieler macht sich warm - übernehmen Sie diese Tatsache für Ihren Auftritt auf dem geschäftlichen Parkett. Gleich mit der Tür ins Haus zu fallen kommt bei vielen Geschäftspartnern, gerade in anderen Kulturen, gar nicht gut an. Hier sollten Sie auf jeden Fall durch einen Smalltalk am Anfang die Beziehungsebene aufbauen. Wie aber kommen Sie mit Fremden ins Gespräch?
Die ersten Schritte
 
Stellen Sie sich vor, Sie selbst oder das Unternehmen, für das Sie gerade als IT-Experte tätig sind, lädt zu einer Kundenveranstaltung ein. Es ist Ihre Aufgabe, Ihre Kunden zu unterhalten und, wenn diese alleine und verloren im Raum stehen, sie "aufzufangen". Der erste Schritt ist ein Gruß. Darauf folgt meist eine Floskel, zum Beispiel:

    • "Wir wurden uns noch nicht vorgestellt..."
    • "Wie ich sehe, stehen Sie etwas allein gelassen hier..."

Der dritte Schritt ist die Vorstellung. Zu einer sympathischen Selbstvorstellung gehören Vor-  und Zuname und sinnvollerweise noch ein Zusatz, was Sie in dem Unternehmen momentan für eine Position innehaben oder Tätigkeit ausüben.

Der letzte Schritt ist die Bezugnahme auf die Situation. Dies könnte wie folgt aussehen:

    • "Wie haben Sie von unserer Veranstaltung gehört?"
    • "Über welchen Kontakt sind Sie heute hier?"

Mit dieser Vorgehensweise haben Sie dem Angesprochenen schon mehrere Vorlagen für ein Gespräch geliefert, und die Person kann sich unter Umständen auch Ihren Namen besser merken, da Sie schon etwas mehr über sich Preis gegeben haben.
Der Gesprächsstart
 
Gibt es sie jetzt doch - die Ice-Breaker? Den ersten schlauen Satz gibt es nicht. Grundsätzlich können Sie sich aber auf ein Gespräch vorbereiten. Wenden Sie dazu die offene Fragetechnik an und formulieren Sie sich im Kopf diese W-Fragen:

    • Was könnte mich am Gesprächspartner interessieren?
    • Was weiß ich bereits vom Gesprächspartner?
    • Welche Themen könnten passen?
    • Wie findet er ...?

Der beste Gesprächsstart ist, Gemeinsamkeiten zu entdecken. Die schnellste Gemeinsamkeit, die Sie finden können, sind Ort, Umfeld und Anlass, der Sie zusammengebracht hat. Treffen Sie im Theater Ihren Auftraggeber, reden Sie über die schöne Atmosphäre des Theaters oder wie gut besucht die Vorstellung ist.

Stellen Sie Fragen über den Ort, an dem Sie Ihren Geschäftspartner treffen. Kennt er sich aus? Kann er Empfehlungen aussprechen für Restaurants oder Unternehmungen? Wenn nein, wo kommt er her? Und schon sind Sie im Gespräch.
Aktives Zuhören
 
Dies bedeutet nicht nur Nicken sowie ab und zu "ja", oder "hmm" sagen, sondern auch die Fähigkeit, sich an beiläufig Gesagtes zu erinnern. Auf eine Frage könnte eine Antwort mit mehr als nur einer Information kommen. Merken Sie sich diese Zusatzinformation und lassen Sie diese später wieder einfließen. Nach dem Motto:

    • "Sie erwähnten vorhin, dass Sie ..."
Die Gesprächsthemen
 
Die Palette an Themen, über die gesprochen werden darf, ist lang. Bei einigen Gesprächsthemen müssen Sie durch Fragen herausfinden, ob sie für Ihr Gegenüber geeignet sind oder nicht. Viel wichtiger jedoch sind die Tabuthemen.

Vermeiden Sie alle Themen, die polarisierend sind. Zu schnell können Sie in die Falle tappen, dass Ihr Gesprächspartner eine völlig andere Meinung zu einem Thema hat als Sie. Typischerweise fallen hierunter die Themen Politik und Religion. Auch einige Sportarten können verhängnisvoll sein, denken Sie dabei nur an Anhänger verschiedener Fußball-Vereine.

Alles Negative sollte in einem Smalltalk vermieden werden - auch wenn es Gemeinsamkeiten sein könnten. Denken Sie hier zum Beispiel an Verspätungen der Bahn oder Ausfall von Flügen. Geteiltes Leid ist nicht immer halbes Leid. Halten Sie sich außerdem mit Behauptungen zurück. Zu schnell können Sie sich durch eine unüberlegte Aussage ins Abseits katapultieren. "Nach Mallorca kann man ja gar nicht reisen, da gibt es doch schönere Plätze!" - diese Behauptung könnte in Ihrer Gesprächsrunde auf sensible Ohren treffen. Vielleicht hat Ihr Gegenüber eben erst auf der Balearen-Insel Urlaub gemacht. Glauben Sie dagegen nicht, das Wetter sei ein Tabuthema. Oft ist gerade das Wetter die perfekte Überleitung zu Ihren Wochenendausflügen, Ihrer Sportart oder Ihren Urlaubsplänen.
Das Gespräch beenden
 
Die gute Nachricht ist, dass ein Smalltalk auch kurz sein darf. Sie sind als Gastgeber nicht dazu verpflichtet, den ganzen Abend an einem Gast kleben zu bleiben, nur weil dieser sich nicht von Ihrer Seite traut. Als Gastgeber haben Sie sogar die Pflicht, sich um andere Gäste zu kümmern und können dies gerne auch als "Vorwand" nehmen, sich zu verabschieden. Aber wie machen Sie dies galant? Sagen Sie es, wie es ist:

    • "Ich sehe gerade einen anderen Gast/Kunden/Kollegen, den ich gerne noch begrüßen möchte. Sie entschuldigen mich."
    • "Unser Gespräch hat mir viel Spaß gemacht. Zu gerne würde ich noch ein bisschen weiter plaudern, aber leider ruft die Pflicht... Sie entschuldigen mich."

Andere Varianten wie der Gang zum Buffet oder zur Bar sind auch möglich. Auf dem Weg dorthin oder am Ziel selbst treffen Sie auf Menschen oder verlieren sich sogar aus den Augen. Die Ausrede sich die Hände waschen zu müssen, ist nicht gerade galant und führt außerdem nicht immer zum Ziel.

Die fortgeschrittene Version ist die Gesprächsübergabe mit Vorstellung einer dritten Person. Sind Sie bei einem Thema angekommen, von dem Sie wissen, dass ein anderer Gast oder Mitarbeiter die gleichen Interessen hat, können Sie diesen gezielt aufsuchen,  die Personen einander vorstellen und das Thema als den Grund der Vorstellung angeben:

    • Bauen Sie Ihren Ausstieg auf, indem Sie das letzte Thema positiv abschließen. "Da können wir uns auf spannende Zeiten einstellen..."
    • Sagen Sie wie Sie das Gespräch fanden: "Ich könnte mich noch stundenlang mit Ihnen austauschen. Das war wirklich interessant..."
    • Bedanken Sie sich für die Unterhaltung und die Zeit, die sich der Gesprächspartner genommen hat.
    • Begründen Sie bei Bedarf Ihren Aufbruch.
    • Wenn Sie es tatsächlich möchten, können Sie ein neues Treffen in Aussicht stellen und Ihre Visitenkarten austauschen.

Als Letztes folgt die Verabschiedung, eventuell sogar mit Handschlag.
Alleine unterwegs
 
Rollentausch: Nun stellen Sie sich vor, Sie wären zu einer Veranstaltung eingeladen und Ihr Gastgeber hätte sich eben von Ihnen verabschiedet (siehe oben). Was tun? Machen Sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Gesprächspartner. Nicht so einfach? Das beste Opfer für einen Smalltalk ist jemand, der alleine ist. Auf diesen Veranstaltungen heißt es nicht "Beobachten macht Spaß", sondern: Beziehungen knüpfen ist angesagt.

Beobachten Sie beim Eintreten in den Raum, wer Ihnen längeren Blickkontakt gewährt. Dies sind für Sie später potentielle Gesprächspartner. Suchen Sie Gruppen, die offen beieinander stehen. Gibt es Lücken, in denen Sie sich dazustellen können? Eine Gruppe, die geschlossen mit den Rücken zu Ihnen steht, möchte meist nicht gestört werden. Sollten Sie keine Gruppe finden, der Sie sich anschließen können, ist der beste Platz für Sie zwischen Eingang und Bar. Dieser Weg wird am häufigsten gegangen und vielleicht bleibt dann der ein oder andere Gast bei Ihnen hängen.

Pflegen Sie Ihre Beziehungen auch im Smalltalk. Trauen Sie sich, dieses kleine Gespräch aufzunehmen und versuchen Sie, diese Situationen so oft es geht zu üben.

Dem Thema Smalltalk ist auch ein Kapitel des Buchs "Business-Knigge" externer Link von Christina Tabernig und Anke Quittschau gewidmet.

Die Autorinnen behalten sich alle Rechte am Artikel vor. © 2008 korrekt!.

Business-Knigge

Kommentare zu diesem Artikel:

"gute themen: beziehungen knüpfen und pflegen und - auflösen! wissen darüber ist das eine, die ausführung das andere. talent und übung ist gefordert. (Oktober 2008)"