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Kreativ Probleme lösen
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(Juli 2006)
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Inhalt dieses Artikels:
Was ist kreatives Problemlösen? | Phase 1: Die Analyse | Phase 2: Ideen finden | Phase 3: Umsetzung | Nicht immer braucht es jede Phase |
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Im Berufsalltag werden wir oft mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Dabei ist nicht immer klar, worin das Problem der aktuellen Situation besteht. Manchmal fehlen innovative Ideen oder es gibt zu viele Lösungsmöglichkeiten oder es ist schwierig, sich für einen Weg zu entscheiden. Um Problemsituationen zu meistern, helfen Kreativitätstechniken wie das
Creative Problem Solving (CPS). Die Kommunikations- und Rhetoriktrainerin Mariella Guarneri erläutert, wie kreatives Problemlösen funktioniert.
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| Was ist kreatives Problemlösen? |
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Schon Albert Einstein wusste: "Das Problem zu erkennen ist wichtiger, als die Lösung zu finden, denn die genaue Darstellung des Problems führt automatisch zu richtigen Lösung." Ein Problem bedeutet, dass sich die aktuelle Situation nicht mit der Wunschsituation deckt und man zunächst nicht weiß, wie das geändert werden kann. Das heißt also, der Ist-Zustand entspricht nicht dem Soll-Zustand und der direkte Weg zum Soll-Zustand ist versperrt oder nicht sichtbar. Man steht vor einem Berg und weiß nicht, wie man auf die andere Seite gelangt. Kreativ wird das Ganze dadurch, dass es mehr als eine Lösung gibt und diese im Vorfeld nicht bekannt ist. Kreativ sein bedeutet, etwas Neues zu schaffen und nicht auf Altbewährtes zu setzen.
Stellen wir uns die folgende Situation vor: Sie haben zu wenig Kunden, müssen den Umsatz ankurbeln, wissen aber nicht wie. Das ist ein Problem. Das kreative Problemlösen geht nun folgendermaßen vor. Es stellt drei Fragen:
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1. |
Wo stehen Sie jetzt? |
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2. |
Wo wollen Sie hin? |
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3. |
Wie kommen Sie dorthin? |
Diese Fragen führen zu den drei Phasen des Creative Problem
Solving (CPS): der Analyse, der Ideenfindung und der Umsetzung.
Die wichtigste Erkenntnis des CPS, die sich durch alle drei Phasen
zieht, ist die Trennung von kreativem und kritischem Denken.
Kreatives Denken (auch divergentes Denken) bedeutet, in die Breite
zu gehen. Man schaut sich viele Möglichkeiten an und sucht
viele verschiedene Ideen. Alles wird zugelassen. Beim kritischen
Denken (auch konvergentes Denken) wird geprüft und abgewogen.
Man geht nicht in die Breite, sondern in die Tiefe. Um dies in einem
Bild auszudrücken: Bei kreativem Denken gräbt man viele
Löcher, beim kritischen Denken gräbt man an einem Loch
weiter. Wichtig sind beide Arten des Denkens, denn keine kreative
Idee kann verwirklicht werden, wenn ihre Umsetzbarkeit nicht geprüft
wird. Jedoch behindern sich die beiden Arten des Denkens gegenseitig.
Verglichen mit dem Fotografieren würde ein gleichzeitig kreatives
und kritisches Denken bedeuten, dass eine Landschaftsaufnahme und
eine Nahaufnahme im gleichen Augenblick aufgenommen werden. Da das
nicht möglich ist, gilt es auch im Denken zu differenzieren.
Zunächst kreativ, dann kritisch! Dieses Prinzip findet sich
in allen drei Phasen, für die es jeweils unterschiedliche Techniken
gibt.
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| Phase 1: Die Analyse |
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In der ersten Phase geht es darum, Daten zu erfassen. Was genau macht die jetzige Situation aus? Was genau macht das Problem aus? Wie kann es eingegrenzt werden? Oftmals suchen Sie verzweifelt nach einer Lösung und vergessen dabei, das Problem richtig zu definieren. Doch nur, wenn man weiß, was das Problem ist, kann eine Lösung gesucht werden. In manchen Fällen ist es sogar so, dass die richtige Definition des Problems automatisch zur Lösung führt. Wie gehen Sie also vor:
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1. |
Überlegen Sie sich, was Sie gerne verändern möchten. Überlegen Sie zunächst kreativ, dann kritisch. |
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2. |
Sammeln Sie Daten. Schauen Sie sich dabei nicht nur eine Perspektive an. Bleiben Sie so lange wie möglich offen. |
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3. |
Formulieren Sie ihr Ziel. Schreiben Sie das Ziel so genau wie möglich auf. Bei unserem Beispielproblem könnte es lauten: "Wie kann ich mehr Kunden gewinnen?" oder aber "Wie kann ich mehr Geld verdienen?". |
Sie sehen schon, dass die Zielformulierung Ihre Energie in unterschiedliche Richtungen lenken wird. Es ist ein großer Unterschied, ob ich mehr Kunden oder höher dotierte Aufträge möchte. Auch hier gilt es erst, viele Formulierungen zuzulassen und sich dann auf eine festzulegen.
Eine Technik, die in der Analyse-Phase zum Einsatz kommt, ist das word dancing. Spielen sie mit den Wörtern. Ersetzen Sie die Schlüsselwörter "Kunden" und "gewinnen" mit anderen Wörtern, die verwandt sind:
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Wie kann ich mehr Personen überzeugen? |
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Wie kann ich mehr Interessenten ansprechen? |
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Wie kann ich mehr Geldgeber finden? |
Probieren Sie abwegige Wörter und schauen Sie, was sich verändert. Entscheiden Sie sich dann für eine Formulierung. Bei der Zielformulierung ist es wichtig, dass sie positiv formuliert wird. Die Formulierung "Wie kann ich" bringt das Denken in die richtige Bahn. Ideen können so sprudeln.
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| Phase 2: Ideen finden |
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In dieser Phase geht es darum, Möglichkeiten zu erforschen, wie Sie vom Ist-Zustand zum Soll-Zustand kommen können. Wichtig ist, dass Sie zunächst viele Ideen zulassen. Vielleicht ist die Idee, die Sie an Ihr Ziel bringt, erst die 25ste. Lassen Sie also alle Ideen zu.
Eine bekannte Technik ist hier das Brainstorming. Es wird in der Zwischenzeit immer und überall verwendet, nur leider nicht immer in der richtigen Art. Viele kennen nicht die vier Grundsätze, die es beim Brainstorming zu beachten gilt:
1) Quantität geht vor Qualität: Je mehr Ideen desto besser. Wer seine Ideen schnell äußert, steckt andere an.
2) Umso wilder, umso besser: Spinnen Sie ruhig ein wenig.
3) Die Ideen sind frei, anknüpfen ist erlaubt: Es gibt
keine Urheberrechte. Entwickeln Sie Ideen weiter.
4) Beurteilung und Kritik sind nicht erlaubt: Auch keine körpersprachliche Kritik (Nase rümpfen, Kopf schütteln usw.) äußern.
Nach dem Brainstorming gilt es natürlich auszuwählen. Auch hier lautet das Prinzip wieder: Erst in die Breite, dann in die Tiefe. Behalten Sie dabei die KISS-Formel im Blick: Keep it sweet and simple. Einfache Ideen sind oft gute Ideen. Überlegen Sie, welche Ideen vielversprechend aussehen.
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| Phase 3: Umsetzung |
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Die aussichtsreichen Ideen müssen jetzt zu Lösungen werden. Hierzu brauchen Sie einen Kriterien-Katalog. Was ist wichtig? Worauf prüfen Sie die Ideen? Scheuen Sie sich nicht, Ideen auch zu testen. Wie reagieren andere auf die Idee? Freunde, Vertraute? Auch bei der Umsetzung können Sie unterschiedliche Möglichkeiten durchspielen, um sich dann für eine zu entscheiden. Nachdem Sie die Idee geprüft haben, erstellen Sie einen Handlungsplan. Listen Sie hierzu alle wichtigen Schritte auf. Notieren Sie, wer für diesen Schritt verantwortlich ist, falls sie mit anderen zusammenarbeiten. Halten Sie auch ein Datum fest, bis wann der Schritt gemacht sein muss. Notieren Sie kurzfristige, mittelfristige und langfristige Schritte.
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| Nicht immer braucht es jede Phase |
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Beim kreativen Problemlösen ist jeder der drei beschriebenen Phasen wichtig. Ohne eine gute Zielformulierung ist die Ideenfindung hinfällig und ohne die Umsetzung sind die vorherigen Schritte unnütz. Allerdings muss nicht bei jedem Problem jede Phase durchschritten werden. Manchmal ist beispielsweise das Ziel sehr gut definiert. Dann kann die Ideenfindung sofort beginnen. Sie werden auch feststellen, dass Ihnen einige Phasen besser liegen als andere. Hierzu noch ein Tipp: Suchen Sie sich Partner, deren Stärken in anderen Phasen liegen als Ihre.
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Mariella Guarneri ist seit 2002 freiberufliche Trainerin für
Rhetorik und kreatives Problemlösen. Außerdem ist sie
Dozentin für angewandte Betriebswirtschaftslehre an der Berufsakademie
Stuttgart und Geschäftsführerin der IMS-Society, dem größten
Kurs- und Konferenzanbieter Europas für IMS-Datenbanken. Nähere
Informationen zum Thema und zur Autorin erhalten Sie unter www.redekultur.de.
Die Autorin behält sich alle Rechte am Artikel vor. ©
2006 Mariella Guarneri
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