Mit Networking zum Erfolg

(März 2008)
Autorin: Svenja Hofert, Karriere-Coach und Buchautorin

"Beziehungen schaden nur dem, der keine hat" sagt ein viel zitierter Spruch. Und wer die Augen offenhält, erlebt von Kindheit an die Bedeutung von Beziehungen. Später ermöglichen Beziehungen Karrieren, die allein mit Leistung schwer erklärbar sind.

Es ist ganz einfach: Networking sorgt für gute Beziehungen. Und gute Beziehungen sorgen für Erfolg. Und diese lassen sich laut Karriere-Coach Svenja Hofert durchaus strategisch planen, ohne dass Sie dabei zur "Kontaktmaschine" werden müssen. In ihrem Networking-Ratgeber stellt die erfahrene Trainerin u.a. die Möglichkeiten und Regeln des Netzwerkens vor. Nachfolgend hat Svenja Hofert diese auszugweise für GULP Leser zusammengefasst.

Selbstständige Trainer, Berater und Coachs sind auf gute Beziehungen geradezu angewiesen, denn herkömmliche Werbemaßnahmen wie Anzeigen funktionieren bei ihnen nicht. Ihre Dienstleistung wird nicht auf der Sachebene "gekauft", sondern auf der Beziehungsebene.

Erfolgsformel 10 x 30 x 60
 
Alle Bücher zum Thema Networking nennen eine angeblich wissenschaftliche Zahl, die belegt, dass Beziehungen alles sind. Demnach sind
  • 10% des Erfolgs Wissen bzw. Können,
  • 30% Selbstdarstellung und
  • 60% Beziehungen.
Woher sie auch immer stammen - ich bin sicher, dass die Werte in die richtige Richtung weisen. Ich denke zudem, dass die Bedeutung der Selbstdarstellung mitunter sogar noch höher anzusetzen ist. Und dass schließlich alles zusammen gehört und stufenweise aufeinander aufbaut. Um sich selbst gut darstellen zu können, benötigt ein jeder eine Mindestportion Wissen. Hohlköpfe und Schaumschläger werden schnell als solche identifiziert werden, auch wenn es auch immer wieder Beispiele gibt, bei denen hinter der aufgemotzten Fassade ein großes Nichts wartet. In der Regel wird dies aber früher oder später entdeckt.

Gute Selbstdarstellung baut also meist eben nicht auf geistigen Hohlräumen, sondern auf Wissen oder Können auf und ist wiederum die beste Basis für Beziehungen. Schließlich möchten die meisten Menschen sich lieber mit erfolgreichen Kollegen und Bekannten schmücken als mit "Losern" …

Ein weiterer Aspekt: Je höher eine Person geklettert ist, umso weniger wichtig scheint Wissen zu sein. Aber um hochzuklettern, muss man schließlich irgendwann einmal mit dem Klettern anfangen. Und ganz ohne zu wissen, auf welche Sprosse man den ersten Fuß setzt, ganz ohne eine Wissensbasis funktioniert das sicher nicht. Seien Sie also beruhigt: Ihr Know-how können Sie immer gut verwenden, es ist die Basis. Oft entsteht der erste Schritt zum Erfolg durch einen Kontakt, der Ihr Wissen erlebt hat oder aus nächster Nähe zu schätzen weiß.
Networking-Gesetze
 
Sie stehen nirgendwo geschrieben und doch sind sie ein ehernes Gesetz: Die Regeln beim Netzwerken. Wer sie nicht kennt, kommt über den Status einer losen Bekanntschaft nie hinaus. Die wichtigste Regel lautet dabei: Erst geben, dann nehmen. Wenn Sie andere unterstützen, werden diese Ihnen auch helfen.

Dabei gilt es jedoch, für beide Seiten das richtige Maß zu finden. Die Unterstützung darf nicht in der kostenlosen Bereitstellung der eigenen Dienstleistung liegen - diese muss beim Geben tabu sein. Kontakte, Links, Tipps, Hinweise, ein Anruf, eine Empfehlung: Solches Geben ist erlaubt. Wenn Sie hingegen die erste kostenlose Beratung durchführen, ist ein unausgesprochener Grad überschritten - mit Networking hat dies nichts mehr zu tun. Auch Sie sollten dies beherzigen und von anderen nicht zu viel verlangen: Vom Arzt keine Abenddiagnose, vom Computerfachmann keinen Hausbesuch.

§ 1 Du sollst erst geben, dann nehmen.
Abs. 1: Nimm nie die ganze Hand, wenn ein Finger gereicht wird.
Abs. 2: Erkenne virtuelle Grenzen.

§2 Denke immer an den Nutzen des anderen zuerst.
Abs. 1: Sei kreativ dabei, für sie oder ihn Hilfen zu finden.
Abs. 2: Handle sofort, wenn du eine gute Idee hast, sonst ist sie vergessen.

§3 Du sollst dich immer für Unterstützung bedanken.
Abs. 1 Dies kann schriftlich oder mündlich erfolgen.

§4 Du sollst Grenzen beachten.
Abs. 1 Treten Sie als Existenzgründer nicht gleich in ein IT-Guru-Netzwerk ein.

§5 Du sollst immer an deine wichtigsten Netzwerkpartner denken.
Abs. 1 Mehrmals im Jahr solltest du dich melden.
Abs. 2 Du kannst dabei alle Medien nutzen, am besten gemischt (Telefon, E-Mail, Brief).

§6 Du sollst neugierig sein und interessiert.
Abs. 1 Schreibe dir wichtige Fakten zu deinen Kontakten am besten auf.
Abs. 2 Erkundige dich regelmäßig nach den neuesten Entwicklungen bei deinem Kontakt.

§7 Du sollst Kontakte vernetzen.
Abs. 1 Überlege immer, wer zu wem passt und wer wem Nutzen bringen könnte.
Networking im Marketing-Mix
 
Was viele nicht wissen: Networking ist Teil des Marketings. Für Freiberufler ist es geradezu ein Marketing-Essential. Und wie alle anderen Marketingmaßnahmen, etwa die Werbung oder die Public Relations, verträgt Networking keinen operativen Aktionismus. Es braucht eine Strategie, die mit der Definition eines Marketing-Ziels beginnt, worin das Networking-Ziel einen Teilbereich darstellt.

Netzwerke sind dichtmaschige Gebilde. Sie wachsen an bestimmten Ecken, führen dort aber zu deutlich mehr Dichte als andere Marketingmaßnahmen - eben weil es um Beziehungen geht. Es kommt deshalb auch schneller zu Aufträgen.

Allerdings gibt es hier wie überall sonst auch ein Risiko. Wer Aufträge rein oder überwiegend über Netzwerke bezieht, überlässt zwangsläufig viel dem Zufall. An die richtigen dicken Fische und Unternehmen kommt man schwer heran. Anders sieht es aus, wenn Sie eine sehr klare und branchenbezogene Positionierung haben, beispielsweise als Spezialist für Arbeitsrecht in der IT oder als Trainer für den Managementnachwuchs in der Gastronomie. Hier sind die passenden Netzwerke mit entsprechenden Mittelstands- und Berufsverbänden schnell ausgemacht. Je "höher" Sie streben, desto weniger eignen sich die üblichen Netzwerke. Elitäre Clubs auf der anderen Seite werden Sie noch nicht aufnehmen. Kontakte müssen also z.B. durch Direktansprache entstehen oder über einen Verbindungsmann geknüpft werden.

In der Regel ist es aber bei einer schwerpunktmäßig auf das Netzwerk ausgerichteten Strategie so: Aufträge entstehen aus dem Bedarf der Netzwerkmitglieder, je bunter deren Zusammensetzung, desto bunter die Aufträge. Beispiel: Wenn ich Seminare für mehr Werteorientierung in Unternehmen verkaufe, so ist es ein Zufall, wenn ich über zwei Netzwerkecken schließlich bei einer renommierten Krankenkasse lande. Wünsche ich mir jedoch zehn Dax-100-Kunden, so muss ich mir schon etwas anderes einfallen lassen - in der Regel ist das, sofern niemand den Kontakt herstellen kann, dann doch eine clevere Form der Direktansprache.
Unterhalten Sie sich nur oder "netzwerken" Sie schon? Wenn Sie da nicht so sicher sind, ist Svenja Hoferts Ratgeber "Networking für Trainer, Berater, Coachs" externer Link aus dem GABAL Verlag richtig für Sie. Er begleitet sie beim Finden der eigenen Netzwerkstrategie und gibt zahlreiche praktische Anregungen. Svenja Hofert externer Link ist selbst Coach und Trainern sowie Autorin zahlreicher Bücher zum Thema Gründung und Erfolg. Ihr Fokus ist die ganzheitliche Karriere- und Unternehmensberatung, eine Spezialität liegt in der Positionierung und Vermarktung.

Autorin und Verlag behalten sich alle Rechte am Artikel vor. © 2008
Networking für Trainer, Berater, Coachs

Kommentare zu diesem Artikel:

"Interessant - für mich als praktizierender Christ - ist, dass in den wichtigsten Paragrafen, für die halte ich diese, die zu Beginn stehen, das widerspiegeln, was in der Bibel als "Nächstenliebe" bezeichnet wird. Ich drücke es so aus: Willst Du Dir selbst etwas Gutes tun, dann fange beim Anderen an. Und ... dann kommt das Gute "automatisch" zu Dir. ;-) (April 2008)"

"Auch als FB in der IT sollte Mensch sehen das er/sie nicht zum Einzelkämpfer wird. (März 2008)"