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| Mehr als zufriedene Kunden
– der Service macht den Unterschied
Melanie Grimm über großen Nutzen
mit wenig Aufwand / In den Schuhen des Kunden
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(August 2004)
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Inhalt dieses Artikels:
Die Crux von „Made in Germany“
| Als Einäugiger unter Blinden
| In den Schuhen des Kunden |
Mit einem echten Lächeln geht
es leichter | Die ganze Aufmerksamkeit
dem Kunden | Eine vielsagende
Anekdote | Die Serviceformel
bringt Klarheit |
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| Die Fachkompetenz, qualitativ und aktuell, ist
das A und O des IT-Freiberuflers Erfolg. Nur, wer sich im Projekt
als Experte bewährt, trägt zur Zufriedenheit seiner Kunden
bei – nicht zuletzt im härter gewordenen Wettbewerb tut
aber ein vorausschauender Freiberufler gut daran, sich Gedanken
zu seinem Kundenservice zu machen. Die Kommunikationstrainerin Melanie
Grimm erläuterte für GULP ihre Gedanken zum Thema Kundenorientierung
und Dienstleistungsmentalität:
Service ist in Deutschland etwas Besonderes. Nicht unbedingt besonders
gut, eher besonders selten. Da stellt sich dann automatisch auch
die Frage: Wie definiert man hierzulande eigentlich den Begriff
Dienstleistung? Dienst leisten? Dienen? Bedienen? Vermutlich tut
man sich deshalb so schwer damit, weil mit dem Begriff häufig
etwas Negatives assoziiert wird: Dienstbote zu sein, hatte noch
nie etwas Gutes an sich, weil man hierarchisch ziemlich weit unten
angesiedelt ist und wenig Ansehen in der Gesellschaft genießt.
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| Die Crux von
„Made in Germany“ |
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| Noch dazu stand und steht Deutschland
seit jeher für hochqualitative Produkte. „Made in Germany“
ist weltweit ein Qualitätssiegel für Waren, doch eben
nicht zwangsläufig auch für Dienstleistung. Andere Länder
produzieren weit schlechtere Qualität, doch sie wissen dies
mit gutem Service zu kompensieren. Doch der Gedanke, vor dem Kunden
einen dicken, roten Teppich auszurollen und auf Knien zu ihm hinrobben,
um ihm sodann die Füße zu küssen, ist nicht gerade
ein angenehmer...
Genau aus diesen Gründen schalten gerade IT-Experten, die
sich vor allem über ihr fachliches Können definieren,
schnell auf „Durchzug“, wenn sie mit dem zuweilen inflationär
gebrauchten Begriff „Dienstleistungsmentalität“
konfrontiert werden. Ihre Dienstleistung ist die hochqualifizierte
Arbeit im Projekt – und das ist auch richtig so.
Allerdings: Diese Einschätzung greift in Zeiten, in denen
Kunden meist eine große Auswahl haben, zu kurz für den
langfristigen Geschäftserfolg. Und schon stellt sich die Frage:
Was bedeutet nun „guter Service“? Kann man ihn vereinheitlichen,
kategorisieren? Menschen sind keine Computer. Denn wenn dem so wäre,
dann könnte in punkto Service so manches einfacher sein: Man
bräuchte einfach nur eine gutfunktionierende Software, mit
der sich kundenorientiertes Verhalten auf Knopfdruck abrufen ließe.
Eine interessante IT-Aufgabe – allerdings ohne Aussicht auf
Erfolg.
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| Als Einäugiger
unter Blinden |
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| Service ist kaum messbar, denn dies
würde voraussetzen, dass die Kundenwünsche allerorts gleich
wären und sich keiner mehr vom anderen unterscheidet. Liegt
doch genau hier die Einzigartigkeit: in der Individualität
und Authentizität. Je persönlicher man behandelt wird,
desto wohler fühlt man sich mit dieser Person. Interessanterweise
wird einem sympathischen Menschen auch immer gleich Kompetenz unterstellt.
Kann man eine Person nicht leiden, dann wird sie im Gegenzug meist
für dumm und unfähig gehalten – obwohl das eine
mit dem anderen recht wenig zu tun hat.
Naheliegende Fragen auch für einen IT-Freiberufler: „Wie
wirke ich also auf mein Gegenüber – ob Projektvermittler,
Projektleiter oder festangestellter Kollege – authentisch?
Was macht mein Serviceverhalten individuell?“
Die gute Nachricht vorab: In Deutschland ist es relativ einfach
ist, sich mit Service von der breiten Masse abzuheben. So lange
das Gesetz gilt, dass man als Einäugiger der König unter
den Blinden ist, braucht es nicht allzu viel Aufwand, denn das Niveau
an Kundenorientierung ist hier nun mal relativ niedrig.
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| In den
Schuhen des Kunden |
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Der beste Schritt zur Kundenorientierung
ist eine einfache, aber regelmäßige Gedankenübung,
die einen Perspektivenwechsel beinhaltet: Sich so oft wie möglich
bewusst machen, wie es sich anfühlt, Kunde zu sein. Das ist
einfach, denn als Kunde kauft man im Supermarkt ein, geht in eine
Bank oder besucht ein Restaurant. In den „Schuhen des Kunden“
drängen sich folgende Tipps fast von selbst auf:
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Führen Sie sich immer wieder vor Augen, wie Sie selbst
gerne als Kunde behandelt werden würden – und dann
machen Sie es eben mit Ihren Kunden genauso. |
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Seien Sie einfach Sie selbst. |
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Tun Sie Ihren Job mit Freude und von ganzem Herzen. |
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Vermeiden Sie alles Aufgesetzte und lernen Sie um Himmels
willen keine freundlichen Sätze auswendig, wie beispielsweise
„Einen schönen Tag noch!“ Nein, gegen diesen
Satz ist grundsätzlich nichts einzuwenden, doch er hat
nur dann eine einigermaßen positive Wirkung, wenn er wirklich
so gemeint ist. Leider ist es meist eine Floskel, die von Offenheit
und Herzlichkeit meilenweit entfernt ist. |
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| Mit einem
echten Lächeln geht es leichter |
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| Viele IT-Freiberufler haben diese Erfahrung
im Interview oder später im Projekt bereits gemacht: Schon
der erste Eindruck, den man hinterlässt, entscheidet. Es gibt
bekanntermaßen keine zweite Chance. Dies bedeutet, man baut
bestenfalls schon in den ersten Sekundenbruchteilen eine gute Beziehung
zum Gegenüber auf.
Es klingt erst einmal banal, hat allerdings eine kaum zu unterschätzende
Wirkung: Wenn man jemandem ein Lächeln schenkt, dann sollte
man dafür sorgen, dass es echt ist und von Herzen kommt. Und
selbst, wenn man seinen Kunden nur am Telefon erlebt – ein
Lächeln am Ende der Leitung hört man im Klang der Stimme!
Erfahrene Vertriebsprofis werden diese Beobachtung gerne bestätigen
– und als IT-Selbstständiger gehört der Vertrieb
seiner eigenen Leistung nun auch mal zum Geschäft.
Doch Vorsicht vor einem antrainierten Dauergrinsen. Das wirkt bei
all jenen, die keine begnadeten Schauspieler sind, unecht und äußerst
unglaubwürdig – und man macht sich eher lächerlich
als dass man sympathisch wirkt. Letztendlich hängt der Gesichtsausdruck
von der inneren Grundeinstellung ab. Der Tipp generale: Nach dem
Motto „wie innen – so außen“ leben. So,
wie man sich innerlich fühlt, so gibt man sich automatisch
nach außen. Im besten Fall sollte man dafür Sorge tragen,
dass das, was man tut, auch zu einem passt und man es mit Spaß
und Humor vertreten kann.
Die eigene innere Einstellung gehört jedem selbst. Man kann
und darf sie jederzeit ändern und positiv ausrichten. Marc
Aurel sagte einmal: „Das Glück des Lebens hängt
von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab.“
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| Die ganze Aufmerksamkeit
dem Kunden |
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| Nur, wer präsent und für
den anderen da ist, sorgt für eine gute Atmosphäre, in
der eine partnerschaftliche Verbindung wachsen und gedeihen kann.
Und dafür braucht es manchmal ein bisschen Zeit. Ein elementarer
Fehler ist es, sich aufzuzwingen, denn ein Zuviel an Dienstleistung
empfindet so mancher als aufdringlich.
Viel besser ist es, dem Kunden ein natürliches Interesse zeigen
– frei Emil Oesch: „Der beste Weg, andere an uns zu
interessieren, ist der, an ihnen interessiert zu sein.“
Unabdingbar (nicht nur) für IT-Freiberufler ist es, dem Gegenüber
seine Aufmerksamkeit zu schenken. Das bedeutet, dass man diesen
Moment lang für den Kunden (der natürlich auch der Projektleiter
sein kann) ganz da ist. Dann ist nichts anderes mehr wichtig –
kein Handyklingeln, keine E-Mail, kein anderer Kollege. Dieser Augenblick
gehört ganz allein dem Gesprächspartner, dem damit das
Gefühl von Wichtigkeit und Wertschätzung zuteil wird.
Zugegeben, gerade in den hektischen Zeiten eines Projektes ist dies
nicht immer einfach – dennoch sollte immer bewusst sein, dass
letztlich nicht die Software über ein Folgeprojekt entscheidet,
sondern der zufriedene Projektleiter. |
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| Eine vielsagende
Anekdote |
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| In einer Bäckerei arbeitet ein
Verkäufer. Ein netter, offener und aufgeschlossener Mensch,
immer fröhlich und äußerst freundlich zu seinen
Kunden. Es ist ihm anzumerken, dass ihm sein Job wirklich Spaß
macht. Und dann ist ihm Folgendes passiert: Während er eine
Kundin noch bediente, unterhielt er sich angeregt mit einem Kunden,
der in der Schlange weiter hinten stand. Die Kundin, bisher sehr
angetan, vom Verkäufer, war enttäuscht: „Hey! Ich
bin im Moment deine Kundin! Mit dem da hinten kannst du so lange
quatschen wie du willst – aber erst, wenn er an der Reihe
ist!“
Sicher, es war für die Kundin kein Weltuntergang – doch
dies ändert auch nichts daran, dass sie nicht mehr bedient
fühlte, sondern abgefertigt. Höchstwahrscheinlich wird
sie die Bäckerei nicht gleich auf Lebzeiten meiden, doch eine
lobende Weiterempfehlung wird sie sich künftig verkneifen.
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| Die Serviceformel
bringt Klarheit |
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Aber was geht das alles einen IT-Freiberufler
an? Nun, wenn er nicht gerade ein besonders begehrtes Skill besitzt,
hat er jede Menge andere IT-Freiberufler neben sich, die um offene
Projekte konkurrieren. Und selbstverständlich sind sie alle
hoch qualifiziert, weshalb sich die Frage stellt: Was kann man tun,
um sich von anderen abzuheben? Manchmal ist es einfacher, als man
denkt. Es gibt hierzu eine sehr simple Formel, die sogenannte Service-Formel:
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ERWARTUNG = IST
(der Kunde bekommt also in etwa das, was seinen Erwartungen
entspricht)
Ergebnis: Ein zufriedener Kunde |
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ERWARTUNG > IST
(der Kunde bekommt weniger als er erwartet)
Ergebnis: Ein enttäuschter, verärgerter Kunde |
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ERWARTUNG < IST
(der Kunde bekommt mehr als er erwartet)
Ergebnis: Ein begeisterter Kunde |
Kundenzufriedenheit ist beileibe nichts Besonderes. Ein zufriedener
Kunde findet es zwar durchaus „ganz okay“ was Freiberufler
tut, doch deshalb wird er noch lange nicht zum Förderer und
wird ihn weiterempfehlen. Dazu braucht es schon mehr. Eben dieses
kleine bisschen mehr als der Kunde erwartet.
Wichtig dabei ist, dass dieses „mehr“ nicht zwangsläufig
einen wirtschaftlichen oder finanziellen Aspekt hat. Im Gegenteil:
Es ist manchmal das „gewisse Extra“, das man mit Geld
nicht bezahlen kann. Freundlichkeit im Projektstress, (bezahlte)
Mehrarbeit ohne Murren, konstruktive Vorschläge oder ganz einfach
eine Weihnachtskarte – der Kundenservice eines IT-Freiberuflers
kann viele Facetten haben. Also: Einmal in aller Ruhe überlegen,
was der Wow-Effekt im eigenen Business sein könnte.
Der Buchautor Tom Peters (200 Ideen für herausragende Erfolge)
liefert neben vielen Ideen auch hochinteressante Zahlen: Von 100%
der Kunden, die zu einem Mitbewerber wechseln, tun dies etwa 15%
aus Preisgründen, nach dem Motto: Woanders gibt es das billiger.
Weitere 15% wechseln aus Qualitätsgründen. Hier zählt
die Meinung: Der Preis ist mir gleich, ich will Qualität. Tja,
und die verbleibenden 70% gehen woanders hin, weil sie sich menschlich
schlecht behandelt fühlen.
Service-Wüste Deutschland?? Auch für IT-Freiberufler
gilt: Beschließen Sie doch einfach, für andere eine „Oase“
zu sein...
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Nähere Informationen zum Thema und zur Autorin bei study
& train .
Die Autorin behält sich alle Rechte am Artikel vor. ©
2004 Melanie Grimm
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