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| Souverän umgehen mit
Vorwürfen und Kritik
Von „hausgemachten“ Gefühlen
/ Gelassenheit lernen mit den richtigen Strategien
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(Juli 2004)
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Inhalt dieses Artikels:
Das Alarmprogramm im Kopf | Gelassenheit
lernen | „Lockvögel“,
die Gelassenheit rauben | Kritik
ist ein Geschenk | 15 Tipps für
die richtige Reaktion | Anti-Ärger-Strategien
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| Im IT-Projekt geht es oft hektisch zu. Kein Wunder,
wenn man auch mal vom Kollegen, vom Projektleiter oder gar vom Firmenchef
persönlich angeschnauzt wird. Es ist dann für den Freiberufler
schwierig, ruhig und gelassen zu bleiben. Wie es dennoch gelingt,
dies erläutert für GULP die bekannte Trainerin Dr. Gudrun
Fey.
Angenommen, ein Kunde hat sich darüber geärgert, dass
sein Auftrag nicht fristgerecht ausgeführt wurde oder, wie
er es sieht, „verschlampert“ worden ist. Da Gefühle
oft stärker als der Verstand sind, vergreift sich ein solcher
Kunde gern im Ton. Dennoch zwingt den angegriffenen IT-Freiberufler
niemand, sich darüber zu ärgern, denn objektiv gesehen
gibt es keine negativen Gefühle auf dieser Welt. Des Menschen
Gefühle sind immer „hausgemacht“, sie entstehen
durch seine Bewertung.
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| Das Alarmprogramm
im Kopf |
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| Wenn man angegriffen wird oder sich
auch nur angegriffen fühlt, wird das Stammhirn zusammen mit
dem limbischen System (auch Zwischenhirn genannt) aktiviert. Dank
der Stresshormone, unter ihnen das bekannte Adrenalin, wird man
blitzschnell fit gemacht für eine körperliche Reaktion
– unabhängig davon, ob man mit Worten verletzt wurde
oder ob jemand versucht, handgreiflich zu werden.
Doch genau das ist das Problem. Dieses Programm ist seit der Urzeit
der Menschheit ausgelegt für eine körperliche Reaktion,
nämlich Flucht oder Gegenwehr. Und das Großhirn mit seinem
logischen Denkvermögen wird partiell ausgeschaltet. Betroffene
Menschen befinden sich bildlich gesprochen im „hormonellen
Nebel“. Es kommt zu Blackouts – oder sie schlagen auf
dem gleichen niedrigen Niveau zurück.
Wer diesen Ablauf kennt, kann lernen, damit umzugehen. So lautet
die wichtigste Regel: Zeit gewinnen, Zeit gewinnen und noch mal
Zeit gewinnen, bis sowohl der aufgeregte Kunde wie auch der Freiberufler
sich nicht mehr in diesem „hormonellen Ausnahmezustand“
befinden. Also: Erst bis 10 zählen und dann reagieren!
Da Gefühle immer mit der Ausschüttung bestimmter Hormone
begleitet werden, lassen sie sich nicht wegdiskutieren. Es nützt
also nichts, wenn man sich sagt „Reg‘ Dich nicht über
diesen Blödmann auf, der ist es gar nicht wert“ oder
„So ein Ekelpaket“. Deshalb ist der erste Schritt, Ärger
zu verringern: Sich nicht auch noch über den Ärger zu
ärgern!
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| Gelassenheit
lernen |
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| Was ist Gelassenheit? Immer „cool“
bleiben? Nein, sondern darüber zu bestimmen, wann man sich
aufregt und wann nicht, denn: „Der, der uns ärgert, beherrscht
uns“ (Chinesisches Sprichwort). Deshalb: In Zukunft erst dann
reagieren, wenn man es selbst für angebracht hält und
nicht, wenn es andere provozieren. Da die Einstellungen das Leben
maßgeblich beeinflussen, hilft langfristig eine positive Programmierung,
etwa: "Ich reagiere in allen Situationen überlegt und
souverän.“
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| „Lockvögel“,
die Gelassenheit rauben |
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| Wer und was raubt einem Menschen die
Ruhe? Sind es langsame und umständliche Menschen, Hektiker,
Choleriker, unpünktliche oder unzuverlässige Menschen.
Jeder hat seine „Lockvögel“. Hat man sie identifiziert,
ist der nächste Schritt, sich zu fragen, ob man sich darüber
wirklich ärgern muss oder ob es nicht möglich ist, über
eine geänderte Einstellung mit solchen Menschen besser klar
zu kommen. Denn wenn man sich etwa über langsame Autofahrer
aufregt, heißt das meist, dass man selbst routiniert fährt.
Es hat also immer etwas mit einem selbst zu tun, ob man sich provozieren
lässt oder nicht. Diese Einsicht ermöglicht es, sich und
seine „Lockvögel“ mit Abstand zu betrachten. Also:
Die Beobachtersituation einnehmen und zu sich sagen: „Interessant,
wie langsam dieser Mensch fährt“.
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| Kritik ist ein
Geschenk |
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| Ist der Lockvogel „Kritikempfindlichkeit“?
Dann werden die folgenden Tipps helfen, damit besser umzugehen.
Denn grundsätzlich ist „Kritikempfindlichkeit“
etwas Positives. Sie bedeutet, dass man die Kritik anderer Menschen
ernst nimmt. Kritik gibt die Chance, sich weiter zu entwickeln oder
auch diesen Fehler zukünftig zu vermeiden. Deshalb macht es
Sinn, sich für Kritik zu bedanken: „Gut, dass Sie mir
das gesagt haben.“ Suchen Sie bei scheinbar unangemessener
Kritik nach dem Körnchen Wahrheit und überhören den
vorwurfsvollen Ton.
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| 15 Tipps für
die richtige Reaktion |
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1. |
Vermeiden Sie bei der Wortwahl, Worte zu verwenden, welche
die andere Person mit Sicherheit noch mehr reizen: „Sie
müssen doch einsehen, dass...“ oder:„Regen
Sie sich doch nicht so auf.“ Grundsätzlich gilt auch,
nicht zu widersprechen. Man kann statt dessen nämlich sagen:
„Das erstaunt mich, dass Sie....“ oder: „Das
überrascht mich, dass das passiert ist.“ |
2. |
Vermeiden Sie Verallgemeinerungen und Pauschalierungen, mit
denen Sie sich selbst ins Unrecht setzen, wie „immer“,
„jeder“, „alle“, „keiner“,
niemals“, „nie“. In diese Kategorie gehören
auch Schimpfwörter, die man aus seinem Wortschatz verdammen
sollte. |
3. |
Verwenden Sie eine positive Sprache, etwa: „Die Programmierung
der Datenbank wird bereits nächste Woche fertig sein.“
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4. |
Achten Sie auf Tonfall und Sprechweise, denn diese verraten
die innere Erregung oft stärker als die Worte. Dennoch
ist es möglich, sich auch hier selbst zu disziplinieren,
indem man bewusst das Sprechtempo reduziert. Eher leiser, auf
keinen Fall lauter werden. Wenn möglich hinsetzen und sich
entspannen, dann klingt die Stimme angenehmer. |
5. |
Eine Einstellung, die Sie gegen Vorwürfe immunisiert:
„Ich tue mein Bestes“. Allerdings sollten Sie dies
nicht laut sagen; denn sonst kommt die Retourkutsche: „Und
das ist nicht genug.“ |
6. |
Bei pauschalen Vorwürfen immer um Konkretisierung bitten.
Vorwurf: „Bei Ihnen klappt ja nie was! “ Antwort:
„Mich würde interessieren, was konkret Ihnen an dem
Projektplan missfallen hat.“ |
7. |
Bei beleidigenden Angriffen mit Unverständnis reagieren:
„Wie bitte?“ |
8. |
Rechthaberei souverän begegnen: „Ich mache das
schon seit 10 Jahren so und bis jetzt hat es immer geklappt.“
„Mag sein, dass es geklappt hat, aber vielleicht würde
es mit meiner Lösung einfacher gehen. Wir könnten
es doch mal testen, oder?“ |
9. |
Nur auf den Inhalt achten und den vorwurfsvollen Ton überhören. |
10. |
Die Antwort auf „für dumm erklärt werden“:
„Sie haben ja keine Ahnung.“ „Stimmt, hier
fehlen mir Informationen und deshalb schlage ich vor, dass wir
zuerst einmal klären, wer von wem wann jeweils welche Informationen
bekommen muss.“ |
11. |
Die Antwort, wenn die andere Person ihre Macht ausspielt:
„Ich bin hier der Boss. Und was ich sage, wird gemacht.“
„Natürlich sind Sie der Boss und Sie tragen die Verantwortung
dafür, dass wir den Termin einhalten. Dennoch meine ich,
wir haben genügend Zeit, um die neue Programmierung eine
Woche lang zu testen. |
12. |
Souverän reagieren bei „Finger-pointing“:
„Haben Sie schon wieder vergessen, die Datensicherung
vorzunehmen?“ Hier wird ein Schuldiger gesucht anstatt
eine Problemlösung. Entsprechend sollten Sie auch reagieren:
„Nein, aber ich schlage vor, dass wir nach einer Lösung
suchen, damit dies nicht wieder vorkommt.“ |
13. |
Leute, die Sie mit einem wüsten Wortschwall überschütten:
Mit Namen anreden und darauf verweisen, dass Sie sich Notizen
machen. Fragen Sie aber vorher um Erlaubnis: „Damit ich
Sie nicht unterbrechen muss, würde ich mir gern ein paar
Stichworte notieren.“ |
14. |
Besänftigen durch Entschuldigungen? Besser ist es, der
anderen Person zu helfen und Lösungsvorschläge machen. |
15. |
Sollte man Vorwürfen durch Zustimmung statt Entschuldigungen
begegnen? Ja, das ist oft die schnellste Möglichkeit um
jemand zu besänftigen: „Sie wollten doch das Softwareproblem
bis 14.00 lösen.“ „Stimmt, es ist noch nicht
fertig. Ich verstehe, dass Sie ärgerlich sind. Ich erledige
es sofort.“ |
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| Anti-Ärger-Strategien |
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| Der Mensch ist seinen Gefühlen
nicht hilflos ausgeliefert, er kann sie in Grenzen selbst erzeugen
und damit bestimmen: „Don’t worry, be happy.“
Viele glauben ihren Ärger dadurch loszuwerden, wenn sie sich
mit anderen darüber unterhalten. Doch Vorsicht: Allein die
Vorstellung an den Ärger genügt und man ärgert sich
schon wieder.
Eine Anti-Ärger-Strategie ist oft die bessere Strategie, mit
Vorwürfen umzugehen – zum Beispiel mit Ablenkungstechniken.
Man kann nämlich zur gleichen Zeit immer nur einen Gedanken
denken. Deshalb kann man sich bewusst in eine positive Stimmung
versetzen, indem man einfach eine Minute lächelt. „Lächeln
statt ärgern“ lautet die Devise.
Sich etwas Gutes tun oder etwas unternehmen, was Spaß macht,
anstatt sich der schlechten Laune auszuliefern, ist ebenfalls eine
gute Alternative, dem Ärger nicht allzu viel Raum zu lassen.
Und vor allem: Das Leben und den Beruf jeden Tag neu genießen!
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Nähere Informationen zum Thema und zur Autorin bei study
& train .
Dort gibt es auch eine Übersicht ihrer Seminare, Bücher
(u. a. das Trainingsbuch „Gelassenheit siegt“) und Hörbücher
(u. a. die Audio-CD „Souverän umgehen mit Fragen, Vorwürfen
und Angriffen“).
Die Autorin behält sich alle Rechte am Artikel vor. ©
2004 Dr. Fey.
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