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| Keine Panik: Souverän
im Interview
Tipps und Tricks um die persönliche
Wirkung zu verbessern
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(Januar 2004)
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Inhalt dieses Artikels:
Um Ehrlichkeit kommt man nicht
umhin | Individuell, präzise
und korrekt | Das erfolgreichste
Projekt und der Misserfolg | Erhöhtes
Augenmerk auf
soziale Fähigkeiten | Fachfragen
konkret beantworten | Fragen
nach dem Wettbewerber | Private
Fragen | Der Stundensatz
in der Argumentation | Sich wohlfühlen
im passenden Outfit | Punkten
mit Körpersprache und Stimme | Ein
Rollenspiel als Vorbereitung |
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| Wenn ein IT-Freiberufler – mit oder ohne
Betreuer von einer Agentur – zum Interview beim Endkunden
erscheint, dann geht´s um die Wurst, sprich: Projekt. Um zu
überzeugen, müssen Stundensatz und fachliche Qualifikation
passen – nicht zu unterschätzen ist aber auch der persönliche
Eindruck, den der Kunde (meist in Person des Projektleiters) vom
IT-Freiberufler bekommt.
Über das klassische Vorstellungsgespräch für eine
Festanstellung gibt es Ratgeber en masse. Einerseits nicht viel
anders, andererseits aber dann wieder doch sind die Bedingungen,
wenn sich ein Freiberufler um einen Auftrag bewirbt. Für GULP
hat Svenja Hofert, viel beschäftigte Journalistin, Coach und
Buchautorin, die wichtigsten Tipps für IT-Freiberufler zusammen
gestellt. Sie sollen helfen, im Interview beim Kunden zu überzeugen:
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| Um
Ehrlichkeit kommt man nicht umhin |
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| „Auf sein Auftreten, auf Körperhaltung
und Stimme zu achten, ist grundsätzlich die Basis jeder Kommunikation,
in der man den Gegenüber auch von sich und seinen Fähigkeiten
überzeugen will. Sich selbst positiv darzustellen ist das Ziel
eines jeden Freiberuflers im Interview – nicht selten aber
tut der hier Geforderte zu viel des Guten. Er lernt z. B. Floskeln
auswendig oder versucht sich als Laienschauspieler.
Moralisch immer und taktisch meistens ist das jedoch der falsche
Weg, denn Projektanbieter wünschen sich ehrliche Antworten,
die dauerhaft auch die erfolgreichere Art und Weise sind um im Projekt
zu bestehen – zumal die Praxis zeigt, dass die Wahrheit sehr
oft früher oder später ans Licht kommt.
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| Individuell,
präzise und konkret |
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| Am nächsten Tag ist Interview
– was kann ich noch tun? Ein Tipp ist ganz einfach zu beherzigen:
Den Bewerbungsratgeber in der Nacht vor dem Interview besser liegen
lassen und statt dessen zum Beispiel einen Roman lesen. Schlaue
Ratschläge so kurz vor dem Stichtag machen nur nervös;
und die richtigen Formulierungen lassen sich sowieso nicht vordenken.
Im Interview gilt, dass richtige Antworten solche sind, die auf
die jeweilige Frage eingehen, individuell sind, präzise und
konkret. Standardisierte Antworten, Worthülsen und „viel
Lärm um nichts“ sind zum einen wenig glaubwürdig,
zum anderen hinterlassen sie beim Gegenüber nur das Gefühl,
dass ihm Zeit gestohlen worden ist. Warum auch sollte ein IT-Freiberufler,
der sprachlichen Ausschweifungen nicht abgeneigt ist, im Projekt
plötzlich durch Schnelligkeit und Konzentration überzeugen?
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| Das erfolgreichste
Projekt und der Misserfolg |
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IT-Freiberufler werden in der Regel nach ihrer Projekterfahrung
und hier nicht selten nach den wirklich erfolgreichen Projekten
gefragt – ebenso wie nach Misserfolgen, d. h. nach Projekten,
die letztendlich im Endergebnis nicht überzeugt haben. Hier
mag manch IT-Freiberufler schnell dazu neigen, auch im Falle eines
schlecht gelaufenen Projektes jenes nicht zu erwähnen; er sollte
aber daran denken, dass sich viele Projektleiter untereinander oder
gar den Misserfolg aus der Zeitung kennen.
Für diese Fragen sollte man sich vor dem Gespräch Gedanken
machen und Strategien zurechtzulegen. Denn: Gescheiterte Projekte
dürfen nicht einfach so im Raum stehen gelassen werden; vielmehr
sollte der Freiberufler glaubhaft und eventuell nachvollziehbar
unterstreichen, dass er entweder in dem besagten Projekt nicht am
Scheitern beteiligt war oder er aus dem Misserfolg gelernt hat.
Auch wenn Erfolge zur Sprache im Interview kommen, muss man aufpassen:
Die Erfolge sollten in den Kontext des anstehenden Projekts passen.
Wer sich zum Beispiel auf ein Projekt mit Cobol-Programmierung bewirbt,
braucht nicht die erfolgreiche Implementierung eines Customer-Relationship-Management-Systemes
(CRM) hervorheben. Es ist also ratsam, sich vor dem Interview zu
fragen: In welchen früheren Projekten habe ich die Kenntnisse
bereits angewendet, die ich in diesem Projekt benötige? Wo
bestehen Zusammenhänge? Wo ergeben sich inhaltliche Synergieeffekte?
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| Erhöhtes
Augenmerk auf soziale Fähigkeiten |
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| Ein Interview folgt äußerst
selten einem Standard. Es geht vielmehr darum, in einem offenen
Gespräch etwas über den neuen Mitarbeiter zu erfahren,
auch wenn er nur zeitlich begrenzt für das Unternehmen tätig
sein soll. Aber er muss ins Team passen, wenn das Projekt Erfolg
haben soll – und so legen immer mehr Projektleiter auch Wert
darauf, die soziale Komponente des IT-Freiberuflers abzuchecken.
Ergo: Grundsätzlich sollte der IT-Berufler auf alles gefasst
sein: auf typische Fragen ebenso wie auf ungewöhnliche Vorgehensweisen.
Wie es auch kommt – entscheidend ist meist weniger das „Was“,
sondern das „Wie“ des Gesagten. Oder: Wie überzeugend
ist die Wirkung?
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| Fachfragen
konkret beantworten |
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| Fachfragen müssen so ehrlich und
offen wie möglich beantwortet werden. Dabei sollte man aber
auch seine Kenntnisse nicht zu gering einschätzen: Wer sich
in Englisch flüssig verständigen und Texte auf Anhieb
verstehen kann, dessen Kenntnisse sind sehr gut. Auslandsaufenthalte
machen verhandlungssicheres Englisch (die höchste Stufe, vor
der Muttersprache) glaubwürdig.
Technische Kenntnisse lassen sich am besten mit der Anzahl der
Erfahrung in Jahren und der Anwendungshäufigkeit sowie -intensität
belegen, weniger mit Schulnoten. Sehr vorsichtig und sparsam sollte
man allerdings mit Kenntnissen sein, die in ehrenamtlichen oder
privaten Projekten gesammelt worden sind. Kunden interpretieren
solche Aussagen, wenn sie auf Nachfrage gemacht werden, meist als
verschlüsseltes Eingeständnis, von dem gefragten Skill
wenig Ahnung zu haben – aber die Bereitschaft besitzt, sich
schnell einzuarbeiten. Beim derzeitigen Überangebot qualifizierter
IT-Freiberufler wird es dann schwer.
Fragen nach Arbeitslosigkeit und Projektlosigkeit sind inzwischen
an der Tagesordnung – schließlich sind zahlreiche Bewerber
betroffen. Und nicht selten schließt sich eine freiberufliche
Projekttätigkeit an eine Periode der Erwerbslosigkeit an –
viele Existenzgründungen sind derzeit aus der Not geboren.
In dieser Situation ist Selbstbewusstsein angesagt: Die Fähigkeiten
und Erfahrung zum Ausdruck bringen anstatt zu jammern. Nur, wer
von sich überzeugt ist und dies in gebotenem Maße (nicht
angeben!!) vermittelt, kommt auch beim Gesprächspartner an.
Der Projektanbieter will schließlich einen Profi, der die
Durchführung des IT-Projektes sichert und nicht nur mit dem
eigenen Schicksal beschäftigt ist.
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| Fragen nach
dem Wettbewerber |
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| Innere Sicherheit und Ausgeglichenheit
(nicht nur im Interview) ist in jedem Fall von Vorteil. Denn wer
sich sicher fühlt, kann auch zu indiskrete Fragen zurückweisen
– zum Beispiel Fragen nach der Firmenpolitik der Konkurrenz.
Manche Unternehmen forschen gezielt nach Informationen, vor allem,
wenn der frühere Auftraggeber (oder in Zeiten der Kündigungswellen:
Arbeitgeber) ein direkter Wettbewerber war. Ein Tipp: Indirekt zu
verstehen geben, dass man viel weiß und dieses Wissen für
die neue Aufgabe durchaus von Vorteil ist – mehr Informationen
gibt es aber nicht im Interview!
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| Private Fragen |
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| Bei den meisten Auftraggebern, vor
allem größeren Firmen, sind Fragen nach dem Privatleben
out – und interessieren angesichts der zeitlichen Begrenzung
eines Projektes auch wenig. Zeigt sich der Interviewpartner aber
dennoch zu neugierig, dürfen ruhig Grenzen gesetzt werden.
Ein kurzes „dazu sage ich nichts“ kommt jedoch oft negativ
rüber – deshalb immer freundlich reagieren. Und wer der
Typ dazu ist, darf sogar humorvoll die Klippen umschiffen.
Schwieriger ist die Frage zu behandeln, wie es denn mit der Mobilität
aussehe. Zwar kann ein Projektanbieter davon ausgehen, wenn ein
IT-Freiberufler ohne große Nachfragen zum Interview auch eine
weitere Anreise in Kauf nimmt – allerdings sind viele Unternehmen
in dieser Hinsicht mittlerweile „gebrannte Kinder“:
Ein IT-Freiberufler, der die Vier-Tage-Woche vereinbart, kommt montags
um 11 Uhr und verschwindet Donnerstag um 13 Uhr wieder. Die Folge
ist, dass Projektanbieter, welche die Auswahl zwischen geeigneten
Kandidaten haben, zunehmend heimatnahe IT-Freiberufler bevorzugen
– zumal sie davon ausgehen, dass Reisekosten in den Preis
einkalkuliert worden sind. Die beste Strategie gegen dieses Vorurteil:
Offensiv und von selbst dem Projektanbieter zu verstehen geben,
dass man keine Probleme mit der Distanz Projektort – Wohnort
hat.
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| Der Stundensatz
in der Argumentation |
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| Oft wurde mit der betreuenden Agentur
das Thema Stundensatz bereits im Vorfeld des Interviews ausführlich
behandelt – dennoch kann es auch mit dem Kunden nochmals zur
Verhandlung kommen. Einen Anhaltspunkt seines Marktwertes hat der
IT-Freiberufler durch den GULP Stundensatzkalkulator – inwieweit
er auf dieser Basis dann zur Diskussion bereit ist, ist letztendlich
für jeden eine persönliche Entscheidung.
Wer den Projektauftrag aber will und dem Kunden erst einmal zu
teuer ist, der kommt nicht umhin: Gesprächsbereitschaft signalisieren,
aber dabei nicht den Eindruck vermitteln, für jeden Stundensatz
zu arbeiten. Denn das senkt den Wert des IT-Freiberuflers auch im
Auge des Gesprächspartners.
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| Punkten
mit Körpersprache und Stimme |
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| Beim Interview entscheidet nicht nur
die inhaltliche Ebene – auch, wenn der potenzielle Kunde dies
kaum zugeben würde.
Auf das Auftreten, den Gesamteindruck kommt es an. Und: Eine „sprechende“
Körpersprache kann man trainieren! Dabei braucht man sich nicht
an den mehr oder weniger großen Rednern aus der Politik orientieren
– kleine Gesten und Bewegungen wirken meist viel überzeugender.
Instrumente der Körpersprache sind Stimme, Tonlage, Lautstärke,
Rhythmus. Deutliches und verständliches Sprechen ist (nicht
nur) im Interview oberstes Gebot – mit Pausen an den richtigen
Stellen (dort, wo der Punkt gesetzt wird und das Gesagte nachhallen
soll). Zentral ist der Atem, denn er trägt die Stimme. Eine
ruhige Bauchatmung unterstützt den Ausdruck.
Mit Körpersprache kann man zudem den Charakter unterstreichen.
Mit schnellen Bewegungen zeigt man Engagement und Kreativität.
Man sollte sich allerdings nicht zu schnell bewegen, denn das wirkt
hektisch. Sehr ruhige und langsam sprechende Gesprächspartner
strahlen Kompetenz aus. Zu ruhige Gesprächspartner wiederum
erscheinen langweilig und monoton. Ergo: Auf die richtige „Dosis“
kommt es an.
Das gilt auch für den Blickkontakt. Im Umgang mit deutschen
Gesprächspartnern gilt die Regel: Nicht zu viel und nicht zu
wenig! Man darf den anderen weder fixieren (und damit in die Ecke
drängen) noch den Eindruck von Desinteresse entstehen lassen.
Also den Gesprächspartner direkt anschauen, aber auch schon
mal die Augen schweifen lassen.
Und weiter: Die Schultern nach hinten (aber nicht nach oben) strecken
und die Brust raus! Außerdem sollte man darauf achten, eine
gerade, entspannte Körperhaltung einzunehmen – mit beiden
Füßen möglichst auf dem Boden, denn das gibt auch
im Sitzen Halt. Ein besonderes Augenmerk gilt schließlich
den Händen, die einem versierten Gesprächspartner meist
sehr schnell den Gemütszustand seines Gegenübers verraten.
Ruhige Bewegungen mit den Händen und zwar über (und nicht
unter) dem Tisch vermitteln Gelassenheit und Kompetenz. Bei Präsentationen
kann ein Kugelschreiber in der Hand hilfreich sein, denn der hält
die Hände fest und schafft einen Orientierungspunkt.
Was gerne im Interview vom Kandidaten vergessen wird: Seine Aufmerksamkeit
und Beachtung muss allen Gesprächsteilnehmern gehören
– und dazu gehört es auch, jeden in der Runde immer wieder
mal anzuschauen. Dabei ist der derzeitige Gesprächspartner
natürlich stets die Hauptperson, der es wie die anderen Gesprächsteilnehmer
in der Regel zu schätzen weiß, wenn der IT-Freiberufler
sich seinen Namen merkt und ihn mit diesem auch anspricht.
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| Ein Rollenspiel
als Vorbereitung |
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| Grundsätzlich schadet es keinem
Menschen – und für IT-Freiberufler, denen bereits die
Vorstellung eines Interview ein banges Gefühl macht, ist es
sogar sehr empfehlenswert: Vor dem Interview mit einem Rollenspiel
üben. Wer sich dann seinen Auftritt von Bekannten oder einer
neutralen Person bewerten lässt, erfährt meist schnell,
dass das Fremdbild anders als das Selbstbild ist. Vor allem jenen,
die unsicher sind, wird ein neutraler Spiegel viel Sicherheit geben.
Eine Sicherheit, die auch im Interview der Projektanbieter spürt.
Stimmt dann auch die fachliche Kompetenz, ist der neue Projektauftrag
schon in greifbare Nähe gerückt.
Zu guter Letzt der Abschluss des Interviews. Ein souveräner
und freundlicher Abgang, bei dem man nochmals das Interesse am Projekt
und am Unternehmen betont und sich auch für die Aufmerksamkeit
bedankt, mag der Ausschlag für den Zuschlag sein – in
jedem Fall aber eine gute Visitenkarte, wenn später andere
Projekte ausgeschrieben werden."
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Nähere Informationen zum Thema bei Svenja Hofert unter www.netzwerk-buero.de
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Dort gibt es auch mehr Informationen zum jüngsten Buch der Autorin
mit dem Titel „Sicher auftreten, gekonnt überzeugen“.
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