Trash Poll der Woche

(September 2008)
Die wöchentliche GULP Kurzumfrage rund um Leben, Liebe, Alltag & Beruf - nicht immer ganz ernst gemeint, sondern mit einem Augenzwinkern.

Das Ergebnis der Kalenderwoche 38/2008:
Meetings in Englisch - was denken Sie?
Die überwältigende Mehrheit unserer User (70 Prozent) findet Meetings auf Englisch albern, wenn alle Beteiligten Deutsch sprechen. Hier sollte darauf hingewiesen werden: Es ist eindeutig besser, wenn die Deutsch Sprechenden bei solchen Zusammenkünften unter sich bleiben. Sind keine native speaker im Raum, fällt wenigstens keinem auf, dass false friends (falsche Freunde) zwischen den Meeting-Stühlen sitzen.

Dann können alle Anwesenden ihren Chef ungestört als chief (Häuptling) oder auch als chef (Chefkoch) bezeichnen. Wer sich besonders hervortut, wird fortan unter seinen Kollegen als engaged (verlobt) gelten. Wenn Herr Maier erzählt, dass er von einem Umsatz in Höhe von einer Billion Euro träumt, kann er dafür ruhig das Wort billion (Milliarde) verwenden. Und nach dem Meeting gehen alle wieder zurück in ihr bureau (Sekretär) und keinen stört's. Vorsicht geboten ist nur beim Prokuristen. Wer noch etwas von ihm braucht, sollte ihn nicht als procurer (Zuhälter) bezeichnen. Sonst ist es mit der Freundschaft vorbei (sogar mit der falschen).

Ein solches Meeting kann nur ohne native speaker störungsfrei verlaufen. Gebürtige Briten, US-Amerikaner oder Australier etwa hätten so ihre Verständnisschwierigkeiten. Extra für sie müssten die Teilnehmer nach Worten kramen wie boss (Chef), involved (engagiert), trillion (Billion), office (Büro) oder gar manager with power of attorney (Prokurist). Ob Chief Maier diese wiederum verstanden hätte?

Bleiben nur zwei Lösungen: Entweder ohne native speaker und dafür mit false friends meeten - oder doch lieber Besprechungen in der Sprache abhalten, die alle Beteiligten am besten können.
Hinweis Ihnen brennt eine spezielle Frage unter den Nägeln? Dann senden Sie Ihren Umfragenvorschlag für die Trash Poll der Woche direkt an info@gulp.de.

Kommentare zu diesem Artikel:

"Obwohl ich grundsätzlich keine Probleme mit der englischen Sprache habe, finde ich die Auswüchse der letzten Jahre unerträglich - zumal sie nicht wirklich Neues bringen, sondern vielfach finanziell nur die Taschen von, für mich manchmal fragwürdigen Beratern / Wichtigtuern, Schulungsunternehmen und Zertifizierungsstellen, füllen sollen. Meetings in englisch ohne zwingenden Grund sind kontraproduktiv und meist nur peinlich. (Oktober 2008)"

"Sehr gefährlich ist die Nutzung echter und korrekter englisher Darstellungen, wenn gar zuviele Angehörige der BSE-Fraktion am Tisch sitzen. Da wird z.B. eine Bedienaktion-Aktion einer Gerätesoftware damit beschrieben, dass ein Initprozess keinesfalls während der Transmission stattfinden darf ('must not') weil sich das Gerät sonst während der Übermittlung kritischer Patientendaten abmeldet, wobei dann in der finalen Softwareversion 1 niemals initialisiert wird und in der Softwareversion 2 solch ein Interrupt doch sehr wohl passiert, weil der SW-Teamleiter den Satz als 'muss nicht' bzw. 'muss nicht unbedingt, schadet aber auch nicht') interpretiert hatte.  Die Entschuldiung lautete übrigens 'Sorry, I did not want to bring you in trouble', dabei hatte er gar niemanden geschwängert. (Oktober 2008)"

"Ich selbst spreche verhandlungssicheres Englisch. Dennoch halte ich unter ausschließlich deutschen Teilnehmern die deutsche Sprache für unausweichlich, um Fehler in der Kommunikation ein-eindeutig auszuschließen. Ich habe schon oft wichtige Verhandlungen erlebt, die nur deshalb 'geplatzt' sind, weil niemand zugeben wollte, den Gesprächspartner schlicht nicht richtig verstanden zu haben. Gleiches gilt für triviale Abstimmungsmeetings mit Entscheidungscharakter. Auch hier ist die eindeutige, unmissverständliche Kommunikation unablässig! (Oktober 2008)"

"Ich denke zunächst, dass es 'Meetings auf Englisch' heißen müsste - wenn man schon nicht mehr 'Besprechung' sagen kann. Allerdings, wenn bei 'Meetings in Englisch' das 'c' entfernt wird, ist es perfektes Englisch! So weit sind wir schon, dass wir unsere Muttersprache freiwillig aufgegeben haben. (September 2008)"

"Wer schon einmal erlebt hat, wie hervorragende Fachkräfte mangels hinreichenden Englisch-Kenntnissen in einem Meeting nicht zum Zuge kamen, wobei wirres Zeug auf Englisch geredet wurde, das dringend einer Richtigstellung bedurft hätte, der weiß, dass solche Meetings nicht nur oft unproduktiv sind, sondern gelegentlich sogar zur unbemerkten Katastrophe ausarten. Halbwissende nehmen 'Falschwissen' mit. Getroffene Absprachen werden nicht vollständig verstanden oder basieren selbst schon auf Fehlannahmen. (September 2008)"

"Artikel ist gut. Englisch, wenn nur Deutsche da sind, ist schlichtweg elaborierte Angeberei. Kann man sich noch mehr lächerlich machen? (September 2008)"

"In der EDV werden viele Wörter in Englisch gesprochen, stellt sich die Frage, ob es wirklich alle verstehen. Gerade die normalen Anwender tun sich bei Fachausdrücken in Englisch sehr schwer. Dies habe ich schon oft erlebt. Auch sind manche deutsche Fachausdrücke gar nicht übersetztbar. Ich wäre dafür das in deutschen Firmen auch Deutsch gesprochen wird. Bei internationalen Projekten sollte die Sprache nach Hauptsitz gewählt werden. Was nutzen dem Anwender fremdsprachige Dokus? Wir habe eine so schöne Sprache warum immer dies denglisch.  (September 2008)"

"Das ist ja eine ziemlich nichts sagende Umfrage, klar ist es albern in einer Fremdsprache ein Meeting abzuhalten, wenn alle Teilnehmer besser deutsch sprechen als Englisch. Die falschen Freunde finden wohl nicht nur Native Speaker lustig, sondern dürften wohl bei vielen mit etwas besseren Sprachkenntnissen für amüsante Meetings sorgen - Aus dieser Perspektive betrachte sollte man vielleicht doch mehr Meetings in Englisch abhalten, auch wenn keine Native Speaker dabei sind! (September 2008)"