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Wie viel Trinkgeld ist angemessen?

(November 2004)

Inhalt dieses Artikels:
Im Hotel | Im Restaurant | Taxi, Bahn und Flugzeug | Weitere Dienstleister

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Unangenehme Situationen für all jene, die unsicher sind: Man sitzt mit dem Projektanbieter oder Projektleiter beim Abendessen im Restaurant und merkt beim Bezahlen an dessen abschätzigem Blick, dass das Trinkgeld zu dürftig war. Oder es war zu viel und der Kunde denkt sich: "Das bezahle ja ich, wenn er mit seinem Geld um sich wirft." Für GULP haben die Etikette-Profis Anke Quittschau und Christina Tabernig die wichtigsten Tipps zusammengestellt:

 

Wer wie ein Großteil der IT-Freiberufler viel unterwegs ist, trifft auch viel Servicepersonal. Ob in der Bahn, im Hotel oder im Restaurant – und immer stellt sich die Frage, wer wie viel Trinkgeld bekommt. Und wie sind die Trinkgeldgepflogenheiten in den unterschiedlichen Branchen?

Trinkgeld = tip
> Und die Bedeutung des englischen Begriffes für Trinkgeld, tip, bedeutet: to improve promptness. "Bereitwilligkeit verbessern", damit wird der eigentliche Sinn des Trinkgeldes klar.

 

Im Hotel
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1. Der Page erhält 1 Euro pro schwerem Gepäckstück und zwar, sobald er das Gepäck auf das Zimmer gebracht hat.

2. Wer nur eine Nacht im Hotel bleibt, sollte dem Zimmermädchen 1-2 Euro hinterlassen, da der Empfang das Trinkgeld oft an das Personal nach einer Quote verteilt. Oft bekommt das Zimmermädchen dann gar nichts ab.

Bei längeren Hotelaufenthalten kann man einen Umschlag ("Für das Personal") im Zimmer hinterlassen. In diesem Betrag sollten neben dem Zimmerservice auch der Nachtportier, der morgens um 4 Uhr den Schlüssel überreicht, und der Zimmerkellner (falls man ihn in Anspruch genommen hat) berücksichtigt werden. Man braucht übrigens nicht bis zum letzten Tag mit dem Umschlag zu warten.

Trinkgeld wird in Deutschland nicht einfach auf dem Tisch liegen gelassen – nur beim Frühstückspersonal (1 Euro) darf man eine Ausnahme machen, wenn man es eilig hat.

 

 

Im Restaurant
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3. In einem guten Restaurant sollte man 5 bis 10 Prozent des Rechnungsbetrages Trinkgeld geben – bei Bezahlung mit Kreditkarte gibt man den tip am besten in bar. So muss keine Provision an die Kreditkartengesellschaften abgegeben werden und es erreicht wirklich die Person, die sich dieses kleine Dankeschön verdient hat.

Apropos verdient: Es geht absolut in Ordnung, Abstriche zu machen, wenn sich der Service eher durch Unfreundlichkeit als durch Qualität ausgezeichnet hat.

 

 

Taxi, Bahn und Flugzeug:
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4. Im Taxi ist ein Trinkgeld üblich und wird sogar erwartet. Bei einer kurzen Strecke ist 1 Euro angemessen.

5. Wer in der Bahn von einem freundlichen Zugbegleiter einen Kaffee serviert bekommt, hält sich dabei am besten an die allgemein gültige Gastronomie-Faustregel: Zwischen 5 und 10 Prozent vom Rechnungsbetrag sind angemessen, wenn es ein wirklich guter Service war. Diese Empfehlung gilt auch im Speisewagen.

6. Im Flugzeug ist Trinkgeld geben verpönt. Stewardessen und Stewards erhalten kein Trinkgeld im Flugzeug, da sie als Gastgebende an Bord betrachtet werden. Das Personal renommierter Fluggesellschaften ist sogar angehalten, Trinkgelder einer karitativen Einrichtung zu spenden. Auch bei Billigfliegern, die an Bord Getränke verkaufen, ist das Zahlen eines Trinkgelds nicht üblich.

 

 

Weitere Dienstleister
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7. Liefert der Bote vom Kurierdienst regelmäßig pünktlich seine Päckchen beim Adressaten ab, freut er sich über 1 bis 2 Euro pro Sendung.

8. Bei den Müllwerkern bedankt man sich an Weihnachten am besten mit etwas Hochprozentigem auf der Mülltonne – Geld kann man ja schlecht hinterlassen.

9. Zuverlässige Hausmeister und Putzfrauen freuen sich an Weihnachten auch über ein persönliches Geschenk. Das wertet die Arbeit der wertvollen "Perlen" erheblich auf.

10. Beim Friseur darf man pro Leistung 1 Euro Trinkgeld geben. Also Waschen durch den Lehrling, der Schnitt vom Meister und Färben durch den Jungfriseur bedeuten 3 Euro Trinkgeld.

Aber Achtung: Bedient der Chef selbst, bekommt er kein Trinkgeld. Nicht im Restaurant und auch nicht beim Friseur. Dafür gibt es die berühmten Schweinchen, die meist auf den Empfangstheken stehen. Hier gilt die Regel, das Trinkgeld mit der entsprechenden Frage „Haben Sie eine Kaffeekasse für die Angestellten...?“ dort für die Angestellten zu hinterlassen.

Wenn ein Trinkgeld nicht direkt überreicht, sondern beispielsweise vor Toiletten auf einen Teller gelegt wird, ist das Zusammensuchen von Ein-, Zwei- oder Fünf-Cent-Stücken erlaubt. Man sollte immer daran denken, dass Servicepersonal oft ein niedriges Grundgehalt hat und von den Trinkgeldern lebt. Wer also mit der Leistung (z. B. einer sauberen Toilette) zufrieden ist, dem steht auch ein gewisses Maß an Großzügigkeit.

Und wer der Meinung ist, dass die menschliche Gesellschaft auch etwas Menschlichkeit vertragen kann, der hält zum Trinkgeld auch ein persönliches Wort des Lobes parat. Die Überraschung, wie positiv darauf die Reaktionen sind, wird nicht lange auf sich warten lassen.

 

 

Nähere Informationen zum Thema bei Anke Quittschau und Christina Tabernig unter www.korrekt.de extern.
Die Expertinnen rund um ein gelungenes Auftreten unterstützen u. a. bei der Vorbereitung von festlichen Anlässen, bei Fragen rund um die modernen Umgangsformen sowie bei Verfassung und Gestaltung von Korrespondenz.
Die Autorinnen behalten sich alle Rechte am Artikel vor. © 2004 korrekt

 

 

Kommentare zu diesem Artikel:

"Meine Güte, unter den Kommentaren gibt es wirklich solche, die ausgeprägten Geiz erkennen lassen. Und andere monieren Realitätsferne ... dabei ist es Tatsache, dass gerade von solchen Personen, die selbst weniger Geld zur Verfügung haben, deutlich großzügiger Trinkgeld gegeben wird - mit dem Wissen darum, dass Servicegehälter meistens in der Tat mickrig sind in Relation zum Aufwand, zur Belastung auch zum Zwang, permanent "gute Mine zum bösen Spiel" machen zu müssen. Realtitätsferne zeigt sich eher in den Kommentaren á la "bei den heutigen Löhne braucht keiner mehr Trinkgeld". Als jemand mit wenig Geld denke ich aber auch, dass Trinkgeld auch nicht unverdient nach sturer Regel gegeben werden sollte. Klar, dass eine Leistung auch eine sein muss, um eine gewisse Anerkennung erwarten zu können. (Februar 2005)"

"nur mal so um die relationen zu sehen: ein Page verdient laut berliner Tarifvertrag 470 Euro monatlich bei einer wochenarbeitszeit von 37,6 stunden. Und dazu kommt das das Trinkgeld besteuert wird. Gibt der Page an er hätte keines erhalten, so schätzt das Finanzamt, und das nicht zu knapp. (Dezember 2004)"

"Das Märchen von den 5-10% im guten Restaurant hält sich hartnäckig. diese Höhe ist aber so selten wie der Besuch des russischen Ministerpräsidenten. Beträgt die Rechnung z.B. 250 Euro sind Beträge zwischen 5 und 10 Euro durchaus ok und gern gesehen. Und bei einem mittleren Gelage für 600 Euro tun es 20 Euro auch. Tip für den Paketboten wird definitiv nicht erwartet. Das würde sich selbst bei einem kleinen Büro übrigens nett summieren: 3 verschiedene Services an 4 Tagen die Woche zu 1,50 macht im Monat rund 75 Euro Tip für Pakete. Irreal. (November 2004)"

"Manchmal habe ich in letzter Zeit den Eindruck, bei all den Benimm-Ratgebern, die Sie inzwischen veröffentlicht haben, Sie halten uns Freiberufler für ungehobelte Flegel, denen man erst mal beibringen muss, wie man sich in der "normalen", "zivilisierten" Welt bewegt. Woher haben Sie dieses Klischee? (November 2004)"

"Erfahrungsgemäß werden die Kommentare zu den Artikeln hier auf Gulp immer dann etwas emotionaler wenn's um's Thema Nr. 1 (Geld) geht: Stundensätze, Gewerbesteuer, Rentenversicherungspflicht, Wettbewerbsverbot... und nun auch Trinkgeld... Trinkgeld? Trinkgeld! Ja, tatsächlich. Hier geht's um die Handvoll Euros pro Woche, die wohlhabende und gutverdienende Menschen selbstlos und aus moralischer Verantwortung an die unterbezahlten Dienstleister weiterreichen, damit auch diese ein existenzsicherndes Einkommen verdienen können. Den lieben Kollegen aus den voranstehenden Kommentaren, die händeringend nach verwegenen Ausreden greifen um jede Woche ein paar Euro Trinkgeld zu sparen, möchte ich gerne die folgenden Spartips mit auf den Weg geben: Im Projekteinsatz beim Kunden Mittags nie mit den festangestellten Kollegen oder anderen Freelancern gemeinsam Essen gehen! Stattdessen ohne Pause direkt am Arbeitsplatz ein paar von daheim mitgebrachte, belegte Brote essen. Spart das Geld für ein teures Mittagsmenü und viel Zeit. Kugelschreiber, Zigaretten, Papiertaschentücher niemals selbst kaufen. Es gibt immer wieder eine Gelegenheit zum Schnorren. Im Restaurant, beim Friseur oder beim Taxifahrer grundsätzlich immer die Qualität der erbrachten Leistung bemängeln und einen Preisnachlass verhandeln. Statt immer wieder teure Tickets für Bus, Bahn und Flugzeug zu kaufen, lieber einmalig in eine blonde Perücke, einen Minirock und ein paar Pumps investieren. So ausgestattet wird der Freiberufler jederzeit kostenlos per Anhalter sein Ziel erreichen. Auf eine besinnliche Vorweihnachtszeit! (November 2004)"

"Während meiner Studienzeit war ich Taxifahrer und weiss, das ein guter Teil des Einkommens aus dem Trinkgeld besteht. Gerade Berufsgruppen, die selbst Trinkgeld bekommen, wie das Personal aus der Gastronomie sind hier besonders groszügig. Vielleicht, weil gerade sie wissen, dass Service belohnt werden muss. Ich gebe jedenfalls gerne Trinkgeld. Wenn ich mit Kollegen zum Essen gehe, beobachte ich durchaus deren "Trinkgeldverhalten". Offengestanden sind mir Trinkgeldgeber deutlich lieber als Trinkgeldverweigerer. Ich berücksichtige so etwas durchaus bei der Weitergabe von Projektanfragen und habe kein schlechtes Gewissen. (November 2004)"

"Etwas Allgemeinbildung schadet uns allen nicht. Dazu gehören auch Umgangsformen. (November 2004)"

"Das ist was Brauchbares - gratuliere! (November 2004)"

"Toll - Ein typischer Tag im Leben von Herrn X: - Bei Friseur 3,00 EUR - Hotel ausgecheckt 3,00 EUR - Geschaeftsessen mit 5,00 EUR - Taxi 2,00 EUR Summe: 13,00 EUR Nehmen wir also mal konservative 10,00 EUR als Tagesdurchschnitt... 10,00 EUR * 30 Tage = 300,00 EUR Trinkgeld!! Ist wohl als alternative Subventionierung unserer maroden Wirtschaft zu verstehen, oder? Ich schlage vor, die 30,00 EUR Dienstleistungsteuer (+190,00 EUR Verwaltungsgebuehren) zu erheben, so dass unser Staat das Geld fuer uns auf alle relevanten Dienstleister aufteilt und soziale Gerechtigkeit gewaehrleistet bleibt. Im uebrigen habe ich selbst fuer extremste Nachteinsaetze, wo man sprichwoertlich die Kuh vom Eis geholt hat, nicht einen Cent gesehen... (November 2004)"

"Was Sie vergessen haben, ist die steuerliche Seite des Trinkgelds. Hier werden nur bis zu 5 Prozent bei den anrechenbaren Kosten anerkannt. Und all das, was Sie aufführen für diverses Hotelpersonal geht dann wohl bar aus dem eigenen Portemonaie!? WO ist die Quittung? Haben Sie schon mal einen Betriebsprüfer im Haus gehabt? (November 2004)"

"Das sind Vorstellungen. ... Kurierdienst ... 1-2 Euro pro Sendung, weil er pünklich ist? Pünktlichkeit erwarte ich. 2 Euro pro Sendung? Bekommen die kein Gehalt? (November 2004)"

"Netter Apell für mehr Menschlichkeit und Wärme im Alltag im letzten Satz. (November 2004)"

"Gut, aber nicht ohne. Es summiert sich ganz schön, wenn man z.B. mehrmals pro Woche 1 bis 2 Euro pro Sendung beim Kurierdienst hinterläßt. Dagegen klingt es schon ein wenig fadenscheinig, wenn z.B. Reiseverkehrskauffrauen im Reisebüro als Gastgeber (i.d.R. mit mickrigem Gehalt) fast nie ein Trinkgeld für oft harte Arbeit bekommen. Und das, obwohl dort ein günstigerer Preis für den Kunden meist mehr Beratungsaufwand und weniger Verdienst fürs Geschäft bedeutet. Ich finde Benimmregeln nach dem Motto "das macht man so" unsinnig. Das tip-Prinzip, NACH EIGENEM ERMESSEN ANGEWENDET, halte ich für gut! Danke. (November 2004)"

"Ist ja ganz interessant, doch ich denke, dass das Trinkgeld eher negativ ist. Der Sinn der Servicebewertung ist in der heutigen Zeit komplett untergegangen. Trinkgeld wird erwartet und wenn ein Gast (zu)wenig Trinkgeld gibt, dann ist er ein Knauserer und nicht etwa der schlechte Service dran schuld. Und beim heutigen Lohniveau ist niemand mehr aufs Trinkgeld angewiesen. (November 2004)"

"Diesen Artikel finde ich schon wichtiger, stehe oft vor diesem Problem, gibt immerhin mal eine Richtschnur vor... (November 2004)"

"Die angesprochenen Gepflogenheiten bei der Vergabe von Trinkgeld handhabe ich ähnlich. Jedoch nur als "Leistungsprämie", da durchschnittliche Leistungen für mich eine Selbstverständlichkeit sind. Allergisch reagiere ich auf die zunehmenden Versuche, den Gast zu Trinkgeldern zu drängen (November 2004)"

"Diese Tips sind etwas überflüssig sofern man etwas Benehmen sich angeeignet und mittleren gesunden Menschenverstand beisammen hat. (November 2004)"

"Die geschilderten Probleme existieren in der Praxis überhaupt nicht. Der Artikel zeigt jedoch gut auf, wie man sein hart verdientes Geld schnell los werden kann. Sollen jetzt auch wir Freiberufler für Selbstverständlichkeiten und normale Leistungserbringung Trinkgeld kassieren? (November 2004)"

"Für mich ein sehr hilfreicher Artikel, denn in dieser Angelegenheit fühlte ich mich eigentlich immer unsicher - und jemand zu fragen, ist irgendwie auch blöde. (November 2004)"

"sehr praxisnah! gerne mehr davon!!! :-) (November 2004)"

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