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Umfrage-Ergebnis

Kaffee, Zigaretten und Junk-Food = IT-Freiberufler?

(Dezember 2003)

1.467 Teilnehmer in knapp vier Wochen, das ist absoluter Rekord in der Geschichte der GULP Umfragen. Und dabei ist es bei der November-Umfrage nicht einmal ums Geschäft und IT-Projekte gegangen, sondern „nur“ um das Gesundheitsbewusstsein des Freiberuflers.

Das Klischee, das nicht nur in Filmen gerne gezeichnet wird: Der unabhängige IT-Experte (im Kino wegen der Dramaturgie meist ein sympathischer, unfrisierter Hacker), lässt sich sein Essen ausschließlich vom Pizza-Express bringen, raucht zwei Schachteln „Filterlose“ und trinkt mindestens eine große Kanne Kaffee pro Tag bzw. pro Nacht – denn das ist seine bevorzugte Arbeitszeit. Aber stimmt dieses Bild mit der Wirklichkeit überein?


Wie ernähren Sie sich vorwiegend?
Sehr gesund mit vielen Vitaminen und Mineralien. 14%
Mein Essen besteht aus Doseninhalt, Fastfood und Tiefkühlprodukten. 11%
Ganz normal von Vollkorn bis Tiramisu. 75%


Es sind oft die konsequenteren Minderheiten, die das Bild einer Gruppe prägen – und so ist es kaum verwunderlich, dass in vielen Einschätzungen nicht selten neben dem Bild des Fertiggericht-Freiberuflers auch das Klischee des Rohkost-Selbstständigen auftaucht. In einer Gesellschaft, die ihre Schubläden pflegt, ist er auch zu verlockend: Der DV-Junkie in Birkenstock und selbstgestricktem Pulli, der eine komplizierte Software genau so gewissenhaft betrachtet wie die Zutaten in seinem Müsli.

Zwischen den Extremen findet sich aber auch bei den IT-Freiberuflern die überwältigende Mehrheit: 75 Prozent bezeichnen ihre Ernährungsgewohnheiten als „ganz normal“, zum täglichen Essen gehören hier Vollkornprodukte und die süßen „Sünden“, die das Leben so lebenswert machen können.



Rauchen Sie?
Nein. 69%
Bis zu zehn Zigaretten am Tag. 8%
Zehn bis 20 Zigaretten täglich. 11%
Mehr als ein Päckchen am Tag. 10%
Ich rauche Zigarren oder Zigarillos. 2%


Für den gesundheitsbewussten Beobachter und die EG-Gesundheitsminister ist jeder Raucher einer zuviel; in diesem Sinne sind 31 Prozent qualmende und inhalierende IT-Freiberufler natürlich ein beachtlicher Anteil – zumal zehn Prozent sogar zur fragwürdigen und hustenden Nikotin-Zunft der Kettenraucher gehören.

Aussagekräftiger als das Ergebnis allein ist aber der Vergleich mit dem bundesdeutschen Durchschnitt – und hier ermittelte das Statistische Bundesamt im vergangenen Jahr folgende Zahlen: 75 Prozent aller Bundesbürger über 15 Jahren waren 2002 Nichtraucher. Geht man davon aus, dass der Trend „weg vom Nikotin“ sich fort setzte, dann lässt sich festhalten, dass der Anteil der Raucher bei den IT-Freiberuflern generell höher ist – und zwar um mindestens sechs Prozent.

Ein anderes Ergebnis: Nach der Auswertung des Statistischen Bundesamtes rauchen in Deutschland nur zwei Prozent mehr als ein Päckchen pro Tag. Bei den IT-Freiberuflern, die an der GULP Umfrage teilgenommen haben, sind die zehn Prozent Kettenraucher ein unübersehbarer Hinweis auf ein Mehr an Suchtpotential.

Übrigens: Mit 31 Prozent Rauchern liegen die IT-Freiberufler im Mittelfeld, wenn es darum geht, welche Berufsgruppen den höchsten Raucheranteil haben. Das eine Ende des Rankings belegen hier mit 52 Prozent Rauchern die Fernfahrer und Bauarbeiter, am anderen Ende sind mit jeweils 18 Prozent Ärzte, Apotheker und Lehrer zu finden.



Ihr bevorzugtes Getränk am Arbeitsplatz?
Kaffee. 45%
Tee. 14%
Sonstiges wie Wasser oder Saft. 42%


Das ifo Institut für Wirtschaftsforschung hat ermittelt: Im Durchschnitt trank im Jahr 2001 jeder Deutsche in zwölf Monaten rund 159 Liter Kaffee, womit er 23 Prozent seines jährlichen Getränkekonsums bestritt. Tee konsumierte er durchschnittlich 26 Liter, außerdem 257 Liter sonstige alkoholfreie Getränke und 153 Liter Alkoholgetränke.

Anmerkung, die erste: Natürlich ist die GULP Umfrage davon ausgegangen, dass am Arbeitsplatz kein Alkohol getrunken wird.

Anmerkung, die zweite: Dass die Entscheidung Kaffee oder Tee sowie die Wahl zwischen Schwarzen und Grünen Tee ausgesprochen aufschlussreich hinsichtlich des Charakters sein soll, wird hier weder behauptet noch widerlegt noch bewiesen.

Ergebnis: Der Becher oder die Tasse Kaffee sind am häufigsten auf den Schreibtischen der IT-Freiberufler zu finden. Kaum weniger üblich sind als Getränk Kaltgetränke, für die 42 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage votierten. Dagegen finden sich unter den IT-Experten kaum Freunde der britischen Lebensart – nur 14 Prozent möchten auf Tee nicht verzichten.



Fazit
 
Auch, wenn es manchem weh tut: In Zeiten, in denen beinahe jedermann alles, nur nicht normal sein will, ist das Umfrageergebnis für viele IT-Freiberufler ernüchternd. Ihre Zunft raucht im Durchschnitt etwas mehr, orientiert sich aber hinsichtlich Ernährungsverhalten und Getränkekonsum weitgehend an den Gewohnheiten der Allgemeinheit – ist also recht normal, eigentlich. Irgendwie schade.

Kommentare zu diesem Artikel:

"Ein absolutes Highlight bei den Texten von Gulp. Bissig und süffisant wird hier beschrieben, was wir uns nur ungern eingestehen wollen: Freelancer sind genau so langleilig wie alle anderen. Irgendwie gut ;-). (November 2004)"

"Sehr interressant!Ein paar Fragen mehr zum "gesunden" Leben der Deutschen wären aber noch sehr informativ gewesen. (Juni 2004)"

"Er könnte Umfangreicher sein ! (Mai 2004)"

"Klasse. Habe mich beim Lesen königlich amüsiert. (Januar 2004)"

"IT-Freiberufler sind eben doch fast normale Menschen :-; (Januar 2004)"

"Recht unterhaltsam, vor allem die Kommentierung. Im Ergebnis nicht weiter verwunderlich. Dienstleistung hat mit Kommunikation zu tun. Kommunikation zwischen "ähnlichen" Individuen erscheint häufig "harmonischer", Avatare wirken in der Realität deplaziert. (Dezember 2003)"

"Dieser Artikel stimmmt überein mit den Beobachtungen, die ich in den letzten 5 Jahren machen durfte. Allerdings ernte ich selbst heute noch kopfschütteln, wenn ich den Salat vom Italiener um die Ecke einem Besuch bei McDonalds vorziehe :o) (Dezember 2003)"

"mal ne amüsante erkenntnisse über uns :) (Dezember 2003)"

"Sag mir was du ißt und ich sag dir wer du bist. (Dezember 2003)"

"Ich habs befürchtet, auch die letzten Freiberufler passen sich dem Gesundheitstrend an. Aber, solange der Kaffee noch stark, die Zigaretten noch schädlich und ein Bic Mäc noch ohne Vitamine sind, bleibe ich Freiberufler. (Dezember 2003)"


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