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Umfrage-Ergebnis

Von Titeln beeinflusst?

 
(Dezember 2004)
 

Wenn es um die Projektbesetzung geht: Die jüngste GULP Umfrage unter Projektanbietern wollte wissen, ob die Entscheidung für oder gegen einen Kandidaten auch von dessen formaler Ausbildung beeinflusst wird.

In einer ähnlichen GULP Umfrage für IT-Freiberufler gab es kurz vorher u. a. folgende Ergebnisse:

Die meisten IT-Freiberufler haben einen akademischen Titel.
Ohne Zertifikat sind knapp ein Drittel der IT-Freiberufler.
Nur selten wird ein Abschluss oder ein Zertifikat von einem Projektanbieter explizit nachgefragt.

Das ist die eine Perspektive, über die andere gaben 115 Projektanbieter Auskunft.


Ist Ihnen die Ausbildung des IT-Freiberuflers wichtig?

Ja, ich bestehe auf ein abgeschlossenes Diplomstudium. 23 %

Ja, mindestens eine Fachausbildung sollte er haben. 26 %

Kommt auf das Projekt/die Aufgabe an. 30 %

Abschluss ist nicht so wichtig. 16 %

Achte nicht auf die Ausbildung. 5 %

Die letztlich weitgehend homogene Verteilung der Antworten ist ein beredtes Abbild der Vielfalt und der unterschiedlichsten Rahmenbedingungen im IT-Projektmarkt, welche die Bedeutung einer Ausbildung ganz unterschiedlich werten können.

Das Ergebnis ist aber auch ein Hinweis darauf, dass der bundesdeutsche Ausbildungsanspruch in den Köpfen der meisten Projektanbieter tief verankert ist: Für nur jeden Fünften (21 Prozent) ist es nicht so wichtig bzw. unwichtig, welche formale Ausbildung der IT-Freiberufler vorweisen kann. Im Gegensatz dazu besteht knapp die Hälfte (49 Prozent) auf eine Ausbildung, die wiederum weitere 30 Prozent je nach Projekt als angebracht erachten.



Und wie steht es mit Zertifizierungen?

Sehr gut, wenn man eine Passende nachweisen kann. 33 %

Kann nicht schaden. 47 %
Achte nicht auf Zertifikate. 10 %

Generell positiv stehen neun von zehn Projektanbietern den IT-Freiberuflern gegenüber, die ein oder mehrere passende Zertifikate in die Waagschale werfen können. Die Abstufung dabei: 33 Prozent finden es "sehr gut", 47 Prozent belassen es bei einem wohlwollenden "kann nicht schaden".

Dass nur 10 Prozent der Projektanbieter überhaupt nicht auf Zertifikate achten, wird vielleicht manchem derjenigen Freiberufler zu denken geben, die kein Zertifikat besitzen.



Wirken sich Diplom und Zertifikat auf das Honorar aus?

Ja, werden besser bezahlt. 35 %

Mitunter ein leichter Vorteil. 45 %
Nein. 20 %

Ob Diplom oder Zertifikat, beides ist vor allem auch eines: Der anerkannte Nachweis für erlernte Kompetenz. Und die wird auch besser bezahlt, sind sich 35 Prozent der Projektanbieter einig. Weitere 45 Prozent sehen die Hauptkriterien für die Stundensatzhöhe zwar offensichtlich anderswo, ohne Wirkung sind jedoch laut ihrer Ansicht Diplom und Zertifikat nicht immer.

Schließlich: Nach Auffassung von immerhin einem Fünftel der Projektanbieter bleiben die Honorare von der formalen Ausbildung gänzlich unberührt.

 

 

Kommentare zu diesem Artikel:

"Tja leider wird die Ausbildung durch die man sich jahrelang durchgekämpft hat in Deutschland tatsächlich nicht wirklich anerkannt.  Mit Titel (Dr.) wird man unter Umständen sogar belächelt bzw. es wird (bei gleichem Geld) trotzdem mehr erwartet.  Oder sind die Akademiker einfach zu blöd ihren Mehrwert darzustellen.  (Februar 2006)"

"Haette nicht erwartet, dass der formalen Ausbildung und Zertifikaten nur eine moderate Bedeutung begemessen wird. Offenbar ist die Einstellung 'Ohne Wisch kein Projekt' voellig ueberholt. (Februar 2005)"

"Interessante Auswertung, die ich so nicht erwartet hätte. Da ich gerade, nach 5 Jahren Studienpause, wegen einem Großauftrag mein Studium beende, sehe ich, dass ich hier richtig liege. (Januar 2005)"

"Als langjähriger Freelancer ohne formale Qualifikationen, Zertifikate und Berufsausbildung ist mir die hier dargestellte Zurückhaltung gegenüber den autodidaktisch veranlagten self-made Spezialisten noch nie begegnet. Diese Erfahrung bezieht sich ausdrücklich auch auf die von mir erzielten Honorare, die im Mittel sogar stets ein wenig besser als die der formal Höherqualifizierten in 'meinen' Projekten lagen. Derzeit bin ich in einem stark akademisch geprägten Umfeld beim Kunden tätig (Quote der Promovierten über 25%) und kann auch dort keinerlei Akzeptanzprobleme feststellen.  Die Ergebnisse der Umfrage sagen meiner Meinung nach mehr über das Selbstbild der befragten Projektanbieter aus als über die tatsächliche Situation am Markt für Freiberufler. Dies ist auch kaum überraschend, da die Mehrzahl der Mitarbeiter der Projektanbieter erfahrungsgemäß selbst überdurchschnittlich viel Zeit und Geld in ihre Ausbildung und Qualifikation investiert haben und sich wünschen, diesen Qualifikationsvorsprung am Arbeitsmarkt kapitalisieren zu können, was ihnen als Festangestellte in verantwortungsvollen Positionen auch gelingt.  Die Welt der Freiberufler funktioniert anders. Hier zählen in erster Linie spezielles Know-How, Kontakte, Projekthistorie der letzten paar Jahre, Auftreten und Verhandlungsgeschick sowie (nachrangig) auch das Gesamtbild der Person einschließlich Lebenslauf und Qualifikation auf dem Papier. Bei Festangestellten hingegen ist die formale Qualifikation wesentlich, da sie den Einstieg in einen 'höheren' Karriereweg ebnet, der sich dann oft ein ganzes Berufsleben lang fortsetzt.  Und: Zertifikate und Qualifikationen gibt es nicht 'umsonst', sondern - bedingt durch den erforderlichen Zeiteinsatz - nur auf Kosten von anderen Merkmalen, die einen Freiberufler am Markt erfolgreich machen können: Berufserfahrung, Auslandserfahrung, praktische Fachkentnisse... (Dezember 2004)"

"Ich hätte gedacht, dass Quereinsteiger es einfacher hätten und dass Zertifikate nicht so viel bedeuten. (Dezember 2004)"

"sehr gut. sachlich und auf das wesentliche beschränkt. (Dezember 2004)"

"Ich bin sehrt überrascht über das Ergebnis. Hätte nicht geglaubt, dass die Ausbildung und Zertifizierung so wichtig sind. (Dezember 2004)"


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