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Verhandlungstechniken:
Erfolgreiche Einwandbehandlung

Teil 1: Unterstützung der Überzeugungskraft durch Sprache | Teil 2: Positive Gesprächseröffnung | Teil 3
(September 2006)
Inhalt dieses Artikels:
Vorwand vs. Einwand | Aufmerksam zuhören | Nie widersprechen | Hintergründe in Erfahrung bringen | Überzeugen durch Argumente
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Stellen Sie sich eine Verhandlung vor, bei der Ihr Gesprächspartner Ihren Argumenten und Forderungen sofort zustimmt. Ohne jeden Einwand kommen Sie unverzüglich an Ihr Ziel. Wahrscheinlich wären Sie sehr irritiert und würden sich fragen, ob Ihre Ziele vielleicht zu niedrig angesetzt waren. Eine Verhandlung ohne Einwände – das ist sehr unwahrscheinlich.

Auch Sie werden in einer Verhandlung voraussichtlich Einwände hervorbringen, wenn Ihnen Konditionen präsentiert werden oder man Ihnen Zugeständnisse abverlangt. Deshalb: Überlegen Sie sich bereits bei Ihrer Vorbereitung, mit welchen Einwänden zu rechnen ist und wie Sie darauf reagieren wollen.

 

Vorwand vs. Einwand nach oben
   

Vorwände und Einwände sind Aussagen Ihres Gesprächspartners, die den Widerstand zum Ausdruck bringen, dass Ihre Konditionen nicht ohne weiteres akzeptiert werden. Häufige Gründe für Widerstände sind:

o Zweifel an Ihren Argumenten
o Nichtgefallen Ihres Angebotes, Ihrer Konditionen, Ihrer Forderungen nach Zugeständnissen
o Zweifel an Ihrer Person
o Die Vorteile oder der Bedarf wurden noch nicht erkannt
o Wenig Interesse an einem Gespräch
o Kein Interesse an einer Zusammenarbeit
o Falscher Moment

Mit Vorwänden und Einwänden müssen Sie während des gesamten Verhandlungsgesprächs rechnen. Die Grundregel lautet hier: Hören Sie aktiv zu, wenn Sie mit einem Vorwand oder Einwand konfrontiert werden. Nur, wenn Sie den Grund für den Widerstand erkennen, können Sie richtig darauf reagieren und einen Einwand ausräumen.

Es ist für Ihre Verhandlung wichtig, dass Sie einen Einwand von einem Vorwand unterscheiden können:

o Ein Einwand bedeutet, dass Ihre Bedingungen nicht ohne weitere Informationen und/oder Argumente akzeptiert werden.
o Ein Vorwand hingegen ist ein Abwehrmechanismus. Die wahren Gründe für diese Abwehr sollen Ihnen nicht bekannt gegeben werden, sie sollen verdeckt bleiben, stattdessen werden andere Gründe vorgeschoben.

Es kann unterschiedliche Gründe geben, warum Sie mit einem Vorwand konfrontiert werden.

- Ein Verhandlungspartner, der kurz vor der Insolvenz steht, wird Ihnen das vielleicht nicht gern mitteilen und versteckt den wahren Grund hinter der Aussage, dass er kein Interesse an einer Verhandlung hat.
-

Wenn Sie Ihren Verhandlungspartner während der Verhandlung verletzt oder gekränkt haben, wird er die Verhandlung wahrscheinlich eher unter einem Vorwand abbrechen als offen mit Ihnen darüber sprechen. Menschen, die einen anderen nicht mögen, sprechen diese Tatsache selten offen aus.

Einwände lassen sich ausräumen, Vorwände hingegen nicht, da Sie den wahren Grund hierfür nicht kennen. Vorwände können Sie jedoch dann daran erkennen, dass sie bei dem Versuch, sie wie einen Einwand auszuräumen, wiederholt werden bzw. dass ein anderer Vorwand folgt. Nachfolgend einige Regeln, wie Sie erfolgreich mit Einwänden umgehen.

 

 

Aufmerksam zuhören nach oben
   

Einwände können Sie vermeiden oder einschränken, indem Sie sich optimal auf die Bedürfnisse Ihres Verhandlungspartners einstellen. Je besser Sie mit offenen Fragen die Bedürfnisse Ihres Verhandlungspartners ermittelt haben, desto gezielter und treffender wird Ihre Argumentation ausfallen. Ein überzeugter Verhandlungspartner hat keine oder zumindest weniger Einwände. Je besser Sie bei einem Einwand zuhören, umso besser können Sie analysieren, warum er vorgebracht wird.

Stehen Sie Einwänden grundsätzlich positiv gegenüber. Ein Einwand ist nichts Negatives und er besagt noch lange nicht, dass Ihr Verhandlungspartner Ihnen nicht zustimmen wird, im Gegenteil: Bringt Ihr Verhandlungspartner einen Einwand vor, dann heißt das, dass er sich in Gedanken schon mit einem Abschluss beschäftigt hat. Er äußert einen Zweifel und möchte weitere Informationen oder vielleicht auch ein Zugeständnis. Für Sie ist das eine Chance, Ihr Angebot, Ihre Konditionen mit allen Vorteilen noch einmal genau zu erklären. Nehmen Sie deshalb jeden Einwand als positives Signal. Würde Ihr Verhandlungspartner den Zweifel nicht äußern, dann hätten Sie diese Chance nicht.

 

 

Nie widersprechen nach oben
   

Viele Menschen neigen dazu, bei einem Einwand sofort zu widersprechen. Damit nehmen Sie sich in den meisten Fällen die Chance, den Einwand auszuräumen. Mit Widerspruch, der z.B. durch Äußerungen gekennzeichnet ist, wie "Nein, das stimmt nicht..." oder "So ist das nicht gemeint..." verärgern Sie in der Regel Ihren Verhandlungspartner. Zu Recht, denn mit solchen Äußerungen bringen Sie zum Ausdruck, dass Sie seine Sachkompetenz anzweifeln. Sie verletzen das Selbstwertgefühl Ihres Gesprächspartners. Verhandlungserfolge erzielen Sie nicht. Auch wenn Ihnen ein Einwand überflüssig oder gar dumm erscheinen mag: Achten Sie immer darauf, ihn sein Gesicht wahren zu lassen.

 

 

Hintergründe in Erfahrung bringen nach oben
   

Um einen Einwand mit weiteren Argumenten ausräumen zu können, müssen Sie erst einmal wissen, warum der Einwand vorgebracht wurde. Ansonsten ist es möglich, dass Sie daran vorbei argumentieren. Nur, wenn Sie die Hintergründe des Einwandes kennen, können Sie richtig auf ihn reagieren und ihn anschließend ausräumen. Sagt Ihnen Ihr Verhandlungspartner zum Beispiel, er finde Ihr Angebot zu teuer, kann dies unterschiedliche Gründe haben. Vielleicht ist er vom Preis-Leistungs-Verhältnis nicht überzeugt, vielleicht liegt ein günstigeres Angebot von der Konkurrenz vor, vielleicht reicht sein Budget dafür einfach nicht aus. Stellen Sie deshalb – nachdem Sie aktiv zugehört haben – offene Fragen, um die Hintergründe für den Einwand zu erfahren.

Beispiel
Einwand: "Zu teuer"

- "Womit vergleichen Sie den Preis?"
-

"Was meinen Sie genau mit 'zu teuer'?"

-

"Wie teuer dürfte es denn Ihrer Meinung nach sein?"

- "Wonach beurteilen Sie den Preis des Produktes xy?"
Einwand: "Kein Bedarf"/"Kein Interesse"
- "Woran haben Sie keinen Bedarf?"
- "Wo liegt denn Ihr besonderes Interesse?"
 

 

Überzeugen durch Argumente nach oben
   

Wenn Sie den Einwand genau analysiert haben, können Sie entscheiden, wie Sie weiter vorgehen wollen.

o Hat Ihr Verhandlungspartner zum Beispiel noch Zweifel an Ihrem Preis-Leistungs-Verhältnis, können Sie ihn mit weiteren Argumenten von der Qualität Ihres Angebotes überzeugen.
o Liegt ein günstigeres Angebot der Konkurrenz vor, ist es ratsam, zunächst die Leistungen des Konkurrenzangebots mit Ihren Konditionen zu vergleichen. Es ist möglich. dass der Preis zwar günstiger ist, die Leistungen aber nicht vergleichbar sind. Sie können danach immer noch entscheiden, ob es sinnvoller ist, Ihren Verhandlungspartner mit weiteren Informationen und Argumenten von Ihrem Angebot zu überzeugen, oder ob Sie ein Preiszugeständnis machen möchten. Bedenken Sie, dass oft nicht der Preis allein entscheidet. Sympathie und Vertrauen spielen unter Umständen eine viel größere Rolle.
o Reicht das Budget Ihres Verhandlungspartners nicht aus, sollten Sie überprüfen, ob Sie eventuell andere Leistungen streichen können, um den Preis zu senken. Sie können sich gegebenenfalls auch noch entscheiden, Ihrem Verhandlungspartner im Preis entgegenzukommen.

Nicht alle Einwände können Sie ausräumen. Es ist durchaus möglich, dass es keine triftigen Gegenargumente gibt und Sie dem Einwand nichts entgegnen können, da er den Tatsachen entspricht. In diesem Fall sollten Sie den Einwand Ihres Verhandlungspartners einfach akzeptieren und anschließend die Pluspunkte auf anderen Gebieten sammeln.

Auf den Punkt gebracht:

- Einwände und Vorwände sind Widerstände gegen Ihr Angebot oder gegen Ihre Konditionen.
-

Vorwände sind Abwehrmechanismen, die den wahren Grund für den Widerstand verdecken sollen.

-

Einwände können Sie ausräumen, Vorwände können Sie nicht ausräumen, da Sie den wahren Grund für den Widerstand nicht kennen.

-

Vorwände können Sie leicht daran identifizieren, dass sie bei dem Versuch, sie wie einen Einwand auszuräumen, wiederholt werden bzw. dass ein weiterer Vorwand folgt.

-

Hören Sie freundlich und aufmerksam zu, wenn Sie mit einem Einwand konfrontiert werden. Widersprechen Sie nicht. Versuchen Sie die Hintergründe für den Einwand durch offene Fragen zu ermitteln. Überzeugen Sie anschließend mit weiteren, treffenden Informationen und Argumenten.

-

Wenn Sie fest mit einem Einwand rechnen, können Sie ihn auch vorwegnehmen und direkt mit guten Argumenten ausräumen.

 

 

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch "Verhandlungstechniken" von Astrid Heeper und Michael Schmidt, erschienen im Cornelsen Verlagextern.
Die Autoren und der Verlag behalten sich alle Rechte am Artikel vor. © 2006 Cornelsen Verlag.

 

 


Kommentare zu diesem Artikel:

"Trifft voll ins Schwarze. Ist leider nicht immer einfach umzusetzten. Ich spreche aus 25 jähriger Berufserfahrung im Aussendienst. (November 2011)"

"Sehr professionell und als Einstieg absolut lesenswert. (Juli 2009)"

"Danke, sehr hilfreich. Für mich der wertvollste Teil dieser Reihe. Insbesondere die Fragen zum Thema 'Hintergründe in Erfahrung bringen' werde ich zukünftig anwenden. Das Argument 'zu teuer' ist ja immer wieder zu hören, aber so gut wie nie wird offen dargelegt, was die Hintergründe für diesen Einwand sind. (September 2006)"

"Vielen Dank für die Mühe der Autoren, uns aufmerksamer zu machen. Bei dem Punkt: 'niemals widersprechen' kann ich aber genau dieser Versuchung nicht widerstehen. Es ist manches Mal äußerst hilfreich zu widersprechen. Es geht dabei nicht um das plumpe Niederrennen des Gesprächspartners, sondern um das deutliche Aufzeigen von eigenen Grenzen. Ehe man dem Gesprächspartner die Möglichkeit gibt, einen 'durch die Blume' nicht zu verstehen, sollte man lieber offen, höflich und deutlich ein 'dem kann ich nicht zustimmen' äußern. (September 2006)"

"Danke. Zwar sind diese 'Techniken' den Auftraggebern bestens bekannt, doch ein guter Freiberufler muss sie auch beherrschen, um mit eben diesen Kunden auf einer Augenhöhe zu sprechen. Bei so einem Gespräch 'spürt' man gegenseitig den guten Gegner, akzeptiert ihn und wird auch selber akzeptiert. (September 2006)"


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