Hat sich die Anzahl der IT-Fachkräfte aus Mittel- und Osteuropa seit der EU-Osterweiterung verändert?
Das Ergebnis der Trash Poll der Woche
(Februar 2012)
Die wöchentliche GULP Kurzumfrage rund um Leben, Liebe, Alltag & Beruf - nicht immer ganz ernst gemeint, sondern mit einem Augenzwinkern.
Das Ergebnis der Kalenderwoche 4/2012:
| EU-Osterweiterung: Seit Mai 2011 brauchen Arbeitnehmer aus Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Slowenien, Slowakei und Ungarn in Deutschland keine Arbeitsgenehmigung mehr. Hat sich die Anzahl der IT-Fachkräfte aus diesen Ländern Ihrer persönlichen Erfahrung nach seitdem verändert? | ||
| Es arbeiten nun mehr IT-Fachkräfte aus diesen Ländern in Deutschland. |
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| Es arbeiten nun weniger IT-Fachkräfte aus diesen Ländern in Deutschland. |
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| Die Anzahl hat sich nicht verändert. |
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| Ich kann das nicht beurteilen. |
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| Teilnehmerzahl: 147 | ||
Durch die EU-Osterweiterung wurden im Jahr 2004 Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Slowenien, Slowakei, Ungarn, Malta und Zypern Mitglieder der EU. Die damaligen, „alten“ EU-Mitgliedsstaaten konnten den Zugang zu ihren Arbeitsmärkten für Arbeitnehmer aus den zehn neuen Beitrittsstaaten maximal sieben Jahre lang beschränken. Deutschland hat das getan – diese Übergangsfrist ist Ende April 2011 abgelaufen. Das bedeutet volle Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der EU für die neuen mittel- und osteuropäischen Länder. Für eine Arbeitsaufnahme in Deutschland ist keine Arbeitsgenehmigung mehr erforderlich.
Die IT-Kollegen aus Osteuropa sind jung und gut ausgebildet und in Deutschland sind IT-Spezialisten gefragt. Also: Sind sie seit Mai 2011 in Strömen ins Land gekommen? Etwa ein Drittel der Teilnehmer an dieser GULP Kurzumfrage ist der Meinung, dass sich die Anzahl der IT-Fachkräfte aus Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Slowenien, Slowakei und Ungarn in Deutschland nicht verändert hat. 14 Prozent meinen, sie sei gestiegen. Gibt es schon offizielle Zahlen?
Bilanz der Arbeitsagentur: Zustrom hält sich in Grenzen
Eine erste Bilanz zog die Bundesagentur für Arbeit im Juli 2011 und kam zu dem Schluss, dass sich der Zustrom osteuropäischer Arbeitskräfte in Grenzen halte. Die Zahl der Beschäftigten aus den acht osteuropäischen EU-Beitrittsstaaten sei im Mai 2011 um 24.000 auf 259.000 gestiegen, heißt es in einer Pressemitteilung der BA. „Der Gesamtanstieg von 24.000 entfällt vor allem auf die Land- und Forstwirtschaft (+8.100), das Baugewerbe (+2.700), das Verarbeitende Gewerbe (+2.200) und die Arbeitnehmerüberlassung (+2.100)“, so die BA. Das bestätigt die von uns im Jahr 2011 aufgestellte These, dass Erhöhung der Konkurrenz vor allem ungelernte Arbeitnehmer betrifft. IT-Spezialisten mit fundiertem Know-how und Branchenkenntnissen werden nicht plötzlich mit mehr Experten um eine Projektanfrage kämpfen müssen.
IAB: Keine Personalsuche in Osteuropa
Aktueller, nämlich von Dezember 2011, ist die Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die den aussagekräftigen Titel „Arbeitnehmerfreizügigkeit: Neue Potenziale werden bisher kaum genutzt“ trägt. Eine Befragung von knapp 9.000 Betrieben durch das IAB ergab: Der Großteil der deutschen Betriebe mit offenen Stellen sucht bislang kein Personal in den acht mittel- und osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten. Einer der Gründe, warum die Zuwanderung den Autoren der Studie zufolge ausbleibt, ist die Lohnsteigerung in den besagten Ländern – während in Westeuropa die Lohnentwicklung stagniert oder gar zurückgeht.
Bevölkerungszahl erhöht sich aufgrund der Zuzüge aus Osteuropa
Im Januar 2012 hat das Statistische Bundesamt Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung in Deutschland veröffentlicht. Die Einwohnerzahl ist im Jahr 2011 erstmals seit acht Jahren Rückgang wieder gestiegen, heißt es. Ursache dafür sei eine hohe Zahl von Zuzügen aus dem Ausland – vor allem aus den 2004 der EU beigetretenen ost- und mitteleuropäischen Staaten. Das Bundesamt weiter: „Seitdem seit Mai 2011 für sie die vollständige Arbeitnehmerfreizügigkeit gilt, ziehen pro Monat durchschnittlich mehr als 28.000 Personen aus diesen EU-Staaten zu. In den ersten vier Monaten 2011 waren es nur rund 15.000.“
Das macht deutlich: Es ist zu früh für eine abschließende Bilanz. Die meisten Teilnehmer an unserer Kurzumfrage haben noch keine Veränderungen im IT-Projektmarkt bemerkt. Ob diese noch kommen, wird sich zeigen. Wenn Unternehmen dringend gesuchte Fachkräfte in Deutschland nicht finden, werden sie in Mittel- und Osteuropa nach ihnen suchen. Die Kosten für eine eventuell nötige Qualifizierung dieser Arbeitskräfte (Aufbau von Sprachkenntnissen oder Fach- und Prozesswissen) werden Unternehmen allerdings nur dann übernehmen, wenn diese längere Zeit in der Firma bleiben. Für Freelancer aus der DACH-Region, die gesucht und verfügbar sind und als Spezialisten für gezielte Projekte ins Unternehmen geholt werden, ist das keine Konkurrenz.
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