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Aus Business Cases das Beste machen

Der Weg zum nützlichen Beurteilungs- und Planungsinstrument

(Dezember 2004)

Inhalt dieses Artikels:
Aufwände systematisch erarbeiten | Nutzenkategorien auseinanderhalten | Eine Change-Management-Aufgabe | Künftige Entwicklungen diskutieren | Eng mit dem Controlling zusammenarbeiten | Umsetzungsbezug herstellen | Zusammenfassung

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Es gibt kein allgemein anerkanntes Vorgehen für die Erstellung eines Business Cases. Trotzdem, oder gerade deswegen kann man vieles falsch machen. In der Dezember-Ausgabe des Fachmagazins IT Managements stellt Boubacar Traoré dar, wie ein Business Case zum nützlichen Beurteilungs- und Planungsinstrument wird und darüber hinaus Hinweise für eine bessere Aufstellung der IT liefert:

Business Cases (BC) sind nichts Neues in der IT. Einen BC zu rechnen und sauber zu begründen ist jedoch immer noch ein schwieriges Unterfangen. Das liegt an drei Schwachpunkten:

1. Bei der Erstellung eines BC werden, etwa bei der Suche nach belastbarem Zahlenmaterial, mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Die Aufgabe erfreut sich daher keiner allzu großen Beliebtheit.
2. Der BC wird verdächtigt, als Budgetbeantragungstool missbraucht zu werden, um das Projekt „zu verkaufen“. Häufig ist auch schon vorgegeben, was das Vorhaben mindestens „einspielen“ muss. Die Aussagekraft wird also erst einmal angezweifelt.
3. Wie die Potentiale auf dem Papier zu tatsächlichem Nutzen werden sollen, bleibt meist unklar. Der Umsetzungsbezug ist schwammig. Und da kaum nachgehalten wird, ob ein BC erfüllt wurde, verbessert sich auch die Qualität der Aussagen nicht.

Richtig erstellt, liefert ein BC jedoch nicht nur wichtige Erkenntnisse über Wirkung eines Vorhabens, sondern wird durch die Problemdurchdringung auch zum grundlegenden Instrument der Projektplanung. Der BC dokumentiert die Akzeptanz des Vorhabens und den abgestimmten Beitrag der Beteiligten zum Projekterfolg. Zusätzlich liefert er Erkenntnisse für die Optimierung von Controlling, strategischer Planung und dem Zusammenspiel von IT und Fachbereich. Im Folgenden werden Projekterfahrungen zusammengefasst, die zeigen wie hierfür vorzugehen ist.

 

Aufwände systematisch erarbeiten
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Die Aufwandsseite wird typischerweise vor der Nutzenseite betrachtet, da für sie schneller erste Zahlen verfügbar sind. Erfasst werden relevante Aufwände der Ist-Situation und vergangener Perioden, um einen Trend abzuleiten, der verändert werden soll. Was jedoch sind „relevante“ Aufwände? Hier ist eine systematische Erarbeitung notwendig, für die zwei Leitlinien angegeben werden können:

Aufwandsarten sollten vollständig erfassen werden, das heißt ihre Struktur muss bekannt sein.
Der gesamte Lebenszyklus des Investitionsobjektes sollte bewertet werden.

Für beides gibt es Modelle, die eine gute Orientierung ermöglichen. Die vollständige Erfassung der Aufwände wird durch Total Cost of Ownership Modelle unterstützt. Speziell der Ansatz der Gartner Group erfreut sich weiter Verbreitung: Kosten werden in direkte und indirekte aufgeteilt und auf möglichst objektive Bezugsgrößen.
 
   
Beispiel für eine umfassende Kostenanalyse
 
   

Wichtig bei der Aufwandsaufstellung ist, so eng wie möglich an derzeit im Unternehmen erfassten Kosten-Kategorien zu bleiben; diese werden wo notwendig verfeinert und ergänzt. Nur so lässt sich eine historische Datenbasis zusammentragen, durch die die Kostenentwicklung extrapoliert werden kann, mit der sich das Vorhaben messen muss.

Wo kein Zahlenmaterial vorhanden ist, wird auf Expertenschätzungen mit Knowhow-Trägern aus IT und Fachbereich ausgewichen. Für die in Zukunft veränderte Aufwandsbasis ist dies sogar der einzig praktikable Ansatz. Durch eine Diskussion des Lebenszyklus des Investitionsobjektes lässt sich die Aufwandsanalyse schließlich noch um verschiedene Szenarien für die künftige Entwicklung ergänzen. Für IT-Systeme wird der Lebenszyklus typischerweise skizziert wie hier:

 
   
Lebenszyklus eines IT-Systems
 
   

Anzumerken ist, dass der Aufwand bis zum Start der Realisierung in der Praxis häufig ausgeblendet wird. Dies ist akzeptabel, wenn der Planungs- und Analyseaufwand nur einen Bruchteil der gesamten Aufwände ausmacht. Kritisch zu hinterfragen ist dieses Vorgehen jedoch, wenn Folgeaufwände eher klein sind, da der BC dann verzerrt wird. Hier ist eine „mutige“ Entscheidung ohne lange Analyseaktivitäten oft wirtschaftlicher.

Die durch die Aufwandsanalyse gewonnenen Erkenntnisse müssen nachvollziehbar aufbereitet werden. Grundprinzip hierfür ist eine Trennung der durch das Vorhaben bedingten budgetwirksamen Aufwände von den nicht budgetwirksamen Aufwänden. Das bedeutet insbesondere, dass benötigte interne Kapazitäten und kalkulatorische Kosten getrennt von externen Kapazitäten darzustellen sind. Werden zusätzlich noch wie üblich Einmalaufwände von laufenden Aufwänden getrennt, ist eine wichtige Basis für die Entscheidungsfindung erarbeitet.

 

 

Nutzenkategorien auseinanderhalten
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Im Gegensatz zur Aufwandsanalyse fehlen bei der Nutzenbewertung etablierte Analysemodelle. Der Kreativität ist somit entlang der Argumente Kostensenkung, Leistungssteigerung und Risikovermeidung fast freier Lauf gelassen. Ist die IT-Lösung Bestandteil des vom Unternehmen angebotenen Produktes oder der Dienstleistung, lässt sich noch ein entsprechendes viertes Argument hinzunehmen. Eine Nutzenbewertung kann so zum Beispiel entlang folgender Punkte erfolgen:

 
   
Übersicht der Nutzenbewertung (exemplarisch)
 
   
Um den Vorwurf der Subjektivität bei der Bewertung zu vermeiden, sollte die Kreativität bei den Nutzenargumenten in drei Kategorien kanalisiert werden:

1. Nutzen, dessen monetäre Auswirkung objektiv nachwiesen werden kann (etwa sinkende Lizenzkosten oder tatsächlich realisierter Personalabbau).
2. Nutzen, der durch Indikatoren belegbar ist, dessen monetäre Auswirkung jedoch nur schwer objektiv zu bewerten ist (beispielsweise höhere Kundenzufriedenheit, beschleunigte Informationssuche ohne gleichzeitigen Kapazitätsabbau).
3. Qualitative oder strategische Nutzenargumente, die nicht im Rahmen der BC-Erstellung mit vertretbarem Aufwand belegt werden können.

Diese Aufteilung in „harte“ und „graduell weicher werdende“ Nutzenargumente, ohne den Versuch alles auf monetäre Werte zurückzuführen, macht recht schnell deutlich, dass der rein finanzielle Nutzen einiger Projekte schwer nachzuweisen ist. Jedoch wird die Diskussion dadurch auch objektiviert, da aus operativer Sicht (zum Beispiel Ausfallrisiken senken) oder strategischer Sicht (etwa innovativen Ansatz erproben) gewünschte Lösungen auch also solche verargumentiert werden.

Die BC-Diskussion dreht sich von „Was muss es (auf dem Papier) bringen?“ hin zu „Wollen wir es machen?“ Hervorzuheben ist, je weniger objektiv quantifizierbarer Nutzen vorhanden ist, das heißt je stärker die Argumentation mit qualitativem Nutzen geführt wird, desto wichtiger ist auch ein Verfechter aus dem Managementkreis und eine Abstimmung mit den von der neuen Lösung Betroffenen.

 

 

Eine Change-Management-Aufgabe
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Der kausale Zusammenhang von diskutiertem Nutzen und IT-Vorhaben ist nicht immer einfach nachzuweisen. Dies gilt insbesondere für den Geschäftsnutzen, der durch eine IT-Lösung entsteht, jedoch manchmal sogar für IT-Nutzen (etwa bei Architekturmaßnahmen). Hier ist eine enge Abstimmung von IT und Fachseite erforderlich.

Kann ein erheblicher Teil des ausgewiesenen Nutzens ohne die IT-Investition realisiert werden, ist zu entscheiden, ob diese nicht eine überteuere Organisationsmaßnahme darstellt. Es gilt aufzuzeigen, warum erst das IT-Vorhaben die Nutzenrealisierung ermöglicht. Der durch den BC entfachte Dialog zeigt, wo die IT Wert für die Fachseite generiert und wo noch Optimierungsbedarf bei der Ausrichtung der Aktivitäten besteht. Darüber hinaus liefert der Dialog eine Antwort auf die Frage „Wem genau bringt das Vorhaben etwas, wer muss es zahlen?“. Diese Erkenntnis sollte genutzt werden, um zusätzlich zum Budgetverantwortlichen auch „Nutzenverantwortliche“ zu benennen und zu verpflichten.

Diese Nutzenverantwortlichen sind die Champions des künftigen Projektes. Risiken und Einflussfaktoren auf die Nutzenrealisierung (wie beispielsweise Verhandlungsbedarf mit aktuellen Dienstleistern) werden durch sie angegeben und fließen in eine Sensitivitätsanalyse ein. Maßnahmen zur Risikokontrolle und Prüfpunkte für die getroffenen Annahmen sollten ebenfalls durch diese Champions geplant werden. Der BC dokumentiert somit die Akzeptanz des Vorhabens und den abgestimmten Beitrag der Beteiligten zum Projekterfolg.

 

 

Künftige Entwicklungen diskutieren
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Bei der Diskussion von künftigem Aufwand und Nutzen werden oft grundlegende Fragen aufgeworfen, wie:

Welche Entwicklung ist für Infrastruktur und Anwendungslandschaft geplant (Veränderung der technologischen Basis, Betrieb intern oder ausgelagert, stärkere Integration oder Modularisierung/Gestaltung als Services, Standardisierung oder individuelle Realisierung)?
Welche Veränderungen in der Geschäftsabwicklung werden sich in den nächsten Jahren auf die IT auswirken (zum Beispiel Skalierung, Veränderung bestehender Prozesse, neue Dienstleistungen)?

Schwierigkeiten für solche Entwicklungen zu erkennen und Indikatoren für Tendenzen hin zu einem bestimmten Szenario anzugeben, liefern einen Anhaltspunkt für Lücken der strategischen Planung. Nur bei klarer Strategie lassen sich die aufgeworfenen Fragen beantworten. Andernfalls drohen Entwicklungen ungesteuert zu bleiben.

Lassen sich Entscheidungen zur künftigen Ausrichtung nicht zeitnah einholen, sollte sich diese Unsicherheit in der Planung des Vorhabens niederschlagen. Es wird in Stufen unterteilt, die für sich genommen bereits Nutzen stiften. Vor jeder weiteren Investition erfolgt dann eine erneute Prüfung der folgenden Stufe(n).

 

 

Eng mit dem Controlling zusammenarbeiten
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Die Diskussionen bei der Erstellung eines BC liefern mehrere Ansatzpunkte, die zum Anstoß von Verbesserung im Controlling dienen können, etwa:

Fehlende Datenbasis für eine objektive Bewertung von Aufwänden und somit auch für die Bewertung der späteren Zielerreichung.
Abweichende Definitionen oder Detaillierungsgrade bei der Erfassung von Kosten/Nutzen-Daten in unterschiedlichen Organisationseinheiten.
Rückgriff auf Expertenschätzungen in Bereichen, die mit vertretbarem Aufwand messbar wären.
Fehlende Verantwortliche oder fehlende Toolunterstützung für die Erhebung und Ablage der Daten.
Fehlende Strukturen für das systematische Nachhalten und Bewerten von Projektergebnissen.

Gerade wenn das Werkzeug BC nur sporadisch eingesetzt wird, ist es hilfreich, die Erstellung durch einen Mitarbeiter aus dem Controlling zu unterstützen. So wächst das Bewusstsein in der Organisation, dass ein in Entscheidungsgremien akzeptierter BC mehr ist, als ein Budgetbeantragungsvehikel – die Angaben werden überprüft.
 

 

Umsetzungsbezug herstellen
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Bei der Präsentation der Erkenntnisse aus der Aufwands- und Nutzenbetrachtung darf kein Eindruck einer Zahlenspielerei entstehen. Der Betrachtungszeitraum sollte für IT-Vorhaben angemessen sein. Zwei bis fünf Jahre bei Büroautomatisierung und sieben bis zehn Jahre bei Industrieautomatisierung sind hierfür bewährte Richtwerte. Die zur Verdichtung der quantitativen Angaben gewählten Kennzahlen sollten eine aussagekräftige Kombination darstellen, etwa ROI um Nutzen und Aufwand ins Verhältnis zu setzen, NPV um den zeitlichen Aspekt bei einer Betrachtung der Wertigkeit des Vorhabens zu berücksichtigen und Payback- Periode um den Risikohorizont aufzuzeigen.

Grundregeln effektiver Kommunikation wie deutliche Formulierungen und eine strukturierte Darstellung müssen eingehalten werden und sämtliche Angaben (Datenquellen, Annahmen, Abstimmungspartner) sollten nachvollziehbar sein.

Frühe Schleifen mit den Top-Level-Adressaten des Business Cases helfen, die entscheidungsorientierte Ausrichtung der Analyse zu sichern und rechtzeitig notwendige Unterstützung einzuholen. Mindestens zwei Versionen eines BC sollten daher eingeplant werden: eine grobe Version früh in der Planungsphase und eine verfeinerte nachdem die Lösung im Detail entworfen ist. Eine weitere Überarbeitung nachdem die Lösung eingeführt wurde (um aus Planungsfehlern zu lernen und die Nutzenrealisierung nachhalten zu können) ist wünschenswert, jedoch in der Praxis kaum vorzufinden.

Im Folgenden werden die verschiedenen Bausteine der BC Präsentation aufgelistet:

Management/Summary
Umfang des Vorhabens: Ziele/Ausgangssituation/Zusammenspiel mit anderen Aktivitäten/flankierende Maßnahmen/Einschränkungen/Hintergrundinformationen
Fahrplan für die Umsetzung des Vorhabens
Kosten/Nutzen Analyse
Kosten/Nutzen-Verteilung und Umsetzungsverantwortung: „Wer muss es verantworten; wem bringt es was“
Annahmen und damit verbunden Szenarien, Sensitivitätsanalyse und Risikobewertung. Daraus abgeleitet Maßnahmen, die für eine erfolgreiche Umsetzung notwendig sind. „Woran könnte das Projekt scheitern; was ist zu tun, um dies rechtzeitig zu erkennen und gegenzusteuern“
Entscheidungsbedarf, Empfehlungen
Methodische Hinweise (Ansprechpartner, Erhebungen, etc.)
 

 

Zusammenfassung
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Das hier dargestellte Vorgehen zeigt, dass für einen BC nicht einfach Aufwände und Nutzen in Geld umgerechnet und addiert werden sollten. Vielmehr muss gelten, ein BC:

zeigt Kosten und Nutzenargumente so objektiv wie möglich auf
optimiert durch die Abstimmung der Wertschöpfung die Ausrichtung der Aktivitäten und hilft Champions für das Projekt zu identifizieren
weist auf Konkretisierungsbedarf bei der strategischen Planung hin
liefert Ansatzpunkte für den Ausbau des Controllings
stützt die erfolgreiche Umsetzung durch Transparenz über die Wirkung des Vorhabens, Maßnahmen zur Erfolgssicherung und klare Verantwortung

Nur so erreicht man das Beste, das man aus einem Business Case machen kann.
 


Nähere Informationen in der neuesten Ausgabe von IT Management extern .
Der IT-Verlag behält sich alle Rechte am Artikel vor. © 2004 IT-Verlag

 

 

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Kommentare zu diesem Artikel:

"ausgezeichnet - gerade für uns 'Techies' ist ein solcher Überblicksartikel wirklich Gold wert (Dezember 2004)"

"Ich hatte zwar schon öfter von Business Cases gehört, konnte mir aber immer nur sehr wenig darunter vorstellen. Der Beitrag hat zur Aufklärung beigetragen, so dass ich mir jetzt auch ein erstes BC-Urteil erlaube: Im Prinzip nicht schlecht, aber etwas aufgebauscht vor allem bei Selbstverständlichkeiten. (Dezember 2004)"


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