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Umstrittener Microsoft-Kopierschutz bleibt deutschen Kunden wahrscheinlich erspart

(Januar 2001)

Im Zuge der neuen Windows-Generation will Microsoft mit technischen Mitteln den Bestimmungen des Lizenzvertrages Nachdruck verleihen. Nach Informationen der Financial Times Deutschland soll es für den deutschen Markt eine Ausnahme geben. "Die PC-Nutzer hierzulande gelten bei der US-Firma als besonders aufsässig."

Immer wieder versucht Microsoft der Öffentlichkeit seine Grundsätze des Lizenzrechts einzuschärfen: "Jeder PC braucht seine eigene Betriebssystem-Lizenz." Viele Kunden sehen das anders, und nicht nur sie. Auch nach der Rechtsauffassung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zum Beispiel erlaubt das Gesetz den Kunden, ihre Software auf verschiedenen PCs zu installieren.

Alle Appelle von Microsoft an die Anwender haben bisher wenig bewirkt, und der diesbezügliche Optimismus hält sich auch für die Zukunft wohl in Grenzen. So hat Microsoft ein neues "Tool" namens Windows Product Application (WPA) ersonnen, mit dem zukünftig der Einsatz von Raubkopien unterbunden werden soll. Mit der nächsten Windows-Generation soll der Kunde an die Leine gelegt werden. Ein spezieller Kopierschutz verhindert, dass er das Betriebssystem auf mehreren Rechnern installieren kann. Die Idee: über einen so genannten Aktivierungsschlüssel ( Product Key) werden Rechner und Betriebssystem zu einer Einheit verbunden. Das heißt, das Betriebssystem läuft nur auf dem einen Rechner, auf dem es anfangs installiert wurde und der durch diesen Schlüssel freigeschaltet wurde.

Da die Lizenzen für das neue Betriebssystem an die Hardware gekoppelt sind, d.h. der Rechner über die Seriennummer einzelner Komponenten identifiziert wird, war die Begeisterung über das neue Leistungsmerkmal eher verhalten. Besonders anwenderfreundlich ist der Kopierschutz jedenfalls nicht. Nach dem Austausch nur einer Komponente wie zum Beispiel Festplatte oder Grafikkarte könnte der Rechner zunächst einmal lahmgelegt sein, und der Anwender müsste bei Microsoft einen neuen Schlüssel beantragen. Ein zusätzlicher Aufwand, durch den auch ehrliche Kunden vergrault werden. Zudem wäre ungewiss, wie schnell Microsoft in jedem Einzelfall reagiert. Mit unabsehbar langen Ausfallzeiten wäre zu rechnen, zumal Streitfälle vorprogrammiert sind: Wo hört das Upgrade auf, und wo fängt der neue PC an?

Außerdem wäre das Ganze ein Meilenstein auf dem Weg zum gläsernen PC-Anwender. Die hauptamtlichen Datenschützer wurden bereits hellhörig, berichtet der Informationsdienst silicon.de ). "Da gibt es auf jeden Fall Bedenken, so viel kann man jetzt schon sagen", so Walter Ernestos, beim Bundesbeauftragten für den Datenschutz in Bonn zuständig für den PC-Bereich, zu silicon.de. Allerdings könne die Behörde erst dann aktiv werden, wenn Microsoft den Kopierschutz für sein neues Betriebssystem offiziell bekannt gebe.

So weit wird es kaum kommen. Microsoft befürchtet offenbar, dass deutsche Anwender sich den Alternativen wie Linux zuwenden, oder den Umstieg auf das neue Betriebssystem möglichst lange aufschieben. Das wäre auch konsequent. Wozu auf ein neues System umsteigen, dessen Hauptunterschied gegenüber dem Vorgänger aus einem gravierenden Nachteil besteht?

 


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