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Microsoft-Kopierschutz zum Zweiten

Anwender und PC-Distributoren rebellieren

(Februar 2001)

Microsoft wird sein neues Betriebssystem, bisher unter dem vorläufigen Namen "Whistler" gehandelt, unter der Bezeichnung "Windows XP" auf den Markt bringen. Gleichzeitig wird aus Office 2000 in Zukunft "Office XP" werden. Und der neue Kopierschutz - in Microsoft-Terminologie "Produktaktivierungs-technologie" genannt - wird nun doch überall eingeführt, auch in Deutschland. "Microsoft verstärkt sein Engagement gegen Software-Piraterie durch die weltweite Integration von Aktivierungstechnologien in die nächsten Versionen von Office und Windows", heißt es in einer Presseerklärung.

Der Widerstand der Anwender (Microsoft Kopierschutz) setzt sich indessen fort. Sie wollen die Registrierung mit allen Mitteln umgehen, berichtet die PC-WELT extern: "Sollte Microsoft trotz drohender Proteste aus der Anwender-Gemeinde Whistler mit dem umstrittenen Kopierschutz ausliefern, müsse der Software-Gigant sich offenbar warm anziehen."

Die Zeitschrift beruft sich dabei auf eine Umfrage unter 1.200 Nutzern von PC-Welt extern. Demnach will sich eine klare Mehrheit der Teilnehmer nicht zur Registrierung eines käuflich erworbenen Betriebs-systems zwingen lassen. 50 Prozent der Befragten wollen versuchen, Whistler über Umwege ohne Registrierung zu nutzen. Bereits vor Veröffentlichung des neuen Betriebssystems kursieren im Internet Anleitungen, wie der Kopierschutz umgangen werden kann.

41 Prozent der Umfrage-Teilnehmer gaben an, sich Whistler aufgrund des Kopierschutzes überhaupt nicht kaufen zu wollen, sondern weiterhin mit Windows 2000 oder ME zu arbeiten. Drei Prozent der Befragten würden sich aus geschäftlichen oder privaten Gründen registrieren lassen, obwohl sie mit dem Verfahren nicht grundsätzlich einverstanden sind. Lediglich jeder zwanzigste User hat nichts gegen eine Registrierung seiner Hardware bei Microsoft.

Warum sollte er auch? Laut Microsoft-Presseerklärung hat er nur Vorteile: "Durch den Einsatz von Technologien wie der Produktaktivierung wird sicher gestellt, dass Kunden von den Vorteilen legaler Microsoft Software profitieren können. Zum Beispiel haben sie nur mit rechtmäßig erworbenen Produkten Anspruch auf technischen Support und Upgrade-Angebote."

Microsofts Lizenzbedingungen auf sandigem Fundament
Auch von Seiten des Computerhandels bekommt Microsoft Gegenwind. Der PC-Distributor Waibel hat einen Internet-Marktplatz für Windows-Lizenzen eröffnet. Nicht mehr benötigte Kopien werden gekauft, Rechner mit Lizenzen aus zweiter Hand verkauft. Schweres Geschütz fährt Andreas Waibel, Geschäfts-führer des gleichnamigen Computerdistributors, gegen Microsoft auf: "In Deutschland gibt es etwa zehn Millionen verwertbare Betriebssysteme, die in den nächsten Jahren wertlos werden, weil der Lizenznehmer seinen nächsten PC wieder mit einem Betriebssystem kauft und seinen alten Rechner mit Betriebssystem entsorgt." Laut Waibel stellen diese Lizenzen einen Wert von rund 2 Milliarden Mark dar. Um diese Gebrauchtlizenzen nutzen zu können, hat der badische Computerhändler eine Internet-Seite freigeschaltet, mit deren Hilfe alte Windows-Lizenzen für 65 und 135 Mark erstanden werden. Im Gegenzug verkauft Waibel neue Rechner mit diesen Altlizenzen. Microsoft ist bereits alarmiert: "Wir kennen den Fall und prüfen ihn." Allerdings dürfte Waibel die besseren Karten haben. Der Bundes-gerichtshof (BGH) hat den Verkauf von Betriebssystemlizenzen legalisiert, die nicht an die Hardware gebunden sind.

 


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