Stundensatz-Forderung der IT-/Engineering-Freiberufler nach Alter und Berufserfahrung

GULP Stundensatz-Auswertung August 2012

(September 2012)

 

Lesen Sie auch die Auswertungen nach: Forderung & Angebot | Position

Stundensatz nach Alter

In den letzten fünf Jahren haben Freiberufler aller Altersgruppen ihre Stundensatzforderungen erhöht. Am stärksten fiel die Erhöhung bei den 45- bis 49-Jährigen aus, die sich damit als Spitzengruppe von allen anderen Altersklassen absetzten.

Stundensatzforderung der IT-/Engineering-Freiberufler in der jeweiligen Altersgruppe (5-Jahres-Vergleich)

77 Euro fordern IT-/Engineering-Freiberufler zwischen 45 und 49 Jahren im August 2012: Das sind ganze sechs Euro mehr als noch vor fünf Jahren. Außerdem ist das mehr als jede andere Altersgruppe verlangt. Der zweite Platz geht an die Altersgruppen unterhalb und oberhalb der Spitzengruppe: 76 Euro werden sowohl von den 40- bis 44-Jährigen als auch von den 50- bis 54-Jährigen gefordert. Am unteren Ende der Skala rangieren die Freiberufler, die jünger als 35 Jahre sind: Sie fordern derzeit nur 64 Euro, also 13 Euro weniger als die Spitzengruppe. Wenigstens konnten die Unter-35-Jährigen ihre Forderungen seit August 2007 um drei Euro steigern.

Angebot und Nachfrage: Auch hier liegen die 45- bis 49-Jährigen vorne

Stundensatzforderung und -nachfrage in der jeweiligen Altersgruppe (August 2012)

Wenn man sich zusätzlich den kontaktierten Stundensatz ansieht, bleiben die Jüngeren benachteiligt: Das Honorar, zu dem die Freelancer kontaktiert werden, ist bei Ihnen so niedrig wie bei keiner anderen Altersgruppe (63 Euro). Die Spitzengruppe der 45- bis 49-Jährigen liegt auch beim kontaktierten Honorar vorne: Diejenigen, die in dieser Altersgruppe Projektanfragen erhalten, haben im Schnitt ein Honorar von 74 Euro in ihr Skill-Profil eingetragen – das ist so viel wie in keiner anderen Altersgruppe. Allerdings liegt das kontaktierte Honorar bei den 45- bis 49-Jährigen somit drei Euro unter ihren Forderungen. Bei den Unter-35-Jährigen beträgt die Differenz nur einen Euro – also scheinbar ist bei den Jüngeren die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie bekommen, was sie verlangen.

Wieder mehr jüngere IT-/Engineering-Freelancer?

Anteil der IT-/Engineering-Freiberufler in der jeweiligen Altersgruppe (5-Jahres-Vergleich)

Aktuell sind 45,4 Prozent der bei GULP eingetragenen Selbstständigen jünger als 45 Jahre. Das sind einerseits fast 20 Prozentpunkte weniger als noch vor fünf Jahren (64,9 Prozent) – ein deutlicher Rückgang. Andererseits sind es aber auch 0,6 Prozentpunkte mehr als im Februar 2012. Es wird in absehbarer Zeit keine absolute Trendwende geben, alleine aus demografischen Gründen. Aber eine langfristige Stagnation und damit keine weitere Abnahme des Anteils der Jüngeren wäre durchaus eine gute Neuigkeit.

Die anteilsmäßig stärkste Altersgruppe liegt in der „goldenen Mitte“: Mit einem Anteil von 46,7 Prozent ist fast die Hälfte der IT-/Engineering-Freelancer zwischen 40 und 50 Jahre alt.

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Stundensatz nach Berufserfahrung

Stundensatzforderung der IT-/Engineering-Freiberufler in der jew. Berufserfahrungs-Gruppe (5-Jahres-Vergleich)

Die Stundensätze, die Freiberufler fordern, steigen mit zunehmender Berufserfahrung. IT-/Engineering-Freelancer mit weniger als zehn Jahren Erfahrung verlangen derzeit im Schnitt 62 Euro pro Stunde und damit 13 Euro weniger als ihre Kollegen ab zehn Jahren Expertise. Immerhin: Vor fünf Jahren betrug die Differenz noch 16 Euro (unter zehn Jahren: 55 Euro; ab zehn Jahren: 71 Euro). Am Stundensatz-Maximum kommen Selbstständige mit 20 bis 30 Jahren Berufserfahrung an – diese Gruppe fordert im August 2012 Honorare von im Schnitt 77 Euro pro Stunde.

Bei Projektanbietern sitzt das Portmonee nicht lockerer

Stundensatzforderung und -nachfrage in der jeweiligen Berufserfahrungs-Gruppe (August 2012)

Während sich die geforderten Stundensätze in den letzten fünf Jahren – wie beschrieben – deutlich nach oben bewegt haben, sind die Stundensätze, zu denen externe Spezialisten kontaktiert werden, seitdem kaum gestiegen. Bei Freelancern mit weniger als zehn Jahren Erfahrung beträgt das kontaktierte Honorar derzeit zum Beispiel 59 Euro und damit genauso viel wie vor fünf Jahren. Die Differenz zur Forderung (62 Euro) beträgt drei Euro.

Freiberufler ab zehn Jahren Expertise kommen etwas besser weg: Bei ihnen ist der kontaktierte Stundensatz seit August 2007 von 72 auf 73 Euro gestiegen – er liegt nun „nur“ noch zwei Euro unter der oben erwähnten Forderung.

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Bei den in der Auswertung angegebenen Stundensätzen handelt es sich um Netto-Beträge, das heißt ohne Mehrwertsteuer.

Mehr zur Methodik…
Analysiert werden von den bei GULP eingetragenen Profilen jeweils die, die in den vergangenen sechs Monaten aktualisiert wurden, weil nur so auch kurzfristige Veränderungen sichtbar werden. Die Angabe des Stundensatzes im Profil ist kein Pflichtfeld. Profile ohne Honorarangabe oder mit einer, die offensichtlich falsch ist (z.B. Einträge wie „1 Euro“ oder „999 Euro“), werden nicht in die Analyse einbezogen. Grundlage für diese Stundensatz-Auswertung waren daher mehr als 25.000 Freiberufler-Profile. Für die Bestimmung der nachgefragten (kontaktierten) Stundensätze wurden mehr als 20.000 Profile derjenigen Freiberufler ausgewertet, die in den letzten sechs Monaten mindestens eine konkrete Projektanfrage erhalten haben.

Die Stundensatz-Auswertung wird halbjährlich durchgeführt. Grundlage der Analyse bilden die Stundensatzforderungen, die die mehr als 80.000 in die GULP Profiledatenbank eingetragenen IT-Freiberufler in ihrem Profil angeben. Die Auswertung greift somit auf die Profile von über 90 Prozent der in Deutschland tätigen IT-Freiberufler zurück (Berechnung basierend auf Mikrozensus 2010, Stat. Bundesamt, Wiesbaden). Die Forderungen sind die Basis für die Stundensatzverhandlungen mit den Projektanbietern und stellen in der Regel einen guten Mittelwert dar.

Sie haben höhere oder niedrigere Stundensätze erzielt? Andere Erfahrungen mit den Stundensätzen gemacht? Tragen Sie die Daten Ihres aktuellen oder abgeschlossenen Projekts in die Liste "Stundensätze in der Praxis" ein. Dort sehen Sie, welche Stundensätze im Portmonee der Freelancer landen – je nach Skill und Art des Projektes.

Lesen Sie auch die Auswertungen nach: Forderung & Angebot | Position

Die GULP Stundensatz-Auswertung gibt es seit August 1998. Zur Verbesserung der Übersichtlichkeit können wir leider nicht alle Kommentare unbegrenzt veröffentlicht lassen, sondern müssen uns auf die aktuellsten und relevantesten beschränken.

Kommentare zu diesem Artikel:

"Anmerkung der GULP Redaktion: Die PMO-Stundensätze finden Sie hier: www.gulp.de/kb/mk/ohne-sie-geht-nichts-selbststaendige-projektassistenten.html (April 2013)"

"Können Sie auch die PMO Stundensätze veröffentlichen? Diese sind immer sehr unterschiedlich. (April 2013)"

"Mir fehlt noch die Darstellung nach Dienstleistung/Produkt, für die ein Berater sich angeboten hatte. Ansonsten bin ich schockiert, das Tausende immer noch so wenig verdienen und sich anscheinend das Fell haben über die Ohren ziehen lassen. Darüber hinaus stimmt es ja auch: Die Handwerker verdienen mehr als wir IT'ler. Trotz besserer Ausgangsqualifikation und kontinuirlicher Weiterbildung. Für mich liegt das auch daran, das Vermittler den Markt mittlerweise überschwemmt haben. Jeder zweite BWLer hat erkannt, das man mit uns viel Geld verdienen kann und arbeitet geradezu gewissenlos mit Menschen wie mit Kühen. Margen können denen einfach nicht groß genug sein und da ist eine Goldgräberstimmung in diesem Lager, weil Sie immer mehr und mehr den Markt diktieren. Und wehe da kommt denen einer die Quere. Darüber sollte man sich auch unterhalten, austauschen und Statistiken führen, um diese Differenz zwischen den Kosten des Unternehmens im Vergleich zu den EK für einen Spezialisten zu hinterfragen und transparenz zu schaffen, wer wann was an uns verdient und warum manchmal Menschen von Vermittlern endlos gemobbt werden. (Dezember 2012)"

"Nicht wirklich aufschlussreich, da nicht nach Tätigkeitsbereichen unterschieden wird. Ich verlange seit 10 Jahren 65 Euro und werde dennoch fast jedesmal gefragt, ob es nicht auch für weniger ginge. Die schlimmsten Angebote waren 51€ in Zürich und 45€ in München jeweils allinclusive. Da lehne ich dann ohne Diskussion ab und lege auf. Der Installateur, der meine Gastherme gewartet hat verlangte das Doppelte. Was die Projektanbieter bezahlen und was wir Freiberufler wirklich bekommen ist mitunter ein riesen Unterschied, genannt Projektvermittler. Diese Differenz vermisse ich in Ihren Statistiken. (Oktober 2012)"

"Interessant ist dabei, daß in der Altersklasse 60 und älter der Anteil um über 100% gewachsen ist. (September 2012)"

"Ich halte es wie Red Adair: "If you dont't want to pay a profi, wait until you hire an amateur." (September 2012)"

"Mittelwerte liefern eine erste gute Auswertung - Mittelwerte mit jeweiliger Standardabweichung liefern eine bessere Auswertung. (August 2012)"

"Die Differenzierung nach Branchen wäre wünschenswert (März 2012)"

"Bin über 60 und die Leistung ist ausgezeichnet. Bei Lernfähigkeit, Flexibilität und Einstellung auf andere Teammitglieder bin ich sicher vorbildlich. Bei der großen Klappe mancher jüngeren und weniger gebildeten kann ich jedoch nicht mithalten. Ich komme nur zum Zug, wenn kein 40-jähriger mit gleicher Qualifikation da ist. Dennoch ist es in den letzten 5 Jahren besser geworden. Die Blüm'sche Aussortiererei "ab 50 in den Ruhestand" hat inzwischen ihre Sinnlosigkeit gezeigt. (August 2011)"

"Der Artikel und die Untersuchung ist prima! Ich weiß, dass GULP ja hauptsächlich freie Mitarbeit vermittelt, eine Gegenüberstellung mit normalen Sätzen von Unternehmen mit Rechtsform wäre jedoch sicher auch für die Sache hilfreich. (Oktober 2010)"

"Ich finde diesen Artikel ausgezeichnet und sehr detailliert. Er ist ein hervorragender Anhaltspunkt, wie man seine eigenen Erwartungen positioniert. Außerdem entspricht er sehr genau meinen persönlichen Erfahrungen. (September 2010)"

"Ich habe ähnliche Erfahrungen. Der Jugendkult zieht in der IT nicht, hier braucht es messbare Ergebnisse. Die kann nur der erzielen, der gewisse Erfahrungen mitbringt. Während ein 30jähriger noch mühsam an seinem verschachtelten SQL herumbastelt, konnte ich schon eine Reihe anderer Aufträge erledigen. (März 2009)"

"Entspricht exakt meinen Erfahrungen. GULP am Puls der Zeit. (März 2009)"

"Der Marktführer Gulp behauptet mit solchen unvoreingenommenen Artikeln seine Stellung. (Februar 2008)"

"Ich finde Ihre Informationen über die Stundensatzentwicklung sehr interessant, ja positiv anregend. Leider aber scheint diese Entwicklung an mir (Jg 1950, Berufserfahrung deutlich > 25 J.) vorbei zu gehen oder ich mache etwas falsch. Jedenfalls sind Forderungen ab 60 EUR für mich fast illusorisch, von 65 - 70 wie in Ihrer Untersuchung wage ich (klassischer Host-Entwickler, in 2002 noch 80 EUR) kaum zu träumen. Es gab in der jüngsten Zeit sogar ein Angebot von 39 EUR! In Köln! Ich bin - wie gesagt - kein Anfänger und ich bin nicht der einzige meiner 'Klasse', dem es so geht. Was mache/n ich/wir falsch? Erfahrung zählt vielleicht doch nicht soviel, wie sie sollte. Lieber ein billiger Anfänger als ein gestandener Fachmann, der viel effektiver (und dadurch billiger) arbeiten kann? (August 2006)"

"Der geforderte Preis ist das eine, der gezahlte ein anderer. Manchmal ist der konkret gezahlte auch höher. (Dezember 2005)"

"Aus meiner Sicht zu pauschal. Bei Freiberuflern verschiedener Branchen gibt es ja unter Umständen große Unterschiede. (August 2005)"

"Sehr informativ. Endlich eine Möglichkeit, seine Position auf dem Markt identifizieren und analysieren zu können. (August 2005)"

"Interessanter Artikel, gerade was die Berufserfahrung angeht. Allerdings ist im Hinblick hierauf vielleicht noch zu erwähnen, dass 10 Jahre Berufserfahrung in der IT häufig nicht mit 4-5 Jahren Erfahrung in einem speziellen Bereich gleichzusetzen sind. Meine persönliche Erfahrung zeigt, dass sich eine Spezialisierung auf ein Fachgebiet bereits nach 3-4 Jahren auszahlt. (April 2005)"

"Sehr interessante Auswertung, die hilft einen eigenen Stundensatz marktnäher zu gestalten. DANKE (Februar 2004)"

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Grundlage der Analyse bilden die Stundensatzforderungen, die die mehr als 80.000 in die GULP Profiledatenbank eingetragenen IT-Freiberufler in ihrem Profil angeben. Die Auswertung greift somit auf die Profile von über 90 Prozent der in Deutschland tätigen IT-Freiberufler zurück (Berechnung basierend auf Mikrozensus 2010, Stat. Bundesamt, Wiesbaden).

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