Verteilung der Stundensatz-Forderung der IT-/Engineering-Freiberufler

GULP Stundensatz-Auswertung August 2012

(September 2012)

 

Lesen Sie auch die Auswertungen nach: Lebensalter & Berufserfahrung | Position

Die langfristige Entwicklung der Freiberufler-Honorare lässt sich an der Entwicklung des Durchschnitts-Stundensatzes (derzeit 74 Euro) erkennen. Außerdem ist ein Blick auf die Verteilung der aktuellen Stundensatzforderung aufschlussreich – und deren Gegenüberstellung mit der Nachfrage: Wie häufig werden Selbstständige mit der jeweiligen Honorarforderung von Projektanbietern kontaktiert? Hierzu lesen Sie mehr in diesem Abschnitt.

Verteilung der Stundensatzforderung der IT-Engineering-Freiberufler (5-Jahres-Vergleich)

Aktuell fordert fast die Hälfte der IT-/Engineering-Selbstständigen Honorare zwischen 60 und 80 Euro
(47,3 Prozent) – sie alle liegen nah am Durchschnitt von 74 Euro. Im August 2007 forderten die bei GULP eingetragenen Selbstständigen einen durchschnittlichen Stundensatz von 70 Euro und damit vier Euro weniger als im Moment. Folgerichtig lässt sich an der Kurve erkennen: Der Anteil der Freiberufler, die Honorare von unter 70 Euro fordern, hat in den letzten fünf Jahren abgenommen – und zwar um 10,9 Prozentpunkte von 48,6 Prozent (August 2007) auf 37,7 Prozentpunkte (August 2012). Insgesamt ist die Kurve im Laufe der letzten fünf Jahre flacher geworden. Interessant: Mittlerweile fordern mehr als zehn Projekt der Consultants Stundensätze ab 100 Euro (August 2007: 7,2 Prozent, August 2012: 10,5 Prozent).

Eine Frage der Nachfrage: Welche Freiberufler erhalten Projektanfragen?

Verteilung der Stundensatzforderung und -nachfrage (August 2012)

Welchen Stundensatz haben diejenigen Freiberufler in ihrem Skill-Profil, die in den letzten sechs Monaten über GULP von Projektanbietern kontaktiert wurden, also ein konkretes Angebot zur Mitarbeit in einem IT-Projekt erhalten? Diese Skill-Profile waren letztendlich für die Projektanbieter interessant – sie wurden nachgefragt. Wie bereits erwähnt, fordern 37,7 Prozent der IT-/Engineering-Consultants Stundensätze unter 70 Euro. 39,8 Prozent der Kontakte gingen an diese Stundensatz-Gruppe, also 2,1 Prozentpunkte mehr. Bei der Stundensatzgruppe zwischen 70 und 109 Euro hält sich Angebot und Nachfrage in etwa die Waage (Forderung: 57,2 Prozent, Nachfrage: 57,5 Prozent). Die 5,1 Prozent der Freelancer, deren Honorarwünschen jenseits der 110 Euro liegen, verbuchen nur 2,7 Prozent der Kontakte.

Dass Projektanbieter preisbewusst handeln, ist nichts Neues, denkt man – doch im Fünf-Jahres-Vergleich zeigt sich, dass Projektanbieter aktuell im Schnitt teurere Freelancer kontaktieren: Im Moment gehen 57,5 Prozent der Kontakte an IT-/Engineering-Freiberufler mit Stundensatzforderungen zwischen 70 und 109 Euro – das sind glatte 2,0 Prozentpunkte mehr als im August 2007. Im gleichen Maße nahm der Anteil der Kontakte an günstigere Freelancer mit Honoraren unter 70 Euro ab.

Welches Honorar sollte der Freelancer ins Skill-Profil eintragen?

Der Stundensatz im Skill-Profil sollte möglichst der Realität entsprechen. Ein zu hoher Stundensatz als "erstes Verhandlungsangebot" kann leicht dazu führen, dass es überhaupt nicht zu Verhandlungen kommt, weil der Freelancer durch das Raster des Projektanbieters fällt. Ein zu niedriger Stundensatz als Lockangebot ist erst recht nicht zu empfehlen. Wenn der Selbstständige bei der persönlichen Verhandlung dann doch mehr haben will, leidet die Vertrauensbasis – ganz abgesehen davon, dass es fraglich ist, ob er dann noch mehr bekommt. Es empfiehlt sich also ein realistischer Durchschnittswert. Bei Bedarf können Freelancer direkt in ihrem GULP Profil in das Kommentarfeld neben dem Stundensatz weitere Erläuterungen schreiben (zum Beispiel "plus 5 Euro außerhalb Münchens" oder "gilt für Entwicklung; Projektleitung ab 75 Euro"). Bei der Bestimmung eines realistischen Wertes hilft der GULP Stundensatz Kalkulator, mit dem Freiberufler den branchenüblichen und marktgerechten Stundensatz für ihre Skills ermitteln können. Auch für "alte Hasen" lohnt es sich sicherlich, die Honorarforderungen einem regelmäßigen Realitätscheck zu unterziehen.

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Bei den in der Auswertung angegebenen Stundensätzen handelt es sich um Netto-Beträge, das heißt ohne Mehrwertsteuer.

Mehr zur Methodik…
Analysiert werden von den bei GULP eingetragenen Profilen jeweils die, die in den vergangenen sechs Monaten aktualisiert wurden, weil nur so auch kurzfristige Veränderungen sichtbar werden. Die Angabe des Stundensatzes im Profil ist kein Pflichtfeld. Profile ohne Honorarangabe oder mit einer, die offensichtlich falsch ist (z.B. Einträge wie „1 Euro“ oder „999 Euro“), werden nicht in die Analyse einbezogen. Grundlage für diese Stundensatz-Auswertung waren daher mehr als 25.000 Freiberufler-Profile. Für die Bestimmung der nachgefragten (kontaktierten) Stundensätze wurden mehr als 20.000 Profile derjenigen Freiberufler ausgewertet, die in den letzten sechs Monaten mindestens eine konkrete Projektanfrage erhalten haben.

Die Stundensatz-Auswertung wird halbjährlich durchgeführt. Grundlage der Analyse bilden die Stundensatzforderungen, die die mehr als 80.000 in die GULP Profiledatenbank eingetragenen IT-Freiberufler in ihrem Profil angeben. Die Auswertung greift somit auf die Profile von über 90 Prozent der in Deutschland tätigen IT-Freiberufler zurück (Berechnung basierend auf Mikrozensus 2010, Stat. Bundesamt, Wiesbaden). Die Forderungen sind die Basis für die Stundensatzverhandlungen mit den Projektanbietern und stellen in der Regel einen guten Mittelwert dar.

Sie haben höhere oder niedrigere Stundensätze erzielt? Andere Erfahrungen mit den Stundensätzen gemacht? Tragen Sie die Daten Ihres aktuellen oder abgeschlossenen Projekts in die Liste "Stundensätze in der Praxis" ein. Dort sehen Sie, welche Stundensätze im Portmonee der Freelancer landen – je nach Skill und Art des Projektes.

Lesen Sie auch die Auswertungen nach: Lebensalter & Berufserfahrung | Position

Die GULP Stundensatz-Auswertung gibt es seit August 1998. Zur Verbesserung der Übersichtlichkeit können wir leider nicht alle Kommentare unbegrenzt veröffentlicht lassen, sondern müssen uns auf die aktuellsten und relevantesten beschränken.

Kommentare zu diesem Artikel:

"Informationen, die einem als Einsteiger extrem helfen! (April 2010)"

"Dieser Artikel und deren separate Auswertungen nach diversen Kriterien ist äußerst interessant und auch hilfreich für die eigene Positionsauslotung. (März 2010)"

"Wichtige Orientierungshilfe! (März 2010)"

"Obwohl ich schon viele Jahre bei GULP registriert bin und mir regelmäßig die sehr informativen Auswertungen ansehe, ist mir die Auswertung "Stundensatz-Auswertung nach Forderung und Projektangebot" bisher irgendwie entgangen. In meinen Augen ein weiteres unersetzliches Tool (neben dem Stundensatz-Kalkulator) zur eigenen Markt-Positionierung. Bravo GULP, weiter so. Ich hoffe, ihr lasst auch in der jetzt wohl nahenden Krise qualitativ nicht nach, sondern haltet den hier gebotenen hohen Standard aufrecht. Gerade das Gesamtpaket - inklusive der Artikel, Umfragen, Auswertungen etc. - macht GULP auf dem deutschsprachigen Markt bisher einzigartig und konkurrenzlos. (März 2009)"

"Der Stundensatz, der verlangt bzw. gezahlt wird, sagt leider nichts über die Qualität der Arbeit oder Aufgabe aus. Die veranschlagten Projektlaufzeiten werden nie durch eine Ausschreibung und Aufwandsschätzung erzielt, sondern ausschließlich von anderen festgelegt und da zählt immer nur der Preis. Der ist auch vom Standort abhängig. Freiberufler, die außerhalb der Ballungszentren wohnen, haben einen wesentlich höheren Reisekostenaufwand, der muss auch irgendwo herkommen. Der Projektvermittler kassiert oft auch einen zu hohen Anteil. Aus meiner Sicht ist die Veranschaulichung sicher als Orientierung hilfreich, hat aber keine Auswirkungen. (Februar 2009)"

"Hochinteressant, mache mich gerade als Freiberufler im Engineeringsektor selbstständig. Am informativsten fand ich aber die Kommentare dazu, sie gewichten den Artikel. Vielen Dank (Juli 2007)"

"Ich bin der Meinung, dass man sich als Freiberufler nicht unter einem Stundensatz von 75 Euro anbieten sollte. Dies hört sich zwar hart an, aber die Kosten für die soziale Absicherung belaufen sich ja schon auf ca. 2.000 bis 2.500 Euro monatlich. Außerdem kann man nicht immer von einer Vollauslastung ausgehen. Auf keinem Fall darf man die Rücklagen für die auftragslosen Zeiten vergessen. Bei unter 75 Euro/Std. würde ich eine Festanstellung bevorzugen. (März 2007)"

"Vielen Dank für diese Statistiken. Auch wenn man die Forderungen nicht 1:1 umsetzen kann, gibt es einem doch immer wieder eien Orientierung für zukünftige Aufträge. (August 2006)"

"Excellent. (August 2006)"

"Sehr informativ und hilfreich. (April 2006)"

"Meine Erfahrungen aus der Praxis zeigen - auch im Durchschnitt - um einiges höhere Preise... Mag auch an der Region (München) und dem Sektor (Banken) liegen... (August 2005)"

"Sehr aufschlussreich und informativ. (Juli 2005)"

"Eine wichtige und sehr nützliche Orientierungshilfe für die Einschätzung der Marktsituation (Februar 2004)"

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Grundlage der Analyse bilden die Stundensatzforderungen, die die mehr als 80.000 in die GULP Profiledatenbank eingetragenen IT-Freiberufler in ihrem Profil angeben. Die Auswertung greift somit auf die Profile von über 90 Prozent der in Deutschland tätigen IT-Freiberufler zurück (Berechnung basierend auf Mikrozensus 2010, Stat. Bundesamt, Wiesbaden).

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