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Umfrage-Ergebnis

Stundensatz Teil 6

(März 2006)
 

Die halbjährliche GULP Stundensatz-Auswertung im Februar 2006 hat gezeigt, dass sich bei den Honorarforderungen der Freiberufler weiterhin Entspannung durchsetzt: Im letzten halben Jahr stiegen die Forderungen um einen weiteren Euro auf durchschnittlich 66 Euro. Damit können IT-Selbstständige so langsam wieder aufatmen, denn der langandauernde Sinkflug der Honorare ist gestoppt. Das bedeutet für Projektanbieter aber auch, dass sie für die gleiche Leistung wieder tiefer in die Tasche greifen müssen.

Wie Projektanbieter und Freiberufler die Entwicklung der Stundensätze und Margen im Jahr 2006 sehen, hat GULP in der jährlichen Stundensatz-Umfrage eruiert. Befragt wurden 40 Projektanbieter und 502 IT-Freiberufler.
Beachten Sie auch die Umfrage-Ergebnisse 1999, 2000, 2001, 2004, 2005, 2007, 2008, 2009 und 2010.

 

Wie werden sich die Stundensätze in absehbarer Zeit entwickeln? nach oben
   
Wie werden sich die Stundensätze in absehbarer Zeit entwickeln?
Wie werden sich die Stundensätze in absehbarer Zeit entwickeln?
 
 
IT-Freiberufler
1999
2000
2001
2004
2005
2006
Sinken.
17%
16%
30%
24%
18%
17%
Steigen.
44%
57%
29%
44%
48%
50%
Keine Änderung.
39%
27%
41%
32%
33%
33%
 
   
Der Anteil zuversichtlicher Freiberufler nimmt weiter zu, was aber angesichts der Meldungen von steigenden Stundensätzen und anziehender Nachfrage im ITK-Markt nicht verwundert. Genau die Hälfte der befragten Freiberufler erwartet ein weiteres Ansteigen der Honorare und nimmt damit Kurs auf die Werte vom Jahr 2000 mit
57 %. Nach wie vor unverändert spricht sich ein Drittel der Freiberufler für stabile Honorare aus, und die Pessimisten werden langsam aber sicher weniger.
 
   
 
Projektanbieter
1999
2000
2001
2004
2005
2006
Sinken.
50%
26%
53%
32%
17%
15%
Steigen.
41%
52%
28%
39%
51%
50%
Keine Änderung.
9%
22%
19%
29%
32%
35%
 
   

Auch die Projektanbieter rechnen immer weniger mit sinkenden Stundensätzen. Trotz eines leichten Anteilsverlustes plädiert immerhin noch die Hälfte von ihnen für steigende Honorare. Den stärksten Zuwachs von 32 % auf 35 % verzeichneten aber die auf stabile Honorare hoffenden Anbieter. Offensichtlich tendieren immer mehr von ihnen zu der Ansicht, dass die Honorare wieder ein für beide Seiten akzeptables Niveau erreicht haben.

 

 

Bevorzugen Sie nach Festpreis oder nach Aufwand bezahlte Projekte? nach oben
   
Bevorzugen Sie nach Festpreis oder nach Aufwand bezahlte Projekte?
Bevorzugen Sie nach Festpreis oder nach Aufwand bezahlte Projekte?
 
 
IT-Freiberufler
1999
2000
2001
2004
2005
2006
Festpreis.
9%
14%
12%
13%
13%
12%
Aufwand.
76%
76%
81%
80%
78%
79%
Egal.
15%
10%
7%
7%
9%
 9%
 
   
Keine Frage, auch im Jahr 2006 hat sich nichts daran geändert, dass nach Aufwand bezahlte Projekte die attraktivere Option für IT-Freiberufler sind. Damit laufen sie nicht Gefahr, unkalkulierbare Risiken einzugehen und unbezahlte Mehrstunden leisten zu müssen.  
   
 
Projektanbieter
1999
2000
2001
2004
2005
2006
Festpreis.
10%
3%
32%
16%
23%
 17%
Aufwand.
57%
91%
64%

74%

57%
 80%
Egal.
33%
6%
4%
10%
19%
 3%
 
   

Obwohl man meinen könnte, dass Projektanbieter bei Festpreisprojekten die höhere Planungssicherheit haben, bevorzugen immer weniger von ihnen diese Zahlungsvariante. Um 23 Prozentpunkte deutlich zugenommen hat der Anteil der Befragten, die eine Aufwandsvergütung präferieren, und zwar von 57 % auf 80 %. Demgegenüber ging die Zahl der Anbieter, denen die Zahlungsart egal ist, drastisch zurück. Somit sind sich Freiberufler und Projektanbieter also auch in diesem Punkt wieder weitgehend einig.

 

 

Wie hoch liegen durchschnittlich die Margen?
(Stundensatz des Endkunden minus Stundensatz des Freiberuflers)
nach oben
   
Wie hoch liegen durchschnittlich die Margen?
Wie hoch liegen durchschnittlich die Margen?
 
 
IT-Freiberufler
1999
2000
2001
2004
2005
2006
Euro
19,4
19,4
24,7
26,5
25,2
 25,8
 
   
 
Projektanbieter
1999
2000
2001
2004
2005
2006
Euro
15,9
17,4
22,3
24,2
21,5
20,8
 
   
Die Margen sind im IT-Projektmarkt ein heißes Thema. Für die eine Partei fallen sie generell zu hoch aus, für die andere Partei sind sie angemessen bzw. bisweilen zu niedrig. Aber angesichts der Tatsache, dass die Margen für die eine Seite den Lohn schmälern, für die andere Seite aber Vergütung ihrer täglichen Arbeit sind, erscheint das verständlich. Und so liegen die Projektanbieter mit ihren Antworten zur Höhe der Marge seit Erhebungsbeginn 1999 immer deutlich unter den Angaben der Freiberufler. Im Jahr 2006 sehen sie die Margen mit durchschnittlich 20,8 Euro weiter im leichten Rückwärtsgang, während die Freiberufler eine geringe Steigerung auf 25,8 Euro konstatieren. Einig ist man sich beim Punkt "Margen" nur darin, dass sie über der 20 Euro-Marke liegen.  

 

Verdienen Freiberufler zu viel im Vergleich zu ihren festangestellten Kollegen? nach oben
   
Verdienen Freiberufler zu viel im Vergleich zu ihren festangestellten Kollegen?
Verdienen Freiberufler zu viel im Vergleich zu ihren festangestellten Kollegen?
 
 
IT-Freiberufler
1999
2000
2001
2004
2005
2006
Ja, zu viel.
4%
5%
7%
2%
3%
 4%
Nein, zu wenig.
33%
38%
28%
46%
44%
 46%
Passt so.
63%
57%
65%
52%
53%
50%
 

 

 
Die Hälfte der befragten Freiberufler empfindet ihre Bezahlung als passend und fühlt sich damit gegenüber ihren festangestellten Kollegen nicht benachteiligt. Nichts desto trotz empfindet sich mit immerhin 46 % ein großer Teil der IT-Selbstständigen weiterhin als unterbezahlt.  
   
 
Projektanbieter
1999
2000
2001
2004
2005
2006
Ja, zu viel.
38%
34%
34%
15%
26%
20%
Nein, zu wenig.
6%
16%
6%

30%

19%
 32%
Passt so.
56%
50%
60%
55%
55%
 48%
 
   
Ähnlich wie bei den Freiberuflern ist auch der Großteil der Projektanbieter überzeugt, dass die Bezahlung von Freiberuflern im Vergleich zu festangestellten Mitarbeitern angemessen ist. Interessant ist aber hier die fast sprunghafte Zunahme von 19 % auf 32 % bei den Anbietern, die IT-Freiberufler als unterbezahlt ansehen. Somit zeigen sie offenbar wieder mehr Verständnis für das unternehmerische Risiko, das freiberufliche IT-Spezialisten zu tragen haben. Allerdings findet noch jeder Fünfte von ihnen, dass Freiberufler deutlich überbezahlt sind.  

 

Nennen Projektanbieter einem Freiberufler auf Anfrage, wieviel Sie für ihn beim Endkunden fakturieren? nach oben
   
Nennen Projektanbieter einem Freiberufler auf Anfrage, wieviel Sie für ihn beim Endkunden fakturieren?
Nennen Projektanbieter einem Freiberufler auf Anfrage, wieviel Sie für ihn beim Endkunden fakturieren?
 
 
IT-Freiberufler
1999
2000
2001
2004
2005
2006
Ja.
36%
23%
34%
31%
33%
31%
Nein.
64%
77%
66%
69%
67%
69%
 
   
 
Projektanbieter
1999
2000
2001
2004
2005
2006
Ja.
45%
42%
45%
38%
47%
53%
Nein.
55%
58%
55%

62%

53%
47%
 
   
Bei den IT-Freiberuflern ist die Schere zwischen dem Bejahen und Verneinen dieser Frage deutlich größer als bei den Projektanbietern: Mehr als zwei Drittel (69 %) der Freiberufler erfahren demnach nicht, wie viel der Projektanbieter dem Endkunden für sie in Rechnung stellt. Demgegenüber spricht sich über die Hälfte (53 %) der Projektanbieter dafür aus, dass sie auf Nachfrage sehr wohl bekannt geben, was die Vermittlung kostet. Wie schon erwähnt, sind die Margen ein brisantes Thema, an dem sich die Geister scheiden.  

 

Wie liegen Freiberufler mit ihren Stundensatzforderungen? nach oben
   
Wie liegen Freiberufler mit ihren Stundensatzforderungen?
Wie liegen Freiberufler mit ihren Stundensatzforderungen?
 
 
IT-Freiberufler
1999
2000
2001
2004
2005
2006
Eher zu hoch.
13%
7%
11%
10%
14%
15%
Eher zu niedrig.
34%
50%
35%
36%
30%
31%
Meist richtig.
53%
43%
54%
54%
56%
54%
 
   
 
Projektanbieter
1999
2000
2001
2004
2005
2006
Eher zu hoch.
69%
49%
64%
35%
47%
37%
Eher zu niedrig.
10%
15%
9%

20%

17%
15%
Meist richtig.
21%
36%
28%
45%
36%
48%
 
   
Alles in allem stimmt mit 54 % bzw. 48 % der Großteil der Freiberufler und Projektanbieter überein, dass selbstständige IT-Spezialisten mit ihren Honorarforderungen meist richtig liegen. Somit decken sich also die finanziellen Vorstellungen beider Parteien in annähernd 50 % aller Fälle. Während aber fast ein Drittel der IT-Freiberufler ihre Honorare als zu niedrig einschätzt, sehen immer noch 37 % der Projektanbieter diese als zu hoch an. Allerdings hat sich ihr Anteil in den letzten zwölf Monaten reduziert, so dass einige Anbieter ihre Einstellung angesichts der aktuellen Marktlage überdacht haben.

Die Erwartungen für das laufende Jahr im IT-Projektmarkt sind hoch. Die Wirtschaftsmeldungen über ein weiteres Wachstum und mehr Investitionen der ITK-Branche überschlagen sich und heizen diese zusätzlich an. Im Moment haben sich Freiberufler und Projektanbieter beim Thema Stundensätze mit ihren Vorstellungen wieder weitestgehend angenähert. Je nachdem, was die weitere Entwicklung in der Branche bringt, wird sich zeigen, ob die momentane Waage stärker zu Gunsten einer Seite ausschlagen wird.

 

 

Umfrage-Ergebnisse 1999, 2000, 2001, 2004, 2005, 2007, 2008, 2009 und 2010.

 


Kommentare zu diesem Artikel:

"Interessant finde ich, dass Freiberufler und Vermittler hier doch wesentlich näher beinander sind als ich dachte. Nichtsdestoweniger sollte meiner Ansicht nach ein Vermittler nur eine einmalige Gebühr bekommen wie auch jeder andere Makler, Agent im Bereich Immobilien, Versicherungen etc. Dass er bis auf den Sankt Nimmerleinstag von meiner Qualität und Wiederverlängerung mitverdient, sehe ich nicht ein. Ich versuche möglichst, direkt mit dem Kunden einen Vertrag abzuschließen, aber das gelingt nur im Freundes- und Bekanntenkreis. Ansonsten hemmt der Kundenschutz, bei dem ich mir aber mittlerweile leisten kann, ihn rauszustreichen oder auf ein Minimum reduzieren zu lassen. (Juni 2006)"

"Ich finde die Transparenz, die durch diese GULP-Umfragen geschaffen wird gut. Schließlich verdeutlicht sie, dass es einen Markt der Freiberufler und einen der Projektanbieter gibt. Das wird allzu oft vermengt. Der Endkunde hat sicherlich einen Vorteil, wenn er Vorauswahl, Haftung, Ersatzstellung aus einer Hand bekommt. Gleichzeitig kann er Preise für Volumina staffeln und in schlechten Zeiten auch rückwirkend nachverhandeln, wenn der Vermittler im Geschäft bleiben will. Seine Aufwände für Recruiting sind begrenzt. Dem Freiberufler wird andererseits die Akquise abgenommen, die er in der Regel eh als lästig empfindet. Seine Nettoauslastung ist höher, wenn die Akquise durch Vermittler beschleunigt wird und auch in Sachen Haftung ist die Durchsetzbarkeit mit dem Vermittler in der Mitte eine andere. Die Annahme, ein Freiberufler würde die gleichen Sätze erzielen wie ein Vermittler ist sicherlich eine seltene Ausnahme. Und auch die angenommene 1:1-Beziehung zwischen der eigenen Rate und der des Vermittlers vernachlässigt Mischkalkulationen und nachträgliche Rabatte. Diese Sichtweise ist eh nie vorzufinden, wenn der Vermittler scharf kalkuliert, um beispielsweise bei einem Kunden Fuß zu fassen oder um nicht rauszufliegen. Letztendlich ist es doch nur wichtig, dass es fair und angemessen zugeht. Das beinhaltet die gesamte Vertragsgestaltung, den Umgang miteinander und nicht nur die Raten. Wenn zu viel beim Vermittler hängen bleibt, heißt dass doch nur, dass der Kunde einen zu hohen Preis für eine Qualität bezahlt, die er günstiger haben kann. Das geht eh nicht lange für den Vermittler gut. Andersrum wird der Freiberufler auch nicht zögern, das bessere Projekt zu wählen, wenn er alternative Angebote hat. Es gibt genügend Vermittler, das wissen Endkunde und Freiberufler. Einfach mal die Augen und Ohren offen halten. Kein Freiberufler kann gezwungen werden, er ist selbständig. Unglücklich zu sein, weil es dem Vermittler bei dem Geschäft gut geht, heißt doch nur, dass der Freiberufler sich schlecht verkauft hat oder neidisch ist. Beides kann man lernen. Die veröffentlichten Aufschläge entsprechen im Übrigen meinen Erfahrungen. (März 2006)"

"Ich betrachte die sog. "Vermittler" als Kunden und Partner. Es kommt aber darauf an, mit einigen wenigen, ausgesuchten und vertrauenswürdigen zusammenzuarbeiten. In meinem Fall beträgt die "Marge" derzeit 7,50 Euro. Einige Freiberufler vertreten die Meinung, dass sie im Falle einer direkten Zusammenarbeit mit dem Endkunden automatisch einen besseren Honorarsatz erzielen könnten, da die Vermittler-Marge "fair" aufgeteilt würde. Das halte ich für naives Wunschdenken von unerfahrenen Berufskollegen, die noch nie einem Einkäufer gegenüber gesessen haben. Aus der Praxis kenne ich Beispiele von Freiberuflern, die mit direktem Vertrag weniger verdienen als Projektkollegen über zwischengeschaltete Dienstleister. (März 2006)"

"Es wäre hilfreicher, wenn mehr Endkunden mit den Freiberuflern direkt in Kontakt treten würden, anstatt den gleichen Projektauftrag einigen Vermittlern parallel anzubieten; abgesehen davon könnten beide Seiten aus finanzieller Sicht besser miteinander verhandeln und profitieren. (März 2006)"

"Diese Übersicht ist insbesondere für Frischlinge bzw. Noch-Neulinge (bis zu 3 Jahre am Projektmarkt) echt hilfreich. Der Trend ist, wie ich selber einschätze, eher positiv. (März 2006)"

"Und wieder fragt man sich, welche Margen gerechtfertigt sind. Bei manchen Vermittlern muss ich sagen, sind auch 10 Euro zuviel. Wenn ich einmal annehme, dass jeder Vermittler mindestens 5 Consultants im Monat unterbringt (warum ist er sonst Vermittler) sind das bei "nur" 10 Euro Marge immerhin ein Bruttoüberschuss (vor allen Ausgaben!) von 8.000 Euro. Ich denke, das ist durchaus ausreichend. Aber was soll's, für hervorragende Betreuung akzeptiere ich durchaus auch mehr - ansonsten arbeite ich weiter mit direkter Akquise! (März 2006)"

"Früer oder später habe ich die Marge immer erfahren. Das passiert dann z.B. beim Mittagessen in der Kantine, oder wenn ich als Projektleiter kalkulieren muss und dann ganz automatisch auch meine Leistung zum Verrechnungssatz des Kunden mit einbeziehen muss. Daher halte ich es persönlich für wenig förderlich, die Marge verschweigen zu wollen. Jede Seite möcht leben, jedoch wird der Hauptteil der Leistung vom Freiberufler erbracht. Wenn er dann auch noch die Vorarbeit leistet und dem Vermittler ein perfekt ausgearbeitetes Profil zur Verfügung stellt, das Vorstellungsgespräch vollständig selbst führt, dann der Vermittler sowieso schon mehere Consultants im Unternehmen platziert hat, sind Margen von 20% und mehr schwer vermittelbar. Dies ist immer wieder eine ärgerliche Angelegenheit. (März 2006)"

"Abgesehen davon, dass der überwiegende Teil der sog. "Projektvermittler" keine Aussage über die Marge macht, lag bzw. liegt dieser immer noch bei 20-30 Euro/h. Wenn dann noch der Endkunde über einen IT-Vertragspartner beliefert wird, eine Personalagentur hinzukommt, dann sind es schon 40-60 Euro. Der naive Kunde zahlt also 100 Euro, bekommt dafür aber nur eine Leistung von 60 Euro. Der Freiberufler hat faktisch einen Vertrag mit zwei "Vermittlern" - da sind Probleme vorprogrammiert. Die Endkunden sollen endlich aufwachen! (März 2006)"

"Sehr interessant! Jetzt frage ich sicher nach, was dem Kunden fakturiert wird. (März 2006)"


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