 |
|
Umfrage-Ergebnis: Verhandlungssache
Stundensatz
Gesteigertes
Selbstbewusstsein trifft auf wachsende Zurückhaltung |
| (Juli 2006) |
| Stundensatzverhandlungen sind für ihre Akteure
meist mit mehreren Fragezeichen verbunden: Ist der geforderte Stundensatz
für mein Gegenüber überhaupt attraktiv oder katapultiert
er mich vorzeitig aus dem Rennen? Welchen Spielraum nach oben oder
unten habe ich? In welchen Dimensionen sind Zuschläge bzw.
Rabatte durchsetzbar? Wie hoch kann ich pokern, um meine Preisvorstellung
zu realisieren?
Für beide Vertragspartner ist es äußerst hilfreich,
die finanziellen Spielräume der jeweils anderen Seite auszuloten,
um für sich selbst das Bestmögliche herauszuholen. Orientierungshilfe
bietet das vorliegende Umfrage-Ergebnis. GULP befragte 481 IT-Freiberufler
und 40 Projektanbieter, in welcher Höhe Zuschläge und
Rabatte für sie verhandelbar
sind und wie sie die Honorarforderungen im IT-Projektmarkt generell
einschätzen. Erste unübersehbare Diskrepanzen ergeben
sich demnach hinsichtlich der Stundensatzhöhe: |
Frage an IT-Freiberufler:
Wie liegen Sie mit Ihren Stundensatzforderungen bei Honorarverhandlungen?
Frage an Projektanbieter?
Wie liegen Freiberufler mit ihren Stundensatzforderungen bei Honorarverhandlungen? |
|
| |
|
 |
|
| |
|
| Während der prozentual größte Anteil
(41 %) der IT-Freiberufler meint, mit ihren Honorarforderungen genau
ins Schwarze zu treffen, sehen das die befragten Projektanbieter etwas
anders. Für über die Hälfte (55 %) von ihnen sind die
verlangten Stundensätze schlichtweg zu hoch. Damit ist ihr Anteil
im Vergleich zum Jahr
2003 um 34 % gewachsen. Damals befanden sich die Stundensätze
der Freiberufler weiter im freien Fall, der erst im Jahr 2005 gestoppt
wurde. Die einsetzende Erholung der Freiberufler-Stundensätze
zeigt also offenbar bei den Projektanbietern erste Wirkung. Während
die eine Seite versucht, ihren derzeitigen Status weiter durchzusetzen,
steuert die andere Seite dagegen. Erste Maßnahme: Geringere
Zuschläge als noch vor drei Jahren akzeptieren. |
|
Frage an IT-Freiberufler:
Wie viel schlagen Sie auf Ihren Stundensatz auf, wenn Sie in einer
anderen Stadt arbeiten sollen (Unterbringung, Fahrtkosten ...)? (Durchschnittswert)
Frage an Projektanbieter:
Wie viel kann ein Freiberufler auf seinen Stundensatz aufschlagen,
wenn er in einer anderen Stadt arbeitet? (Durchschnittswert) |
|
| Jahr |
2006 |
|
2003 |
|
| IT-Freiberufler |
16 Euro |
 |
16 Euro |
 |
| Projektanbieter |
13 Euro |
 |
27 Euro |
 |
|
| |
|
| Während die IT-Freiberufler mit konstanten 16
Euro überraschen, die sie für entstehende Kosten bei einem
heimatfernen Projekteinsatz aufschlagen, kalkulieren die Auftraggeber
in solchen Fällen mit maximal 13 Euro. Damit haben sie ihre ehemals
große Spendierfreudigkeit spürbar gedrosselt. Sie zahlen
nur noch die Hälfte dessen, was im Jahr 2003 möglich gewesen
wäre. Für IT-Freiberufler ergibt sich damit in solchen Fällen
deutlich weniger Verhandlungsspielraum. Oftmals werden solche Verhandlungen
durch die im IT-Projektmarkt vorherrschenden all-in-Preise von vornherein
im Keim erstickt. |
|
Frage an IT-Freiberufler:
Wie viel Prozent schlagen Sie auf Ihren Stundensatz auf, wenn ein
Projekt eine sehr kurze Laufzeit hat? (Durchschnittswert) Frage
an Projektanbieter:
Wie viel Prozent kann ein Freiberufler auf seinen Stundensatz aufschlagen,
wenn ein Projekt eine sehr kurze Laufzeit hat? (Durchschnittswert) |
|
| Jahr |
2006 |
|
2003 |
|
| IT-Freiberufler |
14,0 % |
 |
12,4 % |
 |
| Projektanbieter |
10,5 % |
 |
17,0 % |
 |
|
| |
|
| Handelt es sich um ein sehr kurzes Projekt rechtfertigt
das nach Meinung der Freiberufler einen Stundensatzzuschlag von bis
zu 14 %. Die Projektanbieter halten dagegen 10,5 % mehr Geld für
vollkommen ausreichend. Vor drei Jahren waren die Rollen noch gänzlich
anderes verteilt: Damals waren die freiberuflichen IT-Spezialisten
bei der Kalkulation ihrer Zuschläge sehr viel zaghafter als sie
hätten sein müssen. Jetzt legen sie ein neues Selbstbewusstsein
an den Tag, während die Projektanbieter die Notbremse ziehen.
Diese Beobachtung bestätigt sich auch beim Thema "Rabatte".
|
|
Frage an IT-Freiberufler:
Wie viel Prozent würden Sie einem Projektanbieter Rabatt geben,
wenn ein Projekt eine extrem lange Laufzeit hat? (Durchschnittswert)
Frage an Projektanbieter:
Wie viel Prozent sollte ein Freiberufler Rabatt geben, wenn ein Projekt
eine extrem lange Laufzeit hat? (Durchschnittswert)
|
|
| Jahr |
2006 |
|
2003 |
|
| IT-Freiberufler |
9,7 % |
 |
10,9 % |
 |
| Projektanbieter |
11,0 % |
 |
8,8 % |
 |
|
| Für Projektanbieter und IT-Freiberufler scheint
gleichermaßen zu gelten: Werden sie in die finanzielle Pflicht
genommen, dann möchten sie diese in einem geringeren Rahmen wahrnehmen
als es die Gegenseite erwartet. Und so hätten auch die Anbieter
gerne etwas höhere Rabatte als die Freiberufler geben möchten.
Aber auch das war nicht immer so, denn im Jahr 2003 waren externe
Projektmitarbeiter mit ihren Rabatten großzügiger als von
ihnen erwartet wurde. Eine langfristige Projektauslastung war damals
aufgrund des Überangebots von IT-Spezialisten wie ein Sechser
im Lotto. Meist bestimmte der Preis über den Projektzuschlag,
so dass höhere Rabatte trotz schon geringerer Stundensätze
ein erfolgversprechendes Mittel waren, um den Kunden für sich
zu gewinnen. Seit dem Jahr 2004
hat sich die Auftragslage für freiberufliche IT-Spezialisten
spürbar verbessert und damit natürlich auch ihre Verhandlungsposition.
|
|
Frage an IT-Freiberufler:
Wie viel Prozent lassen Sie vom Stundensatz nach, wenn Sie ein Projekt
im Wesentlichen in Heimarbeit durchführen können? (Durchschnittswert)
Frage an Projektanbieter:
Wie viel Prozent sollte ein Freiberufler vom Stundensatz nachlassen,
wenn er ein Projekt im wesentlichen in Heimarbeit durchführen
könnte? (Durchschnittswert)
|
|
| Jahr |
2006 |
|
2003 |
|
| IT-Freiberufler |
10,7 % |
 |
11,4 % |
 |
| Projektanbieter |
13,3 % |
 |
8,3 % |
 |
|
| |
|
| Für den Luxus, vom Home-Office zu arbeiten, räumt
der Freiberufler seinem Kunden gerne einen Rabatt ein. Dieser bewegt
sich in 2006 mit rund 11 % auf einem ähnlichem Niveau wie noch
2003. Die Projektanbieter dagegen würden für dieses Arbeitsmodell
gerne einen noch höheren Nachlass sehen.
Insgesamt lassen sich folgende Tendenzen feststellen:
In Krisenzeiten gewähren beide Seiten deutlich mehr Verhandlungsspielraum
und nehmen sich mit ihren Forderungen eher zurück. Deutet sich
wirtschaftliche und finanzielle Entspannung an, versucht jede Seite,
soviel wie möglich für sich selbst herauszuholen. Es wird
mehr Selbstbewusstsein bei den Forderungen und höhere Zurückhaltung
bei den Zugeständnissen an den Tag gelegt. Auffällig ist,
dass die gemachten Einschnitte bei den Projektanbietern deutlich
höher ausfallen als bei den IT-Freiberuflern. Der Kampf
ums Honorar wird damit wieder härter. |
|
Kommentare zu diesem Artikel:
|