Bekommen Selbstständige einen Dispo-/ Überziehungskredit von ihrer Bank?

Die wöchentliche GULP Kurzumfrage rund um Beruf und Alltag im IT-/Engineering-Projektmarkt

15.02.2012
GULP Redaktion

Fast Dreiviertel der Teilnehmer an unserer Kurzumfrage bekommen einen Dispositions-Kredit von ihrer Bank, nur 16 Prozent wird keiner eingeräumt. Die meisten könnten also in der Not ihr Konto kurzfristig überziehen. Angeregt wurden wir zu diesem Thema durch eine Diskussion im GULP Forum, in dem ein Selbstständiger mitteilte, dass seine Bank seinen – bislang immer gewährten – Überziehungskredit mit der Begründung kürzte, dass dieser nur bei regelmäßigen Einnahmen aus nichtselbstständiger Arbeit bewilligt würde.

Für einen Dispositionskredit verlangen die meisten Banken keine Sicherheit – außer einem regelmäßigen Zahlungseingang auf das Konto, auf das der Überziehungskredit gewährt wird. Der Kredit wird maximal bis zum Dreifachen des Einkommens eingeräumt. Aus den gleichmäßigen Geldeingängen folgert die Bank, dass der Kontoinhaber (Angestellter, Rentner, Unterhaltsempfänger, etc.) den Dispositionskredit innerhalb höchstens drei Monaten wieder zurückbezahlen kann.

Bei einem Freiberufler gibt es gemeinhin keine regelmäßigen und in etwa gleich hohen Zahlungseingänge. Deswegen ist das Gewähren eines Dispositionskredits nicht so selbstverständlich wie bei Angestellten, sondern es gelten strengere Maßstäbe. Bei manchen Selbstständigen läuft nach dem Wechsel vom Angestellten- ins Freiberuflerdasein alles weiter wie gehabt, anderen jedoch wird der Dispo gestrichen. Ein Selbstständiger hat uns informiert, dass seine Bank ihm mitteilte, dass sie seine Bonität erst genau prüfen müsste, bevor sie ihm wieder einen Dispo-Kredit einräumen könne. Für diese Prüfung benötigte sie die letzten drei Jahresabschlüsse bzw. Gewinnermittlungen, eine aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) seines Unternehmens und die BWA des Vorjahres, sowie den letzten Steuerbescheid inklusive Steuererklärung. Die Bank fügte vorwarnend hinzu, dass die Prüfung mehrere Wochen in Anspruch nehmen könne.

Letztendlich ist es von Bank zu Bank verschieden, ob ein Dispo gewährt wird oder nicht, und wie umfangreich die Bonitätsprüfung ausfällt. Vielleicht wirken sich auch langjährige gute Geschäftsbeziehungen mit der Bank positiv aus. Einige Banken bieten Freiberuflern nur Geschäftskonten an, auf die wiederum ein Kontokorrentkredit eingeräumt werden kann. Glücklich, bei wem es weiterläuft wie bisher – er erspart sich viel Bürokratie. Oder vielmehr: Glücklich, wer erst gar keinen Dispositionskredit braucht – denn durch seine hohen Zinsen ist er das wohl unwirtschaftlichste Mittel, um kurzfristig an Geld zu kommen. Skonto, Inkasso, gar nicht erst so weit kommen lassen: Was machen Sie, wenn Sie einen finanziellen Engpass haben?

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