"Den Seinen gibt es der Herr im Schlaf..."

"... mir leider nicht": Was so alles passiert, wenn der Projektanbieter nicht zahlt.

12.01.2010
GULP Redaktion

Wenn ein Unternehmen oder ein Unternehmer insolvent gehen, kann das viele Ursachen haben: Unzureichende Ausstattung mit Eigenkapital, lasches Inkasso- und Debitorenmanagement, mangelnde Unternehmensplanung, fehlende Absicherung gegen Risiken, suboptimale Unternehmensführung – oder schlechte Zahlungsmoral der Kunden. Gerade Selbstständige kann letzteres hart treffen, vor allem in Zeiten schlechter Auslastung, wenn das eigene Geld "auf der hohen Kante" immer weniger wird. Kurz: Er braucht das Geld. Was so alles passieren kann im Freiberuflerleben, wenn es um das liebe Geld geht, zeigt dieser Artikel.

Dabei soll der Artikel kein verzerrtes Bild von der Welt im IT-Projektmarkt liefern: 77 Prozent der IT-Freiberufler würden für ihren in der GULP Weißen Liste bewerteten Projektanbieter wieder tätig werden und 73 Prozent hatten im Jahr 2009 überhaupt keine Probleme mit der Bezahlung. Aber weh tut es eben, wenn es mal nicht klappt. Dann braucht man Tipps. Hier kommen sie. Vielen Dank an dieser Stelle für Ihre zahlreichen E-Mails, Feedbacks und Kommentare zum Thema über unsere Themenseite.

Zahlungsziel: überschritten

"Leider ist es oft so, dass Vertragspartner versuchen, das Zahlungsziel hinauszuzögern", schrieb uns ein Selbstständiger. "Generell muss ich meinem Geld immer hinterherlaufen. Eine pünktliche Zahlung ist eher die Ausnahme als die Regel", ein anderer. 23 Prozent der IT-Freiberufler hatten im Jahr 2009 Probleme mit der Bezahlung durch den Projektanbieter. Ein tieferer Blick in die Kommentare, die IT-Freelancer in der GULP Weißen Liste abgeben, zeigt, dass die Schwierigkeiten am häufigsten durch verspätete Bezahlung und überschrittene Zahlungsziele entstehen.

Wann ist ein Zahlungsziel überhaupt überschritten? Wann ist mein Schuldner in Verzug? Entweder das wurde vertraglich geregelt – oder aber es gelten die Regelungen des BGB. Der Schuldner einer Entgeltforderung kommt spätestens in Verzug, wenn er nicht innerhalb von 30 Tagen nach Fälligkeit und Zugang einer Rechnung leistet (vergleiche § 286 Abs. 3 BGB ).

Legen Sie das Zahlungsziel immer genau vertraglich fest!

Auch im Themenbereich "Vertragsverhandlungen" in der GULP Weißen Liste werden Zahlungsziele häufig erwähnt, oft sogar als einziger Diskussionspunkt. Freiberufler wünschen sich vor Unterschrift oft eine Verkürzung des vertraglich vereinbarten Zahlungsziels. Was dabei als lang empfunden wird, ist unterschiedlich. Ersichtlich wird: Oft kommt es nicht darauf an, ob nun 25 oder 30 Tage vereinbart sind, sondern ob die Zusagen eingehalten werden, damit es Ihnen nicht so geht wie diesem Kollegen: "Abgesprochen war ein Zahlungsziel von 15 Tagen. Im Vorvertrag standen dann 20 Tage, im gegengezeichneten Vertrag 30 Tage, bezahlt wird nach 30 - 35 Tagen."

Wichtiger als die bare Münze ist das partnerschaftliche Miteinander. Mal braucht der Freiberufler sein Geld etwas früher, mal kann der Projektanbieter erst etwas später zahlen – alles muss möglich sein, wenn beide Parteien an einem Strang ziehen, wie diese Kommentare belegen "Hat nach Absprache auch früher oder später als üblich bezahlt" oder "nach beiderseitigem Übereinkommen wurde die Zahlung erst nach Zahlungseingang durch den Auftraggeber geleistet. Vorschuss wurde angeboten." Ein "sehr faires Miteinander" bescheinigt ein Freelancer seinem Auftraggeber. Oder ein anderer: "Rechnungen dieser Firma wurden immer (pünktlich) bezahlt und bei Problemen rechtzeitig vorher persönlich nachgefragt, ob ein Aufschub für kurze Zeit möglich ist. Gespräche fanden immer offen und ehrlich statt."

Die Wahrscheinlichkeit eines kurzfristigen Zahlungsengpasses ist bei einem großen Projektanbieter viel geringer als bei einem kleinen. Von einer Zusammenarbeit mit den "Großen" profitieren Sie als Freiberufler - in Punkto Liquidität ebenso wie in vielen weiteren der folgenden Bereiche.

Anders herum gesagt, mit den Worten eines Freelancers auf www.gulp.de: "Unmöglich finde ich es, wenn man vom Kunden mit fadenscheinigen Gründen (Rechnung nicht auffindbar, Geld ist angewiesen, Fehler bei Kontonummer etc.) immer wieder vertröstet wird. Auch Kunden billige ich ein Liquiditätsloch zu. Wenn das denn mal offen kommuniziert werden würde, könnte man sich auch drauf einstellen." Die Buchhaltung ist im Urlaub, das Fax hat die Rechnung unleserlich gemacht, die Muttergesellschaft in England braucht so lange, – solche Vorwände können stimmen, müssen aber nicht. Bleiben Sie hartnäckig und erinnern Sie die Personalagentur immer wieder an die offene Rechnung. Zur fairen Kommunikation gehört von Ihrer Seite aus, dass Sie, wenn eine Rechnung nicht beglichen wird, zunächst freundlich anrufen und nachfragen, ob sie angekommen ist. Es kann immer mal sein, dass der Vermitler die Rechnung nicht bekommen hat – weil sie verloren gegangen ist, weil sie auf dem falschen Schreibtisch liegen geblieben ist oder weil Sie sie aus Versehen an die falsche Abteilung geschickt haben.

Seien Sie kompromissbereit, verhandeln Sie gerecht, verstehen Sie auch Ihr Gegenüber, aber setzen Sie durch, was für Sie als Unternehmer überlebenswichtig ist. Fordern Sie Infos und geben Sie Infos.

Manche Projektanbieter denken an ihre eigenen Zinsen und warten mit dem Begleichen Ihrer Rechnung immer bis zum allerletzten Moment. Das ist ihr gutes Recht – wenn es Ihnen zu lange dauert oder sie das Geld dringend ganz kurzfristig brauchen, können Sie solche Unternehmen mit Skonto-Regelungen zum schnelleren Bezahlen animieren. Eventuell müssen Sie Ihren Stundensatz ein bisschen anpassen, damit Sie guten Gewissens jedem Auftraggeber, der eine Rechnung innerhalb einer bestimmten Anzahl von Tagen begleicht, ein paar Prozent Skonto anbieten können (zum Beispiel Zahlungsziel 3 statt 30 Tage, dafür abzüglich 3 Prozent des Rechnungsbetrages). Alternativ machen Sie es so wie dieser IT-Freiberufler in den Vertragsverhandlungen: "Für einen Euro weniger pro Stunde konnte ich ein Zahlungsziel von 14 Tagen aushandeln."

Bieten Sie Skonto an, wenn Sie Ihr Geld kurzfristig benötigen.

Was ist mit solchen Fällen wie diesem hier? "Der Endkunde hat die Zahlung an den Projektanbieter hin und wieder verspätet geleistet, was auch dessen Zahlung an den Freiberufler verzögerte. Die Zahlungen wurden aber stets zu 100 Prozent geleistet." Das ist unüblich – eigentlich ist es Usus, dass der Projektanbieter unabhängig vom Zahlungseingang des Endkunden zahlt. Wenn ein Freelancer sich auf anderes einlässt, ist er schnell bei einem Zahlungsziel von 60 Tagen oder mehr, wenn das des Endkunden und das des Projektanbieters sich aufsummieren. Ausgenommen davon sind Mängel oder schlechte Leistung des Freiberuflers. Verweigert der Kunde die Zahlung, weil der Freelancer Fehler gemacht hat, nicht im Projekt erschienen ist oder sich nicht an sonstige Vereinbarungen gehalten hat, wird der Projektanbieter auch nichts überweisen, bis sich alle Parteien geeinigt haben.

Denken Sie dreimal nach, bevor Sie Vereinbarungen akzeptieren, die besagen, dass der Projektanbieter erst nach Zahlungseingang durch den Endkunden Ihre Rechnung begleicht.

Rechnung: fehlerhaft

Freiberufler geben es nicht gerne zu, aber ein weiterer häufiger Grund für verspätete Zahlungen ist, dass die Selbstständigen ihre Rechnungen nicht rechtzeitig oder nicht fehlerfrei einreichen. Auch das sollte erwähnt werden: Es gibt Freelancer, die ihre Rechnung monatelang nicht einreichen und Projektanbieter und Endkunden die Abrechnung erschweren. Es kommt vor, so unglaublich es klingt, dass der Auftraggeber dem FB wegen der Rechnung hinterherläuft bzw. –telefoniert.

Stellen Sie Ihre Rechnung sorgfältig, zügig und pünktlich.

Manchmal ist an der Rechnung auch etwas falsch – es können sich Rechenfehler eingeschlichen haben oder die Spesenquittung fehlt. Zum Beispiel bei diesem Selbstständigen: "Eine Rechnung wurde nicht bezahlt, weil ein Posten als nicht gerechtfertigt angesehen wurde. Erst nach Nachfragen meinerseits wurde der Posten kritisiert und damit das nicht Bezahlen begründet. Nachdem ich die Rechnung geändert hatte wurde der Rest zumindest bezahlt." Im Idealfall sagt Ihnen der Auftraggeber gleich, was falsch ist. Wenn nicht, liegt der Schlüssel im Nachfragen: Wenn ein Projektanbieter mit Ihrer Rechnung unzufrieden ist, müssen Sie herausfinden, warum. Vielleicht brauchen Sie ihm nur ein bisschen entgegenzukommen und er bezahlt die Rechnung: "Ein Teil der geleisteten Beratungstätigkeit wurde nach Rechnungsstellung als Pre-Sales eingestuft und von der Rechnung gestrichen, bzw. darum gebeten, dass ich ersatzweise eine neue Rechnung mit dem gekürzten Betrag ausstelle, die der Kunde dann sofort zahlen wird. Wurde aber erst nach erster Rückfrage gesagt, nachdem die Rechnungszahlung angemahnt wurde."

Seien Sie kritikfähig, wenn es um Ihre Rechnung geht. Und in begründeten Fällen sogar kompromissbereit. Halten Sie sich bei der Rechnung an die Vorgaben des jeweiligen Projektanbieters, auch wenn es vielleicht aufwändig ist.

Leistung des Freiberuflers: mangelhaft

Schwieriger wird es, wie angedeutet, wenn der Kunde die Zahlung verweigert und als Grund mangelhafte Leistung des Freiberuflers angibt.

Bestehen Sie im Vorfeld auf eine genaue Beschreibung Ihrer Aufgabe im Vertrag. Auf die können Sie sich bei Kritik an Ihrer Leistung berufen.

Dann lässt sich solches vermeiden: "Ich habe Konzeptionen erstellt. Bezahlt wurde nicht mit der Begründung, dass Presales free of charge sei. Presales war für mich aber definitiv abgeschlossen, da ich konzeptionell und beratend für das Unternehmen tätig geworden war. Sprich das Know-how wurde von mir gekauft, aber nicht bezahlt."

"Keine Vergütung nach drei Tagen Projekteinsatz wegen Faulheit": Bei Begründungen wie diesen kann nur der Freiberufler selbst wissen, ob das nur ein Vorwand seitens des Kunden ist oder die Kritik an seiner Leistung berechtigt sein könnte. Falls letzteres, sollten Sie unbedingt versuchen, zu einer Einigung zu kommen, indem Sie sich mit den betroffenen Parteien zusammensetzen und verhandeln. Dann bekommen Sie meist doch noch das Geld, das Ihnen – abzüglich des Fehlers – zusteht. Bei anderen Freiberuflern trug sich das folgendermaßen zu:

"Ich bin zweimal nicht bezahlt worden. Im ersten Fall hat der Endkunde vier Tage vor dem geplanten Milestone mich unter dem Vorwand nach Hause geschickt, dass die Leistung nicht erbracht worden ist. Mein Einwand, dass es noch vier Tage bis zum Milestone sind und die Leistung zu dem Zeitpunkt pünktlich geliefert wird, wurde nicht beachtet. Man verweigerte mir weiteren Zugriff auf alle Systeme, so dass der Milestone tatsächlich nicht fertig wurde. Alle Vorschläge, die Leistung doch zu liefern wurden abgelehnt. Der eigentliche Grund war aber, dass der Endkunde den erhofften Auftrag nicht erhielt, meine Dienste nicht mehr brauchte und die bereits geleistete Arbeit nicht bezahlen wollte. Und da der Projektvermittler nach zwei Jahren Gerichtsverhandlung pleiteging, bin ich noch auf den Gerichtskosten sitzen geblieben. Im zweiten Fall stellte der Endkunde nach sechs Monaten fest, dass die Projektplanung falsch war und das Budget bereits ausgeschöpft ist. Der zuständige Bereichsleiter der Kunden bekam eine Abmahnung und den externen Beratern wurde die Auszahlung verweigert mit der Begründung, dass sie schlecht gearbeitet haben, obwohl die Leistung von den Kunden bereits abgenommen worden war. Daraufhin lehnte auch der Projektvermittler, trotz der Abnahme, die Zahlung ab. Es ging um noch ausstehende 6.000,- Euro und es wurde mit dem Projektvermittler eine Einigung erzielt, den Schaden zu teilen. Ich bekam 3.000 Euro."

"Die Vergütung wurde während der Laufzeit pünktlich bezahlt, allerdings nicht die gesamte Summe. Die letzte Zahlung blieb dann ganz aus. Am Ende wurde sogar abgestritten, dass ich überhaupt da war."

Oder so: "Ein Vorstandsmitglied war auf einmal mit dem zu erstellenden Business Case für die Einführung von Service Management nicht einverstanden, obwohl er den Case vorher geprüft und in kleinem Kreis für gut befunden hat. Daraufhin verweigerte der Kunde die Zahlung, ich war aber schon vom Projektvermittler bezahlt worden."

Und so: "Die Firma bestätigte die Anweisung einer Abschlagszahlung in der letzten Woche der Durchführung einer Schulung, 9 Tage später bekam ich auf Anfrage die Mitteilung, dass die die Zahlung nicht durchgeführt wurde, da man mit meiner Leistung als Dozent nicht zufrieden war. Die Finanzlage scheint schwierig zu sein, da die Hausbank Überweisungsaufträge nach meinen Informationen nur mit Verzögerung ausführt."

Wenn die Kritik an Ihrer Leistung nicht berechtigt ist: Holen Sie in solch einem Fall Informationen über das Unternehmen ein, um herauszufinden, warum es nicht zahlen kann oder will. Erst wenn Sie das wissen, können Sie etwas unternehmen. Wenn es zahlungsunfähig ist, siehe Punkt " Insolvenz".

Vertrag: nicht für die Ewigkeit

Der Vertrag ist unter Dach und Fach – aber selbst dann sind Sie nicht auf der sicheren Seite. Manche Dinge kommen erst nach und nach ans Tageslicht, manche ändern sich während des Auftrags. Zum Beispiel, wenn der Endkunde den Freiberufler auffordert, den Stundensatz zu senken.

Holen Sie sich vor Projektbeginn so viele Informationen von Projektanbieter und Endkunden wie möglich. Stellen Sie sich im Laufe der Zeit eine Liste mit Fragen zusammen, die alle geklärt sein müssen, bevor Sie ein Projekt beginnen.

  • Für wie viele Stunden pro Tag/Woche/Monat werden Sie bezahlt? Wird Wochenendeschichtarbeit bezahlt? Vorsicht – nicht, dass Sie umsonst arbeiten.
  • Es sind wirklich Stunden- und nicht Tagessätze vereinbart?

 

Ein Beispiel: "Ich habe durchschnittlich mehr als 12 Stunden pro Tag gearbeitet. Dem Endkunden habe ich wöchentlich über den Projektfortschritt berichtet (mit Stundenangaben). Sie haben sich immer gefreut, dass ich so lange arbeite und mich für die Firma einsetze. Der Endkunde sollte meine Stundenzettel monatlich unterschreiben, damit ich die Rechnung an den Projektanbieter stellen kann. Erst nach 2,5 Monaten, nachdem ich fast mit dem Projekt fertig war, erzählt der Endkunde mir, dass er mit dem Vermittler lediglich Tagessatzbasis vereinbart hätte und mir daher nur je Tag 8 Stunden bestätigen können. Auf meine Frage, warum sie so lang damit gewartet hätten und mich trotzdem mehr als 8 Stunden arbeiten ließen, folgte Achselzucken... Nun beschäftigt sich mein Rechtsanwalt damit."
 

  • Werden von Ihrer Arbeitszeit Pausen abgezogen? Freiberufler unterstehen nicht dem Arbeitszeitgesetz.
  • Gibt es Rabattklauseln (je länger ein Freiberufler für einen Kunden tätig ist, desto weniger bekommt er ausbezahlt)?
  • Haben Sie einen Werk- oder einen Dienstvertrag ausgemacht und einen solchen auch wirklich in der Hand? Die Bezeichnung eines Vertrags als Werk- oder Dienstvertrag ist lediglich ein Anhaltspunkt. Maßgeblich sind die Idee hinter dem Vertrag und der tatsächliche Wille der Parteien.
  • Was passiert bei einem vorzeitigen Projektende oder –abbruch durch den Endkunden? Gibt es eine Entschädigung für Sie?
  • Spesen und Reisekosten werden erstattet? Schön – haben Sie das schriftlich? War diejenige Person, die Ihnen das zugesagt hat (z.B. Projektleiter) auch dazu befugt?
  • Bei einem Projekt im Ausland: Haben Sie alle nötigen Papiere wie Aufenthaltsgenehmigungen beziehungsweise bekommen Sie sie vor Projektantritt noch?
  • Welche Kündigungsfristen sind vereinbart?


"In einem Projekt, welches bis Ende 2010 geplant war, bat man mich, alle meine "anderen" Kunden abzugeben um maximal flexibel für dieses Projekt zu sein. Ich habe daraufhin alle anderen Kunden in gute Hände abgegeben. Wenige Tage nach meiner "Vollzugsmeldung" wurde ich aus meinem "langfristigen" Vertrag entlassen. Danke lieber Kunde! Solche Kunden wünsche ich Dir auch!"

Zahlung: nicht (mehr) möglich

Schlechter sieht es aus, wenn der Vermittler nicht mehr zahlen kann: "Einmal hat einer meiner Vermittler die Insolvenz beantragt und die Hälfte eines Monats habe ich nicht bezahlt bekommen. Nach der Aussage des Vermittlers hat ein Kunde, eine große Firma, zu spät bezahlt." Ein anderer Freiberufler berichtet: "Mein Zwischenhändler hat pleite gemacht. So habe ich eineinhalb Monate verloren."

Zahlungsunfähigkeit kann vorübergehend sein und muss nicht immer gleich Insolvenz bedeuten. Es kann sein, dass der Vermittler derzeit einfach kein Geld hat, Ihre Rechnung zu bezahlen. Das kann in Zeiten schlechter Zahlungsmoral selbst den guten Unternehmen passieren und kann im Gespräch geklärt werden. Wenn es ein ehrlicher Geschäftspartner ist, wird er das zugeben.

Bei Zahlungsengpässen des Projektanbieters ist Ihr oberstes Ziel: Möglichst alles vom Geld doch noch bekommen.

Fragen Sie den Vermittler, was für eine Lösung er vorschlägt. Ansonsten bieten Sie ihm Ratenzahlung an. So bekommen Sie Ihr Geld immerhin Stück für Stück, erhalten sich den Projektanbieter und sparen sich Ärger. Wenn Sie das Geld nicht dringend sofort benötigen, können Sie auch einen späteren Zahlzeitpunkt vereinbaren. Hat ihr Auftraggeber Produkte und Dienstleistungen zu bieten, die Sie brauchen können? In diesem seltenen Fall schlagen Sie ein Tauschgeschäft vor.

Sie können es im Vorfeld vermeiden mit einem insolvenzgefährdeten Unternehmen zusammenzuarbeiten, indem Sie vorher Informationen einholen. Wie viel Aufwand sich dafür lohnt, hängt von der Größe des Auftrags ab, also davon, wie viel Sie in dem Projekt insgesamt verdienen werden können.

Am Anfang steht: Hören Sie sich bei Kollegen um, befragen Sie andere Freiberufler zu ihren Erfahrungen mit Endkunde und Projektanbieter. Werfen Sie einen Blick in die GULP Weiße Liste . Sie können auch bei einem Verband oder eventuell bei der Industrie- und Handelskammer Informationen einholen. Vor allem Verbände kennen die Branche ganz genau.

Ein Blick in den Handelsregisterauszug sagt Ihnen: Was ist aus der Firma geworden? Springen dauernd Gesellschafter ab? Ändert sich häufig die Geschäftsführung? War früher der Mann Geschäftsführer, jetzt die Frau? Indizien dafür, dass etwas nicht stimmt. Ist in der Schufa-Auskunft eine eidesstattliche Versicherung eingetragen, ist das ein Zeichen für große Zahlungsschwierigkeiten. Auch Insolvenzen sind dort aufgeführt.

"Ich bin auch schon einmal nicht bezahlt worden. Über den Weg Amtsgericht und Gerichtsvollzieher bin ich dann letztlich doch noch zu meinem Geld gekommen, obwohl der Geschäftsführer behauptete, es gehöre inzwischen alles seiner Frau. Eine Bankverbindung, die ich an anderer Stelle im Internet recherchiert habe und die tatsächlich auf den Namen des Geschäftsführers lief und auf die ab und zu etwas Geld einging, war mein Glück."

Übrigens: Wenn der Auftraggeber zum Zeitpunkt der Auftragsvergabe wusste oder wissen musste, dass er diesen Auftrag nicht bezahlen kann, macht er sich strafbar. Unter Umständen war das in diesem Fall so: "Zwei Wochen vor Anmeldung der Insolvenz wollte man einen Folgeauftrag mit mir abschließen. Erst nachdem ich mich geweigert habe einen neuen Vertrag abzuschließen solange der geleistete Vertrag nicht bezahlt wurde, kamen die Zahlungsschwierigkeiten ans Licht."

Unter bestimmten Umständen kommt also auch ein Strafverfahren in Frage. Ein Anwalt hilft Ihnen hier weiter. Wirkungsvoll kann das strafrechtliche Handeln als Druckmittel benutzt werden. Machen Sie dem Projektanbieter klar: Wenn Sie jetzt nicht zahlen, haben Sie eine strafbare Handlung begangen und ich könnte Sie anzeigen. Davon haben wir beide nichts als Ärger, also: Wie können wir uns einigen?

GULP Anwaltsverzeichnis: Von IT-Freiberuflern empfohlene Anwälte in Ihrer Umgebung

Konsequenz: mahnen

Sollten Vorsichtsmaßnahmen, Telefonate, Gespräche, Raten und Zahlungsaufschübe nicht gefruchtet haben oder Sie einem Schwarzen Schaf aufgesessen sein, bleiben Ihnen Zahlungserinnerungen und Mahnungen. Zum Beispiel nach folgender Vorgehensweise – die gesetzlich nicht festgeschrieben ist:
 

  • Zahlungserinnerung: Schriftlich, sehr freundlich, denn ein Versehen des Projektanbieters lässt sich nicht ausschließen und Sie wollen die Geschäftsbeziehung zum Vermittler nicht zerstören


"Immer öfter sende ich 1. Zahlungserinnerung, dann 2. Zahlungserinnerung... dann habe ich auf meiner Rechnung geschrieben: 'Den Seinen gibt es der Herr im Schlaf - mir leider nicht. Darum bin auf Ihre pünktliche Zahlung angewiesen!', und warte, ob das hilft."
 

  • Mahnung: Es hat sich etabliert drei Mahnstufen einzuhalten, das ist weder bindend noch gesetzlich festgesetzt. Mahnung heißt, dass der Schuldner ab dem Zeitpunkt in Zahlungsverzug gerät (wenn er nicht schon laut BGB in Verzug geraten ist, siehe oben). Eine Zahlungserinnerung ist rechtlich gesehen wie eine Mahnung zu bewerten, das heißt, durch sie gerät der Schuldner auch schon in Verzug. Der Verzug löst verschiedene Rechtsfolgen aus, vor allem die Schadensersatzpflicht des Schuldners, Verzugszinsen und so weiter. Ihr Ton sollte von Mahnung zu Mahnung unmissverständlicher werden.

Es gibt nichts Unwirksameres, als seinen Emotionen und seiner Wut in einer Zahlungserinnerung oder in einem Telefonat Luft zu machen. Bleiben Sie ruhig und sachlich!

  • Wenn die Mahnungen nicht fruchten, macht ein Anwaltsschreiben unmissverständlich klar, dass das die letzte Möglichkeit vor dem Gerichtsverfahren ist, die Schulden zu bezahlen. Wenn der Vermittler immer noch nicht zahlt, kann Klage eingereicht werden. Eine Klageschrift im Briefkasten hat schon viele veranlasst, die Schulden doch noch zu zahlen (dann erübrigt sich das Gerichtsverfahren).

Dazu ein Kommentar eines Freiberuflers: "Mir wurde einmal für den letzten Monat der entsprechende Betrag für meine Arbeit nicht bezahlt. Dank der Unterstützung von GULP wurde mir zumindest die Hälfte des Betrags überwiesen. Der Rechtsanwalt verfasste ein Schreiben an den damaligen Vertragspartner, was anscheinend mehr Eindruck machte als Gespräche."

Eine andere mögliche Konsequenz, die ein IT-Freiberufler ziehen kann, ist, das Projekt zu verlassen. Das sollte aber nur geschehen, wenn Gespräche und Verhandlungen gescheitert sind und die Situation ausweglos ist. Mit Endkunde und Projektanbieter wird er danach wohl nicht mehr ins Geschäft kommen – wenn er das überhaupt noch will. Ein Selbstständiger schrieb uns: "Für Einsteiger mag die Hürde hoch sein, das Projekt bei nicht fristgerechter Zahlung vorzeitig zu beenden. Das Geld wird ja schon kommen. Nach einem Zahlungsverzug von gut drei Monaten und etlichen Ausflüchten meines Auftraggebers bin ich fristlos ausgestiegen. Das ist viele Jahre her. Seitdem bin ich ein gebranntes Kind und sehr penibel, was die Zahlungen angeht. Meine Leistung gibt es auch sofort und in vollem Umfang. Daher dann lieber ein Ende mit Schrecken..."

Oder so: "Also ich verstehe diese ganze Jammerei nicht. Ich habe immer ein festes Zahlungsziel in meinen Verträgen (zwischen 14 Tagen bis 4 Wochen nach Rechnungsstellung) und wenn am letztmöglichen Tag das Geld nicht auf dem Konto ist (was sehr selten vorgekommen ist), stehe ich am nächsten Tag beim Endkunden mit bedauerndem Gesicht und teile ihm mit, dass ich nun leider die Arbeit einstellen muss, da meine Rechnung nicht bezahlt wurde. Und siehe da, ein Tag später ist das Geld auf meinem Konto. Das hat bis auf einen Fall, in dem ich mir mein Geld auf gerichtlichem Weg holen musste, immer hervorragend funktioniert."

 

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Von Freiberuflern für Freiberufler:

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