Umfrage-Ergebnis

Freiberufler-Honorare im Aufwind

21.01.2011
GULP Redaktion

Die IT-Freiberufler verlangen in den Augen der Projektanbieter zu hohe Stundensätze und haben dabei selbst das Gefühl, sich unter Wert zu verkaufen. Margen sind ein Tabuthema, über das keiner spricht. Projektanbieter wünschen sich, dass die Stundensätze sinken, Freiberufler hätten sie gerne höher. Soweit die Klischees. Dass die Kluft zwischen Freiberuflern und Projektanbietern nicht so groß ist, wie manche fürchten, zeigt diese zehnte Auflage der GULP Stundensatz-Umfrage. Die wichtigste Nachricht vorweg: Die Stundensätze der IT-Freelancer werden künftig steigen. Das ist zumindest die Meinung der Mehrheit der 359 Freiberufler und 43 Projektanbieter, die an der GULP Umfrage im November und Dezember 2010 teilgenommen haben. Allerdings könnte sich bald die Diskrepanz zwischen Stundensatzforderungen und gezahlten Honoraren vergrößern.

Wie werden sich die Stundensätze in absehbarer Zeit entwickeln?

Werden-die-Stundensaetze-in-absehbarer-Zeit-sinken-FB-2010
Werden-die-Stundensaetze-in-absehbarer-Zeit-sinken-PA-2010

Zwei Drittel der IT-Freiberufler und mehr als die Hälfte der Projektanbieter sind der Meinung, dass die Honorare der IT-Freelancer in absehbarer Zukunft steigen werden. Das war Anfang 2009 ganz anders: Da dachte nur jeweils etwa ein Fünftel daran, dass es bergauf gehen könnte. Kein Wunder, dieses Mal ist der IT-Projektmarkt eindeutig mehr im Aufwind: Der GULP IT-Projektmarktindex 2010 steigerte sich gegenüber der Vorjahresbilanz um 35 Prozent. 2010 wurden über GULP insgesamt 134.669 Projektanfragen an IT-Selbstständige zugestellt – das ist nach 2008 die zweithöchste Jahresendsumme an Projektangeboten in der Geschichte von GULP. Nach dem Ausnahme-Jahr 2009 setzt sich nun der Trend von 2008 fort, als wäre (fast) nichts gewesen. Ein Vergleich der Antworten 2008 und 2010 in den beiden obigen Grafiken zeigt: Vor allem bei den IT-Freiberuflern sind sich die Balken erstaunlich ähnlich.

Bevorzugen Sie nach Festpreis oder Aufwand bezahlte Projekte?

Bevorzugen-Sie-nach-Festpreis-oder-Aufwand-bezahlte-Projekte-FB-2010
Bevorzugen-Sie-nach-Festpreis-oder-Aufwand-bezahlte-Projekte-PA-2010

Werden Projekte nach Festpreis bezahlt, bedeutet das für die Projektanbieter oder Einkäufer eine höhere Planungssicherheit. Für den Freiberufler wiederum ist das unternehmerische Risiko unter Umständen höher – vor allem unerfahrenere Freelancer haben manchmal Schwierigkeiten damit, den Aufwand eines Projektes schon im Vorhinein abzuschätzen. Das gehört zu den klassischen Unwägbarkeiten in IT-Projekten.

Bei der gleichen Umfrage im Jahr 2001 favorisierten übrigens 32 Prozent der Projektanbieter die Bezahlung nach Festpreis – seitdem hat sich dieser Anteil mehr als halbiert (14 Prozent). Etwa Dreiviertel von ihnen ist aktuell eine Bezahlung nach Aufwand lieber. Bei den Freiberuflern sind die Prioritäten seit jeher klar: 83 Prozent von ihnen werden gerne nach Aufwand bezahlt – diese Art der Bezahlung ist für sie in der Regel lukrativer.

Wie hoch liegen durchschnittlich die Margen? (Stundensatz des Endkunden minus Stundensatz des Freiberuflers)

Wie-hoch-liegen-durchschnittlich-die-Margen-FB-2010
Wie-hoch-liegen-durchschnittlich-die-Margen-PA-2010

Auch wenn es sich in der öffentlichen Diskussion oft anders anhört: IT-Freelancer sind seit 2004 fast kontinuierlich der Meinung, dass die Margen der Vermittler niedriger werden. Sie sanken von 26,50 Euro im Jahr 2004 auf aktuell 22,70 Euro. Aktuell trennen die Projektanbieter und die Freiberufler nur 70 Cent, denn die Projektanbieter gaben an, dass die Margen derzeit durchschnittlich 22 Euro betragen. Das sind allerdings knapp zwei Euro mehr als im letzten Jahr. Zu beachten ist hier, dass an der aktuellen Umfrage 43 Projektanbieter teilgenommen haben und im letzten Jahr 36. Bei den Freiberuflern liegen die Teilnehmerzahlen um einiges höher (300 bzw. 359), sodass die Daten hier natürlich aussagekräftiger sind. Einen Haken gibt es allerdings auch hier: Nur einige Freelancer wissen die Margen genau – manche schätzen sie (siehe Punkt „ Nennen Projektanbieter einem Freiberufler auf Anfrage, wie viel sie für ihn beim Endkunden fakturieren?“)

An dieser Stelle ein Aufruf an die Projektanbieter: Nehmen Sie an der aktuellen GULP Umfrage teil!

Zur Projektanbieter-Umfrage

 

Liebe Freiberufler: Auch über Ihre Teilnahme freuen wir uns wie immer sehr.
Zur Freiberufler-Umfrage

Verdienen Freiberufler zu viel im Vergleich zu ihren festangestellten Kollegen?

Verdienen-Freiberufler-zuviel-im-Vergleich-zu-ihren-festangestellten-Kollegen-FB-2010
Verdienen-Freiberufler-zuviel-im-Vergleich-zu-ihren-festangestellten-Kollegen-PA-2010

Knapp die Hälfte der IT-Freiberufler ist der Meinung: IT-Freiberufler verdienen zu wenig im Vergleich zu ihren festangestellten Kollegen. 2009 dachten das nur 37 Prozent der Freelancer. Das Krisenjahr 2009 hat scheinbar langfristige Spuren hinterlassen – die aber durch einen zukünftigen Honorar-Aufschwung verwischt werden könnten.

Bei den Projektanbietern hat sich auch etwas getan: Zwar denken weiter 8 Prozent, dass Freiberufler zu wenig verdienen. Allerdings ist mit 48 Prozent die relative Mehrheit der Ansicht, dass Freiberufler im Vergleich zu Festangestellten zu hohe Stundensätze bekommen (im Vergleich zu 36 Prozent 2009).

Bei einer anderen GULP Umfrage im November 2008 übrigens waren IT-Freiberufler und Projektanbieter sich einig: Dem Freiberufler bleibt unterm Strich mehr zum Leben übrig als dem Festangestellten.

Welche Stundensätze erzielen Ihre Freiberufler-Kollegen?

Tragen Sie die Daten Ihres aktuellen oder letzten Projekts in die Liste " Stundensätze in der Praxis" ein und vergleichen Sie Ihre Werte direkt mit den Honoraren, die Ihre Kollegen erzielt haben.

Nennen Projektanbieter einem Freiberufler auf Anfrage, wie viel sie für ihn beim Endkunden fakturieren?

Wie-viel-wurde-beim-Endkunden-fakturiert-FB-2010
Wie-viel-wurde-beim-Endkunden-fakturiert-PA-2010

Der Prozentsatz der IT-Freiberufler, die angeben, dass die Projektanbieter nennen, wie viel sie beim Endkunden fakturieren, stieg über die letzten Jahre hinweg leicht. Aktuell sind 36 Prozent der IT-Freiberufler dieser Meinung – aber 54 Prozent der Projektanbieter. Projektanbieter erscheinen den IT-Freiberuflern also intransparenter als sie sich selbst fühlen. Hier sei aber noch einmal der Hinweis auf die niedrigere Teilnehmerzahl bei den Projektanbietern gegeben. Es ist auch anzunehmen, dass eher die transparenteren Projektanbieter an Umfragen teilnehmen.

Wie liegen Freiberufler mit ihren Stundensatzforderungen?

Wie-liegen-Freiberufler-mit-ihren-Stundensatzforderungen-FB-2010
Wie-liegen-Freiberufler-mit-ihren-Stundensatzforderungen-PA-2010

38 Prozent der IT-Freelancer denken, dass sie und ihre Kollegen mit ihren Stundensätzen eher zu niedrig liegen. Das ist der höchste Prozentsatz seit 2001. Gleichzeitig meinen 72 Prozent der Projektanbieter, dass die Selbstständigen mit ihren Sätzen eher zu hoch liegen. Das ist der höchste Prozentsatz seit Beginn der Stundensatz-Umfrage bei GULP im Jahr 2000. Verstärkt sich die Diskrepanz zwischen Stundensatzforderungen und gezahlten Honoraren? Wohin werden sich die Freiberufler-Stundensätze entwickeln? Im Februar 2011 wird die große GULP Stundensatz-Auswertung aktualisiert – wie jedes halbe Jahr. Dann wird sich zeigen, ob sich der Aufwärtstrend von August 2010 fortsetzt.

Zum Vergleich: Frühere GULP Umfragen zum Thema Stundensatz:

GULP Feedback: Ihre Meinung ist uns wichtig

Gerne sind wir für Ihre Anregungen, Wünsche, Ideen und selbstverständlich auch Kritik offen. Leider können wir Ihnen jedoch noch keine Kommentarfunktion anbieten. Sie erreichen uns per Mail unter redaktion@gulp.de.