|
Die Erfahrungen beim Einsatz der Green Card und die Bewertung
der Zusammenarbeit mit diesen ausländischen IT-Fachkräften
standen im Interesse der Online-Umfrage der Freiberuflerbörse
www.gulp.de. Die knapp 250 Teilnehmer aus dem IT-Projektmarkt sind
vom praktischen Nutzen der Initiative wenig überzeugt.
Die Green-Card-Regelung der Bundesregierung, die den von Unternehmen
und Verbänden beklagten anhaltenden Fachkräftemangel der
IT-Branche lindern soll, gilt seit August 2000. Seitdem wurden rund
10.000 ausländische IT-Spezialisten angeworben, vornehmlich
aus Indien und den osteuropäischen Staaten. Im November 2001
gab die Bundesregierung weitere 10.000 befristete Arbeitserlaubnisse
für IT-Experten frei.
Während das Arbeitsministerium davon spricht, dass die angeworbenen
Fachkräfte "mit großem Erfolg tätig geworden"
seien und der Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft
erklärt, die Green Card für IT-Spezialisten "habe
die Erwartungen der mittelständischen Wirtschaft mehr als erfüllt",
sieht die Mehrheit der Teilnehmer der GULP Umfrage die Green Card
vorwiegend kritisch.
46 Prozent der Umfrageteilnehmer hatten bereits IT-Fachkräfte
aus Indien oder Osteuropa in einem Projekt eingesetzt. Trotz des
großen Angebots an externen Personalvermittlern nahmen nur
38 Prozent deren Dienstleistungen für die Kontaktaufnahme zu
den Green Card-Kandidaten in Anspruch. 82 Prozent von diesen gaben
zudem an, dass sie mit den Leistungen der Personalvermittler nicht
zufrieden waren.
Auch die eingesetzten Experten selbst konnten die Erwartungen zumeist
nicht erfüllen. Das Ergebnis ist eindeutig: Drei Viertel der
Teilnehmer antworteten, dass die Leistungen der Green Card IT-Experten
nicht ihren Anforderungen entsprachen.
Die erste GULP-Umfrage zum Thema Green Card vom Mai 2000 gibt eine
mögliche Antwort darauf. Die Teilnehmer befürchteten,
dass trotz hoher Motivation interkulturelle Differenzen und sprachliche
Barrieren den Einsatz und die Leistung der Green Cardler einschränken.
Diese Einschätzung wird durch den Teamleiter IT-Industrie beim
IG-Metall-Vorstand in Frankfurt bestärkt: "Gute deutsche
Sprachkenntnisse sind unerlässlich, um mit den Mitarbeitern
und noch mehr mit den Kunden kommunizieren zu können. Englisch
reicht da nicht."
Aus welchen Gründen auch immer: 77 Prozent der Teilnehmer
der aktuellen Umfrage sahen das Preis-/Leistungs-Verhältnis
beim Einsatz inländischer IT-Freiberufler als besser an.
2.552 Zeichen
|