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Pressemitteilung 16. Mai 2002
 
Das Märchen von den sinkenden Stundensätzen
 

Schwere Zeiten für IT-Dienstleister. IT-Budgets werden eingefroren, Projekte auf unbestimmte Zeit verschoben, externe Mitarbeiter en gros freigestellt, interne entlassen. Die Anzahl der über GULP vermittelten Projekte ist im Jahr 2002 um 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Angebot und Nachfrage diktieren den Markt. Um an eines der begehrten Projekte zu kommen, heißt es also, den Gürtel enger zu schnallen. Deutliche Zugeständnisse im geforderten Stundensatz sind gefragt! So weit die Theorie. In der Praxis sieht es anders aus...

Die Stundensatzauswertung
Über 30.000 IT-Freiberufler aus dem deutschsprachigen Raum haben ihre Profile bei www.gulp.de eingetragen, täglich aktualisieren ca. 400 davon ihre Daten. Neben dem eigentlichen Zweck - der Suche nach Projektmitarbeitern - können aufgrund dieser Aktualität und der Marktabdeckung von 88 Prozent zeitnahe und fundierte Aussagen zu Trends, Qualifikationen und eben auch zu Stundensätzen getroffen werden.

Welchen Stundensatz fordern also Freiberufler derzeit in Deutschland?

Grafik Stundensatzforderungen

Entwicklung der Stundensatzforderungen in Deutschland.

Der rasante Anstieg aus den Boomzeiten (speziell August 98 und August 2000) ist vorbei, aber von einem Einbruch bei den Stundensatzforderungen kann keine Rede sein. Im Gegenteil: Im Februar 2002 forderten Freiberufler um 1 EUR mehr als vor 6 Monaten. Die in den Profilen angegebenen Stundensätze, auf denen diese Auswertung beruht, stellen die Forderungen der Freiberufler dar. Welche Stundensätze werden tatsächlich in der Praxis erzielt? Lassen die Freiberufler in punkto Honorarforderung mit sich handeln?

Die Umfrage
"Wie ist Ihr aktueller Stundensatz im Vergleich zu dem vor 12 Monaten?" Im März 2002 haben wir diese Frage 807 Freiberuflern gestellt. Gleichzeitig wollten wir wissen, wie die Freiberufler die Lage bei ihren Kollegen einschätzen. Hier das Ergebnis:

Grafik Entwicklung des Stundensatzes

Umfrage "Wie liegt Ihr Stundensatz im Vergleich zu dem vor 12 Monaten?
Wie schätzen Sie das bei anderen Freiberuflern ein?"

Bei 40% der Freiberufler ist der Stundensatz identisch geblieben. Der Anzahl derer, bei denen der Stundensatz gesunken ist, steht praktisch die gleiche Anzahl gegenüber, bei denen der Stundensatz gestiegen ist. Im statistischen Mittel ist der realisierte Stundensatz demnach seit einem Jahr um 32 Cent gefallen, also defacto gleich geblieben.

Offenbar schätzen die Freiberufler die Lage ihrer Kollegen zu unrecht zu pessimistisch ein. 52% glauben, dass alle Freiberufler insgesamt weniger verdienen als vor einem Jahr, tatsächlich ist dies aber nur in 30% der Fälle so.

Einen bestimmten Stundensatz zu fordern und darauf zu beharren, beweist zumindest Rückgrat. Aber was sind die Konsequenzen dieses Verhaltens? Steht man dann letztlich ohne Projekt da, weil immer diejenigen den Zuschlag erhalten, die sich am günstigsten anbieten?

Wem werden Projekte angeboten?
Wie viele Freiberufler fordern welche Stundensätze und wie viele Projektanfragen erhalten Sie?

Grafik Vergleich Stundensatzforderung - Projektangebote

Freiberufler mit welchen Stundensatzforderungen erhalten wie viele Angebote?

IT-Freiberufler, die bereit sind, für einen Stundensatz bis 69 EUR zu arbeiten, werden von Projektanbietern nicht so häufig kontaktiert. 37 Prozent der IT-Freiberufler verlangen Honorare bis 69 EUR, doch entfallen im Februar 2002 nur 29 Prozent der Projektanfragen auf diese Gruppe. Wer dagegen zwischen 70 und 79 EUR verlangt, der kann recht leicht ein passendes Projekt finden, denn hier übertrifft der Anteil der Projektanfragen deutlich die Anzahl der Freiberufler. Die besten Chancen haben Freiberufler mit Honoraren zwischen 80 und 89 EUR.

60 Prozent der Projektanfragen gingen an Freiberufler mit einem Stundensatz zwischen 70 und 99 EUR, doch auf Freiberufler-Seite finden sich nur 51 Prozent, die hier ihr Honorar ansetzen. Ab einem Stundensatz von 100 EUR wird das Verhältnis wieder ungünstiger - den 11 Prozent Projektanfragen stehen 12 Prozent Freiberufler gegenüber.

Hat es eine Verschiebung seit Anfang 2001 gegeben? Werden vermehrt günstigere Freiberufler kontaktiert?

Grafik Projektangebote in %

Projektangebote je Stundensatz

Das Gegenteil ist richtig. Freiberufler mit einem Stundensatz bis 79 EUR werden jetzt weniger kontaktiert als vor einem Jahr, während Freiberufler ab 80 EUR deutlich mehr Angebote erhalten. Wie ist diese Entwicklung zu erklären? Sollte ein Freiberufler seinen Stundensatz erhöhen, um an Projektangebote zu kommen?

Interpretation und Fazit
Sucht ein Unternehmen eine rare Spezialqualifikation, über die die eigenen Mitarbeiter nicht verfügen, dann ist es auch zu einer angemessenen Entlohnung bereit. Qualität hat ihren Preis. In diesem Marktsegment steigen die Stundensätze auch weiterhin an, Angebot und Nachfrage diktieren den Markt.

Gängige Anforderungen werden jedoch hauptsächlich mit internen Mitarbeitern abgedeckt. Früher kamen Dienstleister in diesen Projekten zum Einsatz, weil der Kunde nicht über genügend interne Mitarbeiter verfügte, um alle geplanten Projekte umzusetzen. Bedingt durch die Projektbremse stehen nun mehr als genug eigene Kapazitäten bereit. Egal welchen Dumping-Stundensatz ein externer Dienstleister auch immer anbietet, mit den internen Mitarbeitern des Kunden kann er nicht konkurrieren.

Fazit: Der in den letzten Jahren konstante Anstieg der Stundensätze von externen IT-Dienstleistern ist gebremst und hat sich auf einem konstanten Niveau eingependelt. Das Anbieten von IT-Dienstleistungen zu Dumpingpreisen ist kein geeignetes Mittel, um an neue Aufträge zu kommen.

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